2009-11-29

Toleranz heißt, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Poppers)

Von traumperlentaucher @ 18:25 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die Schweizer würden diesen Entscheid noch bitter bereuen, liest man unter anderem von den Gegnern der Anti-Minarett-Initiative. Wirtschaftsblockaden und Terroranschläge werden gar befürchtet.
Da kann ich nur den Kopf schütteln. Das Minarettverbot dürfte für die Schweiz keine nachteiligen Folgen haben. Denn Muslime sind allgemein dafür bekannt, Provokationen einfach zu ignorieren und nicht wie die christlichen Fanatiker „Jesus ist groß“ rufend und Fahnen verbrennend den Tod für alle Ungläubigen zu fordern und Botschaften anzuzünden. Auch werden sie sicher keine Geiseln nehmen oder gar köpfen, wie das in den westlichen Ländern der Fall ist. Die Christen dort drehen ja schon wegen ein paar Karikaturen durch.
Nein, in den aufgeklärten und demokratischen islamischen Republiken geht es gesitteter zu. Dies ist nicht nur auf den mäßigenden Einfluss der islamischen Geistlichen zurückzuführen, sondern insbesondere auf die Toleranz der islamischen Religion gegenüber Andersdenkenden.

Ganz anders als im mittelalterlichen Christentum des Westens, wo Frauen irgendwo zwischen dem Vieh und den Männern angesiedelt und nach Bedarf entweder ausgepeitscht oder gesteinigt werden, nachdem sie von Männern vergewaltigt wurden.

Einige böse Zungen behaupten zwar, es würden haarsträubende Dinge im Koran stehen, wie etwa:

Sure 4, Vers 34: "Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den anderen gegeben hat... Diejenigen (Weiber) aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet - warnet sie, verbannet sie in die Schlafgemächer und schlagt sie..."

Sure 8, Vers 55: „Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.“

Sure 98, Vers 6: „Siehe die Ungläubigen vom Volk der Schrift (d.h. Juden und Christen) ... Sie sind die schlechtesten der Geschöpfe.“

Dabei handelt es sich aber in allen Fällen um böswillige Übersetzungen, wie sie von aggressiv missionierenden Religionen wie dem Christentum verwendet werden.
Genauso wie die angebliche Aussage Erdogans, des türkischen Ministerpräsidenten, der gesagt haben soll:

"Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten. Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind"

Nichts als Verleumdung der immerzu beleidigten Christen.

Trotzdem bedeutet die Annahme dieser Initiative einen Rückschritt für die Schweiz. Um weiterem Image-Schaden für dieses Land vorzubeugen, müssen in Zukunft solche populistischen Initiativen bereits vor der Abstimmung gestoppt werden. Auch sollte sichergestellt werden, dass die Meinungsumfragen im Vorfeld der Abstimmung nicht die Meinung der Umfrager, sondern der Befragten widerspiegelt.

Grundsätzlich sollte sich die Schweiz überlegen, ob sie sich nicht den demokratischen Gepflogenheiten der EU anschließen sollte und in der Regel das Volk nicht abstimmen lassen sollte, weder über Initiativen, Referenden noch sonst etwas. Und wenn schon, dann sollte, wie in der EU, einfach solange abgestimmt werden, bis das richtige Resultat erreicht wird. Der Mob lässt sich zu leicht manipulieren und ist in der Regel zu dumm um zu wissen, was richtig und falsch ist.

Natürlich ist dieses unnatürliche Resultat nur zustande gekommen, weil die rechtsextremen Parteien dieses schreckliche und gegen die Menschenwürde verstoßende Plakat ausgehängt hatten. Aber Frauen zu verschleiern oder Mädchen in Ganzkörperkokons schwimmen zu lassen ist eine typische christlich-fundamentale Eigenart.
Im Islam ist die Menschenwürde unantastbar, Frauen und Männer sind gleichberechtigt und die freie Religionswahl und Ausübung ist gewährleistet.

Die Initianten dieser merkwürdigen Initiative haben aber auch das Volk verhetzt. Die Gefechte der Freiheitskämpfer in Daressamlam, Nairobi, New York, Washington, Djerba, Bali, Madrid, London, Mumbai usw. wurden schändlicherweise zur Angstmache missbraucht. Auch behaupteten sie, Minarette seien Symbole der Macht und der Eroberung, historische Reliquien aus Zeiten wo Muezzine zum Gebet Krach gemacht hätten. Das ist purer Unsinn.
Im Islam sind solche Zwangsmittel absolut unnötig. Jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat. Das ist übrigens eine Errungenschaft der Scharia, die überall gilt, wo Muslime wohnen. Außer leider in den intoleranten westlichen Ländern.

Doch zurück zu dieser unnötigen Initiative:
Sie hat sich im Grunde nicht gegen Minarette, sondern gegen den Islam gerichtet. Das ist ein offenes Geheimnis. Dem Volk wurde Angst gemacht vor einer Islamisierung, ja sogar vor einer Eroberung Europas durch den Islam. Und es wollte mit seinem Ja vermutlich sagen: "Bis hierher und nicht weiter."
Dabei wäre es ein Glück für Europa, wenn diese mittelalterliche, intolerante, jeglichem freien Denken gegenüber feindlich gesonnene Religion wie das Christentum, einer toleranten aufgeklärten Religion weichen müsste. Hier hätte die Schweiz ein Zeichen setzen können und sich damit an die Spitze freidenkender, aufgeklärter, dem Humanismus verbundener Menschen stellen können, wie sie das seit den Zeiten Wilhelm Tells tat.
Lieder hat sie das nicht getan. Obschon die meisten Parteien, die führenden Köpfe, die Intellektuellen, die Industriellen und alle anderen vernünftig denkenden Personen gegen die Initiative postuliert hatten. Ob die Herrschenden in diesem Land den Draht zum Volk verloren haben?
Doch wie soll es nun weiter gehen mit diesem Staat? Müsste man ihn nicht auflösen, wie das der libysche Präsident vorgeschlagen hat? Oder müsste ihn die EU einfach annektieren?
Meines Erachtens hilft nur Druck: Internationale Menschenrechtsorganisationen müssen diese Abstimmung verurteilen, die UNO muss eine Resolution entschließen, das Abstimmungsergebnis muss vor dem internationalen Menschenrechtsgerichtshof angefochten werden. Die Schweizer müssen lernen, dass man nicht immer Freiheit und Toleranz fordern kann und gleichzeitig selbige massiv unterdrückt.
In der Zwischenzeit sollten wir uns in Geduld üben. Eines Tages werden die Minarette als Zeichen der Toleranz auch in Schweizer Städten und Alpentälern sprießen.

Friede sei mit euch. Euer Traumperlentaucher


Kommentare

Roman Stein - zauberstein [at] gmx.at
2009-11-29 21:45:17

Grüß Euch
Kann vieles in diesem Artikel stehend unterschreiben, da ich selbst in islamischen Ländern gearbeitet und auch viele Urlaube jenseits des Massentourismus dort verbracht habe.
Die Islamische Gastfreundschaft und Menschlichkeit sollte Beispielgebend für viele katholisch-westlich denkende Menschen sein.
Aber es gibt auch die andere Seite im Islam. Genauso wie überall wo Menschen sich über andere erheben, sind es einige wenige die ihre Macht für menschenverachtende und verhetzende Zwecke verwenden. Und das Selbe passiert auch im Islam. Nur weil jemand dieser Glaubensrichtung angehört hat er noch lange nicht den Freibrief der Menschlichkeit verdient. Weder hier im Westen noch dort im Osten....Also Achtung mit Verallgemeinerungen in jede Richtung.......

traumperlentaucher
2009-11-30 09:34:12

Ja, ich denke, dass wir unterscheiden sollten zwischen Islam und Islamismus.

Groo
2009-11-30 17:53:59

Sehr guter Artikel, hat was von Rollenspiel in der Psychologie. Perspektive werden vertauscht und man gelangt so zu Einsichten.

Ich bin nicht der Meinung, dass es notwendig ist, zwischen Islamismus und Islam zu unterscheiden. Es gibt kein reformierter Islam oder eine islamische Glaubensrichtung, welche das geschriebene Wort (Koran) in einen historischen Kontext stellt und für unsere Zeit zu interpretieren versucht. Ein Moslem ist immer 'fundamental', sonst ist er kein Moslem.



Kein Fundi
2009-12-01 08:21:03

Du bist ja nicht ganz dicht und auf deine Art auch ein Fundi. Wieso wanderst du nicht aus?

traumperlentaucher
2009-12-01 14:18:36

Dass ich dicht sei, habe ich nie behauptet, und natürlich bin ich auch eine Art Fundamentalist: mich interessieren die Fundamente unseres Seins und Handelns.

Groo
2009-12-01 15:48:53

ich schätze, "Kein Fundi" meint mich. Er findet meine Worte wohl nicht gut. Es wäre aber schön, er würde seine Meinung begründen und schreiben, warum ich nicht recht habe.

Ja, es gibt ein Forum für einen fortschrittlichen Islam (http://forum-islam.ch), habe aber das Gefühl, Frau Saida Keller-Messahli und Herr Karl Gruber sind die einzigen Mitglieder.

Was bleibt eigentlich als religiösen Kern vom Islam übrig, wenn man ihn vom Patriarchat, Schweinsfleischverbot und vom Tragen von langen Bärten befreit? Gibt's irgendeine gehaltvolle spirituelle oder religiöse Botschaft?

Groo
2009-12-01 16:08:13

ich schätze, "Kein Fundi" meint mich. Er findet meine Worte wohl nicht gut. Es wäre aber schön, er würde seine Meinung begründen und schreiben, warum ich nicht recht habe.

Ja, es gibt ein Forum für einen fortschrittlichen Islam (http://forum-islam.ch), habe aber das Gefühl, Frau Saida Keller-Messahli und Herr Karl Gruber sind die einzigen Mitglieder.

Was bleibt eigentlich als religiösen Kern vom Islam übrig, wenn man ihn vom Patriarchat, Schweinsfleischverbot und vom Tragen von langen Bärten befreit? Gibt's irgendeine gehaltvolle spirituelle oder religiöse Botschaft?

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