2008-12-30

Der Engel im Nebel (2)

Von traumperlentaucher @ 12:42 [ Träume ]


Die Wirklichkeit lenkt mich immer wieder von den Träumen ab. Denn die Finsternis, die ihre Klauen nach uns ausstreckt, ist kaum mehr zu ignorieren.
Da ist es Balsam für die Seele, von Engeln zu träumen. Auch wenn diese als Landstreicher erscheinen.
Ich schlug also das Buch auf, das mir der Engel gereicht hatte, diesen schweren, in Schweinsleder gebundenen Band. Etwa mittendrin.
Die Seite war leer.
Ich blätterte rasch etwas vor und zurück, doch die Seiten waren alle blank. Ob etwa nur die erste oder letzte Seite...? Doch da erinnerte ich mich, dass ich beim ersten Blick ins Buch einen Baum gesehen hatte. Ich versuchte ihn wiederzufinden, blätterte das ganze Buch durch. Schließlich landete ich auf der ersten Seite. Doch auch die Sanduhr war verschwunden. Auch der Sensemann und das Mädchen mit der Tränenwaage auf der letzten Seite waren weg. Das Buch war vollständig leer - unbeschrieben.
Ein Hinweis? Der Fingerzeig eines Engels? Vielleicht.
Ich werde das Buch im nächsten Jahr mit meinen Träumen füllen.
Bevor ich aus diesem seltsamen Traum aufwachte, vermeinte ich noch den Engel in der Gestalt des Landstreichers zu sehen: In der Rechten trug er ein Licht, in der Linken ein Buch.

Alles Gute im neuen Jahr. Frieden, Glück und Liebe und gute Gesundheit.
Euer Traumperlentaucher


2008-12-29

Bananendemokratie

Von traumperlentaucher @ 14:10 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Dass Verrückte in vielen Ländern Staatschef werden können, war mir bekannt, doch dass in der Schweiz ein Verrückter Armeechef werden kann, hat mich doch ein wenig erstaunt.
Obschon ich nirgends so viele Schrottexistenzen angetroffen habe wie in der Armee. Offenbar begünstigt diese Männergesellschaft gewisse soziale Defekte.
Ich erinnre mich noch gut an den Kadi, der während eines Manövers plötzlich die Pistole zückte und auf die eigenen Leute richtete und sie aufforderte ihn zu verteidigen. Zu seiner Entlastung kann ich jedoch sagen, dass der Mann sich echt im Krieg wähnte und in Panik geriet. Das Herumfuchteln mit Pistolen scheint auch üblich zu sein. Eine Arbeitskollegin erzählte mir vor Jahren, wie ihr Mann sie zu Hause mit der Pistole bedrohte. Dieser ist dann später in Bundesbern ein hohes Tier in Politik und Militär geworden.
Hoffentlich hat man unserem ehemaligen Armeechef nicht nur die Pistole abgenommen, sondern auch sein Sackmesser. Was für ein armseliger Kerl, der schon ausrastet, wenn er einen Tisch nicht richtig zusammensetzen kann und vor dem die Gäste aus Angst die Küchenmesser verstecken müssen. Was für ein armseliger Irrer, der seine Frau vor Gästen als Hure beschimpft und nicht zu seinen (sexuellen) Problemen stehen kann.
Wo, so frage ich mich, ist denn da der Unterschied zu einem Gaddafi?
Apropos. Das Problem mit diesem Kamelhirn wäre doch schon längstens gelöst, wenn unser Bundesrat keine Angst vor der sturen Genfer Justiz hätte. Im „höheren“ Interesse des Landes wurde doch schon so manches zurechtgebogen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Da werden z.B. Gerichtsakten im „Einklang“ mit der CIA vernichtet und Menschen während Jahren ohne Anklage in Untersuchungshaft gehalten, wie im Fall Tinner. Dabei ist es doch längst kein Geheimnis mehr, wie eine Atombombe funktioniert. Ich glaube, ich würde es auch noch schaffen, eine herzustellen, wenn ich genügend angereichertes Uran hätte.
Komisch, manchmal komme ich mir vor wie in einer Bananenrepublik light – oder besser: wie in einer Bananendemokratie.

Euer Traumperlentaucher

2008-12-27

Der Engel im Nebel

Von traumperlentaucher @ 20:10 [ Träume ]


„Wo bist du?“, fragte mich der Gesichtslose.
„Ich weiß es nicht“, antwortete ich. Ich konnte meinen Traumbegleiter im dunklen Nebel nur schemenhaft wahrnehmen.
„Du bist auf dem Weg zum Tempel des Seins“, sprach eine andere Stimme. Es war die Priesterin, die sich uns angeschlossen hatte. „Folge dem Engel.“
Ich sah weder die Priesterin noch einen Engel. Der Nebel und die Dunkelheit begrenzten die Sicht auf wenige Meter.
„Bitte, bleib bei mir“, bat ich den Gesichtslosen und ging auf ihn zu.
„Diesen Weg musst du allein gehen“, antwortete er, und zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, wandte er sich einfach ab und ging. Der Nebel verschluckte ihn.

Er sah nicht so aus, wie ich mir einen Engel vorgestellt hatte, eher wie ein alter Landstreicher.
„Es ist nicht weit aber schwierig“, erklärte er, als ich ihn nach dem Weg fragte.
„Folge mir!“
Ich konnte nicht. Meine Beine blieben reglos wie angewurzelt und reagierten nicht auf die Befehle meines Hirns.
„Es geht nicht.“
„Lass es gehen. Versuche nicht einzugreifen und die Dinge zu beeinflussen, beobachte nur.“
Er schaute mich abwartend an. Seine Augen leuchteten, als spiegelten sie Kerzenlicht, obschon uns nach wie vor dunkler Nebel umhüllte. Doch vermutlich war es sein inneres Licht, er war ja schließlich ein Engel. Da zog er aus der Tasche seines verschlissenen Mantels ein Buch und reichte es mir. „Es wird dir helfen.“
Ich nahm es entgegen. Es war in Schweinsleder gebunden und schwer, Sand rieselte heraus. Ich schlug es aufs Geratewohl auf. Es war eine Seite mit einem Baum im Sommerkleid. Er wuchs mir aus dem Buch entgegen.
„Was hat das zu bedeuten?“ Schnell klappte ich das Buch wieder zu. Doch der Engel sagte nichts, wartete bloß. Ich schlug das Buch wieder auf, vorsichtig diesmal und auf der ersten Seite: Eine Sanduhr. Ich sah wie der Sand durch das dünne Röhrchen drang, das die beiden Kolben verband, Korn um Korn.
Fragend sah ich den Engel in Landstreichergestalt an, doch er blieb stumm.
Ich zögerte im Buch zu blättern, wohl ahnend, was ich sehen würde. Stattdessen schlug ich die letzte Seite auf. Auf der linken Seite wartete der Tod in seinem schwarzen Gewand und mit seiner Sense, auf der rechten Seite sah ich ein Mädchen mit einer Waage. In die eine Schale tropften seine Tränen, in der anderen glänzten Goldstücke. Was hat das zu bedeuten?“ fragte ich noch einmal.
Doch da war der Engel verschwunden. Ich stand allein im Nebel, orientierungslos und verwirrt. Doch halt! Ich hatte ja das Buch. Ich schlug es wieder aufs Geratewohl auf, diesmal mittendrin.

Nein, der Traum war an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Fortsetzung folgt. Euer Traumperlentaucher.

2008-12-26

Ohne Lüge leben

Von traumperlentaucher @ 15:16 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.
Doch wir lügen dauernd. Oft ohne es zu merken. Wir lügen aus Bequemlichkeit und wir lügen aus Gewohnheit. Wir lügen mit Leichtigkeit und ohne uns Gedanken zu machen – jeden Tag.
Wir belügen unseren Partner, unsere Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen und unsere Chefs, und wir belügen uns selbst. Wir können gar nicht anders – glauben wir. Ohne Lüge zu leben, würde uns nur in Schwierigkeiten bringen – glauben wir. Außerdem lügen ja alle – sagen wir uns – und eigentlich seien das ja gar keine richtigen Lügen – behaupten wir.
Einige von uns haben ihr ganzes Leben auf Lügen gebaut. Sie stecken mitten in ihrem Lügengebäude und finden den Ausgang nicht mehr. Ich hoffe, ihr gehört nicht dazu.

Ohne Lüge zu leben ist einen Versuch wert. Also zum Beispiel:

Im Restaurant:
„Der Braten war wie Leder und der Wein sauer.“ Anstatt: Ja, das Essen war ausgezeichnet.“
Am Telefon:
„Nein, wir kommen nicht zu Besuch, wir haben einfach keine Lust.“ Anstatt: „Heute ist der Geburtstag meiner Tante.“
Im Bett:
„Du hast Mundgeruch, versuche es mal mit Zähneputzen.“ Anstatt: „Ich habe fürchterliche Migräne und bin deshalb nicht in Stimmung für Sex.“
Bei der Arbeit:
„Ich habe vergessen, Herrn Meier anzurufen.“ Anstatt: „Ich habe es schon dreimal versucht und er war immer besetzt.“
Beim nervigen Kollegen:
„Habe ich dir schon gesagt, dass du ein großes Arschloch bist.“ Anstatt: „Du hast Recht.“

Ohne Lügen werden wir zwar weniger Freunde haben, dafür bessere. Und sie werden uns mit der Zeit auch die Wahrheit sagen. Wenn wir sie überhaupt hören wollen.
Euer Traumperlentaucher

2008-12-25

Entgiftung

Von traumperlentaucher @ 08:45 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Das schönste und tiefste Gefühl, das der Mensch je empfinden kann, entsteht in der Erfahrung des Mystischen.
Albert Einstein

Bald geht ein Jahr zu Ende, Zeit für eine Entgiftung, höchste Zeit Ballast los zu werden. Schlechte Gefühle, schlimme Gedanken, Unverarbeitetes, vergiftete Pfeile, kränkende Worte, Zweifel, Ängste und Enttäuschungen.
Weg mit dem toxischen Müll, befreien wir uns von ihm.
Doch um ihn loszuwerden, müssen wir ihm zuerst in die Augen sehen. Wir müssen aussprechen, was wir bisher nicht ausgesprochen haben und wir müssen uns eingestehen, was wir uns bisher nicht eingestanden haben.
Nur so können unsere Seelennarben heilen.

Eine schöne Zeit unter Freunden und eine stille Zeit zum Nachdenken. Das wünsche ich euch. Euer Traumperlentaucher.

2008-12-24

Die Welt, ein Ponzi-System

Von traumperlentaucher @ 09:33 [ Prophezeiungen ]


Bei uns auch „Schneeballsystem“ genannt.
Charles Ponzi kam 1903 mit zweieinhalb Dollar in die USA und beschloss reich zu werden. Das wurde er auch: In seinen besten Zeiten nahm er eine Million pro Tag ein. Einnehmen und nicht Verdienen, notabene. Ein wichtiger Unterschied.

Sein System war einfach: Offeriere den Menschen eine Investition mit einem phantastischen Zins und zahle diesen Zins mit dem Geld der nachfolgenden Investoren. Solange immer wieder neue Investoren Geld anlegen, funktioniert das System.
Auch bei dem kürzlich aufgeflogenen Madoff hat’s ziemlich lange geklappt. Bis ihm die Finanzkrise in die Quere kam. Nun sind 50 Milliarden futsch.

Doch was Ponzi und Madoff taten, tut die ganze Welt. Unser Finanzsystem funktioniert – ganz legal – nach diesem Prinzip. Ebenso unser ganzes Leben: Unsere Altersvorsorge, unser Rohstoffverbrauch, unsere Umweltzerstörung. Wir leben auf Kosten zukünftiger Generationen. Solange nach uns jemand kommt, der für uns bezahlt – bezahlen kann – geht das Spiel weiter. Aber eines Tages ist fertig lustig. Jetzt hat’s das Finanzsystem erwischt, irgendwann erwischt es uns alle.

Ich wette, das nächste Jahr wird noch einige Ponzis und Madoffs an die Oberfläche spülen. Weitere Milliarden werden sich in Nichts auflösen. Wie auch die Milliardensummen, mit der wir jetzt die UBS „retten“. 2009 werden wir vermutlich entdecken, dass die 66 Milliarden kein Rettungsboot waren, sondern eine Grabbeigabe.

Doch jetzt feiern wir zuerst einmal. Nach uns die Krise. Euer Traumperlentaucher

2008-12-21

Bye Bye Billag

Von traumperlentaucher @ 11:08 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Vor einem Jahr hat mir der Gesichtslose in einem Traum folgendes prophezeit:

...die Billag* wird geschlossen und die Fernseh- und Radiogebühren bei allen auf die Steuern geschlagen. Das löst das Schwarzseherproblem und der teure Beamtenapparat in Freiburg wird eingespart.
Traumperlentauchers Blog vom 31.12.2007!

Ein Jahr später: Die Initiative „Bye Bye Billag“ zielt genau darauf ab.

Doch was muss ich heute in der NZZ, dem Leibblatt der Unternehmerpartei FDP lesen:
Internet begünstigt spontane Volksbegehren – Gefahr für die direkte Demokratie?
...Nun will sich der Bundesrat mit den Folgen der Online-Demokratie befassen.


Sobald also die Demokratie wirklich direkt wird, bekommt man es in den Elitezirkeln mit der Angst zu tun. „Man“ überlegt sich, ob "man" das Sammeln der Unterschriften nicht auf die Strasse beschränken will, oder die Sammelzeit verkürzen und die Anzahl benötigter Unterschriften erhöhen will.
Direkte Demokratie nur, soweit es der Obrigkeit beliebt. Das war schon damals bei der Sommerzeit gut zu beobachten, die nach der Ablehnung durch des Volk trotzdem ein Jahr später per Notrecht eingeführt wurde. Und das ist auch jetzt wieder zu sehen: Sobald es wirklich wichtig ist, bleibt das Volk außen vor: Bei den Goldverkäufen der Nationalbank, die vermutlich auf Druck der Amerikaner getätigt wurden, wie auch bei den 66 Milliarden für die UBS Bänkster. Je mehr Geld im Spiel ist, desto weniger hat das Volk zu sagen. Wir "dürfen" bloß zahlen.
So auch bei der Billag, diesem in meinen Augen unnötigen Verein, der einigen „Managern“ und „Verwaltungsräten“ ein gut bezahltes Pöstchen sichert. Vermutlich Politikern, nach Parteiproporz brüderlich ausgewählt.
Es ist mir schleierhaft, was es bei diesem Laden groß zu managen und zu verwalten gibt. Das unternehmerische Risiko ist ja Null und der ganze aufgeblasene Apparat nichts als eine geschützte Werkstätte. Das kann man billagiger haben.

Bye Bye Billag. Euer Traumperlentaucher, der auch schon seine unangenehmen Erlebnisse mit diesem frechen und unhöflichen Verein hatte, obschon er immer pünktlich seine Gebühr bezahlte.

PS. Solltet ihr mal Besuch von einem dieser Schnüffler erhalten: Einfach Türe zu. Ohne Hausdurchsuchungsbefehl haben die in eurer Wohnung nichts zu suchen und ihr seid ihnen auch keine Antwort schuldig.
(Achtung: Dies ist kein Aufruf, die Radio- und Fernsehkonzession nicht zu bezahlen!)

*Für meine deutschen Leser: Die Billag entspricht der deutschen GEZ und ist auch ähnlich beliebt.

2008-12-19

Vergessen im Bodensatz des Internets

Von traumperlentaucher @ 09:33 [ Träume ]


Gestern habe ich geträumt, mein Blog sei spurlos verschwunden. Im Traum bin ich dann hinabgetaucht in die Tiefe des Internets, um es zu suchen. Eine seltsame Erfahrung, ohne Bildschirm als unüberwindbare Grenze dazwischen, mitten zwischen Millionen von Sätzen und Bildern zu schwimmen, verstrickt in einem mehrdimensionalen Spinnennetz. Dieser Tauchgang war auch ein Abtauchen in die Tiefen der menschlichen Seele. Mitten zwischen wunderbaren Dingen und Absonderlichkeiten, abgrundtiefer Finsternis menschlicher Fantasie, nahe überirdischer Schönheit, unmenschlicher Grausamkeit, neben entwaffnender Wahrheit und Ehrlichkeit, schillernden Lügen und diabolische Verführung. Manchmal war es mir, ich berührte die Flügel eines Engels um im nächsten Augenblick den schwefligen Atem Satans zu spüren.
Als ich endlich ganz unten ankam, auf dem Boden des Internets, sah ich die ganze Misere: Schlamm, nichts als Schlamm, weit und breit keine Perlen und von meinem Blog keine Spur. Dafür unzählige Artefakte, die im Bodensatz steckten: Uralte Seiten aus denen die Buchstaben rieselten, wenn man sie berührte, bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Werbung von Firmen, die schon lange nicht mehr existieren und eine unglaubliche Menge nackter Frauenkörper. Dazwischen wuselten Tausende von kleinen Robotern, Leichenfledderern gleich. Mir wurde schlecht und ich versuchte aufzutauchen, doch stattdessen versank ich immer tiefer im Bodensatz des Internets. Und plötzlich berühre ich mit meinen Füssen einen harten Gegenstand, der tief im Schlick steckte. Bekannte Bilder, bekannte Sätze auf einem zerbrochenen Monitor. Quer darüber ein rotes Band: "Ersatzlos gestrichen 31.12.2008". Ich versuchte den Monitor aus vom Schlamm zu befreien doch er zerbröselte unter meinen Händen. Die Bilder zerfielen in einzelne Pixel und die Sätze trieben in alle Richtungen davon und verdrehten sich dabei zu Spiralen.

Ein seltsamer Traum. Hoffentlich kein Omen. Doch sollte dieses Blog eines Tages verschwinden, so werdet ihr mich sicher an einem anderen Ort wiederfinden.

Euer Traumperlentaucher

PS. Habe heute auf der Bluewin, bzw. Swisscom-Seite nach dem Blogverzeichnis gesucht. Vergebens, nicht der kleinste Hinweis auf die Blogs (außer dem, wie könnte es anders sein, von Bundesrat Moritz Leuenberger). Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich, wie eines Tages die Bluewin-Foren spurlos verschwanden.

2008-12-18

Kummer mit dem Hummer

Von traumperlentaucher @ 09:07 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Die durstigen Geländewagen, die nirgends auf einen Parkplatz passen, bereiten ihren Besitzern wenig Spaß und viel Kummer.
Denn kein Auto ist so unbeliebt wie diese klobigen Kisten. Inzwischen gibt es sogar eine spezielle "Fanseite" für den Hummer: www.FUH2.com : fuck you and your H2, und der ausgestreckte Mittelfinger ist zum Hummergruss avanciert, wie die Bildersuche auf Google beweist.
Kein Wunder wollen viele Besitzer den Straßendinosaurier loswerden. Schaut man bei Autoscout24 nach, so findet man allein hierzulande fast 100 Exemplare zum Verkauf. Überproportional viele im Vergleich zu gängigen Vehikeln. Auch verändert sich die Zahl, der zum Verkauf stehenden Hummer kaum. Vermutlich sind diese Dinger fast unverkäuflich. Schließlich möchte Mann, dass seine Karosse bewundert wird und nicht den Stinkefinger sehen.
Außerdem eignet sich der H2 nicht für das Schweizer Gelände. Auf den schmalen Sträßchen ist ihm ein leichter und kleiner Suzuki jederzeit überlegen. Doch fürs Gelände wurden wohl die wenigsten gekauft.

Kein Hummer, kein Kummer. Euer Traumperlentaucher.

PS. Hier noch eine gute Nachricht: Ed Fagan, der in der Schweiz so beliebte Anwalt, hat seine Lizenz verloren. Wie auf dem Foto übrigens leicht zu erkennen ist, hat er ziemlich schlechte Zähne. Ich würde Goldplomben empfehlen.

2008-12-17

Leuthards Beruhigungspillen

Von traumperlentaucher @ 07:45 [ Prophezeiungen ]


25. Oktober 2008, Doris Leuthard, Schweizer Wirtschaftsministerin: „Es gibt keine Rezession.“
16. Dezember 2008, Doris Leuthard: „Rezession, aber keine Depression.“

Ihr Departement rechnet mit folgenden Zahlen: Die Wirtschaft werde 2009 um 0,9% schrumpfen, aber schon 2010 wieder um 1% wachsen.
Die Arbeitslosenquote werde von 2,6% im Jahr 2008 auf 3,3% 2009 und 4,3% 2010 ansteigen.
Wir sollten uns diese Zahlen merken. Denn es werden keine drei Monate vergehen und sie werden nach oben revidiert. Vorsichtshalber sollten wir sie mindestens mit einem Faktor 3 multiplizieren und das Jahr 2010 ausklammern. Was im übernächsten Jahr passieren wird, kann sich noch niemand vorstellen, schon gar nicht die Ökonomen. Wir sollten aber die Worte „Depression“ und „Deflation“ in unseren Wortschatz aufnehmen.

Hier eine kurze Erklärung der Begriffe:
- Rezession ist, wenn dein Nachbar arbeitslos wird. Depression ist, wenn auch du arbeitslos wirst.
- Deflation bedeutet, dass du nächsten Monat dein Wunschauto günstiger bekommst als heute und übernächsten noch günstiger. Dafür wird dir dein Chef erklären, wieso du nächsten Monat weniger in der Lohntüte hast und die Bank wird dir sagen, dass deine Schulden trotzdem immer gleich groß bleiben.

Inzwischen hat die amerikanische Notenbank die Zinsen de facto auf 0% gesenkt, auch wenn sie von einem „Band zwischen 0 und 0,25% spricht. Der Dollar fällt wie ein Stein - endlich! Und die Politiker sprechen von riesigen Konjunkturprogrammen, wobei ihnen in ihrer Panik hauptsächlich der Straßenbau in den Sinn kommt. Autobahnen gegen die Weltwirtschaftskrise. Darauf war schon der Gröfaz gekommen.
Der Eindruck, dass die Krise außer Kontrolle geraten ist, verstärkt sich. Da helfen auch Nobelpreisträger nicht. Wir haben die Kiste zu stark gerockt. Tilt, Game Over.

Draußen fallen fette Schneeflocken vom Himmel. Ich wünsche euch eine saubere Stoßstange. Euer Traumperlentaucher.

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