Der Hörtraum
| Von traumperlentaucher @ 08:06 | [ Träume ] |

Als ich erwachte, war es finster wie in einem Kuhmagen. Ich tastete nach dem Lichtschalter, aber er war nicht da. Wo war die Lampe hingekommen? Vorsichtig stieg ich aus dem Bett, bewegte mich in Richtung Fenster und drückte meine Nase an das Glas. Nichts zu sehen, keine Straßenlampe, rein gar nichts, absolute Dunkelheit. Aha, ein Stromausfall. Da hörte ich ein Murmeln hinter mir. Ich lauschte angestrengt, bis mein ganzer Kopf zu einem einzigen riesigen Ohr wurde. Die Stimmen kamen aus meinem Bett. Langsam tastete ich mich zurück. Kamen die Stimmen etwa aus meinem Kopfkissen? Noch konnte ich nichts verstehen, doch als ich wieder unter die Decke schlüpfte und meinen Kopf auf das Kissen senkte, wurden die Stimmen deutlicher und ich verstand die einzelnen Sätze. Es waren Sätze aus meinem Leben. Sätze, die ich einmal gesprochen oder niedergeschrieben hatte. Sätze von gestern und Sätze aus ferner Vergangenheit. Wie waren sie in mein Kissen gekommen? Hatte ich sie im Traum dort vergessen? Kamen sie jetzt wieder zurück zu mir? Und wer waren die unsichtbaren Sprecher?
Ich fragte mein Kissen, doch es fuhr unbeirrt weiter und blieb mir die Antworten schuldig. Wiederum griff ich nach dem Lichtschalter. Endlich fand ich ihn, doch nichts geschah. Tatsächlich Stromausfall?
Ich konnte nichts anderes tun als zuhören. Und endlich erkannte ich die Sprecher in meinem Kissen: ich selbst war es, mal jünger, mal älter, mal heiter, mal ernst. Ich hörte mir zu bis ich wieder einschlief.
Als ich aufwachte, war es bereits hell. Das Kissen war leer, es hatte aufgehört zu murmeln. Eigentlich wäre ein neues fällig. Trotzdem traue ich mich nicht, es auszuwechseln.
Ich bin sicher, irgendwo wird unser ganzes Leben gespeichert. Euer Traumperlentaucher












