Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Träumer gibt. Vorallem hätte ich Politikern Träume nie zugetraut, nicht in dem Masse. Höchstens Organisationen wie zum Beispiel der Attac, die gerade ein ganzes Traumjournal herausgegeben haben, huckepack auf dem Namen der renommierten deutschen Zeitschrift
„Die Zeit“. Darin träumen sie von Weltgeld und einer Weltsteuer. Aber sie sind nicht die einzigen, die von einer neuen Weltordnung träumen, wie man immer wieder in diversen Foren lesen kann. Andere scheinen sich jedoch mehr davor zu fürchten. Die amerikanische Polizei zum
Beispiel. Wer den Film
Zeitgeist ansieht, einen Sticker von Ron Paul, einem Präsidentschaftskandidaten- Aussenseiter am Auto kleben hat, oder die amerikanische Flagge verkehrt hisst, steht unter Terrorismus-Verdacht. Das ist übrigens schon 1972 meinem Grossvater in Brattleboro, Vt., passiert. Nichts ahnend hisste er die US-Flagge vor dem Haus seiner Tochter, dummerweise Sterne unten. Es dauerte nicht lange, bis die Polizei vorbei kam. Mit der Schweizerflagge kann so was nicht passieren.
Doch zurück zu den Träumen der Politiker. Da gibt es tatsächlich welche, die meinen, es könne so etwas wie Freundschaft zwischen Staaten geben! Dabei sollten sie schon längst gemerkt haben, dass es zwischen Staaten nur Interessen gibt. Und die kommen jetzt, in der Wirtschaftskrise, so richtig zum Vorschein. Das Mäntelchen der Diplomatie ist dünn und durchsichtig geworden.
Auch Obama kann sich nicht länger in seine Träume flüchten. Das „Yes, we can“ bleibt zunehmend im Schuldensumpf stecken. Sein famoser Finanzminister pumpt derweil fleißig weiter Schulden in diesen Schuldensumpf, mit der verrückten Idee, ihn so austrocknen zu können, und Professor Bernanke scheint vollends den Kopf verloren zu haben. In seiner Panik will er jetzt Staatspapiere kaufen. Kein Wunder, geht doch langsam jedem das Licht auf, dass diese Papiere kaum die Druckerschwärze wert sind. Sogar die Chinesen scheinen aus ihrem Traum zu erwachen und realisieren allmählich, dass sie jahrzehntelang ihre Waren gegen wertloses Papier geliefert haben.
Nur an der Börse wird fleißig weiter geträumt. Was runter geht, muss auch wieder rauf, lautete die Devise. Dummerweise hat’s auf dem Flughafen nicht mehr viel Benzin. Für eine Zwischen-Rallye wird es aber reichen, bevor dem Flieger endgültig der Sprit ausgeht.
Natürlich hoffen die Börsianer auf sogenannte Investoren, obschon die seit Jahren ausgestorben sind. Investieren heißt, sein Geld in einer Firma anlegen – auf lange Sicht, und nicht bei jedem Bobo gleich aussteigen. Die vermeintlichen Investoren von heute sind nichts anderes als Aktienschieber – Spekulanten eben. Natürlich haben die Aktienschieber ihr Gegenstück in den Teppichetagen der Firmen: die sogenannten Shareholder-Value-Manager. Deren einziges Ziel es ist, so rasch wie möglich reich zu werden und im Nebeneffekt auch die Aktienschieber reich zu machen. Die Firma und deren langfristiges Gedeihen ist diesen Kerlen total wurscht. Fehlt noch der Dritte im Bunde und das ist beileibe kein Rätsel: Der ganze Schlamassel wäre ohne die Bankster nicht möglich gewesen. Unterstützt von den Träumen der Politiker, übrigens den vierten im Bunde, wischten sie alle Spielregeln unter den Tisch und bauten ein Kartenhaus aus Derivaten, die nur noch wenige Personen auf der Welt durchschauen. Heute nennt man diese „Toxische Papiere“ und versucht sie in irgendeinem Sicherheitsbehälter einzusperren. Zum Beispiel in einer "Bad Bank". Von denen gibt's weiß Gott genügend. Wenn das nicht gelingt, gehen die übrigen Banken pleite und das System bricht zusammen.
Dann wäre es wirklich Zeit für eine neue Weltordnung und eine Weltwährung. Doch die wird kaum so aussehen wie es sich die Attac erträumt. Die neue Weltordnung würde eher eine Mischung aus Zimbabwe, Somalia und Mad Max sein, das liegt an unseren Genen. Und die neue Weltwährung wäre nicht ein neues Papier mit dem Namen „Amero“, wie einige glauben, sondern vermutlich ein schweres gelbes Metall.
Auch unser Finanzminister Merz ist übrigens ein Träumer. Er schlägt Steinbrücks Gesprächsangebot aus, wie ein beleidigter Schulbub und glaubt vermutlich, das mit dem Bankgeheimnis und der schwarzen Liste würde im Sand verlaufen.
Vieles wird im Verlaufe der Krise im Sande verlaufen, mit Sicherheit aber nicht der Druck auf die Steuerparadiese. Und die Schweiz ist eines.
Aber zurzeit hält die träumende Viererbande (Aktienschieber, Shareholder-Value-Manager, Bankster und Politiker) noch an ihren Fetischen fest: Ewiges Wachstum, schneller Reichtum, garantierte Boni, weiterwurschteln.
Einen schönen Sonntag. Euer Traumperlentaucher
Bild: Von Bara-Bara und Staubfinger