2009-04-30

Maskenball

Von traumperlentaucher @ 06:55 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die meisten Schutzmasken, die die Menschen gegen die Schweinegrippe tragen, schützen nicht. Sie verhindern bloss, dass der Träger beim Sprechen, Niesen, Husten anderen direkt einen Schwall Tröpfchen ins Gesicht jagt und sie so infiziert. Aber sie vermitteln ihrem Träger ein sicheres Gefühl. Eine generelle Eigenschaft von Masken.
Viren sind so klein, dass sie nur die höchste Schutzklasse von Masken nicht durchdringen können: FFP3 (Filtering Face Peace 3). Und die sind schweineteuer und noch mühsamer zum Atmen als die FFP2 oder FFP1. Schwirren die Schweinegrippe-Viren also frei herum, hilft nur noch rennen oder beten.
Die billige FFP1 schützt gegen Hausstaub, aber schon für Asbest braucht es die FFP2. Erst die FFP3 schützt gegen Mikroorganismen, sofern sie dicht anliegend getragen wird. Also Bart ab, ihr Bartträger ;-)
Meiner bleibt, ich bin sowieso gegen Masken aller Art allergisch, materielle, spirituelle, virtuelle.

Hat jemand von euch einen alten Raumanzug? Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-04-29

Die Konferenz

Von traumperlentaucher @ 07:44 [ Traumgeschichten ]


„Wichtig ist, dass es keine Panik gibt, die würde der Wirtschaft grossen Schaden zufügen.“ Der Minister schaute entschlossen in die Runde, als könne allein sein Blick eine Pandemie bannen. „Ausserdem haben wir zuwenig gesicherte Informationen.“
„Das stimmt“, meinte ein dicker Mann mit Hornbrille hinten in der Ecke, „am meisten Informationen haben wir, wenn alles vorüber ist.“
„Wir sollten jetzt handeln und nicht zuwarten. Die Krankheit verbreitet sich rasend schnell“, meldete sich der Oberarzt.
„Alle Fälle verlaufen mild, bei uns muss keiner sterben, unser Gesundheitssystem ist viel besser als in den Entwicklungsländern“, warf der Wirtschaftsboss ein. „Wir sollten nicht überreagieren.“
Der Minister nickte zustimmend. „Wir warten ab, was die anderen machen. Solange die Nachbarländer noch keine Notmassnahmen ergreifen, sehe ich keinen Handlungsbedarf.“
Der Oberarzt schüttelte vehement den Kopf. „Wir müssen handeln, Quarantäne an Flughäfen, Grenzen schliessen, Massenveranstaltungen untersagen, Schutzmasken an die Bevölkerung verteilen, Medikamente aufstocken.“
„Sie sind ja wahnsinnig“, explodierte der Wirtschaftsboss, „denken Sie doch an die Verluste in der Wirtschaft. Die Fabriken, die Restaurants, die Läden, die Touristen…“
„…ich denke an die Menschen“, unterbrach ihn der Oberarzt.
„Bitte meine Herren“, unterbrach der Minister den Disput, „wichtig ist, dass wir Ruhe bewahren. Es ist alles unter Kontrolle.“
„Genau“, warf der Dicke in der Ecke ein, „die Pandemie findet nur in den Zeitungen und im Fernsehen statt. Wir sollten Zensur anordnen.“
„Überlegtes Handeln ist jetzt wichtig. Schnellschüsse schaden nur,“ meinte der Wirtschaftsboss mit Blick auf den Oberarzt.
„Sie müssen den Pandemie-Alarm auslösen. Die Krankheit verbreitet sich rasend schnell“, drängte der Oberarzt.
„Meine Herren, ich sage es nochmal: wichtig ist, dass wir keine Panik auslösen. Ich werde die Angelegenheit mit meinen Kollegen besprechen und weitere Stellungnahmen von Experten einholen. Wir dürfen nichts überstürzen und müssen uns an die bewährten Abläufe halten.“
„Die Viren halten sich nicht an bewährte Abläufe“, murmelte der Oberarzt.
„Damit schliesse ich die Sitzung. Morgen sehen wir weiter.“

Ich setze auf Rum, das hat schon früher auf den Windjammern geholfen. Euer Traumperlentaucher.

Bilderrätsel von Mike, ausgegraben auf seiner Baustelle.

2009-04-28

Traumrendite

Von traumperlentaucher @ 11:25 [ Träume ]


„Das ist ein Tramvorleger“, erklärte mir der umtriebige Geschäftsmann. „Und das dort drüben ist ein Akzelerator.“ Er hatte mit seinem Schiff, das aussah wie eine Arche, am Ufer angelegt. Zwei Hanfseile, um starke Kofweiden geschlungen, hielten es fest.
„Haben Sie keine Träume“, fragte ich. Der Gesichtslose an meiner Seite hustete. Der Händler sah mich verschmitzt an und sagte vermutlich:
„Welche Sorte hättens den gern?“
Anstatt Sorte verstand ich aber Schweinerl. Deformation par Televison. Entsetzt wich ich zurück. Die Gefahr durch die Schweinegrippe hatte sich sogar in meinen Traum geschlichen.
„Ich hätte da einen ganz speziellen Traum“, fuhr er fort, „einen aus Tausend und einer Nacht.“
„Aufwachen“, murmelte ich, „ich muss aufwachen.“ Doch es geschah nichts. Der Traum hielt mich gefangen.
„Versuche nicht ihn zu verdrängen“, sagte der Gesichtslose neben mir. „Es nützt nichts, er wird immer wieder kommen. Du musst ihn leben.“
Er zündete sich drei Zigaretten an und steckte sie sich in den nicht sichtbaren Mund.
„Manche Träume wollen einfach nicht aufhören“, seuftzte ich und ergab mich in mein Schicksal.
„Ich möchte keinen Traum aus Wüstensand, er ist mir zu heiss“, entgegnete ich dem Händler. „Aber vielleicht haben Sie was Nordisches?“
„Sicher, sicher, im Norden ist es im Winter immer dunkel, da haben die Menschen viel Zeit zum Träumen.“ Er rieb sich geschäftig die Hände. „Was darf er den kosten?“
„Träume sind doch gratis?“, tat ich erstaunt.
„Sie irren sich, auch Träume müssen rentieren. Was nicht rentiert ist wertlos, unbrauchbar, ein Nichts.“
„Er hat sich zulange in der Realität aufgehalten“, flüsterte mir der Gesichtslose zu und hüstelte.

….und jetzt alle: „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord…“ Das passt zur Lage ;-) Euer Traumperlentaucher.

Bild: Sterbende Völker

2009-04-27

Wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt

Von traumperlentaucher @ 07:30 [ Prophezeiungen ]


Die Schweinegrippe ist wohl gefährlicher, als die Regierungen zugeben wollen. E-Mails von Mexikanern an die BBC zeichnen ein erschreckendes Bild: Die Situation in den Spitälern sei chaotisch, viel Personal bliebe der Arbeit fern, vorallem junge Menschen würden in kürzester Zeit sterben, ohne dass etwas dagegen getan werden könne. Es gäbe kein Mittel, das helfen würde. Die Situation in Mexiko sei viel schlimmer, als die Regierung zugebe, die Zahl der Betroffenen und die Todesrate seien wesentlich höher.

Es scheint, dass es nun tatsächlich soweit ist und wir einer weltweiten Pandemie ins Auge sehen müssen. Noch gestern war in der Sonntagspresse folgende Meldung zu lesen:
„Für in der Schweiz lebende Personen besteht laut den Gesundheitsbehörden zurzeit keine Gefahr durch die Schweinegrippe. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verzichtet deshalb vorerst auf Sofortmassnahmen.“
Natürlich sind die Regierungen darauf bedacht, keine Panik auszulösen,
aber ich wette meinen besten Traum darauf, dass es schon morgen ganz anders klingen wird.
Vermutlich ist es so, wie ich einmal in diesem Blog geschrieben habe: Alle Katastrophen fallen uns gleichzeitig auf den Kopf: Wirtschaftskrise, Peak Oil, Klimawandel und Pandemie. Der Peak Oil ist zwar durch die Wirtschaftskrise verschleiert unbemerkt vorüber gegangen und wird sich erst später wieder melden und der Klimawandel ist ein Longdrink an dem wir uns erst in Jahrzehnten verschlucken werden, doch eine Pandemie könnte der angeschlagenen Wirtschaft den Todesstoss versetzen. Zusammenbruch total.
Ich rate dringend dazu, den Notvorrat sofort aufzustocken und Gesichtsmasken zu besorgen. Die nächsten Tage und Wochen werden nicht lustig.
Vergesst aber trotzdem nicht, die sanftgrünen Blätter des Frühlings zu bewundern. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Bara-Bara & Staubfinger

2009-04-26

Strohhalm-Ideen

Von traumperlentaucher @ 15:56 [ Prophezeiungen ]


Wir hören und lesen täglich von Rettungsplänen für Banken und Firmen, steigenden Arbeitslosenzahlen und Schulden und von sinkenden Umsätzen und Preisen, doch die Krise ist bei den meisten von uns noch nicht angekommen. Sie ist wie ein fernes Donnergrollen. Wir machen uns zwar Gedanken ob des nahenden Gewitters aber hoffen, dass es ohne Hagelwetter vorüberziehen wird. Dankbar hören wir die beruhigenden Worte der Politiker: Im Herbst gehe es wieder aufwärts, wenn nicht schon diesen Sommer, spätestens jedoch 2010. Die Talsohle sei erreicht, die Konjunkturpakete würden greifen. Die steigenden Aktienkurse scheinen die bevorstehende Wende zum Guten vorweg zu nehmen und die ersten Banken melden wieder Milliardengewinne und verteilen Boni wie eh und je.
Alles Paletti, oder was?
Wenn da nur nicht diese Schulden wären und diese wertlosen Schrottpapiere, die die Banken erfunden haben. Die wollen einfach nicht verschwinden. Doch die Rettung naht. Übergscheite Professoren hatten kürzlich eine grandiose Idee. Was wäre, wenn man all die schlechten Papiere in ein riesiges Loch werfen würde?
Die BAD BANK war geboren.
Alles Schlechte deponiert man in dieser Bad Bank und schwupp werden alle übrigen Banken wieder zu guten Banken, die Party kann weiter gehen. Natürlich muss man zu diesem Zweck noch ein paar Regeln ändern, an den Bilanzierungsvorschriften schrauben und einen hübschen Haufen Geld einschiessen. Die guten Banken wollen ja schliesslich gutes Geld von der Bad Bank für ihren Schrott. Aber die Zeit heilt alle Wunden. Die Kernidee ist die: Wenn die Bad Bank auch nur einen Bruchteil der Schrottpapiere wieder verkaufen kann, kann sie dieses Geld zinsbringend anlegen und nach einer gewissen Zeit ist sie durch den Zinseszins wieder saniert. Wir haben uns wie Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen.
„Das kostet den Steuerzahler keinen Cent“, behaupten Finanzpolitiker, wie zum Beispiel der Kavallerist Steinbrück.
Dumm nur, dass tote Pferde nicht wieder lebendig werden, wenn man nur lange genug wartet. Aber das scheint ein Geheimnis der Indianer zu sein.
Und nur die Indianer scheinen zu wissen, dass das Risiko und der Zinsausfall der Bad Bank vom Steuerzahler getragen werden muss, dass diese Schrottpapiere Schulden sind und Schulden nicht einfach verschwinden, wenn man nur lange genug wartet. Wenn man Schulden hat, muss man entweder einen Nachschuldner finden (Schwarzpeterspiel), wie das bisher der Fall war, oder der Gläubiger muss auf sein Guthaben verzichten. Taschenspielertricks übergscheiter Professoren helfen nicht.

So nimmt die Krise denn ihren Lauf. Bei den Aktien wird vermutlich nächsten Monat die alte Regel wieder zum Zug kommen: Sell in May and walk away. Die reale Wirtschaft wird weiter schrumpfen, die Arbeitslosenzahlen steigen und im Herbst werden die ersten Unruhen in den grossen Städten aufflammen. Wann die Deflation in Inflation umschlagen wird, ist schwer zu sagen und hängt davon ab, wann die Zentralbanken beginnen panisch Geld zu drucken. Doch die Talsohle ist noch weit. Diese Krise hat erst begonnen und sie kann gut ein ganzes Jahrzehnt dauern. Am Ende wird die Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr existieren.

Greift nach dem Strohhalm, sofern er in eurem Longdrink steckt. Euer Traumperlentaucher

Bild: Zeitmaschine von Bara-Bara und Staubfinger

2009-04-24

Morsesignale

Von traumperlentaucher @ 14:43 [ Erinnerungen ]


Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es noch keine Handys und kein Fernsehen und niemand konnte mit dem Begriff „Computer“ etwas anfangen. Es war die grosse Zeit der Funkpioniere. Nachrichten wurden im Äther ausschliesslich in Telegrafie ausgetauscht. Dazu mussten die Operateure nicht nur das Morsealphabet beherrschen, sondern auch ein ganzes Vokabular an Abkürzungen. Einige davon haben sich auch ausserhalb des Funkverkehrs eingenistet und bis heute überlebt. CU für see you, oder WX für Weather (Wetter), aber auch ROTFL - Rolling on the floor laughing, das man heute noch ab und zu im Internet antrifft. Viele Ausdrücke werden übrigens noch heute im Funk verwendet, auch im Sprechverkehr.
Doch mit der Funktelegrafie entstanden nicht nur Abkürzungen, sondern auch Codes. Zum Beispiel die sogenannten Q-Codes, wie "QNH" für den Luftdruck, das noch heute im Flugfunk benutzt wird . Aber auch Zahlencodes. 73 heisst „Mit den besten Grüssen“ und 55 steht für „Viel Erfolg“. Funkerinnen waren und sind zwar selten anzutreffen, aber trotzdem gibt es die Zahl 88 für „Liebe und Küsse“. Doch Zahlen haben nicht nur im Funkverkehr eine Bedeutung. Sie gelangten manchmal auch zu zweifelhafter Bekanntheit. So ist 88 in Deutschland eine verpönte Zahl, wird sie doch unter Neonazis als verdecktes „Heil Hitler“ verwendet, denn das H ist der achte Buchstabe im Alphabet. Und im UKW-Sprechfunkverkehr hiess „88“ früher: „Patient verstorben.“
Schlimmer als die 88 ist nur die 666, aber die wird im Funkverkehr nicht verwendet. Die „mystische“ Bedeutung der Zahl 666 stammt aus der Offenbahrung des Johannes, der Apokalypse. Sie ist die Zahl des Tieres oder auch die Zahl des Antichristen.

Auch in SMS werden oft Abkürzungen gebraucht und einige davon stammen noch aus der Pionierzeit des Funkverkehrs. B4, zum Beispiel für Before. Aber per SMS kommunizieren hat ja auch eine gewisse Ähnlichkeit mit der Morsetelegrafie, zumindest von der Geschwindigkeit her. Allerdings ist der 170 Jahre alte Morsecode immer noch schneller wie das folgende Video beweist. In einem Wettbewerb gewannen die Funker spielend gegen den schnellsten SMS’ler. Dabei hatten sie nicht einmal voll aufgedreht. Ein guter Operateur schafft locker 200 Zeichen pro Minute und liest dazu noch die Zeitung.

Soweit habe ich es nie angebracht, aber auch ich tausche ab und zu noch gerne Nachrichten über meine Amateurfunkstation mit einer alten Morsetaste aus.
Kürzlich fragte mich ein junger Fernsehtechniker, der im Nachbarhaus eine Glotze reparierte, nach dem Zweck des Drahtes, den ich vom Dach zum Fahnenmast gespannt hatte.
„Zum Morsen“, sagte ich und er sah mich zweifelnd an.
„Das gibt es doch gar nicht mehr!“
Als er mich dann fragte, wo ich morsen würde, sagte ich ihm "auf Kurzwelle und manchmal sogar auf Mittelwelle" (im 160m-Band). Prompt kam seine Antwort:
„Das glaube ich nicht. Die Mittelwelle wurde abgeschafft.“

Wenn etwas „abgeschafft“ wurde, heisst das nicht, dass es nicht mehr funktioniert ;-) Euer Traumperlentaucher.

Bild: "Traumlage", An dieser Stelle entsteht Mikes neues Haus

2009-04-23

Die Albtraumfirma

Von traumperlentaucher @ 17:36 [ Bücher ]


Winkler war ein Gentleman – er sagte nie »Arschloch«, er dachte es nur. Abschätzig musterte er Rüdiger Glock, der am Ende des Konferenztisches saß, und erklärte: »Wir haben jetzt neue, stärkere Schrauben verwendet. Damit ist der V1510 so stabil wie ein Panzer. Ich denke, nun sollte es auch für Ihre Kunden reichen.«
Glock strich bereits seit Tagen in der Firma umher und ging allen auf die Nerven. Natürlich hatte er auch schon eine Reklamation an die Zentrale geschrieben. Das war nichts Außergewöhnliches, er schrieb immer irgendwelche Beschwerdebriefe. Es war seine Art, sich beliebt zu machen.
Glock fühlte sich durch Winklers Erklärung angegriffen und antwortete: »Es ist nun mal so, dass unsere Kunden besonders anspruchsvoll sind, unser Markt ist eben ein spezieller. Die Produkte müssen perfekt sein.«
Ja, und der Preis natürlich tiefer als anderswo, dachte Alex. Hoffentlich reist er heute Abend endlich ab.
Winkler versuchte zu beschwichtigen: »Das sind sie ja, Herr Glock. Wir werden den V1510 in Zukunft nur noch mit den verstärkten Schrauben ausliefern. Ihre Kunden werden damit zufrieden sein, das garantiere ich Ihnen.«
Rüdiger Glock schien nur auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Er öffnete einen Karton, den er neben seinem Stuhl deponiert hatte und zog daraus einen V1510 hervor. »Das nennen Sie perfekt?« Er hielt den roten Miniatursauger in die Höhe wie eine Trophäe und blickte anklagend in die Runde. Die versammelten Kaderleute schauten ihn verständnislos an. Nur Gribouille erdreistete sich, eine Bemerkung zu machen: »Wohl wieder irgend so ein Mückenschiss«, sagte er leise zu seinem Tischnachbarn.
Doch der glatzköpfige Glock hatte gute Ohren: »Nein, kein Mückenschiss«, konterte er. »Sie verkennen offenbar die Situation. Das Gehäuse dieses Saugers ist total zerkratzt. Glauben Sie denn, unsere Kunden würden dafür auch nur einen Cent hinlegen?« Glock reichte den Sauger in die Runde.
»Ein winziger Strich, kaum zu sehen«, sagte Gribouille, der sich eine Uhrmacherlupe ins Auge geklemmt hatte.
»Jetzt passen Sie mal auf«, entgegnete Glock sichtbar wütend. »Dieses Gerät war noch nie bei einem Kunden, ich habe es direkt aus Ihrem Lager geholt. Und was muss ich feststellen? Es ist nicht mehr neu!«
Winkler telefonierte mit dem Lager und Alex sah zum Fenster. Die Vögel draußen auf der Stromleitung hatten ihre Köpfe schief gelegt und schauten interessiert in den Konferenzraum.


Auszug aus dem Buch: Die Albtraumfirma

Habt ihr euch auch schon gewundert, was auf der Teppichetage eurer Firma los ist?
Habt ihr euch schon gefragt, wieso anstatt weisen Strategien unverständliche Forderungen und kuriose Projekte von "da oben" kommen und wieso die Chefs und Sekretärinnen manchmal bis spät in die Nacht hinein arbeiten?
Im neusten Buch des Traumperlentauchers wird das Rätsel gelöst: Die Albtraumfirma

2009-04-22

Das dumme Alter

Von traumperlentaucher @ 07:34 [ Träume ]


So alt hatte ich Armin nicht in Erinnerung. Erschrocken starrte ich den Greis an, der vor mir im Rollstuhl sass. Bei meinem letzten Besuch war er doch noch ein Mann in den besten Jahren gewesen.
„Hallo Armin, was ist denn mit dir passiert, lieber Freund?“
Er starrte mich verständnislos an.
„Was soll schon passiert sein? Hier im Sanatorium ist eh nichts los. Entweder nur Spinnweiber oder dann sind sie schon im dummen Alter zwischen dreissig und vierzig.“
Ausser seinem Äusseren schien also noch alles beim Alten zu sein. Armins Hang zu jungen Frauen schien ungebrochen. Nur sein Erscheinungsbild passte nicht dazu. Unwillkürlich tauchte die Erinnerung an Lucie in meinen Gedanken auf. Was wohl aus ihr geworden ist?
„Sie ist jetzt im dummen Alter, mit irgendeinem Schönling verheiratet und hat zwei junge Hosenscheisser am Hals.“ Armin schien Gedanken lesen zu können. Ich stutzte. Hier ging es nicht mit rechten Dingen zu.
Armins Theorie kannte ich zur Genüge. Frauen waren für ihn nur interessant, wenn sie die Dreissig noch nicht überschritten hatten, am besten fünfundzwanzig und jünger. Die Jahre zwischen Dreissig und Vierzig bezeichnete er als „das dumme Alter“. „Weiber“, so sein gängiger Ausdruck für das andere Geschlecht, seien in diesem Lebensabschnitt absolut ungeniessbar. Sie wollten unbedingt heiraten und Kinder kriegen oder seien unausstehliche Emanzen, oder beides zusammen. Über die Generation nach Vierzig schwieg er sich aus. Sie war für ihn von keinem Interesse.
Doch wieso sollte sich ein junges Girl für einen alten Knacker im Rollstuhl interessieren? Armin war ja kein Krösus.
„Was willst du denn mit jungen Frauen in deinem Alter?“, fragte ich ihn. Und beinahe hätte ich hinzugefügt: Da hilft auch kein Viagra mehr.
„Sie lieben mich“, sagte er.
„Sie mögen dich vielleicht, weil du so ein wunderlicher Kauz bist, voller Geschichten und kurioser Träume, doch lieben tun sie dich nicht. Tempi passati.“
Er sah mich durch seine dicke Hornbrille an und ich sah, dass seine Augen feucht waren. Bei meinem letzten Besuch hatte er doch keine Brille getragen? Armin hatte noch nie eine Brille besessen!
„Ich weiss, mein Freund, die Sprüche sind alles was mir geblieben ist. Ich habe die Liebe verpasst, den ich habe im Leben nur die Freude gesucht.“
Ich blinzelte verwirrt. Dann merkte ich endlich, dass ich träumte.
Morgen werde ich Armin einen Besuch abstatten.

Nur in Träumen können wir das Rad der Zeit zurückdrehen. Euer Traumperlentaucher.

2009-04-21

Der dümmstmögliche Präsident

Von traumperlentaucher @ 08:15 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ahmadinedschad ist ein Idiot. Hauptsächlich aus zwei Gründen:
Erstens weil er den Holocaust anzweifelt, ein singuläres Ereignis im Horrorkabinett der menschlichen Geschichte, das wie kaum ein anderes zweifelsfrei dokumentiert ist und eingehend erforscht wurde.
Zweitens weil er mit seiner Brandrede in Genf eine sachliche Kritik am Verhalten Israels in Zukunft enorm erschwert. Jeder der z.B. Israels Vorgehen gegen die Palästinenser kritisiert, gerät sofort in den Verdacht ein Sympathisant Ahmadinedschads zu sein. Gar nicht zu reden von einer Kritik der rassistischen und rechtsradikalen Tendenzen im Judenstaat.

Damit wird die Welt, was den nahen Osten betrifft, noch weiter polarisiert und nähert sich um einen weiteren Schritt dem von vielen Fundamentalisten unterschiedlicher Couleur herbeigesehnten Armageddon. Die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Atombombe im nahen Osten explodiert, hat zugenommen.
Wenn man gestern das Interview des Westschweizer Fernsehens mit dem iranischen Präsidenten verfolgte, musste man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass der Mann nicht alle Tassen im Schrank hat. Er hat nicht nur keine Ahnung von Diplomatie, sondern ist ein gefährlicher Brandstifter. Nachdem jetzt Bush von der Bildfläche verschwunden ist, ist es höchste Zeit, dass er auch in der Versenkung verschwindet. Die Iraner haben den dümmstmöglichen Präsidenten.

Doch Ahmadinedschad ist bloß eine Figur, eine Voodoo-Puppe.
Die Fäden zieht ein Klerus mit einer menschenverachtenden Ideologie, die im Mittelalter stecken geblieben ist.

Frohes Schaffen oder Facebooken (beides ist ja kaum nebeneinander möglich). Euer Traumperlentaucher.

2009-04-20

Let’s face it!

Von traumperlentaucher @ 14:18 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Facebook zum Zweiten.
Facebook ist ein interessantes Tool um Menschen zu finden. Zu meinem Erschrecken habe ich fast alle gefunden, denen ich im Leben einmal begegnet bin. Den üblichen Verdächtigen und den Übrigen. Denn um fünf Ecken herum soll ja jeder jeden kennen auf dieser Welt. Doch die wenigsten möchte ich als meine Freunde bezeichnen.
Natürlich ist mir aufgefallen, dass die meisten im „Gesichtsbuch“ etwas suchen: nämlich das, was sie im Leben vermutlich am meisten vermissen: nebst Freundschaft, oder was sie dafür halten, vor allem Liebe. Das heißt einen Partner oder eine Partnerin. Darum tummeln sich viele neue und alte Singles in diesem Netzwerk. Natürlich gibt es wie überall auch solche, die bloß das Abenteuer suchen und sich am liebsten durch das ganze Facebook vögeln möchten.

Wie auch immer: In Facebook kann man vieles über seine Benutzerinnen und Benutzer erfahren, wenn man bereit ist, auf die Rückseite der Bilder zu sehen und zwischen den Zeilen zu lesen und wenn man gelernt hat, Dinge zu hören, die nie gesagt wurden und zwischen echten und falschen Träumen zu unterscheiden.
Die Art, wie sich jemand präsentiert, die Fotos, die Klischees, die echten oder vorgeschobenen Interessen. Eine wahre Fundgrube für Menschenbeobachter.
Auch der Umfang und die Zusammensetzung des „Freundeskreises“ sagt viel über die Facebookerinnen und Facebooker aus.
An Menschen, die man bisher zu kennen glaubte, tauchen unvermittelt neue Facetten auf und man wird in der Erkenntnis bestärkt, dass man eigentlich niemand richtig kennt und vermutlich nie kennenlernen wird, weder seinen besten Freund noch seinen Partner oder Partnerin.
Trotz allem ist Facebook schrecklich oberflächlich und unverbindlich. Es gemahnt mich an eine hübsche Filmkulisse.

Zeigt mir die Realität und ich gebe euch einen Traum dafür. Euer Traumperlentaucher

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