2009-09-30

ZU VERKAUFEN

Von traumperlentaucher @ 08:20 [ Mitteilungen ]


Gebrauchte Träume, verschiedene Sorten. Zum Beispiel rosarote Wolkenträume Nummer Sieben für frisch Verliebte, Bonusträume für gestresste Manager und andere arme Teufel, Missträume (nicht zu verwechseln mit Mistträumen) für Aschenputtel, Allmachtträume für Berufe, die mit „P“ beginnen, wie Polizisten, Plattenleger, Politiker, Pöstler, Päpste, Püro-Perater etc.

Die angebotenen Produkte sind bei bestimmungsgemässem Gebrauch sehr umweltfreundlich (Klasse Omega Plus Plus) und tragen nur unwesentlich zur Erhöhung der Unordnung im Universum bei. Damit wird der Wärmetod des Universums (Entropiegesetz) nicht messbar beschleunigt.
Die Produkte sind jedoch äusserst flüchtig und deshalb mit Sorgfalt zu behandeln. Eine Umsetzung in die Realität, ein Mischen mit anderen Träumen, die Anwendung in der Öffentlichkeit und das Kopieren sind verboten.
Entflohene Träume können nicht ersetzt werden.

WICHTIGE INFORMATION FÜR DEN KÄUFER: Das gesamte Universum, einschließlich dieses Produktes, kann eines Tages zu einem unendlich kleinen Punkt kollabieren. Sollte daraus wiederum ein neues Universum entstehen, kann die Existenz dieses Produktes darin nicht garantiert werden, da das Überleben von Träumen bei diesem Vorgang bisher noch nicht wissenschaftlich getestet wurde.

Bei Verirrungen und Nebenfantasien wenden Sie sich bitte an die nächste Fernsehanstalt oder an den Religionsführer Ihres Vertrauens.

Gerne nehme ich Bestellungen entgegen. Preis: Traumsache. Euer Traumperlentaucher

2009-09-28

Die Schatten der Vergangenheit

Von traumperlentaucher @ 07:40 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Roman Polanski wurde von seiner Vergangenheit eingeholt. Er hatte geglaubt, ihr entwischt zu sein, hatte geglaubt, seine Berühmtheit schütze ihn vor ihr. Aber es hat nicht geklappt.
Unsere Vergangenheit holt uns immer ein, doch nicht immer in der Realität, wie bei Polanski, oft „nur“ in unseren Träumen. Manchmal kommt sie auch ganz unauffällig als Krankheit getarnt, oder in Form eines Ereignisses, scheinbar ohne Kausalität. Einige erreicht die Vergangenheit erst auf dem Totenbett.
Es gibt nur eine Möglichkeit dem zu entrinnen: Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen und mit ihr abschliessen. Das hätte auch Polanski wissen müssen. Das Leben ist kein Film, auch wenn es manchmal danach aussieht.
Darüber, dass die Schweiz ihn erst jetzt verhaftete, obschon er oft einreiste, hier sogar ein Ferienhaus besass, darüber kann man diskutieren. Vermutlich eine Gefälligkeit, ein Deal mit den Amerikanern, wie üblich.
Auch über die amerikanische Rechtssprechung und das dortige Justizsystem kann man sich wundern. Doch manchmal wünschte ich mir jedoch, es würde auch hier gelten, ja manchmal wünschte ich mir sogar die Scharia, wenn ich an die Bankster denke, die unserem Land soviel Schaden zugefügt haben oder an die jugendlichen Banden, die aus Spass Menschen tot oder zu Krüppeln treten.
Aber vielleicht bräuchte es ein ganz neues Rechtssystem. Eines in dem der Geschädigte über den Täter urteilt und die Art und Höhe der Strafe bestimmt. Denn nur der Geschädigte einer Tat kann wirklich die Bedeutung einer Tat erfassen. Kein Richter, kein Psychologe ist in der Lage, zu ermessen, was ein Opfer wirklich fühlt und wie eine Tat sein Leben verändert und welche Narben sie seiner Seele zugefügt hat.
Doch unser Rechtssystem basiert nicht auf Sühne, nicht auf Strafe und kaum auf dem Schutz der Gesellschaft, sondern auf Resozialisierung der Täter.
Hierzulande käme Polanski mit einem blauen Auge davon. Nun wird er voraussichtlich abgeschoben in ein Rechtssystem das straft und nicht resozialisiert. Das könnte ihn für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen. Genauso wie die Täterin, die seine Frau Sharon Tate ermordete und die kürzlich im Gefängnis gestorben ist.
Würde sein Opfer heute über ihn urteilen, so käme er vielleicht frei. Aber hätte es vor dreissig Jahren über ihn richten müssen, würde er vielleicht noch sitzen.
Wie dem auch sei. Indem man mit ein paar interessanten Filmen Berühmtheit erlangt, wäscht man sich nicht rein und von alten Schulden los.
Und die Moral von der Geschichte: Sei gut zu den Menschen bei deinem Aufstieg, du könntest ihnen bei deinem Abstieg wieder begegnen und anstatt eines goldenen, ein blaues Auge einfangen. Euer Traumperlentaucher

2009-09-26

Die stärkste Kraft

Von traumperlentaucher @ 15:46 [ Traumgeschichten ]


Irgendwo im Nirgendwo sass ich, vermutlich in einem Traum, an einem Tisch in einer altertümlichen Schenke. Mittelalter am Ende des Universums, an der Grenze zum Nichts. Wie ich dorthin gekommen war, per Anhalter oder durch ein temporäres Wurmloch, kann ich nicht sagen. Aber ich wurde Zeuge folgenden Gesprächs am Nachbartisch:

„Nichts ist so stark wie das Feuer, es kann alles vernichten“, sagte der kleine Mann, der im Ohr des grossen Mannes sass.
„Du irrst dich, Mann im Ohr“, entgegnete der Delphin und wedelte dabei mit der Schwanzflosse. Dem Wasser kann das Feuer nichts anhaben, es kann das Feuer sogar löschen und es ist deshalb stärker.“
„Nein, der Wind hat Macht über alle Elemente. Er kann das Feuer anfachen oder löschen, er kann das Wasser bringen oder trocknen, wie es ihm beliebt“, warf Emma ein.
Ich wusste nicht, woher ich wusste, dass sie Emma hiess, aber dieses Nichtwissen fiel mir damals nicht auf. Fasziniert beobachtete ich die Fransenkäfer am Tischrand.
„Feuer, Wasser, Wind sind zwar geschwind, doch nichts ist stärker und ausdauernder als der Fels“, warf der Denker am Tischende ein. „Er ist unerschütterlich. Nichts und niemand kann ihm etwas anhaben. Wenn die Elemente in ihrer Wut alles Leben von der Oberfläche des Planeten fegen, er bleibt bestehen.
In diesem Moment regte sich der grosse Mann mit dem kleinen Mann im Ohr als sei er eben aufgewacht. Seine Stimme klang sanft.
„Alles falsch, liebe Freunde, nichts ist so stark wie die Zeit. Der Fels zerfällt mit der Zeit zu Staub, Wasser trocknet und hinterlässt Wüste, der Wind ermüdet und auch das stärkste Feuer kann nicht ewig brennen.“ Er lächelte und der kleine Mann im Ohr lächelte mit.
War die Zeit wirklich die stärkste Kraft im Universum? Stärker als alles andere? Stärker als die Elemente, ja sogar stärker als die vier Grundkräfte der Physik? Ich stand auf, nahm mein Bier und setzte mich an den Nachbarstisch als wärs die grösste Selbstverständlichkeit.
„Du hast eine Frage?“, wollte Emma wissen und schaute mich neugierig an.
„Du zweifelst an der Zeit?“, fragte der Denker und schaute durch mich hindurch.
„Ja“, sagte ich. „Die Zeit ist doch nichts als das Schmiermittel des Universums. Sie ist unbeteiligt am Geschehen, bloss eine Vermittlerin.“
Der Delphin wedelte ungeduldig mit der Schwanzflosse. „Was dann?“, fragte er, „was dann?“
„Nichts ist so stark wie die Liebe. Sie kann selbst die Zeit überdauern“, entgegnete ich. In der von Sternenlicht durchfluteten Schenke wurde es plötzlich still. Keiner regte sich. Sogar die Fransenkäfer bewegte sich nicht mehr.
Dumm nur, dass ich in diesem Moment aufwachte.

Ein tolles Wochenende. Carpe Diem. Euer Traumperlentaucher

Bild: von JoJo

2009-09-22

Die Kräuterhexe

Von traumperlentaucher @ 21:21 [ Begegnungen ]


Ich liebe den Herbst. Nicht nur wegen seinen wunderbaren Farben und traumhaften Nebelbildern. Es ist die Zeit der Ernte. Nebst Bäumen und Reben voll süsser Früchte hält auch der Wald einige Leckerbissen parat.
Heute war ich Pilze suchen. Mit roter Kappe, damit mich kein Jäger für ein Reh hält. Ich mag zwar Wild auf dem Teller, doch kein Schrott im Rücken.
Doch entweder hatten sich die Pilze versteckt oder meine Augen waren pilzblind wegen dem Computerschirm. Ausser ein paar Computer...pardon...Safranschirmlingen, die auch ein Blinder finden würde, konnte ich nichts aufstöbern. Nicht einmal einen anständigen Giftpilz. Dabei liebe ich Gilftpilze. Gäbe es sie nicht, hätte es zuviele Pilzsammler.
Anstatt Pilz hatte ich Zeit zum Nachdenken.
Über den Herbst als Jahreszeit und als Lebensabschnitt. Letzterer sollte ja auch eine Zeit der Ernte sein. Sofern man sich die Zeit dafür nahm.
Zeit?
Das war es! Ich war viel zu schnell! Darum sah ich die Pilze nicht. Ich sah überhaupt nichts, nicht einmal den Wald - auf jeden Fall nicht richtig. Ich setzte mich unter eine alte Buche.
Ist es nicht so? Je schneller wir durchs Leben eilen, desto weniger sehen wir. Überhaupt scheint mir das Pilzesammeln wie das Leben: Das was man sucht, findet man oft nicht, dafür unverhofft etwas Unerwartetes. Allerdings können wir das Unerwartete nur sehen, wenn wir dafür offen sind. Erwarten meine Augen nur Steinpilze, übersehe ich leicht die Totentrompeten.
Und dann erst die Gilftpilze! Davon gibt es auch im Leben mehr als genug. Oft stehen sie direkt neben den Geniessbaren. Ein falscher Griff und schwuppdiwupp ist man erledigt.
Meine Gedanken machten sich selbstständig, verliessen den Wald und schwirrten durch Raum und Zeit.
Doch Halt! War dort vorne zwischen den dunklen Tannen nicht eine alte Frau mit einem Stock unterwegs? Eine Pilzsucherin oder eine Kräuterhexe?
Als sie näher kam, erkannte ich sie. Es war meine Mutter.
"Schön dich hier zu treffen", sagte sie.
"Ich habe dich erwartet", sagte ich.

Passt eure Geschwindigkeit der Zeit an, dann kommt Unverhofft oft. Euer Traumperlentaucher


2009-09-21

Im Zeichen der Waage

Von traumperlentaucher @ 18:21 [ Gedichte ]


Dass Waagen immer die Balance halten, ist eine Mär. Denn Wägen, das ist sekundär.
Auf und Nieder ist ihr Spiel, wie in einer Achterbahn, da kann mir einer sagen was er will.
Denn schliesslich bin ich selber eine. Eine Waage natürlich und nicht etwa eine kleine.
Nicht einmal die Balance zwischen Traum und Wirklichkeit will der Waage gelingen, allzuoft gerät sie dabei ins Schlingern.
Mal zu leicht mal zu schwer, welche Seite sie nehmen soll, weiss sie nicht mehr.
Hier ein fauler Kompromiss, dort etwas Diplomatie, Hauptsache es stimmt die Harmonie.
Darum sagt sie manchmal Ja und meint doch Nein, und wenn’s schiefgeht öffnen wir halt eine Flasche Wein.
Den Rebensaft, den mag sie gern, er gibt den Gedanken Kraft und lässt sie fliegen. Hinein ins Land der Träume, wo die schönsten Perlen auf dem Grunde liegen.

Es muss ja nicht immer ein Schnupfspruch sein ;-) Euer Traumperlentaucher

2009-09-20

Tempus fugit

Von traumperlentaucher @ 21:36 [ Erinnerungen ]


Schon bald habe ich wieder Geburtstag. Was glaubt ihr, wie alt werde ich?

Als ich geboren wurde, hatte noch niemand einen Fernseher. Ganz einfach aus dem Grund, weil es noch keine Fernsehsendungen gab. Dafür hörte man Radio. Beromünster auf Mittelwelle oder über Telefonrundspruch. UKW war noch wenig bekannt.
Den Transistor hatte man zwar schon erfunden, aber die Geräte liefen alle noch mit Röhren. Sie glühten hübsch im Dunkeln und spendeten zuätzlich Wärme. Nicht unwillkommen, denn die Winter verdienten noch ihren Namen und man heizte mit Holz oder Kohle.
Am Abend sass die ganze Familie zusammen, hörte Radio, las oder spielte Karten. Am Sonntag ging man in die Kirche. Geschieden wurde kaum, man blieb zusammen. Patchwork-Familien waren exotisch. Abgesehen davon war das Konkubinat sowieso verboten.
Kreditkarten, Mikrowellenöfen, Taschenrechner, Computer, Handys, CD oder gar DVD gab es noch nicht. Dafür gab es Schallplatten und für Musikliebhaber Tonbandgeräte, grosse Maschinen, mit denen man Sprache und Musik auf Bänder aufzeichnen konnte, die auf Spulen aufgewickelt wurden. Aus China kam höchstens Tee, Japan war der aktuelle Billigproduzent.
Autos waren selten, etwa ein Hundertstel von dem was heute so rumfährt. Allerdings gab es hierzulande auch noch keine Autobahnen. Gefahren wurde so schnell man wollte oder konnte, ohne Sicherheitsgurte notabene. Von Airbags hatte noch niemand etwas gehört. Mein Vater hatte einen Wagen, bei dem man im Kofferraum zusätzliche Sitze aufklappen konnte und den man ankurbeln musste. Auch mit dem Töff (Motorrad) war man ohne Helm und Schutzkleidung unterwegs. Benzin war so billig, dass sich niemand über den Verbrauch der Fahrzeuge Gedanken machte, geschweige denn zu CO2.
Selbstbedienungsläden existierten nicht, man musste die Bedienung nach den Waren fragen. Das Sortiment war übersichtlich klein und vieles kaufte man offen. Tiefkühlprodukte existierten nicht, aber es gab schon die Toblerone, Maggi-Würze und Thomy-Mayonnaise.
Im Winter hatte es viel Schnee und Teiche und Bäche waren auch im Unterland zu gefroren. Sogar grosse Seen, wie der Zürichsee froren manchmal zu und man konnte darauf Schlittschuh-laufen. Zum Skifahren brauchte man keine speziellen Anzüge oder Schuhe. Man schnallte sich die Skier mit einfachen Kabelzügen an. Sicherheitsbindungen waren unbekannt. Dafür musste man die Skier wachsen...und wehe man erwischte den falschen Wachs. Dann blieb man stecken.
Die Nylonstrümpfe, die damals aufkamen, hatten noch eine Naht, Antibabypillen existierten noch nicht, aber es gab auch kein Aids. Die Frauen hatten hierzulande noch kein Stimmrecht und selten einen Führerschein.
Automatische Waschmaschinen und Staubsauger waren Luxus. Geschirrspüler und Wäschetrockner gab es noch nicht.

Natürlich gab es damals auch kein Blog, kein Facebook und kein Twitter und wenn man sich auf der Schreibmaschine vertippte musste man radieren. Euer Traumperlentaucher

2009-09-18

Blindflug

Von traumperlentaucher @ 08:11 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Gerade habe ich die gestern erschienene Medienmitteilung der Schweizerischen Nationalbank gelesen. Fazit: Prinzip Hoffnung. Die SNB hat keine Ahnung wie es weiter geht.
Geschrieben wird davon, dass sich die weltweiten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung noch bestätigen müssten und dass die Konjunktur zurzeit von Faktoren gestützt werde, die eine zeitlich begrenzte Wirkung haben. Damit sind die staatlichen Ankurbelungsmassnahmen gemeint, wie zum Beispiel Abwrackprämien für alte Autos. Und wieder einmal wird von einer „Lokomotivfunktion der USA“ geschrieben um dann zu erwähnen, dass diese nur aufrecht erhalten werden könne, wenn die amerikanischen Konsumenten mit dem „verstärkten Schuldenabbau“ aufhören, den sie zur Zeit betreiben würden.
Im Klartext heisst das: Wenn die Amerikaner nicht wieder Schulden machen wie bisher, kommen wir nicht aus der Krise raus. Weiterwursteln wie bisher, neue Rezepte sind nicht in Sicht.
Auch bei der Frage, ob die Deflation weiter geht, oder Inflationsgefahr besteht, wird abgewiegelt. Fazit: Die SNB weiss es nicht. Sie fliegt ohne Radar auf Sicht.
Zwar wurde die Geldmenge massiv erhöht, doch das Geld kommt nicht beim Konsumenten an. Es bleibt bei den Banken stecken und kann deshalb nicht inflationär wirken. Warum das so ist, darüber schweigt sich die SNB weitgehend aus. Sie schreibt bloss, dass sich die Bedingungen zur Kreditvergabe etwas verschärft hätten, aber die Schweizer nicht mehr Kredite bräuchten. Abgesehen von Hypothekarkrediten – bei diesen niedrigen Zinsen will ja jeder sein Häuschen haben. Generell sei die Liquidität sehr hoch. Na klar, wo bitte schön soll man denn sein Geld sicher anlegen?

Wo also geht das viele Geld hin? Gestern las ich in einer Zeitung, dass sich die Banken von der SNB Geld leihen würden um es gleich wieder auf einem Konto der SNB zu deponieren.
Das ist natürlich Blödsinn. In Wirklichkeit werden die Banken Geld brauchen, weil viele Ausländer ihr Geld bei Schweizer Banken abziehen und sie werden es brauchen um an den Kapitalmärkten und Börsen damit zu zocken, in der Hoffnung mit den Gewinnen ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern, und natürlich fette Boni zu bezahlen.

Dass diese Krise anders ist als bisherige Rezessionen, schimmert auch in der Medienmitteilung durch, auch wenn sie mit den rosaroten Tönen zwischen den dunklen Flecken den Menschen Mut machen will. Sätze wie
(Zitat)
Die Nationalbank bleibt jedoch der Meinung, dass der Weg bis zur vollen
Auslastung der Produktionskapazitäten insgesamt länger und unsicherer sein wird, als dies
üblicherweise gegen Ende einer Rezession der Fall ist. (Zitat Ende)
sprechen Bände.

Es funktioniert halt nicht alles schön nach Lehrbuch. Trotzdem steht das Wochenende wie immer vor der Tür. Gute Träume! Euer Traumperlentaucher

Bild: von Heinz

2009-09-17

Neue Massstäbe

Von traumperlentaucher @ 08:04 [ Prophezeiungen ]


Die Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, die den Studenten an den Hochschulen eingetrichtert wird, hat einen gravierenden Schönheitsfehler: Sie hat wenig mit der Realität zu tun. Sowenig wie Investmentbanking mit der Realwirtschaft. Denn der Mensch ist ein ziemlich unvernünftiges und unberechenbares Wesen, getrieben von seinen Emotionen, Hoffnungen, Ängsten und Träumen und lebt in einer begrenzten Welt, in der die Exponentialfunktion tödlich ist.
Sarkozy, der französische Präsident, scheint das erkannt zu haben. Er möchte die Messgrösse Bruttoinlandprodukt durch andere Massstäbe ersetzen. Durch Glück zum Beispiel. Allerdings zweifle ich daran, ob der Bling-Bling-Präsident wirklich eingesehen hat, dass Geld nicht glücklich macht. Aber vielleicht hatte er ja einen Anfall von Weitsicht und hat erkannt, dass die Krise unseres Wirtschaftssystems erst begonnen hat und dass ihm bald die klassischen Argumente ausgehen werden um den weiteren Abstieg seinem Volk zu erklären.
Dadurch ist er anderen Staatsmännern und Frauen, wie Merkel und Obama voraus. Gar nicht zu reden von unseren Politikern in ihren engen Denkkäfigen.
Die tun noch so, als sei bald alles vorüber und wir könnten uns mit verstärktem Schuldenmachen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen wie einst der Baron von Münchhausen. Ob sie je ihren Wirtschaftsexperten die entscheidende Frage gestellt haben: „Wie ist es soweit gekommen?“
Vielleicht hätte ihnen ja einer von ihnen die ganz grossen Zusammenhänge erklärt: dass der Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahrzehnte auf billigem Öl und hemmungslosem Schuldenmachen basierte. Und ein anderer hätte ihnen vielleicht auch sagen können, dass dieser Zauber nicht ewig hält.
Auf die anschliessende Frage: „Was können wir tun?“, hätten die Experten vermutlich finstere Gesichter gemacht. Kaum einer hätte gewagt zu sagen: „Nichts. Wir können den Abstieg nur etwas hinausschieben. es sei denn, wir würden Tabula rasa machen und die Gläubiger verzichten auf ihre Guthaben. Aber das würden Sie, meine Damen und Herren Politiker kaum überleben.“ Und keiner hätte es wohl gewagt, den noblen Damen und Herren die Olduvai-Theorie zu erklären. Man hätte ihn umgehend in eines jener Sanatorien gebracht, die mein Freund Armin kennengelernt hat.
Denn nicht nur die Bauern in Belgien, die Millionen von Litern Milch auf die Felder schütten, während in der Welt eine Milliarde Menschen Hunger leiden sind unvernünftige, egoistische Wesen. Auch Politiker gehören zu dieser Kategorie. Ihre Messgrössen sind Macht und Geld. Glück gehört nicht dazu.
Darum wird Zar Kotzy eine Ausnahme bleiben. Vielleicht weil er eine aussergewöhnlich intelligente und dazu noch hübsche Frau hat.
In der Zwischenzeit klammern wir uns an die positiven Meldungen aus der Wirtschaft, die uns immer wieder ein Ende der Krise vorgaukeln. Die Forscher des LEAP haben dazu in ihrem neusten Bulletin eine passende Analogie: Ein Gummiball, der die Treppe hinunterhüpft, springt auf jeder Stufe hoch, bevor er seine Talfahrt fortsetzt.

Vermutlich wird es noch Jahre dauern, bis es Politikern, Managern und Nationalkomikern dämmern wird, dass die Zeiten des immer-währenden Wachstums endgültig vorbei sind.

Geniesst den Herbst der goldenen Jahre, der Winter wird lang und hart sein. Euer Traumperlentaucher

2009-09-16

Eine graue Maus als Bundesrat

Von traumperlentaucher @ 10:50 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Burkhalter ist neuer Bundesrat. Doch wer ist Burkhalter? Bisher ist er mir weder positiv noch negativ aufgefallen. Schlimmer noch: er ist mir überhaupt nicht aufgefallen. Bis vor einigen Tagen wusste ich nicht, wer dieser Burkhalter ist. Dann habe ich seinen erhobenen Zeigefinger und sein spitzes Mausgesicht in der Zeitung gesehen.
Der Mann scheint mir weder Charisma noch ein tiefes Profil in den Sohlen zu haben. Darum wurde er wohl vom Parlament auch gewählt. Er wird niemandem in die Quere kommen. Ein neuer schwacher Mann für eine schwache Mannschaft.
Doch die Alternativen waren nicht besser: der Schwaller mit seinem Hundeblick hätte auch keine Stricke zerrissen. Ein Wischiwaschi-Politiker, und der Lüscher scheint mir eher ein Lebemann als ein Staatsführer zu sein. Eine Art Berlusconi. Einzig Dick Marty hätte Profil an den Sohlen gehabt. Daher hatte er auch keine Chance. Bundesräte wie Ogi, Stich oder Delamuraz sind eben Ausreisser in diesem Politgerangel.

Aber geben wir dem neuen Mann eine Chance. Vielleicht ist er ja für eine Überraschung gut. Die werden wir auch dringend nötig haben in den nächsten Jahren. Denn die Krise ist keineswegs vorbei, wie die Mainstream-Journis verkünden. Sie kommt erst angeschlichen. Das Problem der Banken-Casinos wurde nicht gelöst, der Staat hat den Kerlen bloss Steuergelder in ihre gierigen Rachen gestopft. Das wird nicht lange halten. Und in der Zwischenzeit setzt die reale Wirtschaft ihre Talfahrt fort. Überall stehen Entlassungen und Kurzarbeit vor der Tür.
Eine schwierige Zeit für Bundesrat Burkhalter.

Noch ein Tipp für den Arbeitsalltag: Bringt um Himmels Willen keine CE-Zeichen mehr auf euren Produkten an. Das heisst nämlich CHINA EXPORT. Euer Traumperlentaucher.

2009-09-15

Vom Fluss- zum Gedankenbett

Von traumperlentaucher @ 20:57 [ Träume ]


„So wie sich der Fluss durch die Landschaft schlängelt, schlängeln sich auch unsere Gedanken durch die Wirklichkeit“, bemerkte unser Begleiter. Wir, das heisst der Gesichtslose und ich, hatten ihn schon eine ganze Weile am Hals. Er hatte nicht einmal gefragt, ob er sich uns anschliessen dürfe. Er schlurfte in seinen Heilandsandalen hinter uns her und hatte zu allem und jedem einen Kommentar.
„Wir wandern aber hier nicht durch die Wirklichkeit, sondern durch einen Traum“, hielt ich ihm entgegen. „Darum ist dieser Fluss auch schnurgerade.“
„Nur in deiner Vorstellung ist er gerade, in Wirklichkeit … das heisst im Traum, windet er sich wie alle Flüsse, denen man noch keinen Zwang angetan hat. Du nimmst die Biegungen dieses Stroms nicht wahr, weil er so mächtig ist und du so klein.“
Ich bin nicht klein, wollte ich protestieren, doch der Gesichtslose an meiner Seite fiel mir ins Wort:
„Man soll dem Wasser keine Gewalt antun.“
Erstaunt sah ich ihn an. Was er damit wohl meinte?
„Das Schlängeln ist die normale Fortbewegungsart des Flusses. Auch wenn ihm kein Hindernis entgegensteht, windet er sich durch die Landschaft, dreht mal nach links und dann wieder nach rechts, ganz nach seinem Gefühl.“
„Gefühl? Kann denn Wasser fühlen?“
„Es kann noch viel mehr!“, meldete sich wieder unser ungefragter Begleiter. „Aber du hast nicht verstanden, was ich sagen wollte: Der Fluss muss schwingen um richtig fliessen zu können. Genauso ist es mit deinen Gedanken. Zwingst du sie hinter Dämme in ein gerades Bett, tust du ihnen Gewalt an.“
Eine wirre Diskussion fand ich. Ich hielt an und schaute auf den Fluss hinaus. Sah ich seine Biegungen nicht, weil er so mächtig war? Weil er so langsam schlängelte?
„Was würde passieren, wenn wir den Fluss in ein gerades Bett zwingen würden“, fragte ich meine beiden Begleiter, die ebenfalls angehalten hatten.
„Er würde eines Tages mit Gewalt ausbrechen“, entgegnete unser neuer Begleiter.
„Genauso wie die Menschen“, die man in ein künstliches Gedankenbett zwängt“, ergänzte der Gesichtslose.

Lasst eure Gedanken fliessen. Euer Traumperlentaucher

Posts  1 - 10 /19