2009-10-15

Bärenjagd

Von traumperlentaucher @ 10:20 [ Geld&Gold ]


Die Bärenjagd an den Börsen geht weiter und die Bullen jubeln. Die Kurse steigen und steigen und der Dow Jones hat wieder die Marke von 10000 überschritten. Ein Zeichen des Aufschwungs, meinen die Optimisten und die medialen Wirtschaftsexperten (Das sind die, die von der Krise erst aus den Zeitungen erfahren haben). Derweilen kippen die Skeptiker (Bären) der Börsenhausse reihenweise um. Nur die Permabären bleiben noch in ihren Löchern und shorten, doch auch ihnen geht langsam die Puste aus. Zwar hat sich an den fundamentalen Fact nichts verändert. Obschon die Politiker und die medialen Experten immer wieder das Ende der Krise ausrufen, ist die Situation schlimmer als zuvor. Die Chance, das Steuer noch herumzureissen wurde definitiv verpasst. Die Schuldenblase ist zum Zerplatzen aufgebläht und etliche Staaten kämpfen gegen den drohenden Bankrott.
Nur den Banken geht es gut, nachdem sie ihre Schulden an den Steuerzahler abgetreten haben. Darum sehen sie die Zukunft rosig, mit Gewinnen besser als in alten Zeiten, hirnrissigen Boni und möglichst ohne zusätzliche Regeln, die ihnen das Casino-Geschäft vermiesen würden. Doch die „Wirtschaft“ der Banken hat nichts mehr mit unserer realen Wirtschaft zu tun.
Darum steigen die Aktienkurse, obschon die Aussichten für die Wirtschaft zappenduster sind. Steigende Arbeitslosigkeit, höhere Steuern wegen der immensen Staatsverschuldung, bei gleichzeitigem Abbau staatlicher Leistungen, sind das was uns erwartet.
Woher die Menschen die Mittel hernehmen sollen, um mehr zu konsumieren und woher die Staaten das Geld nehmen sollen, um mit zusätzlichen Investitionen die Konjunktur zu stützen, bleibt ein Rätsel.
Das BIP (Bruttoinlandprodukt) wird steigen, erwarten die „Experten“. Wiederkehrendes BIP-Wachstum = Ende der Rezession = Aufschwung. Doch davon werden nur wenige profitieren. Was nützt mir ein BIP, das durch die „Dienstleistungen“ (Zockerspiele) der Banken gepusht wird?
Doch zurück zur Bärenjagd: Eine Hausse dauert solange bis der letzte Bär zur Strecke gebracht ist. Oder anders gesagt: Wenn das Gefühl der Skeptiker „Gewinn verpasst zu haben“ so groß wird, dass die meisten von ihnen noch auf den Zug aufspringen, dann ist der Crash nicht mehr weit.
Bald, denke ich, werden wir diesen Punkt erreicht haben.
Zudem verheißen die steigenden Gold- und Ölpreise und der Abschiedskampf des Dollars nichts Gutes.
Freut euch an den Farben des Herbstes, sie sind gratis. Euer Traumperlentaucher

Bild: "Aufgescheucht"

2008-12-10

Wunderbare Geldvermehrung

Von traumperlentaucher @ 09:56 [ Geld&Gold ]


„Geld verschwindet nicht...
...es fließt nur in andere Taschen“, wird gesagt. Stimmt das wirklich? Und wenn, wo fließt jetzt das Geld in der Finanzkrise hin, wenn eine Bank pleite geht? Wo ist das Geld der gescheiterten Wirtschaftswunderinsel Island und wo das Geld der Menschen, die Lehmann-Zertifikate kauften?

Banknoten kann man zwar verbrennen, verstecken oder an Orten verlieren, wo sie keiner findet, doch in der Regel verschwinden sie nicht. Auch die Nationalbank hat zurzeit keinen Grund, Noten und Münzen abzuschöpfen, im Gegenteil. Bargeld wechselt also in der Regel tatsächlich nur die Taschen und wird nicht weniger.

Doch das meiste Geld im Umlauf besteht nicht aus Noten und Münzen, sondern nur aus einer Zahl, die vom einen Computer zum anderen verschoben wird. In der Schweiz waren im Jahr 2006 38,2 Milliarden Bares im Umlauf, 8% des Bruttoinlandprodukts. Der Rest war virtuell, sogenanntes Giralgeld.

Und dieses Giralgeld vermehrt sich wie junge Hunde.
Das funktioniert zum Beispiel so:

Wenn ich 1000 Franken am Bankschalter auf mein Konto einzahle, verleiht die Bank am nächsten Tag den grössten Teil davon, also zum Beispiel 900 Franken, an den Bäcker, der dringend Kredit braucht, um einen neuen Ofen zu kaufen. Ein kleiner Rest, in unserem Fall die 100 Franken, bleibt als „Reserve“ bei der Bank. Damit hat sich mein Geld fast verdoppelt. Ich kann es nach wie vor von meinem Konto abheben und der Bäcker kann damit einen Ofen kaufen. Solange nicht alle gleichzeitig zur Bank rennen und ihr Geld in Banknoten beziehen wollen, ist das auch kein Problem. Bei Engpässen leiht sich die Bank Geld bei einer anderen Bank und im Notfall springt die Nationalbank ein und leiht ihr frisch gedruckte Noten.

Der Lieferant des Ofens hat nun also bei seiner Bank 900 Franken auf seinem Konto. Zwar nur als Zahl im Computersystem, doch das reicht. Die Bank verleiht davon 90%, also 810 Franken an den lokalen Autohändler als Kredit. Der wiederum kauft sich dafür Pneus und der Pneuhändler hat dann 810 Franken bei seiner Bank auf dem Konto. Diese Bank ist zufällig die gleiche wie die meine, aber das spielt keine Rolle. Sie verleiht davon 90%, also 729 Fanken an meinen Nachbarn, der sich ein gebrauchtes Moped kaufen will.
In der Zwischenzeit sind aus meiner Tausendernote also bereits Kredite von 2439 Franken entstanden. Geht das Spiel unendlich weiter, haben die Banken am Ende aus meinen 1000 Franken 10’000 Franken Kredit geschöpft. Ganz legal versteht sich.

Diese wunderbare Geldvermehrung nennt man Giralgeldschöpfung oder Fractional Reserve Banking.

Wenn die Banken pleite gehen, verschwindet dieses Giralgeld natürlich auf einen Schlag.
Doch was passiert mit den Banknoten, die ich eingezahlt habe? Irgendwo müssen die ja noch stecken?
Vielleicht als Bonus in der Brieftasche eines Banksters?

Eine schneereiche Traumwoche. Euer Traumschneetaucher

2008-09-29

Klick

Von traumperlentaucher @ 05:51 [ Geld&Gold ]


Heute tausche ich mein Goldvreneli gegen Dollar. Nachdem Hanky&Bernanky die Wallstreet und damit die Welt vor dem Kollaps gerettet haben, wird der Greenback in den Steilflug übergehen. Er kann gar nicht anders.
Wenn die Zinsen gesenkt werden, steigt er, wenn sie steigen, steigt er auch. Und je mehr die Amis Geld drucken, desto tollar fliegt auch der Dollar.
Er ist die einzige Währung der Welt, in der man unbegrenzt Schulden machen kann. Das ist jetzt bewiesen. Das soll ihm der Teuro mal nachmachen. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob die Amis die Schulden eines Tages zurückzahlen können oder wollen. Das ist wie bei uns in der Schweiz: wir bezahlen unsere Hypotheken auch nie ab.

Natürlich entsteht auch der Dollar wie alle anderen Währungen aus dem Nichts.
Gedruckt wird dabei nur ein kleiner Teil. Der grössere, das heißt, die grösseren Zahlen werden von einem Sachbearbeiter des FED einfach an einem Computer eingetippt – und schwups ist neues Geld entstanden. Doch im Gegensatz zu allen anderen Währungen ist der Dollar gedeckt. Nämlich durch die Marines! Außerdem ist er die Weltreservewährung. Das heisst nicht etwa, dass wir ihn unter der Matratze in Reserve halten müssen. Aber die Zentralbanken müssen. Sie müssen ihn kaufen – sonst bringen die Marines eine Portion Demokratie vorbei. Doch das Interessanteste ist, dass man mit dem Dollar Öl kaufen kann. Wenn die Amis also Öl wollen, tippt der Sachbearbeiter beim FED eine große Zahl in den Computer, drückt auf ‚Senden’ und schon drehen die Saudis den Ölhahn auf. So einfach ist das: Mausklick gegen Öl.

Auch die Chinesen liefern ihre vergifteten Spielzeuge und Hundebiskuits gegen Mausklick. Die haben inzwischen so viele Klicks gesammelt, die können gar nicht mehr anders. Wenn sie aufmucken, machen die Amis rasch einen Doppelklick und schwups, der Dollar ist plötzlich weniger wert. Das würde den Chinesen gar nicht gefallen, wenn sie für ihre Ware plötzlich nur noch einen halben Klick bekämen.

Allerdings werde ich mein Goldvreneli heute nicht gegen einen Mausklick tauschen, sondern ganz traditionell in schön grüne Scheine. Ich mag den Duft des Geldes (es stinkt übrigens viel weniger als die meisten denken) und ich mag den treuherzigen Blick von George Washington. Darum werde ich nur 1-Dollar-Noten nehmen.

Das wird eine tollare Woche. Euer Traumperlentaucher.

2008-09-28

Wir sind gerettet!

Von traumperlentaucher @ 08:51 [ Geld&Gold ]


Der Rettungsplan steht, alles wird gut. Unsere Ersparnisse und Renten sind gesichert, ab nächste Woche läuft die Welt wieder rund. Zwar ist die Krise noch nicht ganz vom Tisch, doch das Schlimmste ist überstanden.
Jetzt ist es höchste Zeit, wieder in Aktien zu investieren. Vermutlich werden wir nächsten Woche eine Aktienrallye an den Börsen erleben, die sich gewaschen hat. Einen Aufschwung, der in einen fulminanten Jahresendspurt münden wird. Es wäre doch zu schade, diese einmalige Gelegenheit zu verpassen. Also: Matratze hoch, Geld raus und ab zur Bank. Dort ist euer Geld am sichersten. Die haben auch noch diese interessanten Buchstabenpräparate an Lager: Securities heißen die.
Die Wirtschaftsaussichten sind nämlich nach wie vor blendend, denn die Finanzkrise hatte bisher kaum Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Das Bruttosozialprodukt steigt nach wie vor wie ein vollgepumpter Ballon. Das beweisen die Statistiker Tag für Tag. Auch der Immobilienmarkt in den USA wird sich rasch wieder erholen, denn schließlich müssen die Leute ja irgendwo wohnen. Ich kann übrigens nicht verstehen, wieso einige Banken unbedingt ihre Subprime-Papiere los werden wollten oder diese einfach abschrieben. Dabei weiß doch jedes Kind, dass man ein Wertpapier nur lange genug halten muss – es bekommt mit der Zeit immer den Wert, den es verdient. Und was runtergeht muss auch wieder rauf – alte Börsenregel (nicht zu verwechseln mit der fast gleich lautenden Pilotenregel)!.
Gold hingegen wird schwierige Zeiten erleben. Denn erstens ist es kein Geld, trägt keine Zinsen und man kann es nicht essen. Das sollte auch die UBS wissen. Auch die Industrie braucht es kaum mehr, abgesehen vom unnötigen Vergolden von Steckern für ein paar Stereospinner. Überhaupt ist die ganze Rohstoffhausse zu Ende. Natürlich auch beim Öl. Denn die meisten Autohersteller sind mit Hochdruck daran, Elektrofahrzeuge zu entwickeln und in zwei, drei Jahren werden wir alle elektrisch fahren und die Araber können dann ihr Öl saufen. Wichtig ist jedoch, dass die Zentralbanken die Autofabriken in der Übergangsphase mit Finanzspritzen am Leben erhalten. Sonst laufen die Manager davon.

Alles wird gut. Auch das Klima. Jetzt beginnen sogar renommierte Wissenschaftler an der CO2-Lüge zu zweifeln und die derzeit fehlenden Sonnenflecken tragen das ihre dazu bei. Macht euch auf einen harten Winter gefasst!
Doch zurück zu den Finanzmärkten:
700 Milliarden für die Rettung der wichtigsten Bank, Goldman Sachs, ist natürlich kein Pappenstiel. Doch ohne GS läuft nichts. Das weiß auch Henry Paulson, der amerikanische Finanzminister, denn schließlich war er dort mal CEO.
Lehman Brothers konnte man ja noch den Buch runter gehen lasen – war sowieso nur ein lästiger Konkurrent. Doch bei AIG, dem Versicherungskonzern, der eigentlich keine Versicherung ist, hörte der Spaß auf. Wenn AIG auch den Bach runter gegangen wäre, hätte sich GS zwanzig amerikanische Billionen ans Bein streichen müssen. Auch kein Pappenstiel.
Die Welt ist also gerettet, wie immer dank dem umsichtigen Verhalten der amerikanischen Regierung. Damit ist auch bewiesen, dass das System funktioniert. Unser Finanzsystem ist so gesund wie zuvor. Natürlich braucht es ein paar Regeln, denn die gewissenlosen Spekulanten haben uns einen gehörigen Schrecken eingejagt. Allerdings sollte dabei das richtige Augenmaß nicht verloren gehen. Die Entschädigungen der Bankmanager zu beschränken, ist kurzsichtig. Schließlich geben sie das Geld auch wieder aus und kurbeln damit die Wirtschaft an: Jachten und Privatjets fabrizieren wir in der Schweiz zwar nicht. Aber Luxusuhren und Steuerhinterziehungskonten, das sollten wir nicht vergessen. Und damit tragen wir unseren Teil zum Wohlstand der Welt bei.
Bei der ganzen Geschichte gibt es nur einen Wermutstropfen, beziehungsweise einige Flaschen davon: Was soll ich nun mit all dem Schnaps und den Zigaretten tun, die ich für den Untergang der Welt eingelagert habe? Da werde ich ja bis Weihnachten nie mehr nüchtern und unser kleines Dorf kriegt eine Dauerbenebelung.
Na ja, vielleicht kriegen wir ja doch noch ein schwarzes Loch, wenn die Wissenschaftler beim CERN ihre Maschine wieder repariert haben.

Euer hoffnungsvoller Traumperlentaucher.

2008-09-19

Das Finanztollhaus

Von traumperlentaucher @ 08:24 [ Geld&Gold ]


Die Bastion des Kapitalismus verstaatlicht eine Bank nach der anderen. Die Wallstreet wird zum Staatsbetrieb. Allerdings bisher ohne Plan. Das soll sich jetzt ändern: Die US-Regierung will nun eine riesige Auffanggesellschaft für den wertlosen Finanzschrott gründen. Die Börse wird bereits euphorisch: wie ein Junkie auf Entzug, der endlich wieder eine Spritze kriegt. Alles wird gut. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, das heißt dem Steuerzahler aufgebürdet, wie es sich gehört. Ein Kommentator spricht heute Morgen sogar davon, dass das Vertrauen in die Banken bereits langsam zurückkehre.
Vermutlich wird auch der Dollar steigen. Ob das Defizit der USA nun um eine Billion zu oder abnimmt, spielt doch keine Rolle. Das Finanz-Casino hat sich längst in seine eigene Welt geflüchtet. Fundamentals zählen nicht mehr.

Doch vermutlich haben fundamentale Dinge in der Finanzwelt noch nie viel gegolten. Nicht in einer Welt wo irgendein Idiot einer staatlichen (!) Bank mit einem Mausklick noch rasch 300 Millionen Dollar überweisen kann, bevor sie endgültig pleite geht.
Doch jetzt wird das Casino vollends zum Tollhaus.
Das kann nicht lange gut gehen.
Wer ein totes Pferd reitet, sollte absteigen. Euer Taumperlentaucher

2008-09-18

Tilt – Game Over

Von traumperlentaucher @ 08:25 [ Geld&Gold ]


Habt ihr schon mal ein Kartenhaus einstürzen sehen? Nicht? Kein Problem. In diesen Tagen bricht nämlich gerade das Finanzkartenhaus zusammen.
Mag sein, dass nur der oberste Teil der gewagten Konstruktion einbricht. Doch das kann niemand wissen. Denn die Erbauer haben längstens die Kontrolle verloren.
Noch fallen die Karten in Zeitlupe, aber das kann sich rasch ändern. Wenn die Zuschauer, die auf die eine oder andere Karten gewettet haben, in Panik geraten, geht es ganz schnell.
Über die Ursachen habe ich in diesem Blog schon öfter geschrieben. Auch darüber, wie man sich meiner Ansicht nach auf die Stunde Null vorbereiten sollte. Jetzt ist es Zeit, sich über „den Tag danach“ Gedanken zu machen: The Day after Tomorrow. Ich nehme an, ihr habt Gold und Silber gekauft, als es noch günstig war, besitzt keine Papiere mehr mit komischen Namen, die euch ein Banker angedreht hat und habt eure Konten weitgehend „in Sicherheit gebracht“, das heißt nicht mehr bei einer verospelten Wackelbank. Ich vermute, ihr habt auch genügend Schnaps, Zigaretten und Konserven im Keller, ein Buch über Gartenbau und eine Schrotflinte.
Dann könnt ihr beruhigt die Füsse hochlegen, ein kaltes Bier zu euch nehmen, eine Packung Erdnüsse knabbern und die weiteren Ereignisse rund ums Kartenhaus beobachten.

Don’t Panic, but if you Panic, Panic first. Euer Traumperlentaucher

2008-08-08

Verkauft die SNB all ihr Gold?

Von traumperlentaucher @ 08:54 [ Geld&Gold ]


1077 Tonnen Gold hat die Schweizerische Nationalbank angeblich noch. 2600t waren es noch zu Beginn des neuen Jahrtausends. Das meiste Gold wurde zu Tiefstpreisen verscherbelt. Zu Gunsten attraktiverer Anlagen hieß es.
Kürzlich geisterte eine weitere Meldung in diesem Zusammenhang durch das Sommerloch: Die SNB wolle auch noch das restliche Gold verkaufen. 1000 Tonnen zirka.
Einige „Experten“ sprechen sich schon seit Jahren dafür aus. Zum Beispiel
der Lausanner Ökonomie-Professor Thomas von Ungern-Sternberg. Die SNB benötige kein Gold mehr. Das Geld könne viel profitabler anderswo angelegt werden. Gold bringe ja keine Zinsen usw. etc. Vermutlich meinte er mit profitableren Anlagen die amerikanischen Schrottpapiere.
Natürlich dementierte die SNB die Meldung umgehend. Sie werde bis September 2009 noch 37t verkaufen. Nachher sehe man weiter.
Also eine Zeitungsente?
Mag sein. Doch wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und beim Gold der Schweizer Nationalbank ist seit Jahren ziemlich viel Rauch.
So will zum Beispiel niemand wissen, wo das Gold ist. Aus Sicherheitsgründen angeblich. Der ehemalige Finanzminister Kaspar Villiger sagte einmal auf eine entsprechende Anfrage im Nationalrat: „Wo diese Goldbarren nun genau liegen, kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es auch nicht weiß, es nicht wissen muss und es nicht wissen will."
Man vermutet jedoch, dass sich das meiste Gold in den USA befindet. Dass es von dort jemals wieder zurückkommt oder dort im Notfall (Zusammenbruch des Weltwährungssystems) greifbar wäre, glauben wohl nur blinde Optimisten.
Es ist auch nicht sicher, ob diese 1077 Tonnen wirklich noch physisch existieren. In den Neunzigerjahren, als der Goldpreis auf seinen Tiefpunkt sank und Jahre lang dort dahinsiechte, verliehen die Zentralbanken ihr Gold an Geschäftsbanken. Zu sehr niedrigen Zinsen: etwa 1%. Diese wiederum verkauften das Gold und spekulierten mit dem Geld am Wertpapiermarkt. Ein sehr gutes Geschäft – und risikolos, solange sich der Goldpreis nicht bewegte. Wo dieses verliehene Gold heute ist, kann oder will niemand sagen. Die Notenbanken weisen Goldbestand und verliehenes Gold in der Regel nicht mehr separat aus. Wohl kein Zufall.

Wenn die SNB heute Gold verkauft, dann tut sie das kaum aus eigenem Antrieb. Das Direktorium und die Ökonomen dort wissen nur zu gut, dass unser gegenwärtiges Weltwährungssystem ein Ablaufdatum hat.
Doch kaum ein Staat ist so erpressbar wie die Schweiz. Eine Insel inmitten der mächtigen Eurokratie, ohne eigene Rohstoffe, mit einem auf „Sand“ gebauten Wohlstand, mit einem der beiden Eckpfeiler – dem Bankgeheimnis – der bedenklich wackelt.
Die USA könnten zum Bespiel sagen: Ihr verkauft uns das Gold – es ist ja eh schon bei uns – gegen unsere grünen Scheine und wir lassen die UBS leben. Andernfalls schiessen wir sie ab und zum Nachtisch gibt’s dann noch die CS und das Bankgeheimnis könnt ihr euch ganz abschminken. Zum Beispiel.
Die Schweizer hätten keine Wahl. Es wäre ein „Angebot“ das man nicht ablehnen könnte. Es ist ja noch nicht lange her, dass sich die Schweiz mit Gold „frei gekauft“ hat.
Und die Amis brauchen das Gold dringend um ihren Dollar vor dem Ertrinken zu bewahren, der in den Schulden ersäuft.
Die Nationalkomiker werden jetzt sagen: Ein Zurück zum Goldstandard von Bretton-Woods wird und kann es nicht mehr geben, der Weltwirtschaft würde damit ein enges Korsett angelegt, ein Wachstum wäre unmöglich. Außerdem sei Gold kein Geld, bloß eine Ware und ein Relikt der vergangenen Jahrtausende usw. und so fort.
Doch an dem Wachstum, auf dem die ganze Lehre der Volkswirtschaft beruht, werden wir schließlich zu Grunde gehen, denn unsere Welt ist endlich.
Da nützt es nichts, immer mehr Papiergeld zu drucken und Schulden anzuhäufen.
Das Gold wird uns eines Tages wieder einholen und es wird wieder zu dem werden was es seit Jahrtausenden war: Ein Tauschmittel und Machtinstrument.
Denn im Gegensatz zum Papiergeld besitzt es einen inneren Wert: In ihm ist der Schweiss der Minenarbeiter enthalten.

Ein schönes Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Bild: Flaschengeist von JoJo

2008-07-16

Inflation oder Deflation?

Von traumperlentaucher @ 09:20 [ Geld&Gold ]


"There are those who live by what they know to be a lie, and those who live by what they believe to be the truth."

Heute Morgen fragt mich doch eine angehende Betriebswirtin kurz vor ihrem Diplom: “Wer zum Teufel ist denn Freddie und wer ist Fannie?”
Das hat mich schlagartig aus meinen Träumen gerissen.
Im Verlaufe unserer Diskussion haben wir dann über Inflation und Deflation gesprochen. Wohin steuern wir? Die „Experten“ sind sich nicht einig. Denn die Situation ist einmalig. Die gegenwärtige Inflation wird durch ein Gut verursacht, das zur Neige geht und auf dem unsere ganze Weltwirtschaft aufgebaut ist: auf Erdöl. Es gibt kein Produkt auf der Welt in dem kein Erdöl steckt (indirekt als graue Energie). Darum werden auch die Nahrungsmittel teurer.

Das haben natürlich auch die schlauen Betriebswirte der Notenbanken gemerkt. Ihr Diplom liegt ja auch schon einige Jahre zurück. Deshalb haben sie bei der Berechnung der Inflation flugs Energie und Nahrung ausgeklammert und sprechen von der sogenannten Kerninflation – also der Inflation ohne Nahrung und Energie. So bleibt die Inflation tief...alles andere, so verkünden die Schlaumeier, sei nichts als „gefühlte Inflation“. Gefühlt vom dumben Volk, ohne betriebs- oder volkswirtschaftlichen Hintergrund.
Dumm nur, dass wir auf alles andere verzichten können, nur gerade auf Energie und Nahrung nicht.
Dumm nur, dass es gar keine einheitliche Teuerungsrate gibt, wie uns eingeredet wird. Denn die Teuerung ist abhängig vom jeweiligen Einkommen. Für eine arme Familie, dies sich mit knapper Not gerade Essen kaufen und die Hütte heizen kann, ist die gegenwärtige Teuerung immens. Für den reichen Schmock, der nur einen Bruchteil seines Einkommens für Nahrung und Energie ausgibt, ist sie Peanuts.
„Sollen sie doch Kuchen essen, wenn kein Brot mehr da ist“, soll angeblich Marie Antoinette zum Volk gesagt haben, angesichts der Hungersnot. Heute würde es wohl heißen: „Sollen die sich doch einen Flachbildschirm kaufen, wenn sie das Brot nicht mehr bezahlen können.“
Kein Wunder, dass es da immer wieder „Experten“ gibt, die stur und fest behaupten, wir steuerten auf eine Deflation zu. Deshalb sei es wichtig Bargeld unter die Matratze zu legen. Der liebe Herr Hannich ist so einer, seines Zeichens Ingenieur und Autor von zahlreichen Büchern über die künftige Fnanzkrise.
Sein Argument lautet so oder ähnlich: Alles was nicht Bargeld ist, ist bloß eine Zahl irgendwo im Magen eines Computers in einer Bank. Beim anstehenden Finanzcrash werden diese Zahlen mit dem Verschwinden der Bank „gelöscht“ und die „Geldmenge“ reduziert sich somit drastisch. Was übrig bleibe sei Papiergeld, das „wirklich echte Geld“ – von der Menge her ein Pappenstiel zu den papierlosen Vermögen, die nur als Zahlen herumgeistern.
Leider vergisst der Gute, dass Papier kein besonders wertvolles Gut ist, solange es auf der Welt noch große Wälder gibt. Und die Zahlen, die man darauf druckt, lassen sich beliebig wählen, wie man das zurzeit am Beispiel Simbabwes eindrücklich sehen kann.

Hoffen wir, dass mir morgen anstelle der Hundertfrankennote keine Millionennote kriegen. Euer Traumperlentaucher.

2008-03-18

Ein verdienter Tod

Von traumperlentaucher @ 08:37 [ Geld&Gold ]


Nun hat sich die „Finanzelite“ also verzockt, das Kartenhaus ist am Zusammenfallen. Und da kommt der Joe Ackermann, Chef der deutschen Bank daher – notabene ein Schweizer – und verlangt, dass der Staat den Karren aus dem Dreck ziehe, mit Steuergeldern natürlich. Der Kerl ist ja noch dreister als ich dachte.
Lasst doch die Zockerbanken verrotten! Sie haben sich sowieso von der realen Volkswirtschaft abgekoppelt. Und wer bei diesem Casino mitgemacht hat, soll sein Lehrgeld zahlen.
Die Summen sind sowieso zu hoch, mit Steuergeldern lässt sich das nicht mehr hinbiegen. Die sogenannten Finanzspritzen der Zentralbanken verlängern das Leben des todkranken Patienten nur um Wochen und Monate. Denn dieses Geld ist ja nicht geschenkt, nur verliehen – für eine bestimmte Dauer und zu einem bestimmten Zinssatz. Würde die FED wirklich Geld verschenken, würde der Dollar vollends ad absurdum geführt und noch schneller zu Makulatur als dies ohnehin schon der Fall ist. Eine Hyperinflation wäre die Folge. Darum sind zurzeit die Rückzahlfristen sehr kurz: tage- und wochenweise wird das Spritzengeld ausgeliehen
Die gespritzten Banken müssen das Geld also zurückzahlen. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Das ist eine Sackgasse.
Sie müssen sterben, es gibt keinen anderen Weg! Milliarden müssen endgültig vernichtet werden. Diesen Traum am Leben zu halten wird sonst in einen schrecklichen Albtraum führen.
Und die übrig gebliebenen Zocker müssen endlich wieder zur realen Wirtschaft zurückkehren.
Für den Rest: Lasst sie endlich sterben!
Natürlich werden die Banker die Arbeitsämter überschwemmen, und Luxusschlitten, goldene Krawattennadeln und Rolexuhren werden Ebay zumüllen. Doch dieser Preis ist günstig im Vergleich zu dem, den wir bezahlen müssten um dieses marode Finanzsystem noch eine begrenzte Zeit am Leben zu halten.
Gönnt ihnen einen raschen Tod, sie haben ihn redlich verdient.

Elvis war der King, heute ist es Cash. Euer Traumperlentaucher

PS. Der Bund konnte das Grounding der Swissair nicht verhindern. Ein Grounding der UBS abzuwenden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Abschreibungsbedarf dieser verospelten Zockerbank könnte leicht 100 Milliarden CHF übersteigen.

2008-03-15

Zeitaktien

Von traumperlentaucher @ 09:32 [ Geld&Gold ]


„Du schreibst nur über Geld und Gold, gibt es denn keine Traumaktien?“, fragte mich kürzlich ein Bekannter.
„Wenn ich welche hätte, würde ich alle verkaufen“, entgegnete ich, "Traum hin oder her."
„Es gibt doch sicher welche, die auch in einer Zeitenwende profitabel sind.“
„Auch eine Aktie ist nichts anderes als ein Papier, ihre Bewertung eine Sache des Glaubens und des Vertrauens.“
Er schüttelte vehement den Kopf: „Nein, mit einer Aktie erwerbe ich einen Anteil an der Firma. Ich bin gewissermaßen Mitbesitzer.“
„Na schön, dann gehe doch mal mit deinen UBS-Aktien, die übrigens fast nur noch einen Drittel von dem Wert sind, was sie letztes Jahr waren, in die nächste Bank und verlange den Schreibtisch des dortigen Chefs. Er dürfte etwa dem Gegenwert deiner Aktien entsprechen, wenn der Chef keine Löcher mit seinem Bleistift reingebohrt hat.
Aber natürlich geht das nicht. Du musst deine Aktien an der Börse verkaufen und hoffen, dass du einen anderen findest, der glaubt er wäre Mitbesitzer der UBS und dir einen Preis zahlt, den du glaubst akzeptieren zu können. Das Ganze ist doch nichts als eine Art Spiel und die Börse ein getarntes Casino. Nebst Roulette wird dort vor allem Schwarzpeter gespielt.“
„Jetzt übertreibst du aber. Mit Aktien konnte man in den vergangenen Jahrzehnten mehr Geld machen als mit allem anderen.“
„Stimmt nicht ganz, Falschgeld und Drogen waren rentabler“, grinste ich. „Aber wenn du unbedingt einen Aktientipp haben willst, hier hast du einen fundamentalistischen Ansatz: Meide in der jetzigen Krise Firmen mit einem großen US-Marktanteil und meide Firmen, die Dinge herstellen, die man eigentlich nicht braucht, Elektronikschrott zum Beispiel. Meide vor allem Banken, die stellen nämlich gar nichts her – außer Schulden.“
„Du bist ein Spaßvogel“, meinte mein Bekannter. „Gibt es denn nichts Kaufenswertes?“

Ich dachte eine Weile nach, doch wo mein inneres Auge auch hinschaute, sah es Probleme. Tourismus? Die Menschen werden nicht nach Bali fliegen, wenn die Kaufkraft sinkt. Autos? Man wird seine alte Karre fahren, bis sie auseinanderfällt. Pillen? Wenn die Arbeit rar wird, verschwinden viele Krankheiten von selbst. Oder gar Medizinaltechnik? Implantat und Hörgerät kommen nach dem Essen...wahrscheinlich sogar nach dem Autofahren, außerdem sind gerade diese Aktien total überteuert. Aber ...

„Gegessen und getrunken wird immer. Kauf dir doch einfach Nestlé-Aktien. Bei den steigenden Preisen der Nahrungsmittel werden sicher auch die Margen nicht so schlecht sein.“
Das schien ihm zu gefallen. Wie wär’s mit Energieaktien?“, schlug er vor. „Der Strom wird knapp, der Sprit ist so teuer wie noch nie.“
„Strom ja, bei der fossilen Energie würde ich zur Zeit passen. Wenn der Peak Oil voll durchschlägt, werden die Ölkonzerne vermutlich an die Kandare genommen und für den Aktienkurs ist das kein Plus.“
Er schwärmte noch von Solaraktien und Windparks, bis ich ihm erklärte, dass die staatlichen Subventionen vielleicht gestrichen würden. Doch dann strahlten seine Augen, wie nach einer Erleuchtung:
„Zeit! Das ist es. Heutzutage muss man in Zeit investieren. Zeit braucht es immer, ob man will oder nicht. Niemand kommt um Zeit herum. Sie ist gewissermaßen eine todsichere Sache. Noch sicherer als Essen und Trinken.“
„Wie um Himmelswillen willst du denn in Zeit investieren, du hast ja schon dein Leben in Zeit investiert?“
„Ganz einfach: ich kaufe mir Aktien einer Uhrenfabrik.“

Natürlich alles ohne Gewähr, aber mit geträumten Grüssen. Euer Traumperlentaucher.

Posts  1 - 10 /21