Eine Wette gegen die Ewigkeit
| Von traumperlentaucher @ 09:17 | [ Träume ] |

„Es gibt keinen Gott und keinen Teufel. Himmel und Hölle sind Erfindungen der Kirche“, ereiferte sich der Glatzköpfige.
Der Einäugige musterte ihn mit seinem gesunden Auge, sein Glasauge rotierte derweil. Gebannt wartete ich am Nebentisch auf seine Antwort. In der alten Flusskneipe wurde es plötzlich still. Auch mein Traumbegleiter, der Gesichtslose war auf den Disput aufmerksam geworden, die drei Zigaretten in seinem Mund erloschen auf einen Schlag.
„Das Böse existiert, also muss es eine Hölle geben“, erwiderte der Einäugige. „Wo sonst sollen die Schlechten hinkommen, nachdem sie gestorben sind?“
„Genau dorthin wo die Guten auch: ins Nichts, nachdem sie wieder zu Sternenstaub geworden sind. Das Nichts macht alle gleich, die Bösen und die Guten, die Armen und die Reichen. Das ist wahre Gerechtigkeit. Kein Gott könnte gerechter sein.“
„Dann macht es also keinen Unterschied, wie du lebst und was du tust?“
„Ja, am Ende spielt es keine Rolle, jeder erleidet das gleiche Schicksal. Einzig während unserem kurzen Leben hat es der eine bequemer, während der andere leidet.“
Das Glasauge des Einäugigen hielt unvermittelt an und richtete sich auf den Glatzköpfigen wie ein richtiges Auge.
„In diesem Fall würde auch das Leben keine Rolle spielen, denn unser Leben ist ein Nichts gegenüber der Ewigkeit und der Sternenstaub, aus dem wir geboren sind und zu dem wir wieder werden, erinnert sich an nichts. Eine sinnlose Laune der Materie inmitten der Ewigkeit?“
„Genauso ist es“, lächelte der Glatzköpfige zufrieden und trank sein Bier aus.
In diesem Augenblick beugte sich der Gesichtslose zum Nebentisch und mischte sich in die Diskussion ein.
„Vermutlich habt ihr beide Recht. Das Universum ist voller Überraschungen und Geheimnisse.“
Die beiden blickten ihn verblüfft an. Sie verstanden nicht, wieso sie beide Recht haben konnten. Doch ich ahnte die Erklärung, denn ich kannte meinen Gesichtslosen und seine Ansichten gut, nach all unseren Traumwanderungen entlang des Flusses ohne Anfang und ohne Ende. Und so war ich nicht verwundert, als er den beiden erklärte:
„In diesem Universum ist nichts ausgeschlossen, es ist ein Universum der Wahrscheinlichkeiten. Es verbirgt alle Möglichkeiten und zeigt sie dem, der an sie glaubt und für sie lebt. Wer an einen gütigen Gott glaubt, wird ihm irgendwann begegnen, wer an einen strengen Gott glaubt, dem er zu dienen hat, auch, und wer an das Nichts glaubt, wird in ihm aufgehen. Es beinhaltet unzählige Götter und jeder wird zu den seinen finden.“
„Das ist verrückt“, kommentierte der Glatzköpfige.
„Blasphemie“, sagte der Einäugige.
„Vielleicht“, erwiderte der Gesichtslose und seine drei Zigaretten fingen wie auf Kommando wieder an zu brennen. „Aber wollt ihr gegen das Universum oder gar gegen die Ewigkeit wetten?“
Achtung! Es könnte eine Traumpandemie ausbrechen! Euer Traumperlentaucher
Bild: "Von Bara-Bara & Staubfinger












