2009-03-31

Der amerikanische Schuldenberg

Von traumperlentaucher @ 07:18 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ende letzte Woche erreichten die amerikanischen Staatsschulden
11.052.680.260.176 Dollar
Also 11 (europäische Billionen), etwa 36'000.- Dollar pro Kopf. Diese Schulden wachsen rasant, allein letztes Jahr wurden 673 Milliarden neue Schulden aufgenommen, und mit den neuen Konjunkturprogrammen wird dieses Jahr der Nachbrenner gezündet.
Wer daran glaubt, dass die USA je diese Schulden zurückzahlen werden, glaubt vermutlich auch an den Storch. Doch wer sind die Gläubiger? Wer kauft die amerikanischen Schuldscheine?
Natürlich steht an erster Stelle China (739.6 Mia.), dicht gefolgt von Japan (634.8 Mia.), dessen eigene Verschuldung – gemessen am Bruttoinlandprodukt – übrigens noch höher ist als die der USA, nämlich 180% des BIP!
Dann folgen die Öl exportierenden Länder, karibischen Bankenstaaten, und wen verwundert es? – der treue Vasall Großbritannien.
An elfter Stelle kommt übrigens die Schweiz mit 62.1 Milliarden, gerade vor Deutschland mit 56.4. Alle Daten vom Januar 2009.

Doch das sind nur die Staatsschulden und auch nur die öffentlich sichtbaren. Die Schulden der privaten Haushalte in den USA liegen bei ca. 15 Billionen. Hinzu kommen noch die verdeckten Schulden, z.B. die Verpflichtungen aus Pensionen für Militär- und Staatsangestellte, sowie dem staatlichen Gesundheitsprogramm Medicare. Einige Kritiker rechnen damit, dass die Summe aller US-Schulden 60 Billionen erreicht.

Die Anhäufung dieses unvorstellbaren Schuldenberges war nur möglich, weil es die Amerikaner geschickt verstanden, den Dollar zur Weltleit- und Reservewährung zu machen. Würde der Dollar diese Führungsrolle abgeben, wären die USA augenblicklich pleite.

Endlich Frühling! Das Jahr erwacht nach einer langen Nacht. Euer Traumperlentaucher

2009-03-29

Obama führt uns in die Hölle…

Von traumperlentaucher @ 18:18 [ Gedanken & Beobachtungen ]


…erklärte der abtretende Regierungschef Tschechiens vor dem EU-Parlament. Es sieht zurzeit leider ganz danach aus. Denn das Hauptproblem wird immer noch verdrängt:
Wie soll die Derivatenblase von 1'000 Billionen mit einem Welt-BIP von 50 Billionen gedeckt werden? Solange diese Derivatenblase im Hintergrund lauert, kann das Insolvenzproblem der Banken nicht gelöst werden.
Aber wie so oft in der Geschichte, präsentiert sich der Verursacher des Übels jetzt als Retter. Die USA mit ihrem Messias Obama wollen die Welt retten, sagen sie, aber sie meinen damit den US-Dollar und die amerikanische Hegemonie. Obamas Problem ist, dass die USA jahrzehntelang als Parasiten in dieser Welt gelebt haben und dass jetzt viele Amerikaner nicht mehr wissen, wie sie ihre Häuser und ihr Essen bezahlen sollen und einige wenige gleichzeitig so verrückte Summen wie 2.5 Milliarden pro Jahr kassieren.

Das amerikanische Finanzkartenhaus ist genauso gebaut wie die meisten amerikanischen Häuser: Billig zusammengezimmerte Bretterbuden, die aussehen wie Paläste, aber beim ersten Sturm zusammenklappen. Die Innenwände zur Raumunterteilung in diesen Häusern bestehen übrigens aus so genannten „Drywalls“, dünnen Fertigelementen aus Gips und Papier. Damit gibt es jetzt Schwierigkeiten, wie in verschiedenen Zeitungen zu lesen war. Die Drywalls sondern giftige Gase ab, die Leitungen und Apparate rosten lassen und die Bewohner krank machen. Sie stammen, wie der meiste Schrott, natürlich aus China. Die Amerikaner sind also nicht einmal mehr in der Lage, die Gipswände für ihre Bretterbuden selbst herzustellen.
Doch was soll’s! Die Handelsbilanz zwischen China und den USA scheint mir ziemlich ausgeglichen: Die Chinesen liefern Schrott und erhalten dafür Schrott-Dollars.

Ein berühmter Amerikaner wird übrigens nächstens die Schweiz besuchen: Wachmann Meili kehrt zurück. Destination Sozialamt Zürich, wie er in einem Youtube-Video erklärt. Die einen halten ihn für einen Helden, die anderen für einen Verräter. Für mich ist er bloß ein arroganter strohdummer Kerl. Er hat sich von anderen ausnützen, sich mit Almosen abspeisen lassen und sein Leben gehörig versaut. Welcome back!
Das soll nicht heißen, dass ich für die UBS irgendwelche Sympathien hege. Diese Bank und ihre Exponenten sind die wahren Landesverräter!

Nächste Woche geht es übrigens so richtig zur Sache: Die Nato feiert im Elsass ihr sechzigjähriges Bestehen und zu diesem Zweck wird die Gegend auf beiden Seiten des Rheins vorübergehend in einen Polizeistaat verwandelt. Eine kleine Kostprobe unserer Zukunft.
Wer in dieser Gegend seine Regenbogenfahne zum Fenster hinaushängt, bekommt Besuch von der Polizei. Die Autobahn wird gesperrt, Züge umgeleitet und für die Zeit des Fotoshootings mit den Natogrössen wird die Rheinschifffahrt stillgelegt. Bewohner dürfen nur in Begleitung der Polizei ihre Wohnungen verlassen oder zurückkehren. Die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland wird vorübergehend geschlossen.
Aber solche Szenarien kennen wir ja bestens: Wenn der Chinese in der Schweiz zu Besuch ist, verbietet die Polizei sogar Bücher. Schade, meine waren bisher nicht darunter – das hätte Publicity gebracht!

Doch das Elsass ist nur ein Nebenschauplatz. In London spielt die Musik. Dort werden die G-20 gipfeln. Wegen der erwarteten Protestdemonstrationen wurde den Bankstern in der City geraten, nächste Woche ohne Krawatte zur Arbeit zu gehen, so dass man sie nicht erkennen kann. Vielleicht hat die Polizei Angst, dass plötzlich der eine oder andere an seinem Schlips baumeln könnte.

Wir leben wahrlich in interessanten Zeiten. Euer Traumperlentaucher.

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-03-26

Das Pferd stinkt

Von traumperlentaucher @ 07:52 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die 25 erfolgreichsten Hedge Fonds Manager haben 2008 zusammen 11.6 Milliarden Dollar abgezockt – in diesem Fall von „verdienen“ zu sprechen wäre ja pervers. Nummer Eins, der siebzigjährige James Simons, mit seiner US-Investmentfirma Renaissance Technologies, kassierte allein 2.5 Milliarden. Daneben erscheinen die Millionen-Boni unserer Bankster geradezu lächerlich.
Ich kann mir nicht vorstellen, was man mit solchen Unsummen machen kann, außer an die Ärmsten dieser Welt zu verteilen. Doch Geld korrumpiert in den meisten Fällen die Seelen der Menschen und vermutlich leben diese Hedge Fonds Manger schon längst in einer anderen Welt.
Dass solche verrückten Jahreseinkommen möglich sind, zeigt deutlich in welcher Verfassung sich unser Finanzsystem befindet. Nämlich im Zustand der fortgeschrittenen Verwesung.
Dieses Pferd ist nicht nur mausetot, es stinkt fürchterlich und Maden mästen sich an seinem verfaulenden Fleisch. Trotzdem wollen es die meisten weiterhin reiten. Wieso?

Eine Regel der Dakota-Indianer sagt: „Wenn du merkst, dass dein Pferd tot ist, so steige ab.“
Leider haben die Dakotas nichts über verwesende Zombie-Pferde gesagt. Aber ich vermute, dass der Reiter in diesem Fall gar nicht mehr absteigen kann, weil er selbst zum Zombie geworden ist.

Täglich werden wir mit neuen Horrormeldungen zur Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Die Zahlen werden dabei immer größer, und die Prognosen müssen wöchentlich revidiert werden. So berichtet die Zeitschrift Stern zum Beispiel darüber, dass der Finanzbedarf zur „Rettung“ der deutschen HRE nochmals viel größer ausfallen könnte, als ursprünglich angenommen und fast die Höhe des Jahreshaushalts Deutschlands erreichen könnte. Trotzdem sprechen die Politiker davon, die Steuern zu senken und die Abwrackprämie soll bis Ende Jahr verlängert werden. In Deutschland stehen Wahlen vor der Tür. Durchwursteln lautet die Devise.

Aber es ist ein Wettrennen gegen die Zeit. Der Zerfall beschleunigt sich, so hat sich zum Beispiel der Export Japans im letzten Monat halbiert!

Aufwachen! Euer Traumperlentaucher

Bild von JoJo: Krise hin-oder oder her: die Grillsaison kommt bestimmt!

2009-03-25

Die scheintote Prinzessin

Von traumperlentaucher @ 07:57 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Gestern war meine Prinzessin plötzlich tot - mausetot. Immer wieder setzte ich sie unter Strom - es nütze nichts. Dabei hatte ich ihr schon alle Zutaten gegeben: Mehl, Hefe, Salz und Wasser. Alles für die Katz.
Meine Prinzessin ist mein Brotbackautomat.
Ratlos stand ich vor der toten Maschine. Was sollte ich jetzt tun? Wie kam ich jetzt zu meinem Brot? Ein Brot kaufen gehen oder gleich eine neue Maschine?

Ich habe mich in der Vergangenheit oft lustig gemacht über Autofahrer, die ihrem Navigationssystem folgend, plötzlich in Sackgassen, auf Skipisten oder im Fluss landeten. Auch über die Handy-Generation mokierte ich mich ab und zu. Ohne ihr Quasselkästen wären sie doch hoffnungslos verloren.

Und nun stand ich vor meiner toten Prinzessin und fragte mich, wie ich den Tag ohne frisches Brot überstehen sollte.
Glücklicherweise fiel mir nach dem ersten Schock ein, wie ich früher Brot gemacht hatte: von Hand. Sofort machte ich mich ans Werk. Es war nicht so schlimm, wie ich mir vorgestellt hatte.

Später, als es im Haus bereits nach frisch gebackenem Brot duftete, fiel mir ein, dass ich vor langer Zeit ein Ingenieurstudium absolviert hatte. Vielleicht sollte ich die Prinzessin untersuchen. Wäre ja gelacht, wenn ich sie nicht wiederbeleben könnte.

Als ich die Prinzessin aufgeschraubt hatte, fiel mein Blick auf die Rückseite der Maschine, und mir dämmerte, dass ich, wie Armin, wohl bald im Sanatorium landen würde.
Dort war ein hübscher kleiner Netzschalter: er stand auf AUS.

Wenn ich nicht bereits ver-rückt wäre, ich glaube, ich würde es. Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-03-24

USA, GB und Schweiz: Hauptverantwortliche der Krise?

Von traumperlentaucher @ 13:59 [ Gedanken & Beobachtungen ]
Das LEAP in Paris, welches das Global Europe Anticipation Bulletin herausgibt, richtet einen offenen Brief an die Teilnehmer des G-20 Gipfels in London. Darin wird eindringlich vor einem Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems und der Weltordnung gewarnt, wenn nicht in den nächsten Monaten drastische Schritte unternommen würden. Das LEAP empfiehlt die folgenden drei Schritte:

1. Die Schaffung einer Weltwährung
2. Die Schaffung einer globalen Bankenaufsicht und die Abschaffung aller Steueroasen.

und 3. Die Untersuchung der Finanzsysteme in den USA in Großbritannien und der Schweiz.

Diese drei Finanzsysteme seien die Hauptverantwortlichen für die gegenwärtige Krise.

Die G-20 werden kaum nach der Pfeife des LEAP tanzen. Und schon gar nicht die Anwesenden desavouieren. Bleibt noch die Schweiz, die aus unerfindlichen Gründen nicht dabei ist. Es braucht nicht viel Fantasie um sich auszumalen, dass diese dort unter die Räder geraten wird.
Les absents ont toujours tort!

Es kommen also immer mehr Mosaiksteine zusammen und das Bild wird für die Schweiz immer düsterer. Unser Bundesrat hat geschlafen und die UBS hat das Land verraten.
Es sieht gar nicht gut aus und anschnallen ist angesagt. Die Krise entwickelt sich in rasendem Tempo.

Carpe diem, wenn ihr könnt. Euer Traumperlentaucher




Die gespaltene Zunge der Bleichgesichter

Von traumperlentaucher @ 07:36 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Negative Prognosen seien unverantwortlich, findet der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel aus Bremen. Das führe nur zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Viel wichtiger wäre es, zu sagen, was jetzt zu tun sei um aus der Krise zu kommen.
Ja, wenn das jemand wüsste! Bill Bonner schlägt vor, Madoff zum neuen Finanzminister in den USA zu machen. Er habe die grösste Erfahrung bezüglich Betrugspyramiden. Das ist Galgenhumor pur, denn die Prognosen werden immer düsterer. So schreibt das Global Europe Anticipation Bulletin in seiner neusten Ausgabe:
„Entweder gelingt es ihnen, das Projekt eines neuen internationalen Währungssystems zu lancieren und damit die Fundamente für eine neue finanzielle Weltordnung zu legen, an der alle wichtigen Volkswirtschaften der Welt fair beteiligt sind; dann kann die Krise in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren überwunden sein. Oder sie können ihre Bemühungen darauf beschränken, das gegenwärtige todgeweihte System noch etwas am Leben zu erhalten; dann wird allerdings die Welt ab Jahresende 2009 in eine Krise tragischen Ausmaßes von mindestens zehn Jahren Dauer stürzen.“
Mit „Ihnen“ sind die Regierungschefs der G-20 gemeint, die sich am 2. April in London treffen werden. Auch Paul C. Martin setzt in der deutschen Bild auf die G-20:
„Mein Tipp: Da alle Teilnehmer im selben Boot sitzen und sich über den Ernst der Lage im Klaren sein dürften, kann eigentlich nur ein Super- Ergebnis erwartet werden. Will heißen: Die Wende zum Besseren ist noch für dieses Jahr zu erwarten, die Krise wäre dann im kommenden Jahr vorbei!“
Erstaunlich! Prophezeit doch der gleiche Mann unter dem Nick „dottore“ im Gelben Forum immer wieder „Game Over“.
Aber er ist nicht das einzige Bleichgesicht, das mit einer gespaltenen Zunge spricht, wie wir Indianer wissen. Da wäre zum Beispiel unsere Außenministerin Calmy-Rey, die sich öffentlich über die schwarze Liste der OECD empört und hinten herum der gleichen OECD Dankesbriefe schreibt, für deren Einsatz gegen das Bankgeheimnis.
Aber wann konnte man den Sozis schon trauen? Die wollen ja alle möglichst rasch in die EU, damit auch sie an die Honigtopf-Pöstchen in Brüssel rankommen. Doch dass sich unser Bundesrat Couchpin, eher ein Neokonservativer als ein Sozi, plötzlich für eine Diskussion zum EU-Beitritt der Schweiz einsetzt, ist äußerst verwunderlich und man fragt sich, welches Zeug der Mann wohl raucht.
Doch Couchpin ist ein ausgekochter Hund. Er weiß, dass uns die EU solange einigermaßen pfleglich behandelt, wie Hoffnung für einen EU-Beitritt der Schweiz besteht. Den EUkraten gerade jetzt ein bisschen Honig ums Maul zu schmieren, ist ein gerissener Schachzug von Häuptling Liegendes Brot.
So sind denn alle Augen auf die G-20 gerichtet und die Hoffnungen sind groß. Ich bin sicher, dass wir eine großartige Schlusserklärung dieser Konferenz lesen werden und dass die Börsen darauf steigen werden wie Geisterraketen. Aber ich bin ebenso sicher, dass nicht viel mehr passieren wird. Noch klammern sich die Staaten an das bestehende System und wollen es retten. Es ist die Zeit des Aufbegehrens gegen das Schicksal, des Nicht-wahr-haben-Wollens. Darum wird niemand tun, was getan werden müsste: Die Schulden zu Lasten der Gläubiger ausbuchen und Neustart des Systems. Auch unser lieber Kavalleriehauptmann Steinbrück möchte sein totes Pferd noch eine Weile reiten – zumindest bis zu den nächsten Wahlen.

Ich wünsche euch eine hübsche kleine nette und kurze Woche, frei von Albträumen. Euer Traumperlentaucher.

Bild: von JoJo

2009-03-22

Nichts als Träumer

Von traumperlentaucher @ 11:09 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Träumer gibt. Vorallem hätte ich Politikern Träume nie zugetraut, nicht in dem Masse. Höchstens Organisationen wie zum Beispiel der Attac, die gerade ein ganzes Traumjournal herausgegeben haben, huckepack auf dem Namen der renommierten deutschen Zeitschrift „Die Zeit“. Darin träumen sie von Weltgeld und einer Weltsteuer. Aber sie sind nicht die einzigen, die von einer neuen Weltordnung träumen, wie man immer wieder in diversen Foren lesen kann. Andere scheinen sich jedoch mehr davor zu fürchten. Die amerikanische Polizei zum Beispiel. Wer den Film Zeitgeist ansieht, einen Sticker von Ron Paul, einem Präsidentschaftskandidaten- Aussenseiter am Auto kleben hat, oder die amerikanische Flagge verkehrt hisst, steht unter Terrorismus-Verdacht. Das ist übrigens schon 1972 meinem Grossvater in Brattleboro, Vt., passiert. Nichts ahnend hisste er die US-Flagge vor dem Haus seiner Tochter, dummerweise Sterne unten. Es dauerte nicht lange, bis die Polizei vorbei kam. Mit der Schweizerflagge kann so was nicht passieren.
Doch zurück zu den Träumen der Politiker. Da gibt es tatsächlich welche, die meinen, es könne so etwas wie Freundschaft zwischen Staaten geben! Dabei sollten sie schon längst gemerkt haben, dass es zwischen Staaten nur Interessen gibt. Und die kommen jetzt, in der Wirtschaftskrise, so richtig zum Vorschein. Das Mäntelchen der Diplomatie ist dünn und durchsichtig geworden.
Auch Obama kann sich nicht länger in seine Träume flüchten. Das „Yes, we can“ bleibt zunehmend im Schuldensumpf stecken. Sein famoser Finanzminister pumpt derweil fleißig weiter Schulden in diesen Schuldensumpf, mit der verrückten Idee, ihn so austrocknen zu können, und Professor Bernanke scheint vollends den Kopf verloren zu haben. In seiner Panik will er jetzt Staatspapiere kaufen. Kein Wunder, geht doch langsam jedem das Licht auf, dass diese Papiere kaum die Druckerschwärze wert sind. Sogar die Chinesen scheinen aus ihrem Traum zu erwachen und realisieren allmählich, dass sie jahrzehntelang ihre Waren gegen wertloses Papier geliefert haben.
Nur an der Börse wird fleißig weiter geträumt. Was runter geht, muss auch wieder rauf, lautete die Devise. Dummerweise hat’s auf dem Flughafen nicht mehr viel Benzin. Für eine Zwischen-Rallye wird es aber reichen, bevor dem Flieger endgültig der Sprit ausgeht.
Natürlich hoffen die Börsianer auf sogenannte Investoren, obschon die seit Jahren ausgestorben sind. Investieren heißt, sein Geld in einer Firma anlegen – auf lange Sicht, und nicht bei jedem Bobo gleich aussteigen. Die vermeintlichen Investoren von heute sind nichts anderes als Aktienschieber – Spekulanten eben. Natürlich haben die Aktienschieber ihr Gegenstück in den Teppichetagen der Firmen: die sogenannten Shareholder-Value-Manager. Deren einziges Ziel es ist, so rasch wie möglich reich zu werden und im Nebeneffekt auch die Aktienschieber reich zu machen. Die Firma und deren langfristiges Gedeihen ist diesen Kerlen total wurscht. Fehlt noch der Dritte im Bunde und das ist beileibe kein Rätsel: Der ganze Schlamassel wäre ohne die Bankster nicht möglich gewesen. Unterstützt von den Träumen der Politiker, übrigens den vierten im Bunde, wischten sie alle Spielregeln unter den Tisch und bauten ein Kartenhaus aus Derivaten, die nur noch wenige Personen auf der Welt durchschauen. Heute nennt man diese „Toxische Papiere“ und versucht sie in irgendeinem Sicherheitsbehälter einzusperren. Zum Beispiel in einer "Bad Bank". Von denen gibt's weiß Gott genügend. Wenn das nicht gelingt, gehen die übrigen Banken pleite und das System bricht zusammen.
Dann wäre es wirklich Zeit für eine neue Weltordnung und eine Weltwährung. Doch die wird kaum so aussehen wie es sich die Attac erträumt. Die neue Weltordnung würde eher eine Mischung aus Zimbabwe, Somalia und Mad Max sein, das liegt an unseren Genen. Und die neue Weltwährung wäre nicht ein neues Papier mit dem Namen „Amero“, wie einige glauben, sondern vermutlich ein schweres gelbes Metall.
Auch unser Finanzminister Merz ist übrigens ein Träumer. Er schlägt Steinbrücks Gesprächsangebot aus, wie ein beleidigter Schulbub und glaubt vermutlich, das mit dem Bankgeheimnis und der schwarzen Liste würde im Sand verlaufen.
Vieles wird im Verlaufe der Krise im Sande verlaufen, mit Sicherheit aber nicht der Druck auf die Steuerparadiese. Und die Schweiz ist eines.
Aber zurzeit hält die träumende Viererbande (Aktienschieber, Shareholder-Value-Manager, Bankster und Politiker) noch an ihren Fetischen fest: Ewiges Wachstum, schneller Reichtum, garantierte Boni, weiterwurschteln.

Einen schönen Sonntag. Euer Traumperlentaucher

Bild: Von Bara-Bara und Staubfinger



2009-03-19

Blütenträume

Von traumperlentaucher @ 08:44 [ Träume ]


Wer weiß denn, was das ist, das wir unser Ich nennen? Würdest du träumen, du seiest ein Vogel und flögst am Himmel, würdest du träumen, du seiest ein Fisch und schwämmest in der Tiefe: du würdest nicht wissen, ob das, was wir jetzt miteinander reden, im Traum oder im Wachen geredet war.
Dschuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland


Jedes Ich ist wie eine Blume. Sie erblüht im Morgen des Lebens und verwelkt am Vorabend des Todes. Keine Blüte ist gleich, schillernd die einen, unscheinbar die anderen. Doch alle suchen sie das Licht. Sie recken ihm die Gesichter entgegen, wenn sie aus ihren Knospen schlüpfen, unschuldig erwartungsvoll, nicht ahnend, dass der Schatten einer dunklen Wolke sich nähert. Nicht wissend, dass Licht und Schatten genauso zum Leben gehören, wie der Saft, der durch ihre Stängel fließt. Lebenssaft. Blütenkinder streben nach Vollkommenheit in der Entfaltung, glauben den heiligen Versprechen. Blütenkinder entdecken das Ich, denken, dass sie denken und doch wissen sie nichts. Wenn die ersten Schatten über die Felder ziehen, verwelken die ersten, viele schließen ihre Kelche und konzentrieren sich auf die eigene Singularität. Ist da nicht ein Flüstern wie von tausend Stimmen? Ist vielleicht das Ich nicht allein, nicht das alleinige Ich? Doch bald scheint die Sonne wieder, glänzt der Tau. Doch die Farben ändern sich, der Herbst ist da, der Sommer nur noch Erinnerung. War da nicht ein Versprechen, eine Versicherung? Wird der Samen reichen Boden finden und die verwelkte Blüte das ewige Licht? Am Ende bleiben nur Fragen. Was ist das Ich?

Geduldig warten die neuen Knospen. Euer Traumperlentaucher

Bild: von Bara-Bara und Staubfinger

2009-03-17

Nur ein gläserner Deutscher ist ein guter Deutscher

Von traumperlentaucher @ 10:07 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Bei den Gebirgsindianern rumort es. In den Foren werden Pfeile gespitzt und Bögen gespannt.
Der Kavallerist Steinbrück habe die Würde der Indianer verletzt, heißt es. Auch hat man einen verräterischen Scout, einen Mexikaner, ausgemacht. Wanted, Dead or alive, soll auf einem Plakat im Saloon zu lesen sein. Er habe hinterrücks eine schwarze Liste gemacht. Nicht etwa über mexikanische Drogenbarone, sondern eine Zusammenstellung aller Indianerreservate. Welch scheußliches Verbrechen.
Dabei wäre die Indianerkrise leicht zu lösen. Die Indianer sollten dem Kavalleristen Steinbrech geben, was er will. Denn nichts, aber auch gar nichts, spricht gegen „Gläserne Deutsche“. Sendet ihm doch jährlich einfach alle Kontendaten seiner Untertanen! Das berührt ja keinen Indianer, für die ändert sich nichts. Natürlich muss der Kavallerist mit der Peitsche eine entsprechende Gegenleistung erbringen, sonst kriegt er nichts. Er könnte dafür den Indianern Sam Hawkins abnehmen, alias Bundesrat Merz, und dazu noch die drei ratlosen Squaws, den ollen Schnatterhand, übrigens ein Blogkollege von mir, und Häuptling liegendes Brot. Der verbleibende Ratlose brauchen die Indianer aber noch, schließlich soll er deren Kavallerie wieder auf Vordermann bringen.
Im Übrigen sollten die Indianer etwas Verständnis für die Bleichgesichter im Norden aufbringen. Der verrückteste Steuerapparat der Welt mit 75'000 Verordnungen, der Einsatz der Kavallerie im Hindukusch und das schwarze Loch, Hypo Real Estate genannt, brauchen nun mal Unsummen. Woher nehmen und nicht stehlen? Die eigenen Untertanen sind schon total ausgequetscht, da bleiben nur noch die Indianer.
Zumal man schon mehr versprochen hat, als man tun kann. Das mit der Schlachtprämie für alte Pferde ging ja noch, doch die Rettung der Banken war eine saudumme Idee. Man hätte sie nach alter Manier ausrauben können, wenn die Tresore nicht leer wären und das Geld vermutlich auf der anderen Seite des großen Wassers ist. Auch das Gold soll schon dort sein. Aber man könnte diese Bruchbuden auch einfach schließen.
Eine Strategie, die sich auch die Indianer überlegen sollten. Vorallem bei den United Bandits of Switzerland. Aber anstatt die Kerle zu skalpieren, haben die Gebirgsindianer jetzt einen grüblerischen Kavalleristen angestellt und einen alten Kasper, der schon früher das Gold der Indianer verschachert hat.
Also, liebe Indianer, anstatt euch aufzuregen, zündet das Kalumet an - mit einer Prise Steppengras - und gebt dem Steinbrecher einfach was er will: Nur ein gläserner Deutscher ist ein guter Deutscher.

Gläserne Indianer kann ich mir aber nicht vorstellen. Das hat schon Gessler versucht. Euer Traumperlentaucher.


2009-03-15

Die Indianer und der Obersturmbannführer

Von traumperlentaucher @ 12:55 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Bald kommt wohl die Zeit, wo die Indianer dem Ober-Sturmbannführer Steinbrück ein paar Pfeile schicken. Oder vielleicht den Skalp eines Kavalleristen. Davon gibt es ja in der Zwischenzeit genügend hierzulande.
Wie der Herr Kaufmann von der SVP heute verlauten ließ – will man überlegen, ob man braune Pferde boykottieren will – als Antwort auf den Kavallerieangriff. Es gibt offenbar auch verrückte Indianer.
Bundesrätin Leuthard jammert derweil in der Gegend herum, sie habe von der ominösen schwarzen Liste nichts gewusst, als Vizepräsidentin des OECD-Ministerrates, notabene, und Merz macht beim US-Pudel Brown den Pausenclown. Eine naive Squaw und ein lächerlicher Sam Hawkins. Wo bleibt eigentlich Winnetou in diesem Stück?

Wenn ich den Obersturmbannführer reden höre, so sehe ich ihn plötzlich in einer Uniform aus vergangenen Zeiten und ich denke dann an das Jahr 1931:
Als die deutsche nationalsozialistische Regierung als Antwort auf die Bankenkrise per Notverordnung ein Gesetz erlassen hat mit dem Titel:
«Gesetz gegen den Verrat an der Deutschen Volkswirtschaft», das eine Anmeldepflicht für alle im Ausland deponierten Vermögenswerte und Devisen der in Deutschland lebenden Personen verfügte.

Ich denke, dass sich die Geschichte immer wiederholt. Denn die Akteure bleiben die gleichen.
Die Indianer in ihrem gebirgigen Reservat werden noch ihr braunes Wunder erleben.

Hintergrund: Peer Steinbrück macht sich über die Schweizer lustig und vergleicht sie mit Indianern und die OECD mit der Kavallerie. Hans Kaufmann von der SVP möchte deutsche Autos boykottieren.

Die spinnen, die Politiker. Euer Traumperlentaucher.

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