2009-05-31

Ein Augenblick wie eine Fotografie

Von traumperlentaucher @ 21:45 [ Erinnerungen ]


Eine Birke auf einer kleinen Insel vor Venedig, älter und südlicher als die meisten ihrer Gattung. Eine Hand, die sie berührt. Ein kleiner Junge, der sie spürt. Schaumkronen auf den Wellenkämmen, Blumenkohlwolken schleppen dunkle Regenmäntel. Ein stilles Gespräch zwischen ungleichen Partnern. Zuneigung wird geboren. Ein Augenblick wie eine Fotografie. Er wird sich immer daran erinnern.

Im Greyhound irgendwo zwischen Boston und New York. Sie schläft an seine Schulter gelehnt. Er spürt ihre Träume. Seine Augen suchen in der Dunkelheit jenseits des Fensters nach der Zukunft. Ihre Zukunft? Seine Zukunft? Ein Augenblick wie eine Fotografie. Sie werden ihn nie vergessen.

Die Bank unter der alten Buche. Der Sommerwind spielt mit den Blättern und zeichnet Muster in das reife Ährenfeld. Schneebedeckte Viertausender in der Ferne wie mit einem feinen Pinsel gemalt. Die zwei Menschen sitzen schweigend da und doch verstehen sie sich. Ein Augenblick wie eine Fotografie. Beiden unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt.

Erinnerungen verbinden Menschen und oft auch Traum und Wirklichkeit. Euer Traumperlentaucher

2009-05-29

Das Gespräch

Von traumperlentaucher @ 19:36 [ Traumgeschichten ]


„Herr Meier, Sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet, wir waren sehr zufrieden mit Ihnen“, der Personalchef lächelte.
„Danke sehr. Das wäre vielleicht ein guter Augenblick um über mein Salär zu sprechen.“
„Es tut mir leid, dass wir diese Diskussion nicht führen können, Herr Meier. Sie verstehen sicher, die Zeiten sind schlecht. Die Verkäufe sind eingebrochen, wir werden dieses Jahr tiefrote Zahlen schreiben.“ Der Personalchef machte ein gequältes Gesicht.
„Ja, ich habe volles Verständnis für die Situation der Firma. Verschieben wir also diese Diskussion. Nächstes Jahr wird es bestimmt besser gehen. Wir sind beinahe fertig mit der Entwicklung der nächsten Generation von Automaten.“
„Das verdanken wir Ihnen, Herr Meier. Sie haben wirklich einen sehr guten Job gemacht. Das Budget wurde eingehalten und Sie sind früher fertig geworden als geplant. Ich werde das in Ihrem Arbeitszeugnis gebührend erwähnen.“
„Arbeitszeugnis? Ich habe keines verlangt.“
„Ja, Mhm…wissen Sie. Es war wirklich toll, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Sie haben unsere Erwartungen übertroffen.“
„Danke sehr. Ich will versuchen, das auch in Zukunft zu tun und werde mit vollen Kräften mitwirken, diese schwierige Zeit zu überstehen.“
„Ich weiß, ich weiß, und ich bedaure das zutiefst. Aber es ist so, Herr Meier…wir müssen Sie leider entlassen.

Ein schönes und friedliches Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Bild: Ein spezieller Sonnenuntergang, von Heinz.

2009-05-27

2012 Teil II

Von traumperlentaucher @ 18:52 [ Traumgeschichten ]


Diesmal fand die Besprechung tief unter der Erde statt, im Kommandobunker unter dem weißen Haus.
„Herr Präsident, das Raumschiff schwenkt in eine Erdumlaufbahn ein“, meldete der Offizier an den Kontrollen.
„Die Atomraketen sind abschussbereit, wir warten auf Ihr Kommando, Sir“, sagte der General.
„Wir senden auf allen Frequenzen. Bisher erfolgte keine Antwort“, sagte der NASA-Direktor. Seine Stimme zitterte leicht.
„Das Schiff zerlegt sich in unzählige kleinere Einheiten“, meldete der Offizier. Die Gesichter der Versammelten wurden aschfahl.
„Die Invasion beginnt, wir haben zu lange gezögert“, sagte der CIA-Chef. Sein Blick wich dem des Präsidenten aus.
„Geben Sie endlich den Abschussbefehl“, forderte der General.
„Die Russen haben ihre Raketen auch noch nicht abgeschossen“, gab der Chef der Homeland Security zu bedenken.
„Die Russen sind Weicheier.“
„Die kleineren Einheiten zerlegen sich in nochmals kleinere Einheiten. Größe zwanzig Fuß“, meldete der Offizier. Auch seine Stimme zitterte leicht.
„Meine Herren, es besteht immer noch die Möglichkeit, dass es sich um einen friedlichen Besuch handelt“, beruhigte der Präsident die Anwesenden.
Der NASA-Mann schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht mehr.“ Er schwitzte.
„Unsere Bodentruppen sind bereit“, meldete der General. „Aber wir können nicht überall sein. Wir werden uns auf die großen Städte konzentrieren.“ Er wandte sich an den Offizier bei den Kontrollen. „Sind schon Angriffs-Schwerpunkte feststellbar?“
„Nein, Sir, die Untereinheiten verteilen sich regelmäßig. Sie bilden gewissermaßen einen Schild um die ganze Erde.“
„Damit sind unsere Raketen sinnlos geworden.“ Es klang wie ein Vorwurf.
„Sir, die Untereinheiten haben sich nochmals aufgeteilt…und gerade jetzt teilen sie sich wieder auf! Wir können sie nur noch mit dem stärksten Radar erfassen. Das ganze Raumschiff, das zur Erde geflogen ist, hat sich in winzige Bestandteile aufgelöst, kaum grösser Halbzollschrauben.“
„Sie wollen uns ausradieren“, knurrte der General, „das ist keine Invasion, das sind Streubomben.
„Oder Virenbehälter“, meinte der CIA-Chef.
Der NASA-Direktor, der gerade ein Telefon erhalten hatte, schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. „Dann legte er auf und sagte erschüttert:
„Das ist kein Angriff. Es ist eine Art Schutzschild. Diese Trümmerwolke, die die Erde wie eine Schale einhüllt, ist für unsere Raketen undurchdringbar. Gerade haben wir erste Satelliten verloren. Die Besatzung der ISS ist mit der Fluchtkapsel auf dem Weg zur Erde.“
„Sir, das Mutterschiff verlässt den Mondorbit. Es entfernt sich aus dem Sonnensystem.“
„Das ergibt keinen Sinn“, protestierte der Chef der Homeland Security. „Sie haben die Erdumlaufbahn mit einer dicken Trümmerschicht verstopft und fliegen einfach davon.“
„Vielleicht war es ein Unfall, oder die Russen haben das Schiff abgeschossen. Und jetzt können die Fremden wegen der Trümmerwolke nicht mehr mit ihrer Invasionsflotte landen“, spekulierte der CIA-Chef.
Der NASA-Direktor sah todunglücklich aus. Er machte ein Gesicht, als würde er im nächsten Moment zu weinen beginnen.
„Damit ist die Raumfahrt gestorben. Diese Wolke von Milliarden von Trümmerteilen wird kein Raumschiff in diesem Jahrhundert mehr durchqueren können. Ausser den Geostationären haben wir alle Satelliten verloren, die ISS wurde wie ein Sieb durchlöchert. Das GPS ist tot, unsere Spionage blind. Aber auch die Geostationären werden wir nicht ersetzen können, am Ende ihrer Lebensdauer. Keine Expedition zum Mond keine zum Mars. Keine Sonden mehr, keine Teleskope im Orbit. Nichts, Schluss.“
Der Vizepräsident, der bisher kein Wort gesagt hatte meldete sich zu Wort:
„Sie haben uns eingegrenzt, in einen Käfig gesperrt. Vermutlich sind sie zu der Ansicht gekommen, dass die Menschheit zu gefährlich ist, um sie ins All zu lassen.“
„Aber wieso denn, zum Teufel?“ Der General war wütend. „Wir hätten sie mit allem angreifen sollen, was wir haben.“
„Genau deswegen“, sagte der Vizepräsident leise.

Wir sind alle Aliens. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Der kleine schwarze Fleck, hoch oben in den Wolken, ist ein Rotmilan und kein Flugzeug. Spannweite gut 1.5m.

2009-05-26

2012

Von traumperlentaucher @ 18:48 [ Traumgeschichten ]


Als die ersten Amateurastronomen das Objekt im Mondorbit entdeckten, ließ es sich nicht mehr verheimlichen. Experten mutmaßten auf allen Kanälen, CNN berichtete viertelstündlich und die Regierungen verbreiteten beruhigende Statements. Der Mond habe vermutlich einen Asteroiden eingefangen, es bestehe kein Grund zur Beunruhigung, man habe alles unter Kontrolle.

„Meine Herren, wie schätzen Sie die Lage ein?“, fragte der Präsident in die Runde.
„Vermutlich die Russen“, meinte der Armeechef.
Der Direktor der NASA räusperte sich: „Dazu ist es viel zu groß. Kein Land ist in der Lage ein solches Objekt in eine Umlaufbahn zu befördern, geschweige denn zum Mond.“
„Sind Sie ganz sicher, dass es kein Asteroid ist?“, fragte ihn der Präsident.
„Absolut, es ist zu perfekt geformt und es kontrolliert offensichtlich seine Umlaufbahn.“
„Das ist doch verrückt“, warf der Chef der Homeland Security ein. „Das Ding ist mehr als hundert Kilometer lang und misst 13 Kilometer im Durchmesser.“
„Wir vermuten, dass es ein Generationenschiff ist. Vielleicht bereits Hunderte von Jahren unterwegs“, sagte der NASA-Mann.
„Vielleicht ist es nur eine optische Täuschung, eine Projektion der Russen oder Chinesen.“

Der Präsident trommelte mit den Fingern auf seinen Mahagonischreibtisch. „Wenn es ein fremdes Raumschiff ist, stellt es für und eine Bedrohung dar?“
„Der Zweck eines Generationenschiffs ist die Kolonisation anderer Planeten“, sagte der Raumfahrtdirektor. „In diesem Fall sind sie wahrscheinlich nicht zufällig hier. Sie haben unseren…“
„…Planeten zur Besiedlung ausgewählt“, vollendete der CIA-Chef den Satz. Die Tatsache, dass das Schiff einen Mondorbit und nicht einen Erdorbit gewählt hat, ist leider keine gute Nachricht. Sie wissen über uns Bescheid. Im Erdorbit könnten wir sie mit Atomraketen erreichen.“
„Was schlagen Sie vor?“ Der Präsident blickte in die Runde. „Welche Vorsichtsmaßnahmen sollen wir ergreifen.“
„Wir sollten augenblicklich alle unsere elektromagnetischen Aussendungen einstellen. Sie verraten uns“, meinte der Mann von der Homeland Security.
„Dazu ist es zu spät“, warf der Vizepräsident ein, der bisher geschwiegen hatte. „Außerdem ist es unmöglich, allen Fernseh- und Radiostationen auf der ganzen Erde ein Sendeverbot zu erteilen. Ganz abgesehen von den vielen anderen Funkdiensten.“
„Wir sollten uns mit der NATO absprechen und auch die Russen und die Chinesen einbeziehen“, meinte die Außenministerin.
„Sie müssen sofort den Notstand ausrufen und die Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzen“, forderte der Armeechef.
„Wir könnten einen Spaceshuttle im Orbit mit einem zusätzlichen Booster und Zusatztanks versehen und auf eine Erkundungsmission schicken“, schlug der NASA-Direktor vor.

In diesem Moment klingelte das Telefon. Der Präsident nahm den Hörer ab.
Als er wieder auflegte, war sein Gesicht finster. „Meine Herren, soeben hat sich vom fremden Raumschiff eine kleinere Einheit gelöst. Sie fliegt Richtung Erde. Für unsere Verhältnisse immer noch ein Riesenschiff, mehr als einen Kilometer lang.“
„Das Begrüssungs-Komitee“, meinte der NASA-Direktor.
„Wir sollten ihm ein paar Atomraketen entgegenschicken“, forderte der Armeechef.
„Sie wollen sicher den Planeten nicht verwüsten, wenn sie sich hier ansiedeln möchten“, sagte der CIA-Chef. „Ich würde an ihrer Stelle tödliche Viren in die Erdatmosphäre pusten um die Menschen zu eliminieren.“

Fortsetzung folgt. Euer Traumperlentaucher

Bild: Nahe am Ziel



2009-05-24

Eine Welt aus dem Gleichgewicht

Von traumperlentaucher @ 14:06 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Es wundert mich, dass die Erde noch rund dreht und nicht ausschlägt wie ein Autorad, das gerade sein Auswuchtblei verloren hat. Zumindest zittern sollte sie. Denn sie hat das Gleichgewicht verloren, auch wenn wir alle glauben, es handle sich bloß um eine vorübergehende Störung. Doch das liegt an unserem kurzen Erinnerungsvermögen und am Wahnsinn der Gegenwart. Wer im Fußball gegen wen gewonnen hat, ob Paris Hilton wieder unten ohne auf einer Party war und wer die neuste Misterwahl gewinnen wird, ist uns oft wichtiger als die Zukunft der Welt. Es ist ja auch nicht leicht, aus 99% Schrott und Lügen die relevanten Informationen herauszufiltern. Dazu noch unbequem und in den Türmen der Macht unbeliebt.
So scheint uns unser Leben absolut normal, auch wenn es verrückt ist. Und wir wollen uns gar nichts anderes vorstellen, als das es immer so weiter gehen wird: Im Ungleichgewicht.
Dass 40% der Weltbevölkerung mit einem Dollar pro Tag auskommen müssen, verdrängen wir, wie auch den Umstand, dass andere pro Tag Millionen kassieren, ohne sie wirklich verdient zu haben, nur mit dem Hin- und herschieben von Illusionen.
Die Historiker sagen uns, dass es immer schon so gewesen sei. Nur die Maßstäbe hätten sich geändert. Und die, die sich mit der Zukunft befassen, sagen uns, dass morgen alles besser werden wird. Dank Technologie und Globalisierung.
Mehr wollen wir nicht wissen. Es wäre unbequem. Krieg und Elend existiert für uns nur im Fernsehen. Auch die Wirtschaftskrise soll gefälligst dort in der Glotzkiste bleiben. Sie ist ja nur eine vorübergehende Störung, bereits am Abklingen, wie uns Experten versichern, abgefedert durch Konjunkturprogramme, wie uns die Politiker einreden. Bald würden wir wieder auf den Wachstumspfad einschwenken und es werde weitergehen wie bisher.
Denn schließlich habe sich nichts geändert. Alles sei nur ein Bilanzierungsproblem. Das leuchtet uns ein. Die Subprime-Häuser in den USA existieren ja wirklich, ebenso wie die Fabriken in China und die Konsumenten in Europa. Kein Grund, wieso dieses System zusammenbrechen sollte. Wohnen, essen, fahren, fernsehgucken müssen wir ja nach wie vor. Wenn die Bilanzierungsregeln für die Banken gelockert werden und sie wieder Kredite sprechen, wenn die Menschen weniger um ihre Arbeitsplätze bangen und mehr konsumieren, wird die stockende Maschine wieder in die Gänge kommen. Sie hat ja bisher auch funktioniert.
Doch die Ungleichgewichte bleiben. Wenige besitzen die Welt, viele nichts als ihr Leben. Ein Leben in Armut und Elend, für das sie jeden Tag aufs Neue kämpfen müssen. Die einen leben mit Schuldenmachen und die anderen leben, um diese Schulden zu bezahlen. Produziert wird vielzuviel für wenige, die es sich leisten können, von vielzuvielen, die sich nichts leisten können. Ein Imperium, das nach seiner Wirtschaftsmacht auch seinen Moralanspruch verloren und das die ganze Welt mit fiktivem Geld beschissen hat, versucht nun diese Welt mit der verbliebenen Militärmacht zu beherrschen.
Die Welt werde gerechter, sagen uns die Zukunftsforscher, dank Technologie und Globalisierung. Sie sei es noch nie gewesen, sagen uns die Historiker. Wir würden nach der Krise geläutert einer besseren Welt entgegengehen, versprechen die Politiker.
Doch die Welt läuft unrund. Das wird sie nicht ewig aushalten.

Eine schöne runde Woche. Euer Traumperlentaucher

2009-05-23

Die Salami und das Gebäudeungeheuer

Von traumperlentaucher @ 07:42 [ Begegnungen ]


Gestern brachte ich Armin eine Salami ins Sanatorium. Als ich vor dem mächtigen Gebäude stand, wäre ich am liebsten umgekehrt. Es wirkte bedrohlich und es schien auf mich gewartet zu haben. Sein breites Eingangstor stand offen wie das Maul eines Ungeheuers, das auf Beute wartete. Hinterhältig einladend, bereit zuzuschnappen. Die vergitterten Fenster, die grauen Steinmauern, das lieblose Dach, es könnte auch eine Kaserne sein, dachte ich, oder eine Schule. Beide schnappen dich und wenn du eines Tages wieder raus kommst, bist du nicht mehr derselbe. Und es gibt dort keine Salami. Dafür schneidet man Stück um Stück von deiner Persönlichkeit ab und ersetzt sie durch eine gesellschaftsverträgliche Mixtur. Kasernen, Schulen, Sanatorien, Spitäler, Verwaltungsgebäude, sie alle haben etwas gemeinsam. Auch Gefängnisse gehören vermutlich in diese Kategorie, zumindest architektonisch. Allerdings kenne ich diese glücklicherweise nicht aus eigener Erfahrung.
Trotzdem ging ich hinein und brachte Armin die Salami, die er so vermisste. Ich vertraute auf meinen Ausbruchsinstinkt. Bisher war ich noch überall ausgebrochen. Die Schule hatte mir das Kindsein und das Träumen nicht austreiben können, die Kaserne nicht das Menschsein und das Spital nicht den Humor. Auch das Sanatorium hatte es nicht geschafft, meine innere Welt aufzulösen.
Armin traf ich gut gelaunt, er freute sich über die Salami und erzählte mir von seinen Projekten. Alle etwas verrückt, aber das war normal.
Doch als ich ihn fragte, wann er nach Hause komme, wurden seine Augen dunkel. „Es gefällt mir hier“, sagte er, und als er meinen verzweifelten Gesichtsausdruck bemerkte, schob er rasch nach: „Mach dir keine Sorgen, ich bleibe der, der ich bin. Meine Welt ist viel grösser und stärker als diese Gebäude.“
Als ich zum Parkplatz ging, wo mein alter Jaguar stand, spürte ich einen kalten Hauch im Nacken. Ich wusste, dass das Gebäudeungeheuer nach mir lechzte und drehte mich nicht um.
Lasst euch eure Träume nicht nehmen. Euer Traumperlentaucher

Bild von Bara-Bara und Staubfinger

2009-05-22

Das Kaufhaus

Von traumperlentaucher @ 08:45 [ Träume ]


Endlich! Nach einer frühsommerlichen Traumblockade bin ich wieder in der Lage, euch über einen gar seltsamen und wunderlichen Traum zu berichten: über meinen Traumbesuch in einem Kaufhaus. Schon draußen vor der Tür fiel mir einiges auf: Da war zum Beispiel der Umstand, dass das Kaufhaus nur zur vollen Stunde für fünf Minuten seine Pforten öffnete. Dafür verfügte es über einen Warteraum. Allerdings nur mit vier blauen und viel zu kleinen Sitzen auf einem erhöhten Podest. Da wir, wie immer im Traum, gerade zu spät kamen, waren die Wartesitze frei und wir zwängten uns hinein. Wir, das heißt meine unbekannte und gesichtslose Frau und mein unbekanntes ebenso gesichtsloses Kind. Glücklicherweise dauert eine Traumstunde keine Stunde und so wurden wir bald vom Warten erlöst. Doch bevor wir in die heiligen Hallen des Kaufrausches eintreten konnten, mussten wir alle eine elektronische Karte aus einer Wand ziehen, in der Tausende davon steckten. Meine sah aus wie ein i-Pod, nur dünner und mit unbekannten Schriftzeichen versehen. Wofür das Ding taugte, konnte ich nicht mehr herausfinden, denn kurz hinter dem Eingang wartete ein freundlicher Herr mit Hut auf uns, der aussah wie ein Gangster aus den Zwanziger Jahren, und nahm uns die Karten ab.
Anstatt sofort mit einer sinnverwirrenden Fülle von Waren konfrontiert zu werden, wie das in Kaufhäusern üblich ist, führten etliche mit dunkelblauem Satin ausgekleidete lange Korridore in das Innere des Gebäudes. Die eigentlichen Verkaufsräume schienen sich alle unter der Erde zu befinden. Nach einem längeren Marsch stießen wir endlich auf die ersten Verkaufsstände. Das Kaufhaus war, abgesehen von den Waren, nicht so hell beleuchtet, wie man es von solchen Einrichtungen in der Wirklichkeit gewohnt ist. Dadurch kamen die Waren aber mehr zur Geltung und man wurde von ihnen magisch angezogen. Als erstes bemerkte ich einen goldenen Engelkopf. Ich habe noch nie einen solchen Engel gesehen. Seine Gesichtszüge waren von einer übernatürlichen Schönheit und Perfektion und doch lag etwas Abstoßendes in ihnen. „Ein falscher Engel“, schoss es mir durch den Kopf, als ich endlich den Blick von ihm zu lösen vermochte. In dieser Abteilung befand sich übrigens auch eine Bank. Doch hinter den dicken Panzergläsern wurde nicht mit Geld gehandelt, sondern ausschließlich mit Gold in allen Formen: Neben Barren und Plättchen auch Nuggets und Stangen.
Gerne wäre ich noch eine Weile dort geblieben um den Händlern hinter der Glaswand zuzusehen, doch meine unbekannte Familie drängte weiter. Wiederum ging es nach unten. Die treppenlosen Gänge wurden noch dunkler und steiler. Abzweigungen führten in alle Richtungen und ich hatte das Gefühl in einem Labyrinth zu stecken. Ob wir je wieder den Ausgang finden würden? Doch meine Sorge war unbegründet. Wir trafen oft auf gut markierte Notausgänge. Gerne hätte ich zur Probe eine der Doppeltüren geöffnet, doch das Raunen dahinter hielt mich davon ab. „Sie warten nur darauf, dass jemand rausgeht, damit sie reinkönnen“, bemerkte meine unbekannte Frau. Hinter einigen Türen rauschte auch Wasser und die Türen schwitzten.
Endlich gelangten wir in eine grössere Abteilung mit einer Fülle von Waren: Bunte Stifte, kleine ausgestopfte Krokodile und Räucherstäbchen, dazu viel Unbekanntes, das ich nirgends einordnen konnte. Keines der Dinge schien mir einen Gebrauchswert zu besitzen und ich fragte mich, wer diese Waren kaufte.
Aber eine Etage tiefer, in einer großen Halle, stießen wir auf die Bäckerei. Die schien mir einigermaßen normal zu sein. In vielen hübschen Marktständen wurden Unmengen von Brötchen feilgeboten, ausschließlich Brötchen, etwas anderes war nicht zu entdecken. Gleich dahinter befand sich ein Restaurant. Weiß gedeckte Tische, ebenfalls reich mit Brötchen garniert. Trotz der vielen Besucher waren die Tische leer. Die Kellner in ihren grauen Nadelstreifenanzügen warteten vergebens auf Kundschaft.
„Ich will nach Hause“, sagte mein unbekanntes Kind. „Wir sind zu Hause“, antwortete meine gesichtslose Frau. In diesem Augenblick wurde ich in einen anderen Traum geschleudert. Ich suchte wieder einmal mein Klassenzimmer in einem Schulhaus mit unendlich vielen Etagen.
Hütet euch vor falschen Engeln. Euer Traumperlentaucher

Bild von Bara-Bara und Staubfinger

2009-05-20

Stardust

Von traumperlentaucher @ 06:56 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Eine der besten und schönsten Seiten im Internet ist „Astronomy Picture of the Day“. Seit 1995 zeigen uns dort Robert Nemiroff und Jerry Bonnell Bilder aus dem All mit einer kurzen Erklärung dazu. Jeden Tag ein neues wunderbares Bild zum Träumen. Alle Aufnahmen der vergangenen Jahre findet man übrigens im Archiv. Ein wahrer Perlenschatz.
Der Blick zu den Sternen oder vom Weltraum auf die Erde lädt aber nicht nur zum Träumen ein. Er relativiert auch die Hoffnungen, Ängste und Querelen unseres irdischen Daseins. Er erinnert uns daran, woher wir kommen und wohin wir gehen werden:
Wir sind aus Sternenstaub geboren und werden wieder zu Sternenstaub werden. Die kleinsten Teile unserer Körper haben die Geburt des Universums erlebt und sie werden auch das Ende der Zeit erleben. Vielleicht finden wir deshalb diese Bilder so wunderschön. Das Universum ist in uns.
Ein friedliches, glückliches und liebevolles Wochenende. Euer Traumperlentaucher

2009-05-18

Vergessen

Von traumperlentaucher @ 08:20 [ Träume ]


„Was bedeuten die schwarzen Schatten, die vorüber ziehen?“, fragte ich den Gesichtslosen, ohne den Blick vom Fernrohr abzuwenden. Er hatte mich auf einem steilen Pfad zur Sternwarte geführt, die auf einem Bergrücken hoch über dem Flusstal thronte.
„Es sind Artefakte des Vergessens, übriggebliebenes Nichtwissen.“
Vor meinem Fernrohr huschte plötzlich ein Planet vorbei. Verrückt! So stark konnte die Vergrößerung des kleinen Instruments gar nicht sein.
„Gibt es dort draussen auch vergessene Planeten?“
Der Gesichtslose hustete. Als meine Augen seine Gestalt suchten, sah ich in der Dunkelheit nur drei rote Punkte glimmen, seine Zigaretten.
„Nicht nur Planeten können vergessen werden, auch Sterne und sogar ganze Galaxien. Es ist bloss eine Frage der Zeit. Am Ende wird auch das Universum hinter dem Vorhang des Vergessens verschwinden. Dann, wenn ein neuer Urknall es von neuem zum Leben erweckt, wird sich niemand mehr an seine frühere Existenz erinnern. Nicht einmal mehr es selbst.“
Ich versuchte mit dem Fernrohr dem davonhuschenden Planeten zu folgen, aber vermochte ihn nicht mehr zu finden. Stattdessen verdunkelten immer wieder vorüberziehende Schatten die Sicht.
„Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als vergessen zu werden. Ausradiert aus allen Erinnerungen, als hätte man nie existiert. Es ist das Fürchterlichste was einem Menschen passieren kann. Aber ein ganzes Universum mit unzähligen Sternen, voll von Wundern, voll von Leben, eine Milliarden Jahre währende Geschichte, das ist unvorstellbar.“
Ich hörte nur sein Husten in der Dunkelheit, die drei roten Punkte waren erloschen.
„Wenn am Ende der Zeit alles vergessen geht, wird es nie existiert haben. Das bedeutet auch, dass wir nie gelebt haben, nie gelacht, geweint, geliebt und geträumt haben. Das ergibt keinen Sinn!“, protestierte ich.
„Auch du erinnerst dich nicht an dein früheres Leben, wenn du wiedergeboren wirst. Trotzdem war es nie sinnlos.“
„Wie willst du das wissen. Nur die Erinnerung gibt dem Leben einen Sinn. Wenn jemand seine Erinnerung verliert, hat er umsonst gelebt.“
Es wurde plötzlich erdrückend still unter der halb offenen Kuppel, obschon bereits vorher, ausser unseren Stimmen, kein Geräusch zu hören gewesen war.
Irgendetwas war an meiner Antwort falsch gewesen, ich spürte es. Was war mit den Menschen, die sich nicht an ihre Träume erinnerten. Hatten sie deswegen nie geträumt? Was war mit den Alzheimer-Patienten, die ihre Erinnerungen verloren, hatten sie deshalb nie gelebt? Was war mit all den Geschichten, die nie ihren Weg in Geschichtsbücher gefunden hatten?
Als ich aufwachte, hörte ich, wie Tizian, der Psychokater, draußen eine Maus verzehrte. Schon morgen würde sich niemand mehr an sie erinnern.
Erinnert euch! Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-05-17

Illuminati

Von traumperlentaucher @ 15:28 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Kein Film, sondern Wirklichkeit: Dieses Wochenende trafen sich die „Illuminati“ in der Nähe von Athen. Sie nennen sich Bilderberger und halten sich für die Elite der Welt. Seit 1954 findet diese Konferenz jährlich an wechselnden Orten statt. Eingeladen sind ausgewählte Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik und der Finanzwelt. Die Konferenzen sind geheim, die Teilnehmer zu strengstem Stillschweigen verpflichtet und der Tagungsort durch Polizei und Militär abgeriegelt.
Das nährt natürlich Verschwörungstheorien. Interessant ist insbesondere der Umstand, dass die Medien absolutes Stillschweigen bewahren. Weder Zeitungen noch Fernsehen erwähnen die Konferenz.
Ein geschickter Schachzug, glauben doch die meisten Menschen nur das, was sie im Fernsehen sehen und in der Zeitung lesen. Wenn etwas in diesen Medien totgeschwiegen wird, dann existiert es für die Massen nicht. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten perfekt funktioniert, doch heute gibt es das Internet und so sickert einiges durch. Deshalb wohl ist die Geheimhaltung ein bisschen aufgeweicht worden. Zumindest die Teilnehmerlisten werden durch das Sekretariat der Bilderberger im nachhinein auf Anfrage herausgegeben.
Daher erfährt man auch, dass zum Beispiel Bundesrat Couchepin ein Bilderberger ist.
Dieses Jahr soll es, Gerüchten zur Folge, um die Finanzkrise gehen. So sollen zu den Teilnehmern unter anderen die Führer der grössten Finanzinstitute, wie Joe Ackermann von der deutschen Bank und Finanzminister wie der amerikanische Timothy Geithner gehören.
Wie groß der Einfluss der Bilderberger auf die Geschicke der Welt ist, darüber streiten sich die Geister. Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist nicht politisch homogen. Viele Ehemalige sind von der Tribüne der Mächtigen verschwunden, andere haben sich an die Spitze der Machtpyramide geschwungen.
Was geheim ist, muss nicht unbedingt schlecht sein, und ich möchte diesen „Illuminati“ nicht einfach unterstellen, Bösewichte zu sein, gegen das Wohl der Welt zu handeln und nur die Sicherheit und das Gedeihen der eigenen Zirkel im Auge zu haben. Doch ein gesundes Misstrauen ist bei Alphatieren durchaus am Platz, denn Macht ist eine starke Droge. Und wenn Konferenzen geheim gehalten werden, kann man davon ausgehen, dass das Besprochene ziemlich brisant ist und uns vielleicht nicht gefallen würde.
Die Tatsache, dass die Bilderberger und deren Konferenzen von den Massenmedien meistens totgeschwiegen werden, ist nicht nur äußerst interessant, sondern auch bedenklich. Bestätigt sie doch anschaulich die „Verschwörungstheorie“, dass die Massenmedien von den Mächtigen kontrolliert werden.
Wer mehr über dies Bilderberger erfahren möchte, der klicke hier

Euer Traumperlentaucher

Bild: Baumleben

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