2008-10-30

Der Ekranoplan

Von traumperlentaucher @ 19:48 [ Träume ]


Endlich wieder ein Rendezvous mit dem Gesichtslosen. Lange Träume habe ich auf ihn gewartet. Belanglose Warteträume, so wirr wie die gegenwärtige Realität. Doch letzte Nacht war er wieder da. Wir trafen uns in der alten Fabrikhalle, die mit den vielen Türen und den Uhren ohne Zeiger.
„Ich habe dich vermisst“, sagte ich zu meinem wieder aufgetauchten Traumbegleiter.
Er hustete.
„Du warst an der Oberfläche. Ich dachte schon, du hättest das Tauchen verlernt.“
„An der Oberfläche? Du meinst die Oberfläche der Träume?“
Er hustete, ich offerierte ihm eine Zigarre.
„Danke, ich rauche nur Zigaretten. Sie erinnern mich an die Vergänglichkeit.“
„Wieso meinst du, habe ich mich in den letzten Wochen bloß an der Oberfläche aufgehalten?“, hackte ich nach.
„Es liegt an der Geschwindigkeit. Je schneller du bist, desto oberflächlicher sind deine Träume. Und die Realzeit ist ziemlich schnell geworden. So schnell wie ein Ekranoplan, der über die Oberfläche eines Meeres huscht.“
Ich notierte mir rasch das ungewohnte Wort in meinem geistigen Traumtagebuch und nahm mir vor danach zu googeln.
„Du meinst die Realität? Das stimmt. Vielleicht lag es daran, dass ich, entgegen meiner Gewohnheit, fernsah. Und vielleicht lag es auch daran, dass ich mich in letzter Zeit zuviel um die Realität gekümmert habe. Aber du weißt, wie wichtig die Realität für mich ist. Schließlich lebe ich dort.“
Er hustete sich fast die Lunge aus dem Leib und kramte sodann aus dem Nirgendwo eine Stange Zigaretten. Rasch riss er eine Packung auf und steckte sich ein Zehnerbündel ins Nichtgesicht. Ob dort wirklich ein unsichtbarer Mund war?
„In welcher Realität glaubst du denn zu leben?“, fragte er mich zwischen zwei Zügen.
„Erde, Ende Oktober 2008. Eine andere kenne ich nicht.
Der Gesichtslose hustete und ließ dann ein Dutzend ineinander verknoteter Rauchbrezel aufsteigen. Ein erstaunlicher Trick.
„Es gibt Milliarden von Realitäten. Jeder Mensch kennt seine eigene. Auch deine Katzen haben ihre Realitäten.“
„Aber die sind doch alle gleich, wir erleben doch alle die gleiche Welt.“
Er lachte schallend und auch sein Echo lachte in der großen Halle. Ich war erstaunt, bisher hatte ich ihn nur husten gehört.

Noch bin ich ungewiss, wie das zu deuten ist. Aber beim Aufwachen ist mir wieder in den Sinn gekommen, dass ich gestern einen Artikel über den russischen Ekranoplan gelesen habe.

Bremst, wenn ihr könnt. Euer Traumperlentaucher

2008-10-29

Zoff am Berntor

Von traumperlentaucher @ 17:28 [ Träume ]


Der alte Bankangestellte hatte es eilig und trat kräftig in die Pedale. Seine Perücke sass schräg und die Nase war zündrot. Vermutlich hatte er schon einiges Intus – Bürofete oder so. Aber er kam nicht weit. Am Berntor stoppte in ein Polizist. „Sie fahren Schlangenlinien“, röhrte der Ordnungshüter.
Die Röte der Nase breitete sich auf den ganzen Kopf aus, als der Gerüffelte protestierte:
„Mach keinen Seich Fritz, ich will nach Hause. Meine Frau wartet schon.“
Ich war stehen geblieben und tat so als würde ich die Stadtmauer studieren.
„Ich bin im Dienst und da duzen wir uns nicht“, entgegnete der Polizist, „außerdem ist es besser, wenn Sie ihrer Frau nicht sofort unter die Augen geraten. Sie haben nämlich getrunken. Ihre Perücke ist verrutscht.“
„Ist das verboten? Fritz, jetzt hör mal. Ich weiss nicht, was du heute ausgefressen hast, aber bitte sei jetzt vernünftig.“
„Wie heißen Sie? Bitte zeigen Sie mir Ihren Ausweis.“
„Ich heiße Rumpelstilz.“
„Das hat Ihnen der Teufel gesagt“, entgegnete der Polizist.
Mein Kopf ruckte herum. Ein Straßentheater?
In diesem Augenblick kam ein Range Rover um die Kurve. Aus seinem offenen Tankfüllstutzen schoss ein Strahl Benzin – dick, wie aus einem Hydranten.
Auch er hatte es eilig und raste direkt auf die Beiden zu. Aha, ein Film, dachte ich und sah mich nach der Kamera um.
Die Beiden sprangen zur Seite, es scherbelte und das Velo hing am Kühlergrill. Unbeirrt setzte der Fahrer seine Amokfahrt fort.
„Hier ist mein Ausweis“, sagte der Bankangestellte und zog ein Stück Torte aus der Tasche.“
„Ich brauche ihn nicht mehr, Sie sind jetzt Fußgänger und da spielt Ihre Perücke keine Rolle.“
In diesem Moment schlug es Mitternacht, drüben im Brunnen fischte ein Mann Forellen und in der Pizzeria sassen zwei Elche. Da wusste ich, dass ich träumte.

Wer sich in seinen Träumen streitet, streitet mit sich selbst.
Euer Traumperlentaucher

2008-10-27

Liebe auf den ersten Blick

Von traumperlentaucher @ 07:26 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht,
weil wir beim ersten Blick nur die Hülle sehen
und nicht den Charakter, der einen Menschen ausmacht
Khalid Chergui


In den meisten Fällen ist die Liebe auf den ersten Blick vermutlich eine Illusion.
Da ich jedoch an Wunder glaube, glaube ich auch, dass die Liebe auf den ersten Blick existiert.
Ich glaube daran, dass es Menschen gibt, die vom ersten Augenblick an wissen, dass sie zusammengehören. Ob die Umstände es auch erlauben, dass sie zusammenfinden, liegt aber in den Händen des Schicksals.
Doch was macht diese Liebe aus? Sind es Hormone, Pheromone oder einfach Träume?
Vielleicht ist es so, dass sich diese Menschen, ohne dass sie es wissen, nicht zum ersten Mal begegnen. Vielleicht haben sie sich bereits in einem früheren Leben getroffen und waren dort auf die eine oder andere Art miteinander verbunden. Ja, es könnte sogar sein, dass ihr Schicksal über viele Leben hinweg untrennbar miteinander verknüpft ist.
Wie dem auch sei, eines wissen die echten Liebenden des ersten Blicks instinktiv:
Sie werden miteinander alt werden.

Einen Menschen lieben, heißt einzuwilligen mit ihm alt zu werden.
Albert Camus


Eine schöne Woche. Euer Traumperlentaucher

PS. Schneepneus schon aufgezogen? Laut Wetterbericht will Frau Holle diese Woche einen Probeschnee ausstreuen.

2008-10-25

Arbeitslos

Von traumperlentaucher @ 09:41 [ Träume ]


Sie schaute mich mit dem Blick einer zufriedenen Katze an, mit dem Frauen Männer betrachten, die ihnen ausgeliefert sind.
„Was haben Sie denn gearbeitet?“, fragte die Frau vom Arbeitsamt.
„Ich war Direktor.“
„Ja, das weiß ich. Aber was haben Sie getan?“
Ich schaute sie verständnislos an. Direktoren arbeiteten nicht.
„Ich...äh...ich habe unterschrieben. Zum Beispiel Verträge und manchmal auch Kündigungen. Und dann habe ich mit anderen Direktoren gespiesen.“
„Sie haben was?“
„Zu Mittag gegessen.“
„Aber Sie habe doch sicher eine besondere Fähigkeit, sonst wären Sie nicht Direktor geworden?“
„Ja, ich kann strategisch denken.“
„Aha, ein Studium. Sie haben sicher ein Diplom?“
„Nein, es ist angeboren. Ich war schon von Geburt an ein Stratege. Das äußerte sich bereits bei der Wahl meiner Eltern.“
Aus den Augen der Frau glotzte das reine Unverständnis.
„Sie waren reich und hatten gute Beziehungen“, ergänzte ich. „Später habe ich dann meine Milchzähne gesammelt um sie im hohen Alter wieder einzusetzen wenn mir die zweiten Zähne ausfallen.“
„Das wird schwierig“, bemerkte sie und studierte die Formulare, die ich ausgefüllt hatte.
„Sie können ja gar nicht richtig unterschreiben“; sagte sie plötzlich.
„Ja, ich weiß, ich habe das nie gekonnt. Trotz vielem Üben gelingt mir die Unterschrift nie. Jedesmal kommt sie anders raus. Darum habe ich beschossen, nur noch einen Hacken zu machen.“
„Aber Sie haben ja immer unterschreiben müssen. Wie haben Sie das denn gemacht?“
„Ich habe mir einen Stempel mit einer hübschen Unterschrift besorgt. Manchmal bin ich kurz auf die Toilette gegangen um zu stempeln, damit es die Anderen nicht mitbekommen.“
Sie hatte jetzt den Blick einer Katze, die das Essen nicht mag, das man ihr vorsetzt.
„Wieso haben Sie eigentlich ihre Stelle verloren?“
„Ich habe zuwenig Gewinn gemacht, bloß fünfzig Prozent statt hundert.“
„Aha, und an was lag das?“
„An meiner Sekretärin.“

Leider ging der Traum in diesem Augenblick zu Ende. Wie so oft, wenn es anfängt spannend zu werden. Ein schönes Wochenende. Euer Traumperlentaucher.

2008-10-24

Das Ende ist überall und nirgendwo

Von traumperlentaucher @ 09:24 [ Träume ]


Es gibt nur zwei Arten von Menschen, die wirklich fesseln - Leute, die alles wissen, und Leute, die überhaupt nichts wissen.
Oscar Wilde

Vermutlich würden wir am Ende des Universums, im Restaurant der Ewigkeit, beide Sorten antreffen, wenn wir eines Tages dort ankommen.
Und natürlich werden wir die ‚Mutter aller Fragen’ stellen: „Was ist dort draußen. Was ist jenseits dieses Universums.“
Das Krümelmonster am Tisch gegenüber wird uns aus seinen sieben Glubschaugen schräg ansehen und sagen:
„Da ist nichts.“
„Das kann nicht sein“, werden wir protestieren, „Wir sind hier am Ende des Universums. Auch wenn dort draußen scheinbar nichts ist – wir deuten dabei mit unserer geistigen Hand nach links – muss doch immerhin leerer Raum vorhanden sein. Wenn wir ein Raumschiff hätten, so könnten wir dort fliegen, immer geradeaus, bis in alle Ewigkeit.“
Das Krümelmonster wird sich dann an ein paar Krümeln verschlucken und der Augenkranz des Wirtes hinter der Theke wird zu rotieren beginnen.
„Schau doch mal nach draußen“, wird ein Mann am Ende des Tisches vorschlagen, dessen Gesicht aussehen wird wie Darth Vader und uns an den Papst erinnern wird.
Wir werden dann nach draußen gehen und einen Blick aufs Universum werfen. Erstaunt werden wir feststellen, dass nirgends nichts ist und der Himmel in alle Richtungen voller Galaxien. Und wir werden zurück stürmen in das Restaurant der Ewigkeit und rufen:
„Beschiss! Hier ist gar nicht das Ende des Universums!“
„Das Ende ist überall, wird uns der Papst entgegnen, und nirgends ist nichts.“
Vielleicht werden wir dann erkennen, dass wir zu jenen Leuten gehören, die überhaupt nichts wissen.

Eine fröhliche Zeit. Euer Traumperlentaucher. Der sich jetzt zum Pilzesuchen abmeldet.

Bild von JoJo

2008-10-22

Das Restaurant der Ewigkeit

Von traumperlentaucher @ 07:08 [ Träume ]


Was ist das Schicksal anderes, als eine ständige Hoffnung im Angesicht des unbarmherzigen Zweifels
Zitat aus der Science Fiction-Serie „Andromeda“

Dieses Bild zeigt Andromeda und wurde vom Maulwurf mit seinem Teleskop aufgenommen. Erstaunlich, dass Maulwürfe Fernrohre besitzen. Ich dachte, sie seien blind.
Aber vielleicht ist es so, dass gerade die Blinden unter uns die wahren Seher sind?

Nach neusten Erkenntnissen ist die Nachbar-Sterneninsel größer als unsere Milchstraße und umfasst etwa eine Billion Sterne.
Um viele dieser Sterne kreisen vermutlich auch Planeten: große, kleine, Wasser- und Wüstenplaneten, Eisplaneten und Gasriesen und Himmelskörper, wie wir sie in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Vielleicht ist auch eine zweite Erde dabei und vielleicht gibt es dort drüben auch Menschen. Denn so vielfältig das Universum auch ist, scheint es doch einem Schema zu folgen.

In der Mitte dieser mächtigen Galaxie sitzt übrigens ein schwarzes Loch, das etwa 30 Millionen mal so schwer ist, wie unsere Sonne. Vermutlich haben wir auch so ein schwarzes Loch im Zentrum unserer Milchstrasse.
Schade, dass das CERN wahrscheinlich nie ein schwarzes Loch produzieren wird, das stark genug ist, um die die Welt zu verschlucken. Erstens hätte es unser Abfallproblem endgültig gelöst und zweitens hätte ich nur zu gerne gewusst, was sich hinter dem Ereignishorizont eines schwarzen Lochs verbirgt. Vielleicht hätte es uns am Ende des Universums wieder ausgespien. Dort soll sich ja das Restaurant der Ewigkeit befinden. Dann hätten wir mit den anderen gestrandeten Aliens und den Tramps, die per Anhalter im Universum unterwegs sind, ein Bier trinken können.

Das Restaurant der Ewigkeit ist sicher noch etwas weiter weg, als die bisher fernste Galaxie, die unsere Astronomen in einer Entfernung von 13 Milliarden Lichtjahren beobachten konnten. Allerdings ist diese Galaxie nach einigen Monaten auf mysteriöse Weise wieder verschwunden. Aber wer weiß schon, was am Ende des Universums passiert, 13 Milliarden Jahre in der Vergangenheit! Das ist verdammt nahe am Urknall, der angeblich vor 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden haben soll.

Vielleicht treffen wir uns einmal im Restaurant der Ewigkeit? Dann können wir über die Wichtigkeit unserer irdischen Probleme diskutieren. Oder auch bloß in der Gifthütte während des Martinsmarktes in diesem Teil des Universums. Euer Traumperlentaucher

2008-10-21

Andromeda

Von traumperlentaucher @ 10:10 [ Träume ]


Die Welt mit eigenen Augen von oben zu sehen, sei ein Traum und nur mit viel Geld zu erfüllen, meint Lithalven im gestrigen Kommentar zu meinem Blog.
http://www.lithalven.de
Für einige mag Weltraumtourismus ein erstrebenswerter Traum sein. Der Enge der Welt für einige Tage zu entfliehen, auch wenn es nur in der Enge einer Raumkapsel ist.
Für alle anderen, die kein Geld haben, gibt es aber eine Alternative. Sie liegt in der Dunkelheit einer mondlosen Nacht, abseits der Smogglocken und der Lichtverschmutzung großer Städte:

Wenn die Nacht am schwärzesten ist, unsere eigene Galaxie als glitzerndes Diamantenband den Himmel überspannt und der einsame Beobachter in warme Kleidung verpackt am Waldrand sitzt, kann ein fantastischer Traum Wirklichkeit werden. Auf den ersten Blick scheint das Firmament wie eine Leinwand aufgespannt. Eine dunkle Hülle rund um die Erde mit tausenden von Lichtern besetzt. So wie sie unsere Vorfahren seit Millionen von Jahren gesehen haben. Doch wenn das Auge des Träumers die Tiefe sucht, wird er sie nach einer gewissen Zeit auch finden. Und dann entfaltet sich über ihm unvermittelt ein unendlicher Raum in seinen drei Dimensionen. Es ist, als würde ein Vorhang weggezogen und man sieht nicht länger ein zweidimensionales Sternenbild, sondern die schiere Unendlichkeit. Doch dort draußen wartet noch eine weitere Dimension, die nur unseren Träumen offen steht.

Wenn unser Auge scharf ist, die Herbstluft klar und ohne Menschenlicht, sieht es nicht nur unzählige Sterne sondern auch einen schwachen Nebel zwischen den Sternbildern Kassiopeia und Andromeda: Unsere Nachbargalaxie, der Andromedanebel. Eine Sterneninsel mit Milliarden von Sonnen, ähnlich unserer Heimat, der Milchstrasse.
Vielleicht sitzt auch dort drüben auf einem Planeten, der um eine dieser Sonnen kreist, ein einsamer Beobachter und schaut zu uns herüber? Was der Fremde in diesem Augenblick wohl denken mag? Wir werden es nie erfahren. Nicht nur die Distanz ist viel zu groß, uns trennt auch ein Abgrund aus Zeit. Das Licht braucht zweieinhalb Millionen Jahre um von der einen zur anderen Sterneninsel zu reisen.
Wenn wir also Superaugen hätten und tatsächlich den fremden Beobachter dort drüben sehen könnten, so hätte er vor zweieinhalb Millionen Jahren dort gesessen und würde heute schon längst zu Sternenstaub zerfallen sein. Vermutlich gäbe es auch seine Zivilisation nicht mehr, vielleicht nicht einmal mehr seinen Heimatplaneten. Schlimmer noch: auch wenn wir diesen fremden Beobachter dort drüben sehen könnten, wie er vor zweieinhalb Millionen Jahren am Waldrand eines unbekannten Planeten sass, so hätte auch er uns mit Superaugen nie sehen können. Denn jetzt, in diesem Augenblick in dem wir ihn sehen, schaut auch er in die Vergangenheit. In eine Vergangenheit, die für uns bereits fünf Millionen Jahre zurückliegt. In eine Zeit, in der hier auf der Erde unsere Vorfahren, Menschenaffen von der Gattung der Ardipithecus und Orrorin, in den Baumkronen urweltlicher Landschaften hausten.

Doch wir brauchen nicht so tief in den Raum zu blicken, um in die Vergangenheit zu sehen. Jeder Stern am Himmel ist Vergangenheit. Schon die nächsten sind durch Jahre von uns getrennt.
Diesen Abgrund aus Raum und Zeit können wir mit allem Geld der Erde nicht überbrücken. Nur in unseren Träumen gelingt uns das. Kostenlos!

Phantasie ist besser als Verstand, denn Verstand ist begrenzt.
Albert Einstein


Nur hier auf der Erde können wir uns in die Augen sehen. Euer Traumperlentaucher

2008-10-20

Geld und Träume

Von traumperlentaucher @ 09:45 [ Träume ]


All das Geld das du gemacht hast, wird niemals deine Seele zurückkaufen können.
Bob Dylan


Es ist Zeit, weniger über Geld und mehr über Träume zu schreiben.
Doch vielen scheinen beide untrennbar miteinander verbunden. Um Träume wahr zu machen, brauche es Geld – je grösser der Traum, desto mehr.
Wenn einer von einer großen Villa, von einer Jacht oder einem Ferrari träumt, dann hat er wohl recht. Doch die schönsten Träume sind nicht für Geld zu haben. Echte Liebe und Freundschaft, zum Beispiel, kann man nicht kaufen. Im Gegenteil! Je mehr Geld einer hat, desto mehr falsche Freunde hat er. Und je mehr Liebe er kauft, desto mehr entfernt er sich von der wahren Liebe.
Onassis soll einmal gesagt haben: „Viele reiche Männer sind im Grunde arme Männer mit viel Geld.“

Wenn man glaubt, all seine Träume kaufen zu können, hat man keine mehr.
Eine wunderbare Woche. Euer Traumperlentaucher

PS. Damit will ich das Thema Geld&Geist in diesem Blog abschließen und mich wiederum den Träumen zuwenden.

2008-10-19

UBS-Rettung: Perlen vor die Säue

Von traumperlentaucher @ 09:12 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Keine Perlen weit und breit, vermutlich haben sie die Säue gefressen. Dafür habe ich gestern ein Interview mit Herrn Peter Kurer, Verwaltungsratspräsident der UBS, gehört. Er findet jetzt übrigens Boni über 10 Millionen auch übertrieben. Wenn sie aber darunter liegen, scheint es ihn nicht zu stören.
Das Radiointerview war eine Katastrophe.
Kurer stotterte, wand sich und suchte dauernd nach Wörtern. Immer wieder musste ihm der Reporter auf die Sprünge helfen. Auf die Frage, wieso die UBS jetzt staatliche Hilfe braucht, nachdem doch vor 2 Wochen noch alles in Ordnung schien, suchte Kurer verzweifelt nach einer Erklärung und sagte schließlich, dass er in einem Cockpit sitze mit etwa zehn Anzeigen und wenn einige von diesen einen gewissen Wert überschreiten würden, müsse er halt seinen Koffer packen und zum Staat rennen.
Das, so betonte er mehrmals, müsse er ganz emotionslos tun, in seinem Cockpit. Aber jetzt hätten sie das Krebsgeschwür völlig herausgeschnitten, stammelte Kurer weiter. Das hätten nämlich gescheite Leute in der Bank tagelang analysiert, unter anderem auch Juristen.
Ja, um Himmels Willen, wieso haben die den keinen Arzt geholt?

Ich habe noch nie ein solches Geschwafel gehört, schon gar nicht von einem VR-Präsidenten einer Weltbank mit 2 Millionen Grundgehalt.
Gebt mir nur einen Zehntel davon und ich sitze auch in dieses ominöse Cockpit.
Und dieser Mann will Vertrauen? Das ist einfach lächerlich.

Genauso wie der ganze UBS-Rettungsplan. Der Bundesrat hat vor der UBS die Hosen runtergelassen. Vermutlich weil die bürgerlichen Parteien in der Vergangenheit von der UBS gesponsert wurden.
Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme, sondern eine Katastrophe.
Eine Katastrophe in der gelogen wird, was das Zeug hält. Lässt es sich nicht mehr richten, geben die Akteure gerade nur soviel zu wie nötig. Und weiter geht die Fuhre.

In Wirklichkeit, vermute ich, ist es wohl so gewesen:
Der UBS laufen die Kunden zurzeit in Scharen davon, der Mittelabfluss muss enorm sein. Gleichzeitig ist der Keller des ominösen „Cockpits“ noch voller Schrottpapiere. Die jetzt ausgebuddelten sind vermutlich nur die hoffnungslosesten Fälle. Als die Herren des Universums letzte Woche feststellen mussten, dass ihre Liquidität nur noch einige Tage weit reicht (Liquiditätsanzeige in Kurers Cockpit), sind sie zum Bundesrat und zur SNB gepilgert und haben etwa folgendes gesagt:
„Wir gehen in den nächsten Tagen Bankrott, wenn ihr uns kein Geld gebt. Ihr wisst, was das bedeutet: Tausende von KMU’s und Gewerbetreibende hängen an unseren Kreditlinien. 20% der Schweizer Sparer haben ihr Geld bei uns, auch viele Pensionskassen haben ihr Geld bei uns angelegt und Tausende haben bei uns einen Job. Wenn wir kein Geld kriegen, wird die Schweiz zu einem zweiten Island.“
Natürlich hatten sie ihre ‚Vorschläge’ schon in ihren Aktenköfferchen, Kurer ist ja Jurist. Vorschläge, die man nicht ablehnen kann.
Darum machte der Bundesrat vom Kriegsrecht gebrauch, das geschönt ‚Notrecht’ heißt.

Hier mein Gegenvorschlag: Sperrt die Bande ein wegen Landesverrats, lasst die UBS Bankrott gehen und zimmert aus den Trümmern eine Staatsbank, mit dem Ziel die Kleinsparer, die KMU’s, die Gewerbetreibenden und die Pensionskassen zu retten.
Nicht möglich? Ihr werdet euch noch wundern, wie sich ‚Spielregeln’ über Nacht ändern werden. Wir stehen erst am Anfang.

Trotzdem einen schönen Sonntag. Euer Traumperlentaucher

2008-10-18

Grösster anzunehmender Albtraum

Von traumperlentaucher @ 09:29 [ Prophezeiungen ]


Das LEAP (Laboratoire Européen d’Anticipation Politique)
warnt davor, dass die USA im Sommer 2009 zahlungsunfähig werden könnten, weil sie ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Schwarzseherei? Panikmache?
Bedenklich ist, dass das LEAP die laufende Krise vorausgesehen und in ihrem Ablauf richtig vorhergesagt hat.
Bedenklich auch, dass einige kleinere Staaten bereits nahe am Staatsbankrott stehen und laut nach Hilfe schreien.
Denn entgegen landläufiger Meinung können Staaten durchaus bankrott gehen. Da hilft auch die Druckerpresse nichts. Wird diese überstrapaziert ist Hyperinflation die Folge und am Schluss bricht die Wirtschaft zusammen. Simbabwe ist ein entsprechendes Beispiel. Dann müssen die Menschen von dem leben, was sie haben.

Auch die Schweiz ist nicht vor einem Staatsbankrott gefeit. Im Gegenteil!
Und unser Land hat nichts: keine Rohstoffe, nur eine auslandabhängige Industrie und ein total überdimensioniertes Bankgeschwür.

In den letzten Tagen habe ich – entgegen meiner Gewohnheit – ferngesehen.
Allerdings war es kaum zum Aushalten: Lügen, Schwindel, Arroganz und schlichte Inkompetenz.
Allein schon die arroganten Gesichter der Banker zu sehen und ihre blödsinnigen Antworten auf die bohrenden Fragen der Journalisten zu hören!
Die UBS ‚wirbt’ um Vertrauen und sagt trotzdem noch immer nicht die Wahrheit. Die Bank sei gut kapitalisiert (was immer das auch heißen mag) und habe eigentlich die Milliarden der Steuerzahler nicht nötig gehabt. Das sei eigentlich nur zur Image-Pflege und weil das Ausland das auch gemacht habe. Damit habe man Vertrauen (gekauft).
Daher auch kein Dankeswort und das weitere Beharren auf Millionenboni von diesem schrecklichen Kurer, einem Anwalt der Banker spielt.
Doch die Wahrheit ist, dass die UBS die Schweizer quasi als Geiseln genommen hat. Wäre der Staat nicht eingesprungen, wäre die UBS in wenigen Tagen illiquid geworden und hätte ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, das heißt, die Mitarbeiter hätten keine Löhne und die Kunden am Bankschalter kein Geld mehr erhalten. Bankrott! Ich weiß nicht, was an diesem Wort so schwer zu verstehen ist.
Und dann habe ich im Fernsehen eine Politikerin gesehen – den Namen habe ich Gott sei Dank vergessen – die eine aufziehende Rezession in Abrede stellte. Begründung: Der Schweiz gehe es ja zurzeit gut, sie verdiene jeden zweiten Franken im Ausland und in den vergangenen Jahren seien viele neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Eine dümmere Kuh ist mir noch nie über den Weg gelaufen.
Gerade diese extreme Abhängigkeit vom Ausland wird uns in der kommenden Wirtschaftskrise zu schaffen machen! Wenn’s der Weltwirtschaft schlecht geht, kauft uns unsere Waren niemand mehr ab und Rohstoffe haben wir keine. Wir sind nicht einmal in der Lage, unsere Bevölkerung zu ernähren. Auch der Notgroschen ist zur Hälfte weg: die Nationalbank wird sich noch dafür verantworten müssen, dass sie die Hälfte unseres Goldes verscherbelt hat.
Als die dumme Kuh dann noch behauptete, die vom Staat bei der UBS ‚eingesammelten’ Schrottpapiere würden wieder wertvoller, wenn man nur genügend lange warte und könnten dem Staat in Zukunft sogar Gewinne bescheren, habe ich mich eiligst von dem Hirnwaschkasterl entfernt.

Doch zurück zu den arroganten UBS-Managern: Die behaupten jetzt, zum x-ten Mal, sie hätten ihren Saustall aufgeräumt und die Bank sei jetzt wirklich sauber und ohne weitere Risiken und Nebenwirkungen etc blabla.
Ich glaube davon kein Wort. Die Apokalypse hat erst begonnen und wohin die Reise geht, können wir uns vermutlich in unseren schlimmsten Träumen nicht ausmalen. In einer Zeit, wo Staaten Bankrott gehen werden, die Wirtschaft weltweit auseinanderfällt, hat der kranke Dinosaurier UBS keine Chance. Doch in den arroganten Gesichtern der Manager spiegelt sich noch eine Welt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Sie können der Wahrheit nicht ins Auge blicken: Das Ende ihrer glitzernden Bankenwelt, das Ende der golden Boys, das Ende der Master of the Universe.

Und dann verlangen diese Kerle noch ultimativ nach Vertrauen, ohne zu sehen, dass sie in den letzten Monaten und Jahren auf diesem Vertrauen geradezu herumgetrampelt sind. Vertrauen kann man nicht kaufen! Doch das will diesem Verein nicht ins Hirn.


Eine kleine Rückschau:

"Die Krisenresistenz unserer Banken ist einmal mehr eindrücklich. Wenn andere verstaatlichen und zum gefährlichen Gift riesiger Subventionen greifen, so setzen wir auf Wettbewerb, Flexibilität und Anreiz." Gerold Bührer in der aktuellen Weltwoche.

"Nein, die UBS wird nicht untergehen, weil sie die richtigen Schritte eingeleitet hat." Bundesrätin Doris Leuthard am 17.9. im BLICK

"Keine wichtige Bank befindet sich heute in Schieflage." Finanzdepartementssprecher Roland Meier am 15.10. in der «Handelszeitung»

"Da werden kaum Fakten recherchiert, sondern es wird skandalisiert." Bundesrat Moritz Leuenberger über die Rolle der Medien in der Finanzkrise in seinem Blog am 13.10. .

"Ich bin überzeugt, dass keine Schweizer Bank zusammenbrechen wird. Es geht dem Schweizer Bankensystem sehr gut." Pierre Mirabaud, Präsident der Schweizer Bankiervereinigung, am 12.10. im «Sonntag»

"Möglicherweise sind wir etwas besser vorbereitet als andere Länder." Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am 10.10. im BLICK. Hoffentlich hat sie richtig geschlumpft, sonst soll Gargamel sie holen!

"Warum soll man Geld hineinpumpen, wenn es nicht nötig ist?" Bundesrat Couchepin am 9.10. in der «Tagesschau».

"Für uns waren die letzten zwei Quartale schwierig. Wir haben Kunden verloren. Doch jetzt haben wir die Basis, um diesen Trend umkehren zu können." UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer am 4.10. im BLICK.



Tut mir leid, dass ich in der letzten Zeit die Perlen-Träume etwas vernachlässigt habe. Aber es ist leider Albtraumzeit. Euer Traumperlentaucher.

Bild: Segler über dem Mont Vully

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