2009-07-31

Eine Wette gegen die Ewigkeit

Von traumperlentaucher @ 09:17 [ Träume ]


„Es gibt keinen Gott und keinen Teufel. Himmel und Hölle sind Erfindungen der Kirche“, ereiferte sich der Glatzköpfige.
Der Einäugige musterte ihn mit seinem gesunden Auge, sein Glasauge rotierte derweil. Gebannt wartete ich am Nebentisch auf seine Antwort. In der alten Flusskneipe wurde es plötzlich still. Auch mein Traumbegleiter, der Gesichtslose war auf den Disput aufmerksam geworden, die drei Zigaretten in seinem Mund erloschen auf einen Schlag.
„Das Böse existiert, also muss es eine Hölle geben“, erwiderte der Einäugige. „Wo sonst sollen die Schlechten hinkommen, nachdem sie gestorben sind?“
„Genau dorthin wo die Guten auch: ins Nichts, nachdem sie wieder zu Sternenstaub geworden sind. Das Nichts macht alle gleich, die Bösen und die Guten, die Armen und die Reichen. Das ist wahre Gerechtigkeit. Kein Gott könnte gerechter sein.“
„Dann macht es also keinen Unterschied, wie du lebst und was du tust?“
„Ja, am Ende spielt es keine Rolle, jeder erleidet das gleiche Schicksal. Einzig während unserem kurzen Leben hat es der eine bequemer, während der andere leidet.“
Das Glasauge des Einäugigen hielt unvermittelt an und richtete sich auf den Glatzköpfigen wie ein richtiges Auge.
„In diesem Fall würde auch das Leben keine Rolle spielen, denn unser Leben ist ein Nichts gegenüber der Ewigkeit und der Sternenstaub, aus dem wir geboren sind und zu dem wir wieder werden, erinnert sich an nichts. Eine sinnlose Laune der Materie inmitten der Ewigkeit?“
„Genauso ist es“, lächelte der Glatzköpfige zufrieden und trank sein Bier aus.
In diesem Augenblick beugte sich der Gesichtslose zum Nebentisch und mischte sich in die Diskussion ein.
„Vermutlich habt ihr beide Recht. Das Universum ist voller Überraschungen und Geheimnisse.“
Die beiden blickten ihn verblüfft an. Sie verstanden nicht, wieso sie beide Recht haben konnten. Doch ich ahnte die Erklärung, denn ich kannte meinen Gesichtslosen und seine Ansichten gut, nach all unseren Traumwanderungen entlang des Flusses ohne Anfang und ohne Ende. Und so war ich nicht verwundert, als er den beiden erklärte:
„In diesem Universum ist nichts ausgeschlossen, es ist ein Universum der Wahrscheinlichkeiten. Es verbirgt alle Möglichkeiten und zeigt sie dem, der an sie glaubt und für sie lebt. Wer an einen gütigen Gott glaubt, wird ihm irgendwann begegnen, wer an einen strengen Gott glaubt, dem er zu dienen hat, auch, und wer an das Nichts glaubt, wird in ihm aufgehen. Es beinhaltet unzählige Götter und jeder wird zu den seinen finden.“
„Das ist verrückt“, kommentierte der Glatzköpfige.
„Blasphemie“, sagte der Einäugige.
„Vielleicht“, erwiderte der Gesichtslose und seine drei Zigaretten fingen wie auf Kommando wieder an zu brennen. „Aber wollt ihr gegen das Universum oder gar gegen die Ewigkeit wetten?“

Achtung! Es könnte eine Traumpandemie ausbrechen! Euer Traumperlentaucher

Bild: "Von Bara-Bara & Staubfinger

2009-07-30

Blogologie

Von traumperlentaucher @ 08:07 [ Mitteilungen ]


Blogs kommen und gehen wie die Gäste in einer Beiz. Manche Blogger brauchen gerade mal ein paar Wochen, andere Jahre bis ihnen nichts Gescheites mehr einfällt.
Darum habe ich wieder einmal meine Blogroll (Links zu anderen Blogs) unter die Lupe genommen, Tote und Zombies entfernt und einige hinzugefügt, die mir lesenswert erscheinen.
Erstmals einen strammen Marxisten, obschon ich als Kapitalist wohl am anderen Ende der Skala rumgeistere. Ungenannt will er sein, inkognito seine Fragmente, die er Aphorismen nennt, in den unendlichen Weiten des Internets verstreuen. Gott weiss warum. A propos: an den glaubt er natürlich nicht, zieht nicht einmal seine mögliche Existenz in Erwägung, wie es sich für einen echten Marxisten gehört. Da bin ich als Agnostiker vorsichtiger.
Trotzdem ist das Blog des Ungenannten lesenswert. Er ist ein Tieftaucher und seine Gedankensplitter stammen oft vom Grund des Lebensflusses.
Neu in der Blogroll ist auch der Wirtschaftsquerschuss, obwohl ich als Schütze Querschüsse für äusserst gefährlich halte. Aber unser Finanzcasino braucht kritische Beobachter. Dazu gehört auch Jesse's Café Américain, ein Amerikaner (?) mit seltsamen Vorlieben, der offenbar nichts anderes zu tun hat, als in Genève in einem Café zu sitzen und den Casinobetrieb der Finanzwelt mit spitzer Feder zu sezieren.
Auch Weissgarnix, der mehr weiss, als sein Name vermuten lässt, ist ein kritischer Kapitalist. Er ist Keynesianer und eine Art Spinoff des gelben Forums. Keynesianer sind übrigens Anhänger von John Maynard Keynes und nur ausnahmsweise Kenianer.
Doch mit Geld kann man keine Träume kaufen, obwohl uns das die Werbefritzen immer weis machen wollen. Daher findet ihr in meiner Blogroll nach wie vor eine Reihe altbekannter Träumer und Träumerinnen. Darunter so bezaubernde Vögel wie die Wildgans mit ihrem tiefsinnigen Blog, das zum Nachdenken und Nachempfinden einlädt. Oder Madame Lila, die mich mit dem Einblick in ihre Gedankenwelt immer wieder fasziniert. Frauen bloggen übrigens anders als Männer, oft in Tagebuchform, fern von Politik und Finanzunwesen, feinsinnig dem wahren Leben nachspürend. So unterschiedlich sie auch sind, sie haben eine Gemeinsamkeit: sie sind allesamt Bücherwürmer, wie Müga, die Berner Buchhändlerin. Sie heisst natürlich nicht Müga, das ist bloss eine Abkürzung für Münstergasse, dort findet man ihre Welt. Vermutlich.
Männer bloggen nicht nur anders, sie träumen auch anders, wie uns Blogs wie das Nächtebuch und Jonathans Traumblog zeigen. Beide geben sehr viel von sich selbst Preis. Freud hätte eine wahre Freude an ihnen.

Traumhafte Ferien, einen liebestollen Urlaub oder einen geruhsamen Büroschlaf wünscht euch: euer traumperlentaucher

Bild: Fernträume, von Bara-Bara & Staubfinger

2009-07-29

Querfeldein

Von traumperlentaucher @ 07:09 [ Träume ]


Die Dinge haben immer nur den Wert, den man ihnen verleiht
Jean-Baptiste Molière


Alle Wege führen dem Fluss entlang. Bisher habe ich noch keinen Pfad ins Landesinnere entdeckt. Als ich meinen Traumbegleiter darauf ansprach meinte er:
„Wieso brauchst du einen Weg? Gehe doch einfach querfeldein.“
Ich war perplex. Daran hatte ich noch nie gedacht. Nicht im Traum. Auf was oder wen würde ich dabei stossen? Gab es abseits des Flusses überhaupt etwas, oder landete man am Ende im Nichts?
„Niemand kann seinem Lebensweg entrinnen“, wandte ich ein. „Manchmal trifft man zwar auf eine Weggabelung und muss dann zwischen links und rechts wählen, aber keiner kann seinen Pfad verlassen, genausowenig wie er umkehren und rückwärts gehen kann.“
Der Gesichtslose hustete und kramte eine Packung Zigaretten aus seiner Wanderniere.
„Es gibt keinen Weg.“
„Keinen Weg? Weder im Traum noch im Leben?“ Was zum Teufel hatte mein Traumbegleiter geraucht?
„Es ist eine Illusion, eine Gedankenkrücke. In Wahrheit gehen wir alle querfeldein. Wir bilden uns bloss ein, da sein Weg. Dieser Gedanke gibt uns Sicherheit und schützt uns davor, uns zu verlieren.“
„Trotzdem verlieren sich viele Menschen.“
„Weil sie sich nie gefunden haben.“ Der Gesichtslose steckte sich drei Zigaretten in den unsichtbaren Mund und zündete sie mit seinem Daumen an.

Haltet euch fest bei der Hand, wenn ihr querfeldein geht. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Reisezeit, von Bara-Bara & Staubfinger

2009-07-27

Elektronische Bücherverbrennung

Von traumperlentaucher @ 10:47 [ Bücher ]


Amazon hat kürzlich per Fernzugriff auf sein elektronisches Buchlesegerät „Kindle“ Bücher gelöscht. Inklusive Randnotizen einiger Leser. Darunter ausgerechnet Orwells 1984!
Stellt euch vor: Ihr lest ein Buch, macht einige Randnotizen, freut euch schon auf die Fortsetzung am nächsten Abend und legt es vor dem Zubettgehen auf den Nachttisch. In der Nacht bricht der Buchhändler in eure Wohnung ein und holt sich das Buch zurück. Genau das hat Amazon getan. Auf sein Lesegerät „Kindle“ hat Amazon offenbar unbeschränkt Zugriff. Ohne den Leser fragen zu müssen, können Bücher gelöscht oder deren Inhalt verändert werden. Das hätte sich nicht einmal George Orwell träumen lassen.
Das elektronische Buch der Zukunft kann also beliebig manipuliert werden. Über Nacht kann der Inhalt eines Textes verändert oder Teile davon entfernt werden, wenn sie z.B. nicht mehr der Political Correctness entsprechen. Elektronische Bücherverbrennung.
Damit ist für mich das elektronische Buch gestorben. Ich werde mich hüten, jemals eines dieser Dinger zu kaufen oder meine Bücher elektronisch zu veröffentlichen. Ich bleibe bei Papier und Druckerschwärze.
Da bin ich sicher, dass mein Buch auch nach zwanzig Jahren noch so in meinem Büchergestell steht, wie ich es gekauft habe.
Amazon muss verrückt sein, sich selbst so vorzuführen. Euer Traumperlentaucher

Bild: Riesenhimmelslaterne kurz vor dem Start, von Heinz

2009-07-26

Das Geheimnis unverlässlicher Wirtschaftsprognosen

Von traumperlentaucher @ 08:34 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Nur wer nichts (mehr) zu verlieren hat, kann die Zukunft unbeirrt sehen: kein Geld, keine Macht, keinen Ruf, keine Ideologie und keine Religion. Alle anderen sind befangene Propheten. So auch Gerd Neumann, der in Welt Online einen viel beachteten Artikel mit dem Titel: Das Geheimnis verlässlicher Wirtschaftsprognosen geschrieben hat. Der Artikel kommt süffig daher, ist aber ein Kurzschluss.

Darin beschreibt er das Gros der Wirtschaftsexperten als Blinde, die ihre Aussagen bloss auf die wahrnehmbare Wirkung stützen und nicht nach den Ursachen fragen. Eine kleine Gruppe jedoch – er nennt sie die Informationselite – sind für ihn die Sehenden. Sie hätten in der Vergangenheit jeweils verlässliche Prognosen geliefert, meint er.

Doch Gerd Neumann ist selbst ein Blindgänger. Auch er nimmt bloss die Wirkung wahr und vergisst die Frage nach der wirklichen Ursache zu stellen: Wieso sind so viele Experten, Politiker und Manager blind, wenn es darum geht die Zukunft zu sehen?

Die Antwort auf diese Frage kann Neumann nicht sehen, denn sie betrifft ihn selbst: Sie alle sind befangen. Gefangen in ihren Denkgefängnissen aus denen sie nicht ausbrechen können ohne das zu verlieren, was sie definiert: Macht, Geld, Ruf, Ideologie, Religion etc, kurz: ihren Habitus.

Bei Politikern ist es am einfachsten zu erkennen: Ihr Reden und Handeln richtet sich einzig und allein nach dem Wunsch, gewählt und wiedergewählt zu werden. Manager sind nicht weniger durchschaubar. Sie wollen immer höher, weiter, schneller und vor allem immer mehr. Mehr Macht, ausgedrückt in Geld als wichtigsten Massstab.
Bei den Wirtschaftsexperten, wie Gerd Neumann, ist es etwas komplizierter. Oft genügt aber ein Blick in ihre Vita: wess Brot ich ess, dess Lied ich sing.
Und wie sie singen müssen! Denn das ist ihr Handwerk, das begründet ihren Ruf. Und so produzieren sie denn anstatt verlässlicher Wirtschaftsprognosen Kurzschlüsse.

Aber auch Menschen wie Du und ich sind nicht unbefangen. Dazu muss man nicht unbedingt Verschwörungstheoretiker, Marxist, Amerikahasser, Doomsayer, Goldbug, Daytrader, getarnter Antisemit oder heimlicher Nazi sein, wie sie zum Beispiel im Gelben Forum und ähnlichen Sammelbecken zu Hauf herumschwirren.
Nein, es genügt, Träume zu haben. Träume wie sich die Welt entwickeln sollte. Doch die Welt entwickelt sich nicht immer nach den Träumen der Menschen. Es gibt harte Facts, Barrieren die diesen Träumen im Wege stehen. Nur wer bereit ist, diese zu akzeptieren, auch wenn sie nicht in die eigene Vorstellungswelt passen, ja sogar diese zerstören könnten, nur der kann die Zukunft unbefangen sehen.
Doch auch das ist noch lange keine Garantie für richtige Prognosen.

Think out of the Box! Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara & Staubfinger

2009-07-25

Der bewegte Mann

Von traumperlentaucher @ 07:16 [ Träume ]


Die Musik war wunderbar, meine Augen wurden feucht.
„Du weinst?“, fragte er.
„Nein, ich habe bloss feuchte Augen.“
„Wieso denn? Bist du krank?“
„Nein, die Musik berührt mich.“
„Aber du bist doch ein Mann!“
„Zweifelsfrei.“
„Männer weinen nicht!“
„Ich weine nicht, habe ich dir schon gesagt. Ich habe oft feuchte Augen.“
„Aha. Wieso?“
„Es sind meine Emotionen, die sich so ausdrücken. Ein Zeichen, dass mich etwas bewegt: Musik, ein Bild, ein Sonnenuntergang, eine Filmszene, manchmal nur ein Satz.“
„Emotionen sind etwas für Frauen und Kinder.“
„Auch Männer haben Emotionen.“
„Aber sie zeigen sie nicht. Sie unterdrücken sie.“
„Tut mir leid, dass kann ich nicht. Sie sind einfach zu stark.“
„Du solltest zum Arzt. So kannst du nicht leben.“
„Im Gegenteil. Erst so lebe ich richtig.“

Wer schreibt, sollte nicht bloggen, denke ich manchmal. Trotzdem tue ich es immer wieder. Beides. Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara & Staubfinger

2009-07-21

Geheime Freunde

Von traumperlentaucher @ 13:19 [ Begegnungen ]


Ich musste ihn einfach wieder besuchen. Nicht nur wegen ihm, Armin, sondern auch wegen dem Sanatorium, der Insel der selig Verrückten im Meer der Albträume.
„Du kannst ruhig ein paar Tage hier bleiben“, begrüsste mich Armin, „dann musst du nicht immer hin- und herfahren.“
Ich winkte ab. „Wir beide können nicht gleichzeitig hier sein, sonst vermischen sich womöglich unsere Geister und das hält der alte Kasten nicht aus.“
Er lächelte verschmitzt. „Du bist ich und ich bin du. Das ist unser Traum.“
Ich schüttelte verwirrt den Kopf. Ob es daran lag, dass ich Armins Geschichte zu Papier brachte? Als ich ihn letzte Woche verliess, bildete ich mir tatsächlich ein, ich würde mit seinem Jaguar nach Hause fahren. Seltsam.
„Deine Bemerkung, die Welt draussen sei verrückt und das Sanatorium der einzige normale Ort, lässt mich nicht mehr los.“
Er grinste. „Dann wolltest du also sehen, ob das wirklich so ist?“
Plötzlich wurde er übergangslos ernst. „Ich werde nach Hause kommen. Meine Zeit hier geht dem Ende entgegen.“
Ich war erleichtert. Hoffentlich würde es diesmal klappen.
„Und deine Depression? Brauchst du nicht spezielle Medikamente?“
„Die kann ich auch zu Hause schlucken. Es ist nicht nötig, dass sie mir ein Weisskittel bringt und aufpasst, dass ich sie nicht den Tauben füttere. Abgesehen davon, will ich das Zeug absetzen. Es verändert meine Persönlichkeit.“
Wiederum staunte ich über seine Fähigkeit zur Selbstanalyse. Oft merken die Menschen die feinen Veränderungen nicht, welche die Psychopharmaka mit sich bringen. Der Persönlichkeitswandel kommt üblicherweise auf leisen Sohlen angeschlichen.
„Das wird nicht einfach sein. Es ist schwieriger als mit Rauchen aufzuhören.“ Ich musste dabei unwillkürlich an meinen Traumbegleiter, den Gesichtslosen, denken. Gut, dass es im Bereich der Träume noch kein Rauchverbot gab.
„Ich weiss, ich habe es schon einmal versucht. Du erinnerst dich sicher noch an die bekloppten Tauben. Zuerst kommen die kurzen Aussetzer im Kopf, dann die nächtlichen Panikattacken und später, wenn du Pech hast, die körperlichen Beschwerden. Aber es lohnt sich.“
Ich nickte. Ja, es lohnte sich. Denn die Medikamente liessen einem nicht nur zu einem anderen Menschen werden, sie verscheuchten auch die Perlen unter den Träumen. Trotzdem…
„Du wirst die Welt nicht mehr rosa sehen, sondern schwarz und weiss und in allen Tönen dazwischen. Sie wird nicht mehr weichgezeichnet sein, sondern körnig und hart. Du wirst sie so sehen, wie sie wirklich ist. Vielleicht.“
Er lächelte. „Ja, und ich werde wieder in der Lage sein, hinter die Kulissen zu blicken.“
Ich runzelte die Stirn. Das ging in die falsche Richtung.
„Deine neuen Bekannten wirst du hier lassen müssen.“ Ich dachte mit Wehmut an Kinsky und das Blumenmädchen. Ich hatte ihre Gesellschaft damals sehr genossen.
„Mit wem ich verkehre, braucht niemand zu wissen. Wirkliche Freunde findet man ja auch nicht auf Facebook.“
Uns beiden steht eine spannende Zeit bevor. Euer Traumperlentaucher

Bild von Bara-Bara und Staubfinger

2009-07-20

Wieviele Menschen erträgt die Erde?

Von traumperlentaucher @ 08:41 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die Linken und Grünen in Deutschland fordern das Ende der zivilen Raumfahrt: hier ein Zitat aus einem linken Forum von einem strammen Rotgrünen, das stellvertretend die geistige Befindlichkeit dieser Parteigänger wiedergibt:

Also im Staatsbankrott ist dieser dekandente, elitäre Unsinn sowieso nicht mehr finanzierbar.
Auch die USA werden dies nicht mehr bezahlen. Schon lange läuft das alles auf Pump und auf Kosten des Rests der Welt (Dollar).
Der EU würde es gut stehen, wenn sie jetzt auf die zivile Raumfahrt verzichten.
Dies zahlt sich am nahenden Staatsbankrott dann aus.
Lösen wir zuerst unsere Probleme hier. Das wäre urdemokratisch und sinnvoll.


Vielen Menschen ist heute die Fähigkeit abhanden gekommen, in grösseren Zusammenhängen zu denken und über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Vermischt mit politischer Polarisierung und Unwissenheit entsteht daraus eine Ideologie, die kaum daran zweifeln lässt, dass wir uns schon längst auf dem Rückmarsch ins Tal Olduvai befinden.
Kürzlich wurde in einem dieser unsäglichen Quizsendungen im französischen Fernsehen, einem Kandidaten die Frage gestellt, welcher Himmelskörper sich um die Erde drehe. Der Kandidat konnte sich nicht für eine der vier angebotenen Möglichkeiten entscheiden und spielte den Publikumsjoker. Die Mehrheit der Anwesenden im Saal meinte, dass sich die Sonne um die Erde drehe und lieferten so dem Kandidaten prompt die falsche Antwort.

Wir sind Kinder des Universums und unsere Wiege ist die Erde. Die meisten von uns haben offenbar noch nicht begriffen, dass wir die Welt außerhalb unserer Wiege erforschen müssen um zu erkennen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Aber vielleicht wollen wir das gar nicht wissen?

Das Budget der NASA betrug im Jahr 2008 17.3 Milliarden Dollar, etwa 0.6 % des US-Haushaltes. Zum Vergleich: die Militärausgaben der USA beliefen sich 2008 auf 550 Milliarden Dollar. Weltweit wurden 1340 Milliarden ausgegeben.
Das wichtigste Ziel der Menschheit besteht halt immer noch darin, einander die Köpfe einzuschlagen.
Auch die meisten Roten und die Grünen sind übrigens dabei, wenn es ums Köpfeeinschlagen geht. Scheinheilig fragen sie dann:
„Was ist mit dem Hunger auf dieser Welt? Wäre es nicht wichtiger, sich darum zu kümmern anstatt Raumfahrt zu betreiben, die nichts dazu beiträgt, die Probleme unserer Erde zu lösen?“

Abgesehen davon, dass diese meist technikferne Kreise nicht verstehen, welche wichtigen Beiträge die Weltraumforschung für unseren Alltag schon geliefert hat und noch liefern könnte, verstehen sie nicht, dass das Hungerproblem längerfristig nicht eine Frage der Güterverteilung ist.

Wir sind einfach zu viele auf diesem Planeten mit seinen begrenzten Ressourcen. Wenn die Menschheit nicht nur die nächsten paar Jahrzehnte auf diesem Planeten leben will, sondern die nächsten Jahrtausende, wird das mit sieben Milliarden nicht machbar sein.
Natürlich hängt die Frage, wie viele Menschen die Erde auf Dauer erträgt von unserer Lebensweise ab. Listigerweise auch vom Grad der eingesetzten Technologie. Denn als Lehmhüttenbewohner könnten nur wenige ein Dasein fristen. Und die Frage, ob dieses Dasein ein erstrebenswertes wäre, können wohl nur Fundamentalisten mit Ja beantworten.
Theoretiker sprechen zwar davon, dass auf der Erde 30 Milliarden leben könnten, wenn alle so leben würden, wie die Ureinwohner im Amazonasgebiet. Aber vermutlich glauben die auch, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Solche Zahlenspiele helfen uns auf jeden Fall nicht weiter.

Zurzeit bräuchten wir etwa sieben Erden, um so weiterleben zu können, wie wir das tun. Auch eine gerechte Verteilung und eine bescheidene und ressourcenschonende Lebensweise vorausgesetzt, dürften auf der Erde kaum mehr als eine oder zwei Milliarden Menschen auf Dauer leben können.
Prof. Arthur Westling, Oslo, kam in einer 1990 erschienen Studie zum Schluss, die Tragfähigkeit der Erde liege bei 2 Mrd. Menschen. 1994 kam die amerikanische „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft" zum gleichen Ergebnis. Auf ähnliche Resultate kamen die amerikanischen Professoren Paul Ehrlich und David Pimentel.

Mir scheinen diese Zahlen noch zu hoch. Vermutlich ist ihr Zeithorizont zu kurz. Wenn wir auf diesem Planeten nicht nur überleben wollen, sondern ein erfülltes Leben führen wollen, so dürfte unsere Zahl wohl einige hundert Millionen nicht überschreiten.

Doch was hat das mit Raumfahrt zu tun?

Wenn wir auf Dauer auf diesem Planeten leben wollen, brauchen wir die Raumfahrt.
Wir brauchen Mittel um uns vor den Gefahren aus dem All zu schützen (Meteoriten) und wir brauchen Satelliten um diesen Planeten wirksam zu managen (Klima, Wetter).
Aber wir brauchen die Raumfahrt auch, um unserer Kultur willen. Eine Gesellschaft, die aufhört, ihre Umgebung zu erforschen ist wie ein Kind, das seine Wiege nie verlässt. Es verkümmert.
Doch auf sehr lange Frist brauchen wir die Raumfahrt, um zu überleben. Wenn uns daran liegt, auch in hunderttausend Jahren noch Mensch zu sein, so müssen wir unsere Wiege verlassen. Zwar sind auch die Ressourcen des Universums endlich und der Entropie-Tod ist eine beschlossene Sache. Doch dort draußen ist noch Platz und Zeit für Äonen.
7 Milliarden sind dort draußen kein Problem, hier unten schon.

Eine Woche voller wunderbarer Träume. Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger



2009-07-18

Wenn der Glaube Wirklichkeit wird

Von traumperlentaucher @ 22:52 [ Begegnungen ]


Gestern war ich bei Armin im Sanatorium.
Wie immer fragte ich ihn, ob er nicht nach Hause möchte. Er schaute mich ernst an und sagte: „Meine Gedanken müssen zuerst gesund werden.“
Ich war baff. Soviel Selbstdiagnose hatte ich nicht erwartet.
Aber seine nächsten Worte zeigten, dass ich mich geirrt hatte.
„Die Weißkittel wollen mich noch nicht gehen lassen. Ich sei schizophren, sagen sie. Dabei leiden sie selbst an Wahnvorstellungen.“
„Wie drückt sich das aus?“, sondierte ich.
„Sie glauben, dies sei ein Irrenhaus und sie seien die einzig Gesunden hier.“
Ich schwieg. Was sollte ich auch sagen.
„Schlimmer noch“, fuhr er fort, „sie glauben, dass die Welt hier drin verrückt und die draußen normal sei. Dabei ist es gerade umgekehrt. “
Das hatte was, musste ich eingestehen. Die Welt, von der ich kam, war manchmal von einem Tollhaus nicht zu unterscheiden und voller Verrückter. Ich dachte unwillkürlich an Qaddhafi, den libyschen Staatschef, der vorgeschlagen hatte, die Schweiz aufzuteilen.
„Ich weiß, Armin, die ganze Welt ist eine Spinnwinde, doch darum geht es nicht. Du bildest dir Gestalten ein, die nicht wirklich existieren. Das könnte dich draußen in Schwierigkeiten bringen.“
„Wieso denn? Die Welt wimmelt doch nur so von Menschen, die sich irgendwelche Wesen einbilden: Götter, Engel, Ausserirdische, Geister und Dämonen. Du gehörst ja selbst dazu!“
„Das ist nicht das Gleiche, Armin. Die Menschen bilden sich diese Wesen nicht ein, sie glauben bloß an sie. Doch für dich sind sie Wirklichkeit.“
Bei diesen Worten musste ich an Kinsky und das Blumenmädchen denken, denen ich während meinem Aufenthalt im Sanatorium vor zwei Jahren begegnet war. Erinnerungen drangen in meinen Kopf und mir wurde schwindlig. Was war wirklich gewesen und was Traum?
Armin lächelte, er wusste, dass meine Argumentation auf tönernen Füssen stand.
„Natürlich könnte ich simulieren“, sagte er. „aber es nützt mir nichts, meine Welt zu leugnen, früher oder später würde sie mich einholen.“

Dieser Satz verfolgte mich, als ich in den Jaguar stieg um nach Hause zu fahren. Am liebsten hätte ich kehrt gemacht und wäre bei Armin geblieben. Das große massive Gebäude mit seinem umzäunten Park erschien mir plötzlich wie eine sicherere Insel in einem Meer der Albträume. Euer Traumperlentaucher.

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-07-15

Traumgötter

Von traumperlentaucher @ 19:35 [ Träume ]


„Sie ist eine Göttin“, flüsterte er mir zu.
„Sie sieht aber ganz gewöhnlich aus“, flüsterte ich zurück.
Die groß gewachsene Frau im eleganten dunklen Deux-pieces blickte von der Terrasse einer prächtigen Villa über das Flusstal, als suchte sie dort unten etwas Bestimmtes. Meinen Begleiter und mich schien sie aber nicht wahrzunehmen, obschon unser Weg keine zehn Meter von ihrer Villa entfernt vorbeiführte.
Ich hielt an, denn ich hatte noch nie eine Göttin gesehen, und sah ebenfalls zum Fluss hinunter. Doch außer dem silbernen Band des Stromes war da nichts. Sogar die Kraniche schienen Siesta zu machen. Kein Wunder bei dieser Hitze.
„Was sucht sie denn?“, fragte ich meinen Begleiter.
„Sie hält nach ihren Anhängern Ausschau“, entgegnete er leise.
„Ich habe gar nicht gewusst, dass es bei euch Götter gibt. Bei uns in der Wirklichkeit sind sie unsichtbar.“
Der Gesichtslose hustete und holte eine Packung Zigaretten aus seiner Wanderniere. Doch dann steckte er sie rasch wieder weg. Vermutlich geziemte es sich nicht, in Gegenwart von Göttern zu rauchen.
„Täusche dich nicht, eure Götter, oder die, die sich dafür halten, sind genauso sichtbar wie unsere. Doch komm, wir müssen weiter. Hier dürfen wir uns nicht aufhalten.“
Kaum hatte er das gesagt, tauchten zwei Polizisten auf. Genau wie bei uns, dachte ich, sie sind nie einzeln anzutreffen.
„Stopp“, sagte der eine.
„Das ist Sperrgebiet“, sagte der andere. Sie waren beide schwarz gekleidet und machten grimmige Gesichter unter ihren Sturmhauben. Wie jung sie waren! Fast noch Kinder.
„Nichts für ungut“, sagte der Gesichtslose, „in diesem Fall kehren wir um.“
„Das geht nicht“, sagte der Grössere, „der Weg ist gesperrt.“
„Was sollen wir denn tun?“, fragte der Gesichtslose und seine Stimme wirkte ratlos. Gibt es einen anderen Weg hinunter zum Fluss?“
Die Polizisten tuschelten miteinander.
„Die spinnen doch“, sagte ich leise zu meinem Begleiter.
„Psst, wenn dich die Götter hören, hast du ausgeträumt. Sie haben ihre eigenen Gesetze hier oben auf dem Gipfel.“
Aus dem Wald unter uns ertönte ein Brummen. Es dauerte nur einen Augenblick, dann sahen wir den Grund: Ein Helikopter flog auf uns zu. Ein sehr kleiner Helikopter, der wie eine Heuschrecke über die Baumwipfel hüpfte. Eigentlich nur ein orangefarbener Liegestuhl mit einem Motor dahinter. Ein Mann in Grau lenkte ihn mit einem Joystick.
„Der Chef“, flüsterten die beiden Polizisten andächtig wie aus einem Mund.
Der Chef landete direkt neben uns auf dem schmalen Pfad. Er sprang von seinem Liegestuhl und kam mit federnden Schritten auf uns zu.
„Sind das die Zwei?“, bellte er.
„Ja Chef“, entgegneten die Polizisten unterwürfig. Wenn sie Hundeschwänze hätten, würden sie sie jetzt einziehen, grinste ich innerlich.
„Sie müssen in Quarantäne.“
Oben auf der Terrasse wurde die Göttin auf das Geschehen aufmerksam. Sie blickte auf uns herunter und lächelte verträumt. Eine Traumgöttin, schoss es mir durch den Kopf.
„Du da, komm mit!“, sagte der kleinere Polizist und sein Finger stach in meine Richtung. Genau wie in der Wirklichkeit, dachte ich. Doch da erwachte ich bereits.

Hütet euch vor den Göttern! Sie verstehen keinen Traum. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Götter, einst und jetzt, von Bara-Bara & Staubfinger

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