Der Toast
| Von traumperlentaucher @ 07:45 | [ Gedanken & Beobachtungen ] |

Heute heiratet eine meiner Töchter und ich überlege mir gerade, was ich denn dazu sagen soll. Keine grosse Ansprache, nein, ich will ja niemanden langweilen. Aber einen Toast ausbringen sollte ich schon. Also werde ich irgendwann mit dem Löffel ans Glas schlagen und hoffen, dass es dabei nicht kaputt geht, aufstehen und sagen:
„Mein lieber Schwiegersohn, liebe unbekannte neue Bekannte, ich frage mich, wo die hundert Kamele sind, die ihr mir für meine Tochter versprochen habt. Ich hoffe, dass diese im Verlaufe des Abends noch eintreffen werden, sofern sie nicht schon da sitzen. Im Übrigen, lieber Schwiegersohn, hoffe ich, dass du es dir gut überlegt hast, denn bei diesem Deal gibt es kein Umtauschrecht. Danke für die Aufmerksamkeit“
Dann wird es mucksmäuschenstill sein und keiner wird lachen.
Nein, so geht es nicht. Da ich weiss, dass bei meinen schrägen Witzen nie jemand lacht und ich das Talent habe, quer durch alle Fettnäpfchen zu marschieren, sollte ich bei der ernsten Seite des Lebens bleiben. Also werde ich etwa folgendes sagen:
„Liebes Brautpaar, liebe Verwandte, Bekannte und Freunde. Mein Grossvater hat mir einmal gesagt: „Weisst du, das Leben ist nur ein kurzes Grüssen und ein Abschied nehmen müssen.“ Mir hingegen kommt es vor wie ein Traum. Sogar ein sehr kurzer Traum, wenn ich heute zurückschaue. Wie ein Aufblitzen in den Hallen der Ewigkeit. Das Leben wäre vermutlich sogar ein Albtraum, wenn es die Liebe nicht gäbe. Sie macht unser Leben erst richtig lebenswert. Darum gehören Momente wie heute zu den glücklichsten. Zwei junge Leute, die sich die Hand geben um ihren Lebenstraum in Zukunft gemeinsam zu träumen. Ich wünsche ihnen dazu von Herzen alles Gute, viel Glück und vor allem viel Liebe.“
Aber höchst wahrscheinlich werde ich etwas ganz anderes sagen. Etwas, das mir dann gerade durch den Kopf schwirrt. Vielleicht ein Filmzitat oder etwas von Schiller:
„Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“
Ich hoffe, dass es euch gelingt, in euren glücklichen Momenten die Zeit anzuhalten. Euer Traumperlentaucher.












