2009-01-31

Laster und Fetische

Von traumperlentaucher @ 11:10 [ Traumgeschichten ]


Ein gefährlicher Mann, der da sagt, er kenne keine Laster, und ein Verrückter, der da meint, er habe keine Ängste.
Jeder Mensch hat seinen Dämon, wie er auch seinen Engel hat. Viele kennen ihn nicht oder wollen ihn nicht kennenlernen. Angst vor dem eignen Dämon, Angst vor sich selbst? Selbstüberschätzung oder schräge Optik? Oder einfach ein Held? Dämonen kennen viele Gründe.
Ebenso Fetische, die Trolle unter den Dämonen. Der eine steht auf Damenstrümpfe, der andere auf einen perfekt aufgeräumten Schreibtisch. Ich persönlich stehe auf Amber. Der Duft macht mich verrückt. Und auf Muskatnuss.
Nein, ich rauche sie nicht, ich würze nur. Das ist viel gefährlicher. Ich liebe Muskatnuss so sehr, am liebsten würde ich mir zwei davon in die Nasenlöcher stopfen. Der Duft ihrer ätherischen Öle beflügelt meine Träume, er lässt meinen Gedanken Flügel wachsen.
Doch diese Gedanken haben sich bisher wenig Gedanken über diese Sucht gemacht. Muskatnuss, ein Gewürze wie andere auch, wie Pfeffer oder Salz. Denkste!
Gestern hatte ich eine Muskatnussvergiftung. Und heute, als ich aufwachte, eine tiefe Abneigung gegen mein ehemaliges Lieblingsgewürz. Und das kam so:
Ich hatte bisher die Angewohnheit, beim Fondue jeden Bissen mit Muskatnuss zu würzen. Nicht nur eine kleine Prise, nein, mehrere Umdrehungen an der Mühle, bis der geschmolzene Käse von einer dicken braunen Schicht verdeckt wurde. Oh welche Köstlichkeit! Doch die Dosis macht das Gift. Und die hatte ich definitiv überschritten. Es hätte mir auffallen müssen, als ich die Muskatmühle zum zweiten Mal „nachladen“ musste. Doch der Gaumen dominierte den Verstand.
Später habe ich dann gelesen, dass zwei Muskatnüsse für ein Kind bereits tödlich sein können.
Muskatnuss, habe ich herausgefunden, ist keine angenehme Droge. Die Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Halluzinationen, beengende Gefühle, trockener Mund, Übelkeit und Müdigkeit, sind nicht lustig. Eine Stunde nach dem Genuss der Nuss war ich weg, eingeschlafen, fast ins Koma gefallen. Gute zwölf Stunden hält die Wirkung an. Alkohol potenziert sie noch. Selbstversuch pur.
Aber die Nuss der Nüsse birgt nicht nur Nebenwirkungen. Sie beeinflusst auch die Träume. Selten habe ich so intensiv, so farbig, so bizarr geträumt, wie mit der Nuss.
Trotzdem werde ich in Zukunft sehr vorsichtig sein.

Ich wünsche euch ein Traumwochenende, möget ihr euren Lastern und Fetischen frönen und von euren Ängsten und Dämonen verschont bleiben. Euer Traumperlentaucher

Bild: Entre ciel et mer, von JoJo.

PS. Schon die neuste Fortsetzung von Armins Geschichte gelesen?

2009-01-30

Die Suche nach der Angst (1)

Von traumperlentaucher @ 10:09 [ Traumgeschichten ]


Große Menschenansammlungen und enge Räume meide ich wie der Teufel das Weihwasser. Höhlen sind für mich der blanke Horror und werden nur noch durch die Vorstellung übertroffen, lebendig begraben zu werden.
Als ich sie zum ersten Mal entdeckte, in einem Graben im Wald, entfernte ich mich rasch und beschloss, nie mehr an diesen Ort zurückzukehren.
Doch ihr dunkles Auge ließ mich nicht los und verfolgte mich bis in meine Träume.
Es beobachtete mich, wo ich auch war. War sie nur ein Traum, geboren aus meiner Klaustrophobie? Existierte sie nur in meiner Einbildung oder in Wirklichkeit? Eines Tages kehrte ich zurück an den verborgenen Ort.
Die Höhle war noch da. Ihr dunkler Eingang lauerte im Unterholz. Vorsichtig drückte ich die Zweige auseinander und leuchtete mit der kleinen Taschenlampe an meinem Schlüsselbund in die Dunkelheit. Sie schien nicht natürlichen Ursprungs zu sein. Mauerreste umrandeten den Eingang. Ich lauschte. War da nicht ein leises Plätschern, untermalt mit einem Tropfentakt? Ich leuchtete in den schwarzen Schlund. Weit konnte ich nicht sehen, dazu war die Lampe zu schwach. Doch was ich sah, weckte meine Neugier und meine Klaustrophobie zugleich. Ein enger Stollen führte in den Berg. Gerade groß genug um gebückt zu gehen. Grob behauener Sandstein, mit dicken getigerten Nacktschnecken und Spinnennetzen verziert. Der Boden war mit Wasser bedeckt. Ein Rinnsal floss aus dem Eingang und versickerte im Waldboden. Wer mochte diesen Stollen gegraben haben und welchem Zweck hatte er wohl gedient? Wie weit führte er in den Felsen hinein und was befand sich an seinem Ende?
Als ich einen Stein in den dunklen Schlund warf, war ein entfertes Echo zu vernehmen.
„Ich werde es wohl nie erfahren“, murmelte ich und setzte meinen Spaziergang fort.
„Komm zurück“, flüsterte das Höhlenauge.
Seither bin ich oft an diese Stelle zurückgekehrt. Andere Besucher habe ich nie angetroffen, auch keine Anzeichen menschlicher Aktivität. Die Höhle war nur für mich da, sie wartete auf mich. Von da an wusste ich: Dort drin, an ihrem Ende, hockte meine Angst und wartete auf mich.

Fortsetzung folgt

2009-01-29

Nicht vorgesehen

Von traumperlentaucher @ 07:24 [ Gedanken & Beobachtungen ]


In Davos sind die Eliten der Welt verwirrt, diese Finanzkrise war in ihren Modellen nicht vorgesehen. Doch während sie hinter Stacheldraht wüste Szenarien an die Wand malen und nach einem Defibrillator für das sterbende Finanzsystem suchen, während Messias Obama Amerika von Bush entrümpelt und unser Nachbar arbeitslos wird, geschehen unbemerkt seltsame Dinge in den äußeren Schichten unserer Lebenssphäre.

Hier unten scheint zwar alles normal, der Winter ist so wie er sein sollte und die Klimaskeptiker schreien bereits Hurra, doch der Schein trügt.
Da ist zum Beispiel unsere Sonne, die sich immer noch verdächtig ruhig verhält, obschon sie schon längstens Aktivität entwickeln sollte (Dieses Blog berichtete darüber). Schlimmer noch: Anstatt endlich den neuen Elfjahres-Zyklus zu beginnen, Nummer 24, wendet sie sich wieder dem alten zu und produziert plötzlich wieder Flecken aus Nummer 23. Allerdings nur klitzekleine. Doch die Sonnenbeobachter sind verwirrt, das war in ihren Modellen nicht vorgesehen.
Vermutlich geht es der Sonne wie uns: sie weiß nicht mehr, was sie soll.
Wir müssen aber nicht soweit ins Weltall blicken um Dinge zu sehen, die nicht so sind, wie sie sein sollten:
In der Stratosphäre herrscht bereits Sommer. In Höhen von 20 bis 50km liegt um diese Jahreszeit normalerweise ein kreisrundes Tiefdruckgebiet über dem Nordpol mit Temperaturen von −50 bis −80 Grad Celsius. Doch jetzt ist alles anders: Das Tief hat sich aufgespaltet und über Ostsibirien, dem Beringmeer und Mitteleuropa hat sich ein Hoch hineingezwängt mit Temperaturen von +5 bis +10 Grad. Die Meteorologen sind verwirrt. Das ist in ihren Modellen nicht vorgesehen. Glücklicherweise sind die Luftschichten gut entkoppelt und hier unten geht der Winter weiter wie er sollte – vorerst.

Auf die Skier fertig los. Das Wochenende naht. Aber passt auf, dass es für euch nicht zum Knochenende wird. Auch das ist nicht vorgesehen. Euer Traumperlentaucher

Bild: Berneralpen von JoJo

2009-01-28

Fliegen wie im Traum

Von traumperlentaucher @ 08:44 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Im Juli 2008 kletterte der Erdölpreis auf fast 150$ pro Fass. In den folgenden Monaten stürzte er dann auf unter 50$ und zurzeit dümpelt er bei 40$.
Anfangs letztes Jahr wurde noch vor dem Peak Oil gewarnt: Die weltweite Förderung habe das Maximum überschritten und werde in den nächsten Jahre zurückgehen. Da die Nachfrage, insbesondere aus China, jedoch weiter steige, werde der Preis weiter steigen.
Das Gegenteil ist passiert. Der Preis sitzt im Keller, es gibt Öl im Überfluss, die OPEC will die Förderung drosseln. Was ist passiert? Wurde eine neue Megaquelle entdeckt? Haben die Anhänger der abiotischen Ölentstehung doch recht und Erdöl entsteht tief im Innern der Erde immer wieder neu, mehr als wir verbrauchen können?

Die Lösung des Rätsels ist einfach: Die Wirtschaftskrise hat der Ölknappheit ein Ende gesetzt. Die Nachfrage ging zurück, zurzeit herrscht wieder ein Überangebot.
Die Erdölländer könnten mehr fördern als gebraucht wird.
Man könnte sagen: Die Wirtschaftskrise ist gerade noch rechtzeitig gekommen und hat uns vor weiterer Ölknappheit bewahrt. Doch wie wird es weiter gehen? Ist der Peak Oil damit vom Tisch? Brauchen wir uns für die nächsten Jahrzehnte um das Erdöl keine Sorgen mehr zu machen?

Die Antwort lautet: Ja, wenn wir Pech haben. Der Peak Oil liegt zwar vermutlich hinter uns, doch wenn die Wirtschaftskrise tatsächlich in eine große Depression mündet, wenn unser wackliges Finanzsystem zusammenbricht, Staaten Bankrott gehen, Industrien eingehen, die Welt deswegen in Krieg und Chaos versinkt, dann brauchen wir uns darum keine Sorgen zu machen. Auch nicht um den Klimawandel. Dann geht es nur noch ums Überleben.
Doch soweit sind wir noch nicht, wir stehen am Rande des Abgrunds und schauen mit einem flauen Gefühl im Bauch hinunter. Vielleicht, so denken wir, können wir ja fliegen? Hinüber auf die andere Seite der Schlucht, dorthin wo ein besseres Leben auf uns wartet, mit einer gerechten Gesellschaft und vielen Windturbinen und tollen Elektromobilen.

Aber wenn wir es tatsächlich schaffen, den Absturz unseres Finanzsystems aufzuhalten und die Wirtschaft wiederzubeleben, so wird uns die Ölproblematik sofort wieder einholen. Die Nachfrage wird das Angebot wieder übersteigen und der Preis in den Himmel schießen. Das hat auch Messias Obama mit seinen Jüngern erkannt und den einzig richtigen Schluss gezogen: Weg von der Ölabhängigkeit, hin zu umweltfreundlicher Technik. Aufschwung durch viele Windräder und tolle Elektromobile. Die Amerikaner waren immer ein Volk der Pioniere und vielleicht klappt es tatsächlich. Phönix entsteigt der Asche und fliegt über den Abgrund.
Der Abstieg in die Bronzezeit und ins Tal Olduvai bliebe uns vorerst erspart. Dank Technik kriegen wir auch den Klimawandel in den Griff und die Vogelgrippe verschwindet auch, bevor sie uns als Pandemie dezimiert. In der Zwischenzeit werden alle Völker friedlich und keiner zündet eine Atombombe.

Doch aus Erfahrung wissen wir: Ein Unglück kommt selten allein. Und wir wissen auch, dass wir zuviel falsch gemacht haben, um fliegen zu können. Wir haben es auf die Spitze getrieben. Nun stehen wir dort oben, der Schwindel dreht uns den Magen um und der Abgrund schaut gefährlich tief aus. Werden wir tatsächlich fliegen können wie im Traum?

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Leider stecken wir noch mitten drin. Euer Traumperlentaucher.

2009-01-27

Mehr Bonus, bitte!

Von traumperlentaucher @ 08:02 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die Entscheidung des Bonus-Komitees war falsch. Anstatt bloß zwei Milliarden, sollten sechs ausbezahlt werden. Aber auch die Begründung von Eugen Haltiner, Chef der Finanzmarktaufsicht, war falsch: Er sagte, dass gute Mitarbeiter kündigen würden, wenn sie keinen Bonus kriegten.
Doch der gute Eugen kann nicht anders denken. Er ist in diesem Zoo groß geworden.

Die Boni sind die einzige Möglichkeit, die sechs Milliarden zu retten, die wir der UBS in den Hintern stecken. Die Mitarbeiter werden das Geld wieder ausgeben und es kommt unserer Volkswirtschaft zugute. Natürlich sollten die obersten Bankster nichts erhalten, nur das Fußvolk.

Das Geld, das nicht als Bonus ausbezahlt wird, wird die Schweiz nie mehr sehen. Es versickert irgendwo in Amerika. Darum: Alle sechs Milliarden als Bonus!

Es gibt noch einen anderen Grund der dafür spricht: Die meisten UBS-Mitarbeiter werden in der nächsten Zeit nicht kündigen, wie der gute Eugen vermutet, sondern ihren Job verlieren und arbeitslos werden. Die UBS ist ein totes Pferd und nach den Regeln der Dakota-Indianer hilft in diesem Fall nur absteigen. Da Banker jedoch keine Indianer sind, werden sie vorher versuchen, das Tier wieder zum Leben zu erwecken. Und da sie eben Banker sind, fällt ihnen nichts anderes ein als Geld, und sie werden das Pferd vollständig mit Geld ausstopfen, bis es umfällt.
Jeder hat eben sein Werkzeug, und für den, der nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel.

Also, gebt den UBS-Mitarbeitern sechs Milliarden Bonus, die ganze Chose geht eh den Bach runter. Aber verteilt die Boni nur in der Schweiz. Wir wollen ja nicht auch noch die Golden Boys in London sponsern.

Wer sein Leben lang in einer Bank war, kann sich ein Leben außerhalb der Bank nicht vorstellen. Euer Traumperlentaucher

2009-01-26

Von der Zeit verlassen

Von traumperlentaucher @ 08:06 [ Träume ]


„Das hier ist die Zukunft.“ Der Gesichtslose deutete auf die grauen Gestalten, die reglos am Ufer standen und flussabwärts blickten. „Wie fühlst du dich?“
Ich spürte, wie er mich fragend anblickte, obschon ich sein Gesicht wie immer nur als weißen Flecken wahrnehmen konnte. Aber ich spürte noch etwas anderes: die Zeit hatte mich verlassen. Sie war davon geeilt, ohne mich mitzunehmen.
„Wieso sind diese Menschen grau?“, fragte ich.
„Für dich sind sie grau, weil sie in der Zukunft stehen. Du ahnst sie nur, ohne sie wirklich zu sehen.“
„Was sehen sie? Wieso blicken sie alle flussabwärts?“
„Flussabwärts liegt die Zukunft und sie sehen, was du nicht sehen kannst.“
Ich fühlte mich von der Zeit überrollt und deplaziert. Wieso war ich überhaupt hier?
„Werden sie jemals wirklich sein? Oder sind sie nur Möglichkeiten unter unendlich vielen?“
Er hustete und aus seinem Mund schossen drei abgebrannte Zigarettenkippen.
„Das hängt von dir ab. Du machst die Zukunft, genauso wie alle deine Zeitgenossen. Ihr entscheidet in jedem Augenblick, wer sein wird und wer nicht. Jede eurer Handlungen bestimmt die Zukunft, verändert sie ein wenig.“
Nachdenklich betrachtete ich die Grauen.
„Wir schrauben also dauernd an unserer Zukunft. Ist das der Grund, wieso wir sie nicht vorhersehen können, wieso Prognosen so schwierig sind?“
„Nein, wenn ihr genügend „Rechnerkapazität“ hättet, so könntet ihr die Zukünfte genau vorhersagen und nach ihren Wahrscheinlichkeiten ordnen.“
„Trotzdem würde das Schicksal schließlich eine Auswahl treffen.“
„Ihr seid das Schicksal.“
Na ja, man muss nicht alles glauben, was einem Gesichtslose erzähle. Aber ich fühlte mich verloren. Ich stand in einer Zukunft, die ich nicht verstand.
„Ich möchte zurück in die Gegenwart. Dort lebe ich.“
Er hustete und spuckte nochmals eine Kippe in den Fluss.
„Da wäre ich mir nicht so sicher. Wir leben in allen möglichen Zeiten.“

Eine gute, aber nicht allzu gute Woche. Denn wenn die Dinge zu gut aussehen, sind sie es wahrscheinlich nicht. Euer Traumperlentaucher

2009-01-25

Unwahrscheinlichkeiten

Von traumperlentaucher @ 07:48 [ Gedanken & Beobachtungen ]


There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.
Probablemete Dios no existe. Deja de preocuparte y disfruta la vida
Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Hör auf, dir Sorgen zu machen und genieße das Leben.

Liest man auf Plakaten einer Atheisten-Bewegung.
Ja, wahrscheinlich gibt es keinen Gott, wie ihn sich der Papst, die christlichen Kirchen, die Muslime und die Juden vorstellen. Wahrscheinlich existiert der Gott nicht, in dessen Namen, Kriege geführt und Menschen versklavt und unterdrückt werden. Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, den wir für den Schlamassel auf der Erde verantwortlich machen können. Auch keinen Teufel. Denn Gott und Teufel, das sind wir selbst.

Trotzdem weckt diese Kampagne in mir ein ungutes Gefühl. Erstens denkt sie zu kurz und zweitens passt sie verdächtig gut zur Endzeit wie sie der Apostel Johannes in seiner Offenbarung prophezeit. Außerdem ist sie scheinheilig wie die Religionen.
Denn mit dem „probablemente“ lässt sie sich ein Hintertürchen offen. Und mit dem „Stop worrying“ verhöhnt sie die Gläubigen. Den Menschen die Hoffnung zu nehmen und ihnen dafür anzubieten, sich keine Sorgen mehr zu machen, ist blanker Zynismus. Nur ein Teufel könnte so was tun.

Doch die Teufelinnen und Teufel, die hinter dieser Kampagne stecken, haben etwas wohlweislich verschwiegen. Sie haben nämlich nicht gesagt, dass es keine Existenz nach dem Tod gibt und sie haben nicht gesagt, dass jenseits dieser Welt nichts existiert.

Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns über das Jenseits keine Sorgen zu machen brauchen. Es sei denn, uns erwarte das ewige Nichts.
Aber ich habe gelernt, dass es gefährlich ist, voreilig Schlüsse zu ziehen und dass es zuweilen gut ist, auch über Unwahrscheinlichkeiten nachzudenken.

Ich wünsche euch einen Sonntag zum Träumen. Euer Traumperlentaucher

PS. Die vierte Fortsetzung von Armin Geschichte ist erschienen.

2009-01-23

Politik in Panik

Von traumperlentaucher @ 09:41 [ Gedanken & Beobachtungen ]


In Deutschland soll es für Autos Abwrackprämien geben und Spritschlucker sollen steuerlich entlastet werden. Wenn Panik Politikerhirne benebelt, wird nicht nur der Umweltschutz über Bord geworfen, sondern auch der gesunde Menschenverstand.
Weltweit gibt es zurzeit 20 Millionen Neuwagen, die verzweifelt auf ihre Käufer warten. Und die Deutschen sind besonders fleißige Autobauer. Ihre Autos gehören zu den besten, technisch und qualitativ. Dummerweise nicht zu den Sparsamsten. So gesehen, machen die neusten Ankurbelungsideen für die kranke Wirtschaft Sinn. Zumindest kurzfristig. Genauso wie all die Bankenrettungsprogramme, Schutzschirme für serbelnde Industrien etc. Schulden machen um Schulden zu bekämpfen, kann uns vielleicht einige Jahre vor dem „Game Over“ retten, aber schließlich verstärkt diese Strategie nur den Aufprall.
Doch Politiker denken nicht langfristig. Ihr Horizont reicht bis zur nächsten Wahl.

Unser Wirtschaftssystem leidet an einer tödlichen Krankheit. Man kann den Patienten zwar noch eine Weile am Leben erhalten, doch er wird in absehbarer Zeit sterben. Eine Komponente der Krankheit heißt „Schuldensystem“. Solange immer ein Nachschuldner gefunden wurde, blieb der Patient gesund und ein anderer wurde dafür krank, doch der Kreislauf ist begrenzt.

Eine Hunderternote, zum Beispiel, ist nichts als ein Schuldschein. Bei seiner „Geburt“ wurde keine Leistung erbracht, abgesehen von den geringen Papier- und Druckkosten. Er ist nichts anderes, als ein papierenes Versprechen auf eine zukünftige Leistung.
Wenn der Bauer Kartoffeln anbaut und dafür den Hunderter erhält, bekommt er damit einen Schuldschein. Wenn er dafür Samen kauft, reicht er den Schuldschein weiter. Ein Schwarzpeterspiel. Das allein ist jedoch bloß das halbe Unglück. Doch irgendwann in der Geschichte der Menschheit wurden die Zinsen erfunden. Und so vermehren sich die Schulden laufend weiter, ohne dass dafür eine Leistung erbracht wird.
Man sagt dazu: „Das Geld arbeitet.“
Doch wie soll ein Schuldschein arbeiten?

Ein schönes Wochenende Euer Traumperlentaucher

2009-01-22

Geteilte Aufmerksamkeit

Von traumperlentaucher @ 09:32 [ Träume ]


„Sehr geehrte Damen und Herren
Wir sind heute in diesem Forum zusammengekommen, um über die wirtschaftliche Lage des Landes zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen. Zurzeit befinden wir uns noch am Rande des Sturms, was wir wahrnehmen, sind bloss erste Böen und einige dunkle Wolken am Horizont. Doch schon bald...“
Eine Fliege landete direkt auf meiner Nasenspitze. Ich schielte ihr in die braunen Facettenaugen. Sie guckte interessiert zurück, dann rieb sie ihre vorderen Füsse aneinander, wie jemand, der sich die Hände reibt.
„Eine saubere Stubenfliege“, dachte ich und erinnerte mich daran, einmal eine Fliege verspeist zu haben. Fliegen schmecken neutral, aber ihre Flügel haben die Tendenz, zwischen den Zähnen hängen zu bleiben.
„...es ist die grösste Herausforderung für die Wirtschaftspolitik seit langem...“
Jetzt putzte sie mit ihren Hinterbeinen ihre Flügel. Es schien ihr auf meiner Nase zu gefallen.
„...nur durch die Erschliessung neuer Märkte, durch konsequente Kostenreduktion und Effizienzsteigerung...“
Ob sie wirklich sauber war, ohne Maden und so? Ob die Maden im Magen vernichtet wurden, wenn man sie ass?
„...die Intensivierung der Innovationstätigkeit fordert die Unternehmer...“
Ob sie auch zuhörte? Hatten Fliegen überhaupt Ohren? Sie drehte sich um hundertachtzig Grad. „Unhöfliches Viech“, dachte ich, „dreht mir einfach seinen Arsch zu.“
Mein Sitznachbar warf mir einen fragenden Blick zu. „Pssssscht“, hörte ich hinter mir.
„...zielgerichtete Investitionen in die Infrastruktur des Landes...“
„Scheissfliege“, dachte ich und verscheuchte sie mit der Hand.
„Ja, bitte? Möchten Sie eine Frage stellen?“
Ich schüttelte den Kopf. Die Fliege landete wieder. Mein Nachbar warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Ich habe sie nur verscheucht“, sagte ich.
„Pssssscht, Ruhe“, tönte es von hinten.
„...ohne eine Zulassung von temporären Defiziten...“
Ich pustete auf meine Nasenspitze. Die Fliege trippelte umher und kitzelte. Der Referent nahm mich ins Visier. Es kitzelte noch mehr. Ich suchte nach einem Taschentuch.
„...wir können uns bei den Stabilisierungsmassnahmen keine Zeitverzögerung leisten...“
Ich konnte mir auch keine Zeitverzögerung leisten. Meine Hand schoss nach oben und umklammerte die Nase. Die Fliege wich geschickt aus und landete auf meiner Glatze. Innert Sekundenbruchteilen baute sich ein enormer Druck auf. Ich schluckte, griff in Ermangelung eines Taschentuchs mit der Linken nach meiner Krawatte. Mein Sitznachbar nahm Distanz.
„..durch die Abfederung der Erhöhung der Risikoprämien...“
Ich konnte nichts mehr abfedern. Es war zu spät. Meine Nase entlud sch mit einer gewaltigen Eruption. Ich nieste meinem Vordermann in den Nacken und krümmte mich dabei wie ein Sackmesser vor dem Zusammenlappen. Auf seinem weissen Kragen glänzten Tröpfchen. Mein Nachbar schüttelte demonstrativ den Kopf, der Vordermann juckte von seinem Stuhl auf. Ich nieste nochmal. Die Fliege kreiste um meinen Kopf. Ich hörte nur noch ihr lästiges Summen. Es war das einzige Geräusch im Saal.
„Entschuldigung“, murmelte ich, und putzte mit der Krawatte die Nase. Mein Nachbar verzog angewidert das Gesicht.
Endlich wachte ich auf. Eine Fliege erhob sich von meiner Nasenspitze.

Manche Träume sind einfach nur lästig. Euer Traumperlentaucher

Bild: "Perlenträumerin", von JoJo

2009-01-21

Die Träne des Traumengels

Von traumperlentaucher @ 10:40 [ Träume ]


Der Gesichtslose befand sich noch an dem Ort, an dem ich letztes Mal den Traum verlassen hatte. Aber er hatte Gesellschaft bekommen. Neben ihm stand ein Engel. Kein niedliches Engelchen, wie man sie vor Weihnachten überall kaufen kann, sondern ein richtig großer Flügelmann. Natürlich war auch er weiß gekleidet, wie es sich für Engel geziemt, doch dieses Weiß strahlte so stark, dass ich sein Gesicht nicht erkennen konnte. Ein weiterer Gesichtsloser? War er gar der Engel des Gesichtslosen? Sein Schutzengel?
Da ich mich für Engel sehr interessiere und auch an Egel glaube, wie ihr wisst, ergriff ich die Gelegenheit, mehr über ihn zu erfahren. Zwar wusste ich in diesem Augenblick, dass ich träumte, aber das war eher ein Vorteil.
"Bist du ein Traumengel?", fragte ich ihn.
"Nein, ich bin dein persönlicher Engel", erwiderte er mit einer Stimme, die mir seltsam verraut vorkam. Ich wusste, ich hatte sie schon gehört.
"Was tust du denn in meinem Traum?"
"Ich habe auf dich gewartet und mich in der Zwischenzeit ein wenig mit deinem Traumfreund unterhalten."
"Gewartet? Auf mich?" Ich spürte ein Kribbeln im Bauch. "Willst du...musst du mir etwas mitteilen."
Statt einer Antwort beugte er sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr. Was er zu sagen hatte, kann und will ich hier nicht wiedergeben. Es war eine persönliche Prophezeiung. Eine Sache, die nur ihn und mich etwas angeht. Namen, Orte, Handlungen. Als ich mehr erfahren wollte, winkte er ab. Da begann aus seinem Gesicht, das ich immer noch nicht erkennen konnte, eine Träne zu fließen. Sie wurde immer grösser und als sie endlich heruntertropfte war sie grösser als eine Birne. Er fing sie mit beiden Händen auf. In ihr waren viele kleine Bilder zu erkennen, Porträts von Menschen die ich gut kannte und auch von solchen, die ich (noch) nicht kannte. Als ich näher trat, umschloss er die Riesenträne mit seinen Flügeln, als wolle er sie beschützen.
"Wann?, fragte ich.
"Bald", sagte er.
"Wirst du bei mir sein?"
"Ja, wie immer."
Wärmendes Glück durchströmte mein Herz, als ich erwachte. Ja, ich hatte seine Stimme schon gehört. Ich erinnerte mich an den Moment, als ich bei düsterem Wetter, aber scheinbar freier Gegenfahrbahn, einen Lastwagen überholen wollte. "Halt, sei vorsichtig!", rief er mir zu. Sekunden später wuchs vor mir ein grauer Wagen ohne Licht aus dem Asphalt.

Hört auf eure Engel. Euer Traumperlentaucher.


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