Neue Massstäbe
| Von traumperlentaucher @ 08:04 | [ Prophezeiungen ] |

Die Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, die den Studenten an den Hochschulen eingetrichtert wird, hat einen gravierenden Schönheitsfehler: Sie hat wenig mit der Realität zu tun. Sowenig wie Investmentbanking mit der Realwirtschaft. Denn der Mensch ist ein ziemlich unvernünftiges und unberechenbares Wesen, getrieben von seinen Emotionen, Hoffnungen, Ängsten und Träumen und lebt in einer begrenzten Welt, in der die Exponentialfunktion tödlich ist.
Sarkozy, der französische Präsident, scheint das erkannt zu haben. Er möchte die Messgrösse Bruttoinlandprodukt durch andere Massstäbe ersetzen. Durch Glück zum Beispiel. Allerdings zweifle ich daran, ob der Bling-Bling-Präsident wirklich eingesehen hat, dass Geld nicht glücklich macht. Aber vielleicht hatte er ja einen Anfall von Weitsicht und hat erkannt, dass die Krise unseres Wirtschaftssystems erst begonnen hat und dass ihm bald die klassischen Argumente ausgehen werden um den weiteren Abstieg seinem Volk zu erklären.
Dadurch ist er anderen Staatsmännern und Frauen, wie Merkel und Obama voraus. Gar nicht zu reden von unseren Politikern in ihren engen Denkkäfigen.
Die tun noch so, als sei bald alles vorüber und wir könnten uns mit verstärktem Schuldenmachen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen wie einst der Baron von Münchhausen. Ob sie je ihren Wirtschaftsexperten die entscheidende Frage gestellt haben: „Wie ist es soweit gekommen?“
Vielleicht hätte ihnen ja einer von ihnen die ganz grossen Zusammenhänge erklärt: dass der Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahrzehnte auf billigem Öl und hemmungslosem Schuldenmachen basierte. Und ein anderer hätte ihnen vielleicht auch sagen können, dass dieser Zauber nicht ewig hält.
Auf die anschliessende Frage: „Was können wir tun?“, hätten die Experten vermutlich finstere Gesichter gemacht. Kaum einer hätte gewagt zu sagen: „Nichts. Wir können den Abstieg nur etwas hinausschieben. es sei denn, wir würden Tabula rasa machen und die Gläubiger verzichten auf ihre Guthaben. Aber das würden Sie, meine Damen und Herren Politiker kaum überleben.“ Und keiner hätte es wohl gewagt, den noblen Damen und Herren die Olduvai-Theorie zu erklären. Man hätte ihn umgehend in eines jener Sanatorien gebracht, die mein Freund Armin kennengelernt hat.
Denn nicht nur die Bauern in Belgien, die Millionen von Litern Milch auf die Felder schütten, während in der Welt eine Milliarde Menschen Hunger leiden sind unvernünftige, egoistische Wesen. Auch Politiker gehören zu dieser Kategorie. Ihre Messgrössen sind Macht und Geld. Glück gehört nicht dazu.
Darum wird Zar Kotzy eine Ausnahme bleiben. Vielleicht weil er eine aussergewöhnlich intelligente und dazu noch hübsche Frau hat.
In der Zwischenzeit klammern wir uns an die positiven Meldungen aus der Wirtschaft, die uns immer wieder ein Ende der Krise vorgaukeln. Die Forscher des LEAP haben dazu in ihrem neusten Bulletin eine passende Analogie: Ein Gummiball, der die Treppe hinunterhüpft, springt auf jeder Stufe hoch, bevor er seine Talfahrt fortsetzt.
Vermutlich wird es noch Jahre dauern, bis es Politikern, Managern und Nationalkomikern dämmern wird, dass die Zeiten des immer-währenden Wachstums endgültig vorbei sind.
Geniesst den Herbst der goldenen Jahre, der Winter wird lang und hart sein. Euer Traumperlentaucher












