Bestseller sind Bücher, die alle lesen, weil alle sie lesen. Egal was für ein Mist drinsteht.
Literaturagent Merlin Petrow
Ein Buch zu schreiben, mit der Idee berühmt oder reich zu werden, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Nur 0,03 Prozent der Schriftsteller können vom Schreiben leben. Und das ist harte Arbeit ohne Erfolgsgarantie. Wer mit dem richtigen Manuskript zur richtigen Zeit beim richtigen Verlag anklopft und dann noch das unwahrscheinliche Glück hat, einen Bestseller zu landen, produziert im nächsten Jahr vielleicht bereits einen Flop und gerät rasch in Vergessenheit, denn niemand vergisst so schnell wie der Markt.
Viele Menschen möchten ein Buch schreiben, sei es über ihr Leben, über ihre Ansichten und Einsichten oder als persönliche Therapie. Nur wenige schaffen es und nur ganz wenigen ist es vergönnt, ihr Buch eines Tages in einem Regal beim Buchhändler stehen zu sehen, ein Buchrücken einsam und verloren unter Tausenden.
Natürlich sollte ein angehender Schriftsteller schreiben können – einigermaßen. Aber schließlich wird das Manuskript ja noch lektoriert. Und wenn der Lektor mal mit dem Rotstift fertig ist, hat manch einer Mühe, sein eigenes Manuskript wiederzuerkennen. Doch Schreibenkönnen reicht nicht.
Auch eine tolle Idee zu haben, genügt nicht. Ideen hat jeder. Allerdings stammen sie oft nicht aus der eigenen Küche, wie man gerne glaubt, sondern aus einem Film oder aus einem anderen Buch. Die Welt dreht sich im Kreis. Genauso wie in der Musik jede vernünftige Tonfolge schon x-fach gespielt wurde, wurde auch jeder Satz mindestens schon einmal geschrieben und jede mögliche und unmögliche Geschichte schon einmal erzählt.
Doch wie entsteht ein Bestseller?
Ein Bestseller wird von der Werbeabteilung eines Verlags gemacht. Dazu braucht es eine einigermaßen vernünftige Geschichte aus dem Kanon der gängigen Klischees. Aber es braucht dazu in erster Linie einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin, die man vorzeigen kann. Hausfrauen und Lehrer eignen sich schlecht dazu. Besser sind bekannte Politiker, Schurken, Exoten, Promis und Schönlinge. Ganz wichtig ist, gut auszusehen. Fotoshop hat seine Grenzen und Schminke auch. Auch sollten Schriftsteller, im Gegensatz zu Sportlern, vernünftige Interviews geben können.
Doch was passiert mit den Gewöhnlichen, die es nach Jahren geschafft haben, ein Buch zu schreiben? Vielleicht sogar eine gute Geschichte fesselnd erzählt haben?
Sie versenden ihre Exposees an alle möglichen Verlage, bekommen nichts als Absagen und manchmal überhaupt keinen Bescheid. Einige fallen auf die Angebote der Kostenzuschuss-Verlage herein, weil ihnen niemand gesagt hat, dass richtige Verlage keine Autoren suchen und auch keine Kostenbeteiligung verlangen.
Und viele landen schließlich bei
BOD,
Lulu oder einem ähnlichen Print on Demand Verlag. Für wenig Geld kann man dort sein Buch im Digitaldruck drucken lassen. Es bekommt eine ISBN-Nummer und wird dann auch bei Amazon etc. aufgeführt. Gedruckt wird jedes Exemplar nur auf Bestellung, Auflage Null. Die Qualität ist gut, die Kosten pro Buch etwas höher als bei Großauflagen im Offsetdruck. Keine schlechte Lösung. Das Manuskript vergammelt nicht auf der Festplatte des Computers, man hat ein hübsches Buch, das man seinen Freunden und Bekannten zu Weihnachten schenken kann und wenn man Glück hat, bestellt vielleicht der eine oder andere ein Exemplar im Internet.
Und später im Altersheim hat man etwas Vernünftiges zu lesen, von einem Autor, den man persönlich kennt - oder mit etwas Alzheimer jeden Tag neu entdecken darf.
Ein Bestseller wird es allerdings nie und reich wird man auch nicht, sondern in der Regel etwas ärmer. Denn obschon Print on Demand sehr günstig ist, eine Lektorin oder einen Lektor sollte man sich leisten, wenn man von seinen wenigen Lesern ernst genommen werden will.
Aber man schreibt ja auch nicht um berühmt oder reich zu werden, sondern weil es Spaß macht, oder nicht?
Wieso ich euch das alles erzähle? Nun, ich habe gerade ein neues Manuskript fertig. Beim letzten Mal hat’s leider nicht geklappt, mein Verlag ging zwischen Lektorat und Druck pleite. Mal sehen, was diesmal daraus wird.
Eine traumvolle Woche. Euer Traumperlentaucher