2009-08-28

Der Toast

Von traumperlentaucher @ 07:45 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Heute heiratet eine meiner Töchter und ich überlege mir gerade, was ich denn dazu sagen soll. Keine grosse Ansprache, nein, ich will ja niemanden langweilen. Aber einen Toast ausbringen sollte ich schon. Also werde ich irgendwann mit dem Löffel ans Glas schlagen und hoffen, dass es dabei nicht kaputt geht, aufstehen und sagen:
„Mein lieber Schwiegersohn, liebe unbekannte neue Bekannte, ich frage mich, wo die hundert Kamele sind, die ihr mir für meine Tochter versprochen habt. Ich hoffe, dass diese im Verlaufe des Abends noch eintreffen werden, sofern sie nicht schon da sitzen. Im Übrigen, lieber Schwiegersohn, hoffe ich, dass du es dir gut überlegt hast, denn bei diesem Deal gibt es kein Umtauschrecht. Danke für die Aufmerksamkeit“
Dann wird es mucksmäuschenstill sein und keiner wird lachen.
Nein, so geht es nicht. Da ich weiss, dass bei meinen schrägen Witzen nie jemand lacht und ich das Talent habe, quer durch alle Fettnäpfchen zu marschieren, sollte ich bei der ernsten Seite des Lebens bleiben. Also werde ich etwa folgendes sagen:

„Liebes Brautpaar, liebe Verwandte, Bekannte und Freunde. Mein Grossvater hat mir einmal gesagt: „Weisst du, das Leben ist nur ein kurzes Grüssen und ein Abschied nehmen müssen.“ Mir hingegen kommt es vor wie ein Traum. Sogar ein sehr kurzer Traum, wenn ich heute zurückschaue. Wie ein Aufblitzen in den Hallen der Ewigkeit. Das Leben wäre vermutlich sogar ein Albtraum, wenn es die Liebe nicht gäbe. Sie macht unser Leben erst richtig lebenswert. Darum gehören Momente wie heute zu den glücklichsten. Zwei junge Leute, die sich die Hand geben um ihren Lebenstraum in Zukunft gemeinsam zu träumen. Ich wünsche ihnen dazu von Herzen alles Gute, viel Glück und vor allem viel Liebe.“

Aber höchst wahrscheinlich werde ich etwas ganz anderes sagen. Etwas, das mir dann gerade durch den Kopf schwirrt. Vielleicht ein Filmzitat oder etwas von Schiller:

„Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet. Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“

Ich hoffe, dass es euch gelingt, in euren glücklichen Momenten die Zeit anzuhalten. Euer Traumperlentaucher.

2009-08-24

Das Gottsyndrom

Von traumperlentaucher @ 09:45 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die schönste Frau des Universums wurde soeben auf den Bahamas erkoren. Des Universums? Das ist keineswegs sicher. Wer weiss schon, ob es nicht irgendwo einen erdähnlichen Planeten gibt, der noch eine Schönere kennt. Wer weiss schon, ob Aliens nicht so aussehen wie wir, ob die Entwicklung nicht universellen Mustern folgt – bei ähnlichen Bedingungen?
Aber auch anderswo hält man sich für einzigartig. Obama soll kürzlich, im Zusammenhang mit den angestrebten Reformen des Gesundheitswesens, gesagt haben:
'We are God's partners in matters of life and death'
Obama, Partner von Gott? Das ist noch eine Stufe höher als Bush. Der bekam bloss seine Befehle von Gott. Und er steht damit auch noch eine Stufe höher als der Papst, der sich für einen Abgesandten Gottes hält.
Doch das Gottsyndrom soll heilbar sein, wie ich bei einem Besuch im Sanatorium erfahren habe. Es ist bloss eine Begleiterscheinung der Macht.

Eine göttliche Woche! Euer Traumperlentaucher

2009-08-23

Der Priester und der Ameisenhaufen

Von traumperlentaucher @ 08:04 [ Träume ]


Als wir kürzlich auf dem schmalen Uferweg dem Fluss entlang schlenderten, begegneten wir einem Priester, der mit einem Stock in einem Ameisenhaufen stocherte.

„Was tut er da?“, fragte ich den Gesichtslosen.
„Er spielt Gott.“
„Das verstehe ich nicht. Er ist doch nur ein gewöhnlicher Priester. Und was hat das mit den Ameisen zu tun?“
Der Gesichtslose hielt an und kramte eine Packung Zigaretten aus seiner Umhängetasche.
„Für die Ameisen ist er Gott. Sie sehen in zwar nicht, weil er für sie einfach zu gross ist, aber sie spüren sein Handeln.“
„Ob auch wir Menschen Gott nicht sehen können, weil er zu gross ist?“, überlegte ich laut. „Was, wenn dieser unsichtbare Gott auch mit uns spielt?“

Der Gesichtslose steckte sich drei Zigaretten gleichzeitig in den unsichtbaren Mund und sie entzündeten sich wie von Geisterhand.
„Vermutlich können auch wir Gott nicht wahrnehmen, weil er zu gross ist, aber ich hoffe, dass er nicht mit uns spielt.“
„So gross, dass er das ganze Universum ausfüllt?“, fragte ich.
„Vielleicht noch grösser. Vielleicht ist unser Universum der Ameisenhaufen des Priesters.“

Beim Aufwachen fiel mir auf, dass der Gesichtslose kein einziges Mal gehustet hatte. Ein Zeichen? Euer Traumperlentaucher.

2009-08-22

2012

Von traumperlentaucher @ 10:39 [ Gedanken & Beobachtungen ]


2012 scheint ein besonderes Jahr zu werden. In diesem Jahr endet nicht nur der Kalender der Maya, auch bei vielen anderen Urvölkern taucht 2012 als Schicksalsjahr für die Menschheit auf. Der geheimnisvolle Planet X, auch Nibiru genannt, soll dann zurückkehren und der Erde begegenen.
1992 entdeckte die NASA unerklärliche Abweichungen in den Umlaufbahnen der Planeten Uranus und Neptun, die auf einen grossen Himmelskörper ausserhalb unseres Sonnensystems hindeuteten. Er habe die vier- bis achtfache Erdmasse und eine stark geneigte Umlaufbahn im Gegensatz zu den bekannten Planeten, wird vermutet.
Aufgrund alter Schriften der Sumerer soll der Unbekannte alle 3600 Jahre der Sonne nahe kommen um dann wieder in der Tiefe des Alls zu verschwinden.
Je nach dem, wie nahe er der Erde dabei kommt und wie Erde, Sonne und der Unbekannte bei der Begegnung zueinander stehen, würde sich das auf unseren Planeten auswirken.
Sonnenstürme und Unwetter im leichtesten Fall, Verschiebung der Erdachse, Polsprung und Auslöschung allen Lebens im schlimmsten.
Doch noch können wir den Planeten X nicht sehen. Wir wissen deshalb auch nicht, wie er aussieht und wie grosse er wirklich ist. Ist es vielleicht gar kein Planet, sondern eine kleine zweite Sonne, ein brauner Zwergstern, der um unsere Sonne kreist, wie einige vermuten?
Ist es gar ein bewohnter Planet, bevölkert von den geheimnisvollen Annunaki wie in alten Schriften erwähnt?
Wir werden es bald wissen. Schon nächstes Jahr müsste Nibiru auf seinem Anflug entdeckt werden, wenn es ihn denn gibt.
Ob die Sonne zurzeit deshalb so ruhig ist und ihren neuen Zyklus nicht beginnen will?

Geniesst das Leben, wir werden es früh genug wissen. Euer Traumperlentaucher

2009-08-20

Die sieben Regeln des Zwetschgenbaums

Von traumperlentaucher @ 07:32 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Gestern war ich Zwetschgen pflücken. Was für ein wunderbarer Arbeitsplatz zwischen grünen Blättern und blauen Früchten, gekühlt durch einen Sommerwind, der die Hitze mit sich nimmt. Unwillkürlich musste ich an die vielen Menschen denken, die in diesem Augenblick vor einem Computerschirm in einem klimatisierten Büro über Zahlen oder Texte brüteten. Um nichts in der Welt hätte ich mit ihnen tauschen wollen. Im Zwetschgenbaum sind die Gedanken frei, die Hände tun ihre Arbeit von selbst. Man hat Zeit zum Nachdenken. Und so fiel mir plötzlich auf, dass das Zwetschgenpflücken durchaus Regeln hat, die sich mit dem Büroalltag vergleichen lassen:

1. Wenn die Leiter und damit der Aufstieg zu steil ist, kann man leicht das Gleichgewicht verlieren.

2. Wenn man oben ist, vergisst man nach einiger Zeit, dass es auch ein Unten gibt.

3. Die schönsten Früchte hängen zuoberst, aber einige sind unerreichbar. Das sollte man akzeptieren.

4. Greift man zu, ohne zu schauen, kann es sein, dass man von einer Wespe gestochen wird.

5. Hüte dich davor, Zwetschgenwasser zu trinken, bevor du die Zwetschgen geerntet hast. Das könnte böse Folgen haben.

6. Unreife Früchte sollten am Baum bleiben, sie verderben den Kuchen und für den Schnaps fehlt die Süsse.

7. Wer aufsteigt muss auch wieder runter kommen, spätestens dann wenn der Kratten voll ist.

Dass Fass ist voll, der Kuchen duftet, da weiss man am Abend, was man getan hat. Euer Traumperlentaucher



2009-08-19

Von Affen lernen

Von traumperlentaucher @ 07:26 [ Erinnerungen ]


Jahrzehntelang habe ich Bananen am falschen Ende aufgemacht, bis ich sah wie es die Affen machen. Jetzt frage ich mich, was ich sonst noch alles am falschen Ende anpacke. Vielleicht hätte ich fleissiger den Zoo besuchen sollen. Vielleicht war ich einfach nicht aufmerksam genug. Oder es liegt daran, dass ich nie eine neunte Klasse besucht habe.
Oft frage ich mich, was ich wohl in der Neunten verpasst habe. Einen Teil der Weltgeschichte, wichtige mathematische Formeln? Würde ich heute die Kommata an der richtigen Stelle setzen? Oder hätte ich die Bananen bereits nach der Schule am richtigen Ende aufgemacht?
Mit der Neunten im Rucksack wäre mein Lebensweg vielleicht ganz anders verlaufen. Vielleicht hätte ich einen anderen Beruf ergriffen, wäre anderen Frauen begegnet und würde heute kein Blog schreiben. Vielleicht wäre ich sogar Präsident geworden, irgendwo von Irgendwas.
Doch meine Lehrer sahen es damals anders: Zweimal die Achte das reiche. Zumal beim zweiten Mal die Noten noch schlechter waren. Ich sei ein hoffnungsloser Träumer, meinten sie. Ihre Prognosen für meinen weiteren Weg waren düster.
Doch bis heute habe ich nicht herausgefunden, was am Träumen so schlecht sein soll. Ich sollte mal wieder in den Zoo gehen, vielleicht finde ich dort die Antwort.

„Träume gehören ins Bett, wie Bäume in den Wald“, sagte mir mal einer. Doch so einfach ist die Welt nicht. Euer Traumperlentaucher



2009-08-18

Unsere Wegwerf-Spielzeuge

Von traumperlentaucher @ 09:04 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Viele Apparate werden heutzutage nur noch designt und nicht mehr konstruiert. Daher sind viele Geräte nicht nur unpraktisch, sie können auch nicht mehr repariert werden. Das gefällt natürlich den Produzenten. Wo kämen die sonst hin, wenn immer alles repariert würde? Für den Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahrzehnte war nicht nur billige Energie, sondern auch unsere Wegwerf-Mentalität verantwortlich.

Zum Beispiel Handys: Sie sind längst vom Investitionsgut zum Konsumgut geworden. Viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis leisten sich mindestens jedes Jahr ein neues. Das alte Gerät verschwindet meist in der Schublade, bis es eines Tages weggeworfen wird.
Das Neue hat ja immer mehr Funktionen. Die werden zwar nicht wirklich benötigt, aber man kann wunderbar damit spielen: GPS zum Beispiel. Man könnte sich ja auf dem Nachhauseweg plötzlich verirren. Und so gucken denn die Benutzer der kleinen Wunderdinge immer wieder auf ihr neues Spielzeug, um herauszufinden wo sie gerade sind, obschon sie das genau wissen. Verrückt!
Ja, aber leider immer noch voll im Trend. Es gibt noch viele „Funktionen“ die nur darauf warten, in ein kleines, oft unhandliches Kästchen gesperrt zu werden.

Wegwerfen hilft übrigens auch gegen die Krise. Darum gibt’s in den Autonationen Deutschland, Frankreich und USA auch die sogenannte Abrwackprämie: wer seinen alten Wagen verschrotten lässt und einen neuen kauft, kriegt dafür Geld. Noch besser wäre ein Reparaturverbot für alle Gegenstände. Oder ein Verbot für alles was älter ist als fünf Jahre.
Doch die Geschichte hat einen Hacken: Um all die lustigen Funktionen in kleine Kästchen zu packen, braucht es exotische Materialen. Zum Beispiel Indium, ein äusserst seltenes Metall, das voraussichtlich bereits in sechs Jahren knapp werden wird, oder Tantal für sehr kleine Kondensatoren und Lithium für kompakte Akkumulatoren. Für diese seltenen Materialien gibt es keine Alternativen. Es sei denn, man mache die Wegwerfelektronik wie die Handys wieder grösser und vergesse all die lustigen Zusatzfunktionen.

Wir werden nicht umhinkommen, unsere Apparate wieder so zu konstruieren, dass sie repariert und lange gebraucht werden können.

Eine wunderbare Woche. Euer Traumperlentaucher

2009-08-15

Das Paradies des Bösen

Von traumperlentaucher @ 11:38 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Life is trouble, only death is peace.
So die Regel. Aber es könnte auch ganz anders sein. Anstatt ins ewige Vergessen zu versinken, wie Atheisten glauben, anstatt im Paradies mit der Harfe oder mit Jungfrauen zu spielen – je nach Glaubensrichtung – könnte Gott und sein Reich ganz anders sein. Anders als es die Religionen suggerieren, anders als wir es uns erhoffen. Anstatt einen lieben Gott, könnte es einen bösen Gott geben, oder sogar – à la Stargate – eine ganze Horde böser Götter. Und wir könnten auf der anderen Seite in etwas geraten, das wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht ausmalen können. Die Hölle? Vielleicht. Aber vielleicht sogar mehr als das.
Dass Gut und Böse nur im Hierseits existieren und jenseits alles gut ist, sollte es denn ein Jenseits geben, ist eine gewagte Hypothese. Unsere Welt könnte auch ein Spiel der Götter sein, ein böses Spiel für die Figuren. Verfolgt man die Geschichte der Menschheit, ist dieser Gedanke gar nicht so abwegig.
In diesem Licht betrachtet, scheint mir der „Glaube“ der Atheisten, eine wesentliche bessere Alternative. Das Leben, zufällig entstanden aus dem Nichts, ein kurzes Aufblitzen in den Hallen der Ewigkeit und danach ewiges Vergessen.
Ob Atheisten vor einem Leben nach dem Tod Angst haben? Ist das vielleicht der Grund, wieso sie genauso vehement mit ihrem „Nichtglauben“ missionieren, wie die Religionsgläubigen aller Couleur? Ahnen sie vielleicht, dass anstelle eines lieben Gottes etwas ganz anderes auf uns warten könnte?
Ich weiss es nicht. Meiner Meinung nach bleiben alle Optionen offen. Doch für den aufmerksamen Beobachter gibt es viele Anzeichen, dass jenseits unserer Welt mehr sein könnte, als ewiges Vergessen.
Ein traumhaftes Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Bild: Das Biest, von JoJo

2009-08-13

Traumaufgabe

Von traumperlentaucher @ 07:28 [ Träume ]


Ich sass in der hintersten Reihe - wie üblich - und starrte auf das Blatt mit den drei Aufgaben.
Vor und neben mir begannen die Studenten eifrig zu schreiben und zu zeichnen. Ich konzentrierte mich auf die mittlere Aufgabe und las sie immer wieder. Doch sie ergab keinen Sinn. Hatte ich etwas übersehen?
Die Zeit lief.
„Berechnen sie die Stromverteilung innerhalb des Kontakts so, dass es zu keiner Schwingung kommt.“ Daneben ein Auszug aus einem Frachtbrief, eine Stromangabe und ein Foto des Steckers.
Die Aufgabe schien mir unlösbar. Wie sollte ich aus einer simplen Stromangabe auf das Schwingverhalten eines Kontakts schliessen? Schlimmer noch: Das beiliegende Foto zeigte einen Stecker wie ihn nur ein verrückter Konstrukteur entwerfen konnte.
Die Zeit lief.
Der Student neben mir zeichnete Wolken auf ein A3 Blatt, der vor mir malte Kreise, soviel konnte ich erkennen. War die Lösung eine grafische?
Die Zeit lief.
Und überhaupt! Wo war ich hier und wann? Was studierte ich? Keine Ahnung, kein Anhaltspunkt, aber ich wusste, dass diese Klausur wichtig war, dass sehr viel davon abhing.
In diesem Augenblick wachte ich auf. Der Raum mit den Studenten war weg, doch die Aufgabe sah ich immer noch klar vor mir. Sie war unlösbar. Zumindest in der Wirklichkeit. Ich musste zurück in den Traum.
Wieder sass ich an meinem Platz und starrte auf das Blatt. Die Lösung war nahe, nur einen Gedanken weit weg, das spürte ich. Aber wieso konzentrierte ich mich auf die mittlere Aufgabe? Sollte ich nicht versuchen, zuerst die beiden anderen zu lösen?
Die Zeit lief.
Nein, die mittlere war entscheidend. Wenn ich sie löste, würden auch die beiden anderen gelöst sein. Ich begann zu schreiben.
Es blieb nicht mehr viel Zeit.

Als ich wieder aufwachte, wusste ich, dass ich die Lösung gefunden hatte. Doch ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Vermutlich galt sie nur im Traum, eine Traumlösung eben. Was blieb, war die Aufgabe, ohne Sinn und unlösbar in der Wirklichkeit. Zumindest in dieser, meiner Wirklichkeit.
Oder in dieser Zeit.

Fazit: Es gibt Aufgaben, die man nur im Traum lösen kann. Euer Traumperlentaucher.

2009-08-11

Träume unter Wirklichkeiten

Von traumperlentaucher @ 08:02 [ Träume ]


„Es ist ein Symmetrikum. Die Welt ist wieder im Gleichgewicht.“ Der Gesichtslose steckte sich eine Zigarre in den unsichtbaren Mund.
Ich war verblüfft. Erstens hatte mein Traumbegleiter bisher nur Zigaretten geraucht und zweitens hatte ich noch nie einen Ball auf dem Fluss treiben sehen. Schon gar nicht einen von der Grösse eines zweistöckigen Hauses.
„Im Traum ist alles möglich“, murmelte ich deshalb, und etwas lauter: „Woher kommt dieser Ball?“
Der Gesichtslose hustete wie ein Gewürzbanause, der eben eine Chilisauce mit einer Million Scoville getestet hatte. Offenbar hatte er sich noch nicht so richtig an Zigarren gewöhnt.
„Aus der Wirklichkeit natürlich“, entgegnete er in einer Hustenpause.
„Natürlich.“
Er versuchte nochmals erfolglos, sich die Seele aus dem Leib zu husten und erklärte dann:
„Ein Symmetrikum gleicht Gegensätze zwischen Traum und Wirklichkeit aus. Seine Grösse ist proportional zu den Ungleichgewichten.“
„Da muss ja ein schreckliches Ungleichgewicht herrschen.“
Der Gesichtslose steckte sich noch eine zweite Zigarre in den unsichtbaren Mund. Auch sie begann von selbst zu brennen. Der Rauch der beiden Zigarren verdrillte sich beim Aufsteigen wie eine Telefonleitung. Sie lieben sich, schoss es mir unwillkürlich durch den Kopf. Und sie verbrennen dabei. Ein lauter Knall riss mich aus meiner Zigarrenphilosophie. Das Symmetrikum war geplatzt.
„Was jetzt? Hat der Ausgleich nicht funktioniert?“, wollte ich wissen.
Der Gesichtslose hustete wieder und krümmte sich dabei so stark, dass die Zigarrenspitzen fast den Boden berührten, dann entgegnete er:
„Doch, doch: wenn die Blase platzt, hat der Traum die Wirklichkeit verlassen und ist wieder da wo er hingehört. Es ist alles in bester Ordnung.“
Als ich aufwachte, spürte ich einen stechenden Schmerz im linken grossen Zeh. Ob Tizian, der Psychokater, ihn wohl fressen würde, wenn ich eines Morgens nicht aufwachte?

Wenn Träume platzen sind die Wirklichkeiten wieder unter sich. Euer Traumperlentaucher

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