2009-09-26

Die stärkste Kraft

Von traumperlentaucher @ 15:46 [ Traumgeschichten ]


Irgendwo im Nirgendwo sass ich, vermutlich in einem Traum, an einem Tisch in einer altertümlichen Schenke. Mittelalter am Ende des Universums, an der Grenze zum Nichts. Wie ich dorthin gekommen war, per Anhalter oder durch ein temporäres Wurmloch, kann ich nicht sagen. Aber ich wurde Zeuge folgenden Gesprächs am Nachbartisch:

„Nichts ist so stark wie das Feuer, es kann alles vernichten“, sagte der kleine Mann, der im Ohr des grossen Mannes sass.
„Du irrst dich, Mann im Ohr“, entgegnete der Delphin und wedelte dabei mit der Schwanzflosse. Dem Wasser kann das Feuer nichts anhaben, es kann das Feuer sogar löschen und es ist deshalb stärker.“
„Nein, der Wind hat Macht über alle Elemente. Er kann das Feuer anfachen oder löschen, er kann das Wasser bringen oder trocknen, wie es ihm beliebt“, warf Emma ein.
Ich wusste nicht, woher ich wusste, dass sie Emma hiess, aber dieses Nichtwissen fiel mir damals nicht auf. Fasziniert beobachtete ich die Fransenkäfer am Tischrand.
„Feuer, Wasser, Wind sind zwar geschwind, doch nichts ist stärker und ausdauernder als der Fels“, warf der Denker am Tischende ein. „Er ist unerschütterlich. Nichts und niemand kann ihm etwas anhaben. Wenn die Elemente in ihrer Wut alles Leben von der Oberfläche des Planeten fegen, er bleibt bestehen.
In diesem Moment regte sich der grosse Mann mit dem kleinen Mann im Ohr als sei er eben aufgewacht. Seine Stimme klang sanft.
„Alles falsch, liebe Freunde, nichts ist so stark wie die Zeit. Der Fels zerfällt mit der Zeit zu Staub, Wasser trocknet und hinterlässt Wüste, der Wind ermüdet und auch das stärkste Feuer kann nicht ewig brennen.“ Er lächelte und der kleine Mann im Ohr lächelte mit.
War die Zeit wirklich die stärkste Kraft im Universum? Stärker als alles andere? Stärker als die Elemente, ja sogar stärker als die vier Grundkräfte der Physik? Ich stand auf, nahm mein Bier und setzte mich an den Nachbarstisch als wärs die grösste Selbstverständlichkeit.
„Du hast eine Frage?“, wollte Emma wissen und schaute mich neugierig an.
„Du zweifelst an der Zeit?“, fragte der Denker und schaute durch mich hindurch.
„Ja“, sagte ich. „Die Zeit ist doch nichts als das Schmiermittel des Universums. Sie ist unbeteiligt am Geschehen, bloss eine Vermittlerin.“
Der Delphin wedelte ungeduldig mit der Schwanzflosse. „Was dann?“, fragte er, „was dann?“
„Nichts ist so stark wie die Liebe. Sie kann selbst die Zeit überdauern“, entgegnete ich. In der von Sternenlicht durchfluteten Schenke wurde es plötzlich still. Keiner regte sich. Sogar die Fransenkäfer bewegte sich nicht mehr.
Dumm nur, dass ich in diesem Moment aufwachte.

Ein tolles Wochenende. Carpe Diem. Euer Traumperlentaucher

Bild: von JoJo

2009-06-08

Flucht nach Afrika

Von traumperlentaucher @ 18:34 [ Traumgeschichten ]


2109
Er hatte dem Kapitän des alten Kutters ein Goldstück für die Überfahrt gegeben. Es war ihm schwergefallen, denn es war das Letzte aus Großvaters Schatz. Aber das Stück gelben Metalls war seine letzte Chance dem Hunger und dem Chaos in Europa zu entfliehen und nach Afrika zu gelangen. Er wusste, dass es nicht leicht sein würde. Immer mehr waren in den letzten Jahrzehnten gescheitert: ertrunken im toten Mittelmeer, dessen Wasser schon lange keine Fische mehr beherbergte, oder ausgeraubt von Räuberbanden in den staatenlosen Zonen. Wer Glück hatte, wurde drüben in ein Internierungslager gesteckt und wer noch mehr Glück hatte, wurde wieder zurückgeschoben, bevor er dort starb.
Neben ihm sass ein alter Mann im berstendvoll mit Flüchtlingen gefüllten Bauch des Kutters. Es war drückend heiß und man konnte nur mit Mühe atmen.
„Wieso wollen Sie noch nach Afrika, in Ihrem Alter?“, fragte er.
„Ich möchte noch einmal den Duft der Freiheit atmen, und ich möchte das Land meiner Ahnen sehen.“
Erst jetzt fiel ihm auf, dass der Alte eine dunkle, fast schwarze Hautfarbe hatte, einiges dünkler als er selbst.
„Haben Sie denn keine Familie? Keine Freunde?“
„Nein, sie sind alle in den Unruhen 2095 umgekommen. Ich habe nichts mehr zu verlieren.“
„Sie gehen ein großes Risiko ein. Unsere Chance, drüben anzukommen und unbehelligt in das Innere des Kontinents zu gelangen, ist gering.“
„Ich weiß. Aber was ist mit Ihnen? Was ist Ihre Motivation alles aufs Spiel zu setzen?“
Er seufzte und dachte wehmütig an seine Frau und die beiden Kinder, die er zurückgelassen hatte. Würde er sie jemals wiedersehen?
„Wir, das heißt meine Familie und ich, sind auf dem untersten Berechtigungslevel angekommen. Sie wissen sicher was das heißt: Minimale medizinische Versorgung ohne Krankenhausaufenthalt, Lebensmittelkarte der Kategorie G und keine Studienplätze für die Kinder. Wir wurden in der letzten Erhebung als nicht systemrelevant beurteilt. Mein Beruf und der meiner Frau sind als obsolet eingestuft worden, eine Umschulung wurde abgelehnt. Vielleicht bekomme ich eine Stelle in der Zentralafrikanischen Republik“
„Was sind Sie denn von Beruf?“
„Paläoanthropologe und meine Frau war Professorin für Philosophie in Heidelberg, bevor das Institut aufgelöst wurde.“
„Da haben Sie allerdings schlechte Karten gezogen“, brummte der Alte. „Aber was ist mit Ihrer Familie, die Sie zurücklassen? Ohne Sie werden sie es noch schwerer haben. Man wird sie für Ihre Flucht bestrafen.“
„Ich habe gehört, dass man in der Zentralafrikanischen Republik seine Familie nachziehen kann, wenn man eine Stelle hat. Es ist ein wunderbares Land. Es soll dort Läden geben, wo die Menschen frei einkaufen können und die medizinische Versorgung soll auch in der untersten Klasse gut sein. Auch sei die Überwachung nicht so streng, im Wohnbereich gebe es keine Spion-Libellen und man brauche auch nicht für jeden Ausgang eine Genehmigung.“ Er geriet ins Schwärmen. "Keine unangemeldeten Wohnungskontrollen, kein Lichterlöschen, keine marodierenden Banden."
„Wie sind Sie eigentlich bis hierher gekommen?“, wollte der Alte wissen.
„Ich habe mir den Chip ziehen und meine Sonden entfernen lassen. Sie haben mir in der Untergrundklinik einen Overdrive gespritzt.“
„Da hatte ich es leichter, ich wohnte bereits hier an der Küste. Seniorenheim Klasse F, ohne Euthanasie-Termin.“
Er sah den Alten erstaunt an. „Sie müssen ein hohes Tier gewesen sein?“
In diesem Augenblick begann der Elektromotor des alten Kutters zu summen. Hoffentlich ist die elektronisch-optische Tarnung so gut, wie der großmäulige Schmugglerkapitän versprochen hat, dachte er.

Eine frohe Woche. Euer Traumperlentaucher.

2009-06-01

Midlife Crisis

Von traumperlentaucher @ 18:50 [ Traumgeschichten ]


Vogelgezwitscher weckte ihn, die Sonne schien bereits durch die Jalousien. Es war ein wunderbarer Traum gewesen. Ein Paradiesstrand, allein mit einer Traumfrau, kein mühseliger Sachbearbeiterjob, aber Geld wie Heu. Nur noch ein paar Minuten, dachte er und drehte sich auf die andere Seite.
Doch da stockte ihm der Atem. Neben ihm lag eine alte Frau. Ihre grau melierten Haare waren zerzaust, das Kinn lag in einer Dreifachfalte und sie schnarchte wie ein Walross. „Wer zum Teufel ist das?“, murmelte er erschrocken. Doch im selben Augenblick wusste sein Gehirn die Antwort: „Meine Frau!“
Nachdenklich drehte er sich wieder auf die Fensterseite. Als er sie geheiratet hatte, war sie eine Schönheit gewesen: blond und schlank, wie die Sekretärin seines Chefs. Sein Chef! Siedend heiß durchfuhr ihn die Erinnerung. Er musste in die Firma. Der Chef, dieser Betonkopf, wartete auf den Monatsrapport. Wenn er ihn nicht rechtzeitig ablieferte, würde er ihn wieder zur Schnecke machen. Ach, wenn er nur einen Tag die Rollen tauschen könnte. Wieso hatten sie diesen Maulhelden befördert und nicht ihn?
In diesem Moment begannen die Kinder des Nachbarn zu kreischen, wie jeden Morgen. Die Wohnung war kaum schallisoliert. Letzte Nacht hatte er zuhören müssen, wie der Nachbar seine Frau auf dem Küchentisch zur Strecke brachte.
„Scheissleben“, sagte er laut.
„Nicht so laut, Karl, die Nachbarn“, zischte die Alte an seiner Seite.
Das konnte doch nicht alles sein, was ihm das Leben zu bieten hatte? Wieso konnte sein Traum nicht Wirklichkeit sein? Was hatte er falsch gemacht, welche Chancen verpasst?
„Du musst ins Büro“, flüsterte die Alte und gab ihm einen Schubs mit dem Ellenbogen. „Mach schon, Karl.“
Sie hatte in diesem Augenblick noch nicht bemerkt, dass die grösste Krise im Leben ihres Mannes gerade begonnen hatte.

2009-05-29

Das Gespräch

Von traumperlentaucher @ 19:36 [ Traumgeschichten ]


„Herr Meier, Sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet, wir waren sehr zufrieden mit Ihnen“, der Personalchef lächelte.
„Danke sehr. Das wäre vielleicht ein guter Augenblick um über mein Salär zu sprechen.“
„Es tut mir leid, dass wir diese Diskussion nicht führen können, Herr Meier. Sie verstehen sicher, die Zeiten sind schlecht. Die Verkäufe sind eingebrochen, wir werden dieses Jahr tiefrote Zahlen schreiben.“ Der Personalchef machte ein gequältes Gesicht.
„Ja, ich habe volles Verständnis für die Situation der Firma. Verschieben wir also diese Diskussion. Nächstes Jahr wird es bestimmt besser gehen. Wir sind beinahe fertig mit der Entwicklung der nächsten Generation von Automaten.“
„Das verdanken wir Ihnen, Herr Meier. Sie haben wirklich einen sehr guten Job gemacht. Das Budget wurde eingehalten und Sie sind früher fertig geworden als geplant. Ich werde das in Ihrem Arbeitszeugnis gebührend erwähnen.“
„Arbeitszeugnis? Ich habe keines verlangt.“
„Ja, Mhm…wissen Sie. Es war wirklich toll, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Sie haben unsere Erwartungen übertroffen.“
„Danke sehr. Ich will versuchen, das auch in Zukunft zu tun und werde mit vollen Kräften mitwirken, diese schwierige Zeit zu überstehen.“
„Ich weiß, ich weiß, und ich bedaure das zutiefst. Aber es ist so, Herr Meier…wir müssen Sie leider entlassen.

Ein schönes und friedliches Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Bild: Ein spezieller Sonnenuntergang, von Heinz.

2009-05-27

2012 Teil II

Von traumperlentaucher @ 18:52 [ Traumgeschichten ]


Diesmal fand die Besprechung tief unter der Erde statt, im Kommandobunker unter dem weißen Haus.
„Herr Präsident, das Raumschiff schwenkt in eine Erdumlaufbahn ein“, meldete der Offizier an den Kontrollen.
„Die Atomraketen sind abschussbereit, wir warten auf Ihr Kommando, Sir“, sagte der General.
„Wir senden auf allen Frequenzen. Bisher erfolgte keine Antwort“, sagte der NASA-Direktor. Seine Stimme zitterte leicht.
„Das Schiff zerlegt sich in unzählige kleinere Einheiten“, meldete der Offizier. Die Gesichter der Versammelten wurden aschfahl.
„Die Invasion beginnt, wir haben zu lange gezögert“, sagte der CIA-Chef. Sein Blick wich dem des Präsidenten aus.
„Geben Sie endlich den Abschussbefehl“, forderte der General.
„Die Russen haben ihre Raketen auch noch nicht abgeschossen“, gab der Chef der Homeland Security zu bedenken.
„Die Russen sind Weicheier.“
„Die kleineren Einheiten zerlegen sich in nochmals kleinere Einheiten. Größe zwanzig Fuß“, meldete der Offizier. Auch seine Stimme zitterte leicht.
„Meine Herren, es besteht immer noch die Möglichkeit, dass es sich um einen friedlichen Besuch handelt“, beruhigte der Präsident die Anwesenden.
Der NASA-Mann schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht mehr.“ Er schwitzte.
„Unsere Bodentruppen sind bereit“, meldete der General. „Aber wir können nicht überall sein. Wir werden uns auf die großen Städte konzentrieren.“ Er wandte sich an den Offizier bei den Kontrollen. „Sind schon Angriffs-Schwerpunkte feststellbar?“
„Nein, Sir, die Untereinheiten verteilen sich regelmäßig. Sie bilden gewissermaßen einen Schild um die ganze Erde.“
„Damit sind unsere Raketen sinnlos geworden.“ Es klang wie ein Vorwurf.
„Sir, die Untereinheiten haben sich nochmals aufgeteilt…und gerade jetzt teilen sie sich wieder auf! Wir können sie nur noch mit dem stärksten Radar erfassen. Das ganze Raumschiff, das zur Erde geflogen ist, hat sich in winzige Bestandteile aufgelöst, kaum grösser Halbzollschrauben.“
„Sie wollen uns ausradieren“, knurrte der General, „das ist keine Invasion, das sind Streubomben.
„Oder Virenbehälter“, meinte der CIA-Chef.
Der NASA-Direktor, der gerade ein Telefon erhalten hatte, schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. „Dann legte er auf und sagte erschüttert:
„Das ist kein Angriff. Es ist eine Art Schutzschild. Diese Trümmerwolke, die die Erde wie eine Schale einhüllt, ist für unsere Raketen undurchdringbar. Gerade haben wir erste Satelliten verloren. Die Besatzung der ISS ist mit der Fluchtkapsel auf dem Weg zur Erde.“
„Sir, das Mutterschiff verlässt den Mondorbit. Es entfernt sich aus dem Sonnensystem.“
„Das ergibt keinen Sinn“, protestierte der Chef der Homeland Security. „Sie haben die Erdumlaufbahn mit einer dicken Trümmerschicht verstopft und fliegen einfach davon.“
„Vielleicht war es ein Unfall, oder die Russen haben das Schiff abgeschossen. Und jetzt können die Fremden wegen der Trümmerwolke nicht mehr mit ihrer Invasionsflotte landen“, spekulierte der CIA-Chef.
Der NASA-Direktor sah todunglücklich aus. Er machte ein Gesicht, als würde er im nächsten Moment zu weinen beginnen.
„Damit ist die Raumfahrt gestorben. Diese Wolke von Milliarden von Trümmerteilen wird kein Raumschiff in diesem Jahrhundert mehr durchqueren können. Ausser den Geostationären haben wir alle Satelliten verloren, die ISS wurde wie ein Sieb durchlöchert. Das GPS ist tot, unsere Spionage blind. Aber auch die Geostationären werden wir nicht ersetzen können, am Ende ihrer Lebensdauer. Keine Expedition zum Mond keine zum Mars. Keine Sonden mehr, keine Teleskope im Orbit. Nichts, Schluss.“
Der Vizepräsident, der bisher kein Wort gesagt hatte meldete sich zu Wort:
„Sie haben uns eingegrenzt, in einen Käfig gesperrt. Vermutlich sind sie zu der Ansicht gekommen, dass die Menschheit zu gefährlich ist, um sie ins All zu lassen.“
„Aber wieso denn, zum Teufel?“ Der General war wütend. „Wir hätten sie mit allem angreifen sollen, was wir haben.“
„Genau deswegen“, sagte der Vizepräsident leise.

Wir sind alle Aliens. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Der kleine schwarze Fleck, hoch oben in den Wolken, ist ein Rotmilan und kein Flugzeug. Spannweite gut 1.5m.

2009-05-26

2012

Von traumperlentaucher @ 18:48 [ Traumgeschichten ]


Als die ersten Amateurastronomen das Objekt im Mondorbit entdeckten, ließ es sich nicht mehr verheimlichen. Experten mutmaßten auf allen Kanälen, CNN berichtete viertelstündlich und die Regierungen verbreiteten beruhigende Statements. Der Mond habe vermutlich einen Asteroiden eingefangen, es bestehe kein Grund zur Beunruhigung, man habe alles unter Kontrolle.

„Meine Herren, wie schätzen Sie die Lage ein?“, fragte der Präsident in die Runde.
„Vermutlich die Russen“, meinte der Armeechef.
Der Direktor der NASA räusperte sich: „Dazu ist es viel zu groß. Kein Land ist in der Lage ein solches Objekt in eine Umlaufbahn zu befördern, geschweige denn zum Mond.“
„Sind Sie ganz sicher, dass es kein Asteroid ist?“, fragte ihn der Präsident.
„Absolut, es ist zu perfekt geformt und es kontrolliert offensichtlich seine Umlaufbahn.“
„Das ist doch verrückt“, warf der Chef der Homeland Security ein. „Das Ding ist mehr als hundert Kilometer lang und misst 13 Kilometer im Durchmesser.“
„Wir vermuten, dass es ein Generationenschiff ist. Vielleicht bereits Hunderte von Jahren unterwegs“, sagte der NASA-Mann.
„Vielleicht ist es nur eine optische Täuschung, eine Projektion der Russen oder Chinesen.“

Der Präsident trommelte mit den Fingern auf seinen Mahagonischreibtisch. „Wenn es ein fremdes Raumschiff ist, stellt es für und eine Bedrohung dar?“
„Der Zweck eines Generationenschiffs ist die Kolonisation anderer Planeten“, sagte der Raumfahrtdirektor. „In diesem Fall sind sie wahrscheinlich nicht zufällig hier. Sie haben unseren…“
„…Planeten zur Besiedlung ausgewählt“, vollendete der CIA-Chef den Satz. Die Tatsache, dass das Schiff einen Mondorbit und nicht einen Erdorbit gewählt hat, ist leider keine gute Nachricht. Sie wissen über uns Bescheid. Im Erdorbit könnten wir sie mit Atomraketen erreichen.“
„Was schlagen Sie vor?“ Der Präsident blickte in die Runde. „Welche Vorsichtsmaßnahmen sollen wir ergreifen.“
„Wir sollten augenblicklich alle unsere elektromagnetischen Aussendungen einstellen. Sie verraten uns“, meinte der Mann von der Homeland Security.
„Dazu ist es zu spät“, warf der Vizepräsident ein, der bisher geschwiegen hatte. „Außerdem ist es unmöglich, allen Fernseh- und Radiostationen auf der ganzen Erde ein Sendeverbot zu erteilen. Ganz abgesehen von den vielen anderen Funkdiensten.“
„Wir sollten uns mit der NATO absprechen und auch die Russen und die Chinesen einbeziehen“, meinte die Außenministerin.
„Sie müssen sofort den Notstand ausrufen und die Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzen“, forderte der Armeechef.
„Wir könnten einen Spaceshuttle im Orbit mit einem zusätzlichen Booster und Zusatztanks versehen und auf eine Erkundungsmission schicken“, schlug der NASA-Direktor vor.

In diesem Moment klingelte das Telefon. Der Präsident nahm den Hörer ab.
Als er wieder auflegte, war sein Gesicht finster. „Meine Herren, soeben hat sich vom fremden Raumschiff eine kleinere Einheit gelöst. Sie fliegt Richtung Erde. Für unsere Verhältnisse immer noch ein Riesenschiff, mehr als einen Kilometer lang.“
„Das Begrüssungs-Komitee“, meinte der NASA-Direktor.
„Wir sollten ihm ein paar Atomraketen entgegenschicken“, forderte der Armeechef.
„Sie wollen sicher den Planeten nicht verwüsten, wenn sie sich hier ansiedeln möchten“, sagte der CIA-Chef. „Ich würde an ihrer Stelle tödliche Viren in die Erdatmosphäre pusten um die Menschen zu eliminieren.“

Fortsetzung folgt. Euer Traumperlentaucher

Bild: Nahe am Ziel



2009-05-13

Klobürsten Einsfünfzig

Von traumperlentaucher @ 07:52 [ Traumgeschichten ]


Der Supervisor bemerkte das Flirren in den Augen, als sie in den Laden stürmten. Die Zwei waren Amokkäuferinnen. Ob er die Regalleiterinnen alarmieren sollte? Oder gar den Shopping-Councelor?
Die beiden Damen liefen auf Highspeed-Heels und kurvten mit ihren Einkaufswagen um die Regale, dass die kleinen Plastikräder rauchten. Das wird nicht gut ausgehen, schoss es dem Supervisor durch den Kopf. Die Szene war ein Déjà-vu. Er erinnerte sich an die Amokkäuferinnen bei der letzten Aktion. Innert Sekunden hatten sie das Gestell geleert und sich dann erbitterte Rückzugsgefechte geliefert. Er hatte immer noch das Bild der Beiden vor seinem inneren Auge, als die Dünne auf der Dicken hockte, die am Boden lag. Sie hatten gekämpft wie Furien – um ein Paar Strümpfe. Man hatte sie trennen und verarzten müssen.
In diesem Augenblick rammte die schwarzhaarige Amokkäuferin mit ihrem Einkaufswagen den Ladendetektiv, einen pensionierten Lehrer. Der quiekte wie ein angestochenes Schwein und stürzte in die Nudeln. Unbeirrt setzte die Schwarzhaarige ihre Geisterfahrt fort. Die falsche Blonde hatte zwar eine Einkaufswagenlänge Vorsprung, als sie jedoch am Pizzakühler entlangschrammte war dieser futsch. Der Vorsprung natürlich, der Kühler war sich das Schrammen gewohnt.
So gelangten die beiden Amokkäuferinnen genau im gleichen Augenblick an den Sonderverkaufstisch. Klobürsten für Einsfünfzig. Kaum zu gebrauchen zwar, da borstenminimiert und von einem besoffenen Konstrukteur entworfen, doch zumindest farblich ein Schnäppchen. Knallrosa.
Die falsche Blonde schaufelte die Bürsten wie ein durchgedrehter Bagger in den Wagen. Doch die Schwarzhaarige fuhr ihr in die Knie um sie abzulenken. Es kann nur eine geben, schoss es dem Supervisor durch den Kopf, und schon fuhren sie einander an die Gurgeln. Gott sei Dank waren es heute nur zwei, die Verwüstungen würden sich in Grenzen halten.
Trotzdem war das Publikum begeistert. Eine Gruppe Hausfrauen in Trainingsanzügen feuerten die Beiden an, ein älterer Herr schrie: „Mach sie fertig“, ohne zu spezifizieren, wen er genau meinte. Die beiden Amokkäuferinnen duellierten sich nun mit den Klobürsten. Bald würde es zum finalen Nahkampf kommen. Die Kassiererinnen standen schon auf den Bändern, die Regalleiterinnen schlossen Wetten ab. Er wusste, die Siegerin würde alles abräumen. The winner takes it all.
„Passen Sie doch auf!“ Der Supervisor erwachte schlagartig aus seinem Tagtraum, als er mit dem Einkaufswagen einer gewichtigen Dame zusammenstiess. Er murmelte eine Entschuldigung und hob das Preisschild vom Boden auf. Klobürsten Einsfünfzig.

Goodbye, guten Einkauf. Euer Traumperlentaucher

2009-05-12

Ferne Wiedergeburt

Von traumperlentaucher @ 08:14 [ Traumgeschichten ]


Ein stechender Schmerz durchstieß ihn wie ein Dolch, Schwindel erfasste ihn. Seine Hand fuhr ans Herz, seine Beine gaben nach und es gelang ihm gerade noch, sich auf seinen Chefsessel sinken zu lassen. „Herzinfarkt“, fuhr es ihm durch den Kopf, „144“. Doch seine Hand schaffte es nicht mehr bis zum Telefon. Sein Kopf schlug auf den Schreibtisch, ein Kugelschreiber rollte über die Pultkante.
Langsam erwachte er aus einem merkwürdig unruhigen Schlaf. „Herzinfarkt“, erinnerte er sich. „Bin ich im Krankenhaus?“ Er schlug die Augen auf und blinzelte. Das rote Licht der Sonne blendete ihn. Er stand am Ufer eines spiegelglatten Ozeans. Das Wasser sah aus wie flüssiges Blei.
„Er ist angekommen“, hörte er eine Stimme neben sich. Dann sah er das Wesen. Eine Riesenqualle, die auf unzähligen dünnen Fäden stand und sanft hin und her wiegte. Ein Augenkranz umgab den durchsichtigen Körper, in dem er das Herz pulsieren sah.
„Wiedergeburt“, dachte er, „meine neue Welt.“ Es gefiel ihm, was er durch seinen Augenkranz wahrnahm: Die kahlen Berge im rötlichen Schein, die dicken Stängel der braunen Pflanzen, der bleierne Ozean, ein wunderbares Zuhause. Noch einmal versuchte er sich an sein früheres Leben zu erinnern, doch die Bilder verblassten immer mehr.

Hat jemand von euch die Eisheiligen gesehen? Euer Traumperlentaucher.

2009-05-11

Erinnerungen an eine Wiedergeburt

Von traumperlentaucher @ 09:00 [ Traumgeschichten ]


Vor dem Einschlafen ließ er wie üblich den vergangenen Tag Revue passieren. Die Arbeit im Garten war ihm schwer gefallen. Er hatte seine siebenundachtzig Jahre gespürt wie nie zuvor. Alle zehn Minuten hatte er sich hinsetzen und rasten müssen. Sein Herz war noch jung in seinen Gedanken und Träumen, doch in Wirklichkeit war es alt und ausgeleiert. Der Tag war nicht mehr fern, an dem es seinen Dienst versagen würde, auch wenn er diesen Zeitpunkt in Gedanken immer weiter in eine unbestimmte Zukunft schob. Bis Neunzig sollte er es schaffen, redete er sich ein, vielleicht sogar bis Fünfundneunzig. Könnte er doch nur die Zeit anhalten! Szenen aus seinem Leben mischten sich unter seine Gedanken und verbanden sich mit seinen Träumen, als er einschlief.
Der Schlaf war seltsam und unruhig. Ein pochendes Geräusch untermalt von Stimmen begleiteten ihn. Eine der Stimmen war lauter als alle anderen und wenn sie erklang, fühlte er sich wohl und glücklich.
Langsam kam er zu sich, wurde sich seines Selbst wieder bewusst. Das pochende Geräusch war immer noch da, auch die Stimmen, vor allem die eine, die er so liebte. Er spürte fremde Gedanken und Gefühle, manchmal Freude, manchmal Sorgen. Obschon sie fremd waren, waren sie ihm vertraut. Sein „Bett“ war anders, als er es in Erinnerung hatte, doch es fühlte sich wunderbar an. Es war als schwebe er darin.
Langsam sickerte die Wahrheit in sein Gedächtnis. Die Stimme gehörte seiner Mutter, er befand sich in ihrem Leib und bald würde er geboren werden. Der Gedanke erschreckte ihn nicht, im Gegenteil: Glück durchströmte seinen kleinen Körper. Doch was war „gestern“ gewesen? War da nicht ein ganzes Leben, das hinter ihm lag? Vertraute Szenen tauchten in seiner Erinnerung auf. Ein Garten, vertraute Gesichter. Seine Enkelkinder, seine Tochter und weit in der Ferne das Gesicht seiner Mutter – seiner alten Mutter.
„Ich habe es immer gewusst“, dachte er. „Ich werde wiedergeboren.“ Aber wieso waren ihm die Erinnerungen aus seinem früheren Leben geblieben?
Die Geburt war ein harter Übergang, so hatte er es sich nie vorgestellt. Als er sich in den Armen seiner Mutter erholte, dachte er noch einmal zurück an sein früheres Leben. Wo in Raum und Zeit es wohl gewesen war? Würde er die Menschen, die er gekannt, geliebt hatte noch einmal treffen? Er versuchte, sich die wichtigsten Stationen seines alten Lebens in Erinnerung zu rufen. Doch die Erinnerung daran verblasste und er ahnte, dass sie in den nächsten Tagen und Wochen wie ein fernes Echo verhallen würde. Dann schlief er ein.

Nur das Schicksal weiß, wohin uns unsere Träume führen. Euer Traumperlentaucher

2009-04-29

Die Konferenz

Von traumperlentaucher @ 07:44 [ Traumgeschichten ]


„Wichtig ist, dass es keine Panik gibt, die würde der Wirtschaft grossen Schaden zufügen.“ Der Minister schaute entschlossen in die Runde, als könne allein sein Blick eine Pandemie bannen. „Ausserdem haben wir zuwenig gesicherte Informationen.“
„Das stimmt“, meinte ein dicker Mann mit Hornbrille hinten in der Ecke, „am meisten Informationen haben wir, wenn alles vorüber ist.“
„Wir sollten jetzt handeln und nicht zuwarten. Die Krankheit verbreitet sich rasend schnell“, meldete sich der Oberarzt.
„Alle Fälle verlaufen mild, bei uns muss keiner sterben, unser Gesundheitssystem ist viel besser als in den Entwicklungsländern“, warf der Wirtschaftsboss ein. „Wir sollten nicht überreagieren.“
Der Minister nickte zustimmend. „Wir warten ab, was die anderen machen. Solange die Nachbarländer noch keine Notmassnahmen ergreifen, sehe ich keinen Handlungsbedarf.“
Der Oberarzt schüttelte vehement den Kopf. „Wir müssen handeln, Quarantäne an Flughäfen, Grenzen schliessen, Massenveranstaltungen untersagen, Schutzmasken an die Bevölkerung verteilen, Medikamente aufstocken.“
„Sie sind ja wahnsinnig“, explodierte der Wirtschaftsboss, „denken Sie doch an die Verluste in der Wirtschaft. Die Fabriken, die Restaurants, die Läden, die Touristen…“
„…ich denke an die Menschen“, unterbrach ihn der Oberarzt.
„Bitte meine Herren“, unterbrach der Minister den Disput, „wichtig ist, dass wir Ruhe bewahren. Es ist alles unter Kontrolle.“
„Genau“, warf der Dicke in der Ecke ein, „die Pandemie findet nur in den Zeitungen und im Fernsehen statt. Wir sollten Zensur anordnen.“
„Überlegtes Handeln ist jetzt wichtig. Schnellschüsse schaden nur,“ meinte der Wirtschaftsboss mit Blick auf den Oberarzt.
„Sie müssen den Pandemie-Alarm auslösen. Die Krankheit verbreitet sich rasend schnell“, drängte der Oberarzt.
„Meine Herren, ich sage es nochmal: wichtig ist, dass wir keine Panik auslösen. Ich werde die Angelegenheit mit meinen Kollegen besprechen und weitere Stellungnahmen von Experten einholen. Wir dürfen nichts überstürzen und müssen uns an die bewährten Abläufe halten.“
„Die Viren halten sich nicht an bewährte Abläufe“, murmelte der Oberarzt.
„Damit schliesse ich die Sitzung. Morgen sehen wir weiter.“

Ich setze auf Rum, das hat schon früher auf den Windjammern geholfen. Euer Traumperlentaucher.

Bilderrätsel von Mike, ausgegraben auf seiner Baustelle.

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