Laster und Fetische
| Von traumperlentaucher @ 11:10 | [ Traumgeschichten ] |

Ein gefährlicher Mann, der da sagt, er kenne keine Laster, und ein Verrückter, der da meint, er habe keine Ängste.
Jeder Mensch hat seinen Dämon, wie er auch seinen Engel hat. Viele kennen ihn nicht oder wollen ihn nicht kennenlernen. Angst vor dem eignen Dämon, Angst vor sich selbst? Selbstüberschätzung oder schräge Optik? Oder einfach ein Held? Dämonen kennen viele Gründe.
Ebenso Fetische, die Trolle unter den Dämonen. Der eine steht auf Damenstrümpfe, der andere auf einen perfekt aufgeräumten Schreibtisch. Ich persönlich stehe auf Amber. Der Duft macht mich verrückt. Und auf Muskatnuss.
Nein, ich rauche sie nicht, ich würze nur. Das ist viel gefährlicher. Ich liebe Muskatnuss so sehr, am liebsten würde ich mir zwei davon in die Nasenlöcher stopfen. Der Duft ihrer ätherischen Öle beflügelt meine Träume, er lässt meinen Gedanken Flügel wachsen.
Doch diese Gedanken haben sich bisher wenig Gedanken über diese Sucht gemacht. Muskatnuss, ein Gewürze wie andere auch, wie Pfeffer oder Salz. Denkste!
Gestern hatte ich eine Muskatnussvergiftung. Und heute, als ich aufwachte, eine tiefe Abneigung gegen mein ehemaliges Lieblingsgewürz. Und das kam so:
Ich hatte bisher die Angewohnheit, beim Fondue jeden Bissen mit Muskatnuss zu würzen. Nicht nur eine kleine Prise, nein, mehrere Umdrehungen an der Mühle, bis der geschmolzene Käse von einer dicken braunen Schicht verdeckt wurde. Oh welche Köstlichkeit! Doch die Dosis macht das Gift. Und die hatte ich definitiv überschritten. Es hätte mir auffallen müssen, als ich die Muskatmühle zum zweiten Mal „nachladen“ musste. Doch der Gaumen dominierte den Verstand.
Später habe ich dann gelesen, dass zwei Muskatnüsse für ein Kind bereits tödlich sein können.
Muskatnuss, habe ich herausgefunden, ist keine angenehme Droge. Die Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Halluzinationen, beengende Gefühle, trockener Mund, Übelkeit und Müdigkeit, sind nicht lustig. Eine Stunde nach dem Genuss der Nuss war ich weg, eingeschlafen, fast ins Koma gefallen. Gute zwölf Stunden hält die Wirkung an. Alkohol potenziert sie noch. Selbstversuch pur.
Aber die Nuss der Nüsse birgt nicht nur Nebenwirkungen. Sie beeinflusst auch die Träume. Selten habe ich so intensiv, so farbig, so bizarr geträumt, wie mit der Nuss.
Trotzdem werde ich in Zukunft sehr vorsichtig sein.
Ich wünsche euch ein Traumwochenende, möget ihr euren Lastern und Fetischen frönen und von euren Ängsten und Dämonen verschont bleiben. Euer Traumperlentaucher
Bild: Entre ciel et mer, von JoJo.
PS. Schon die neuste Fortsetzung von Armins Geschichte gelesen?












