2008-07-31

Der Hörtraum

Von traumperlentaucher @ 08:06 [ Träume ]


Als ich erwachte, war es finster wie in einem Kuhmagen. Ich tastete nach dem Lichtschalter, aber er war nicht da. Wo war die Lampe hingekommen? Vorsichtig stieg ich aus dem Bett, bewegte mich in Richtung Fenster und drückte meine Nase an das Glas. Nichts zu sehen, keine Straßenlampe, rein gar nichts, absolute Dunkelheit. Aha, ein Stromausfall. Da hörte ich ein Murmeln hinter mir. Ich lauschte angestrengt, bis mein ganzer Kopf zu einem einzigen riesigen Ohr wurde. Die Stimmen kamen aus meinem Bett. Langsam tastete ich mich zurück. Kamen die Stimmen etwa aus meinem Kopfkissen? Noch konnte ich nichts verstehen, doch als ich wieder unter die Decke schlüpfte und meinen Kopf auf das Kissen senkte, wurden die Stimmen deutlicher und ich verstand die einzelnen Sätze. Es waren Sätze aus meinem Leben. Sätze, die ich einmal gesprochen oder niedergeschrieben hatte. Sätze von gestern und Sätze aus ferner Vergangenheit. Wie waren sie in mein Kissen gekommen? Hatte ich sie im Traum dort vergessen? Kamen sie jetzt wieder zurück zu mir? Und wer waren die unsichtbaren Sprecher?
Ich fragte mein Kissen, doch es fuhr unbeirrt weiter und blieb mir die Antworten schuldig. Wiederum griff ich nach dem Lichtschalter. Endlich fand ich ihn, doch nichts geschah. Tatsächlich Stromausfall?
Ich konnte nichts anderes tun als zuhören. Und endlich erkannte ich die Sprecher in meinem Kissen: ich selbst war es, mal jünger, mal älter, mal heiter, mal ernst. Ich hörte mir zu bis ich wieder einschlief.
Als ich aufwachte, war es bereits hell. Das Kissen war leer, es hatte aufgehört zu murmeln. Eigentlich wäre ein neues fällig. Trotzdem traue ich mich nicht, es auszuwechseln.

Ich bin sicher, irgendwo wird unser ganzes Leben gespeichert. Euer Traumperlentaucher

2008-07-29

Die Menge macht’s (Fortsetzung)

Von traumperlentaucher @ 18:48 [ Traumgeschichten ]


„Wir verlagern die Produktion nach China“, erklärt der oberste Boss der piepsenden Spielzeughunde und quietschenden Enten.
Die Börse honoriert diesen Entschluss natürlich sofort. Sie gibt meistens Vorschuss in solchen Fällen – wenn die Stimmung stimmt.
Die Hälfte des Kaders fliegt nach Osten, alle wollen sich ein Stück vom neuen Kuchen abschneiden und schon bald trudeln die ersten Kisten mit Spielzeughunden in Europa ein.
Ein subalternen Qualitätsmanager findet zwar heraus, dass die Hunde pfeifen, anstatt braun gelb sind und nur drei Beine haben, doch dem Mann wird erklärt, dass das „Peanuts“, also Erdnüsse seien und man deswegen die Auslieferung nicht stoppen könne. Außerdem gerät er in Verdacht, mit seiner Miesmacherei nur den weiteren Transfer zu behindern – die Enten sollen ja schließlich auch noch nach China.
Natürlich wiehern die Enten wie Pferde und sind blau, aber das merkt keiner weil die Ware inzwischen auf Anraten der MacBerater direkt vom chinesischen Werk ausgeliefert wird.

Eines Tages kratzt sich wiederum ein Controller in der Konzernzentrale im Haar als er über seinem Zahlenberg brütet. Die wiehernden Enten und die pfeifenden Hunde sind zwar günstiger in der Herstellung, aber trotzdem stimmen die Zahlen unter dem Strich nicht. Nach längerem Studium findet er heraus, dass die Filialen die Hunde und Enten zu einem tieferen Preis verkaufen, als abgemacht und als er den Chefverkäufer in Düsseldorf anruft, erklärt dieser:
„Made in China ist nicht Made in Germany, wir können diese Ware nicht zum gleichen Preis verkaufen. Das ist keine Premium-Ware,verstehen Sie? Der Kunde erwartet automatisch einen tieferen Preis, wenn China drauf steht.“
„Aber die Qualität haben wir ja jetzt in Ordnung gebracht. Unsere Techniker waren wochenlang dort unten und haben sich darum gekümmert“, entgegnet der Controller und bei diesen Worten fällt sein Blick auf die Reisekostenabrechnung. Er stellt entsetzt fest, dass diese in astronomische Höhen gestiegen ist und inzwischen die halbe Firma business zwischen Europa und China hin- und herpendelt.
„Wir bekommen auch immer häufiger schlechte Ware und müssen diese zurücksenden“, ergänzt der Chefverkäufer noch.
Als der Controller die Lage seinem Chef erklärt, holt dieser wieder die MacBerater ins Haus. Sie kosten inzwischen das Zehnfache.
„China ist inzwischen zu teuer“, erklärt der OberMac, „verschieben sie ihre Produktion nach Burma.“

Alles Gute kommt von Osten, doch das Beste kommt aus Westen. Euer MacTraumperlentaucher

Bilderrätsel: Was befindet sich in dem Glas?

2008-07-28

Die Menge macht's

Von traumperlentaucher @ 07:27 [ Traumgeschichten ]


Tausend piepsende Spielzeughunde pro Woche können kostengünstiger hergestellt werden als bloß hundert pro Woche.
Economy of Scale wird das im Management genannt und diese Weisheit gehört zu den Grundpfeilern der Wachstumsphilosophie unserer Wirtschaft.
Mehr piepsende Spielzeughunde bedeuten mehr Gewinn pro Spielzeughund und mehr Umsatz und somit ein wachsendes Geschäft. Die Manager kriegen ein grösseres Gehalt, da die Fabrik, auf die sie aufpassen müssen grösser und die werkelnden Untertanen mehr geworden sind. Auch die eigentlichen Besitzer der Fabrik, die Aktionäre, erhalten mehr Geld in Form von Dividenden und der Wert ihrer Aktien steigt. Logisch! Ist doch eine Fabrik, die tausend anstelle von hundert piepsenden Spielzeughunden herstellt wertvoller.

Leider stellen auch andere Fabriken piepsende Spielzeughunde her und somit stößt das Wachstum irgendwann mal an seine Grenze. Die Löhne der Manager können nicht mehr wachsen, der Aktienkurs stagniert.
Das ist der Moment wo sich das Management die MacBerater ins Haus holt. Ganz clevere Jungs und Mädels, die jahrelang studiert haben wie die Economy of Scale weiter am Leben erhalten werden kann. Ihr Ratschlag wird lauten: Um weiter zu wachsen, kauft einfach einen euer Konkurrenten. Dann habt ihr zwei Fabriken mit piepsenden Spielzeughunden und seid als Manager doppelt so wichtig wie heute. In der Regel kriegt ihr dann auch das doppelte Salär.

Da jedoch die Kurven der Manager immer nach rechts oben zeigen müssen (sonst verlieren sie bald ihren Job), muss das Unternehmen immer weiter wachsen. Wiederum werden die MacBerater ins Haus geholt und bald schon wird eine weitere Fabrik gekauft bis es eines Tages keine anderen Fabriken mit piepsenden Spielzeughunden mehr zu kaufen gibt.

Die Not ist groß, die Kurven drohen nach rechts unten zu zeigen und rasch werden die MacBerater wieder ins Haus geholt. Inzwischen kosten sie bereits das Dreifache. Aber sie bringen die Erlösung! Anstatt einer Fabrik mit piepsenden Spielzeughunden wird jetzt eine Fabrik mit quietschenden Enten dazugekauft. Das Wachstum kann weiter gehen. Die Manager kaufen neue Ferraris und grössere Jachten und die Aktionäre freuen sich über den Anstieg ihrer Aktien und fühlen sich reicher. Das nennt man im Fachjargon "Diversifikation".

Doch eines Tages kratzt sich ein Controller in der Konzernzentrale im Haar als er über seinem Zahlenberg brütet. Die Economy of Scale spielt nicht mehr mit, die Herstellung der piepsenden Hunde und der quietschenden Enten wird nicht mehr günstiger. Und da die Saläre der Manager immer noch wachsen und die Koordination der Fabriken inzwischen eine riesige Bürokratie erfordert, sinkt der Gewinn des Unternehmens. Schlimmer noch: auch der Umsatz stagniert, denn alle Menschen auf der Erde besitzen inzwischen mindestens einen quietschenden Spielzeughund und eine piepsende Ente.
Es dauert nicht mehr lange, da weiß dies auch die Börse. Die Aktienkurse sinken, das Management wird nervös. Die MacBerater kommen wieder ins Haus und kosten jetzt das Fünffache. Doch die Jungs und Mädels in den schicken Anzügen sind gescheit und auch diesmal haben sie eine Lösung parat.

Fortsetzung folgt.

Eine schöne heiße Woche. Euer MacTraumperlentaucher.

2008-07-26

Das Beste kommt zum Schluss

Von traumperlentaucher @ 12:17 [ Träume ]


Mich plagt ein Film. Er verfolgt mich in meinen Träumen und lauert auch tagsüber meinen Gedanken auf, wenn ich sie spazieren lasse.
Zwar schaue ich noch nicht meinem Tod ins Gesicht, wie Morgan Freeman und Jack Nicholson (als Carter Chambers und Edward Cole) in „The Bucket List“, aber ich werde die Frage nicht los, ob es trotzdem nicht Zeit wäre, eine eigene Eimer-Liste zu erstellen, eine Liste von Dingen, die ich noch vor meinem Tod erledigen möchte.
Mit einem Fallschirm aus dem Flieger springen, das Taj Mahal besuchen, das Dach der Welt besteigen, auf den Pyramiden philosophieren, ein Autorennen fahren?
Nein, das ist es nicht. Erstens hatte ich schon genug Ver-rücktheiten in meinem Leben, zweitens sind es die unbezahlbaren Dinge, die mich reizen.
Klar, werdet ihr sagen, die besten Dinge im Leben sind umsonst.
Das heisst aber noch lange nicht, dass sie auch leicht zu kriegen sind.
Wie wäre es zum Beispiel damit:
1. Einmal ein Adler sein, den Wind in den Flügeln spüren und durch seine Augen sehen.
2. Meiner Liebsten meine Träume zeigen. Sie durch die Traumwelten führen, die ich bereist habe.
3. Einmal keine Predigt hören, sondern Gott wirklich spüren, ihn mit meiner Seele berühren.
Meine Liste ist noch lang, aber ich beende sie an dieser Stelle. Wenn ich auch nur einen einzigen Punkt am Ende meines Lebens streichen kann, so will ich zufrieden sein.
Doch einer meiner Wünsche ist mit der Bucket List identisch. Auch ich möchte einmal, eingeäschert in der Urne, an einem Ort sein, von dem ich einen wunderbaren Ausblick habe auf die Welt – hoch oben auf dem Gipfel eines Berges.

Ein schönes Wochenende. Euer Traumperlentaucher

Bild: Andy erklärt wie eine Drehorgel funktioniert

2008-07-25

Ghadhafis verrückte Muppet Show

Von traumperlentaucher @ 07:42 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ich bin froh, dass der libysche Diktator seine Maske hat fallen lassen und uns wieder einmal gezeigt hat, wie und was er wirklich ist. Wir können daraus nur lernen.
Die gegenwärtige Affäre zwischen der Schweiz und Libyen zeigt zwei Dinge:
Erstens, dass es gefährlich ist, mit einem unberechenbaren Diktator und seinem Clan Geschäfte zu machen. Zweitens zeigt sie uns, was auf uns zukommen wird, wenn die Erdölvorräte weiter zur Neige gehen.
Denn Libyen ist keineswegs eine Ausnahme. In den meisten Erdölländern sitzen Diktatoren an der Macht, die bereit sind, am Ölhahn zu drehen, wenn der Kunde nicht tut, was ihnen in den Kram passt. Russland und Venezuela inklusive.
Und da wir nicht über den Militärapparat der Amerikaner verfügen, um uns nach Bedarf die Ressourcen vor Ort zu sichern, gibt es nur eine vernünftige Strategie: So rasch wie möglich weg vom Öl. Ein Staat, der in Zukunft auf eigenen Energiefüßen steht, ist schlecht erpressbar.
Radikale Einsparungen, verbunden mit einer massiven Nutzung alternativer Energien, sind die einzigen Möglichkeiten um dem energetischen Armageddon zu entgehen.
Andererseits sollten unsere Firmen nicht noch unsere Technologie an diese kuriosen Wüstensöhne verscherbeln. Mit Verrückten macht man keine Geschäfte. Sonst muss man sich nicht wundern, wenn plötzlich aus undurchschaubaren Gründen die Niederlassungen geschlossen werden und die Mitarbeiter im Gefängnis landen und gefoltert werden. Vielleicht wirft man ihnen plötzlich sogar vor, dass sie, wie die bulgarischen Krankenschwestern, Aids verbreitet haben, wer weiß.
ABB wäre besser beraten, sich hier und in Europa auf den Bau von Windturbinen, Solaranlagen und Geothermie-Kraftwerken zu konzentrieren.
In der Zwischenzeit sollten wir Ghadhafis Raffinerie in der Schweiz dicht machen und unser Öl anderswo beziehen. Das ist zwar nicht besser, aber wesentlich vernünftiger als jetzt vor diesem Verrückten und seiner missratenen Brut den Kotau zu machen und die verschleierte Calmy-Rey in die Wüste zu schicken und dort singen zu lassen, obschon das durchaus seinen Reiz hätte. Aber es reicht, wenn der Sämi hierzulande in der Wüste sitzt.
Und was diesen Hannibal angeht: Der soll doch in Zukunft mit seinen Kamelen durch die Wüste gondeln und sein Öl saufen, statt in Genf den missratenen Sohn und Barbaren zu geben.

Euer Traumperlentaucher, der nicht mehr bei Tamoil tankt

2008-07-23

Affenhirn

Von traumperlentaucher @ 07:47 [ Träume ]


Der runde Tisch hatte in der Mitte ein großes Loch. Vielleicht für den Abfall, dachte ich und setzte mich mit den anderen Gästen: dem Gesichtslosen, der hageren Lehrerin mit den Strichlippen und Mucki, dem Gotikgirl.
Erst als sie den Affen brachten, schwante mir Ungutes. Sie banden ihn unter dem Tisch fest, so dass sein Schädel gerade in das Loch passte. Wie ein behaartes Riesenei ragte er nun aus der Mitte des Tisches. Mir wurde schlecht, aber ich konnte nicht aufstehen.
Als der Tafelmeister mit dem großen Messer an Tisch trat und geschickt den eingespannten Affen skalpierte, grunzte Mucki. Ihre Totenkopf-Ohrhänger grinsten. Die Lehrerin, sie hieß Frau Odenbach, öffnete ihre schmalen Lippen, in den Mundwinkeln klebte Speichel. Der Gesichtslose spielte mit seinem Löffel. Eigentlich hätte ich jetzt kotzen müssen, doch ich konnte nicht.
Der Tafelmeister öffnete die Schädeldecke wie die Schale eines Frühstückseis. In der grauen Masse des Affenhirns zuckte es verdächtig. Frau Odenbach lief der Speichel bis zum Kinn und bildete dort einen Tropfen.
Muckis Löffel stach ins Hirn und auch der Gesichtslose holte sich eine Portion der schwabbeligen grauen Masse. Der Affe trommelte von unten gegen die Tischplatte.
„Wieso tust du mir das an?“ schrie ich in Gedanken dem Gesichtslosen zu.
„Es schmeckt tatsächlich nussig“, schmatzte die Lehrerin.
„Man muss es gut würzen“, erklärte Mucki und griff nach dem Pfeffer.
„Du bist, was du isst“, tönte des Gesichtslosen Stimme in meinem Kopf.
„Ich will raus“, murmelte ich und übergab mich endlich in meinen Teller.

Als ich aufwachte rumorte mein Magen, mir war schlecht und ich torkelte ohne Licht zu machen zur Toilette. Als ich mit dem Kopf gegen die Türkante knallte, hörte ich zwischen den Sternen eine Katze die Treppe runterrasen. Dann trat ich auf etwas, das sich unter meinen Zehen anfühlte wie eine tote Maus. Was für eine Nacht! Scheisstraum.

Gott sei Dank wird es immer wieder hell. Euer Traumperlentaucher.

PS. Wollte euch schon lange mal erklären, was in einer Cervelat steckt ;-)

2008-07-22

Männerkrisen

Von traumperlentaucher @ 07:28 [ Traumgeschichten ]


Unser Leben ist ein Experiment, ohne Garantie und ohne Versicherung.

Es geschah genau 23 Tage vor seinem fünfzigsten Geburtstag. Er begegnete im Traum einer jungen Frau, nicht halb so alt wie er, mit Blümchen im Haar und einem unwiderstehlichen Lächeln im Gesicht.
Sogar im Traum stieg sein Testosteronspiegel bis zu den Haarwurzeln. Er spürte den Frühling in sich, obschon es Herbst war, seine Glatze füllte sich wieder mit Haaren, sein Bierbauch schrumpfte zu einem Sixpack und die Altersflecken auf seinen Handrücken verschwanden wie weggezaubert.
Am nächsten Tag kaufte er sich ein schickes Cabrio, besuchte ein Fitnesscenter, wo ihn die schwitzenden jungen Männer und Frauen erstaunt ansahen und ging anschließend zum Frisör um ein Toupet zu probieren.
Sein Leben veränderte sich schlagartig und er fühlte sich mindestens zwanzig Jahre jünger.
Dabei fiel im jedoch nicht auf, dass sein Traum schon längst zu Ende und das Blumenmädchen in Wirklichkeit die Freundin seiner Tochter war.
Zudem hatte er plötzlich nicht nur den größten Teil seines Verstandes verloren, sondern auch seinen gesamten Erfahrungsschatz was Frauen anbelangt. Er gockelte wie ein Zwanzigjähriger.
Er verschickte Tag und Nacht SMS – zwar nur mit der halben Geschwindigkeit eines Zwanzigjährigen – schrieb nach jahrzehntelanger Abstinenz wieder schwülstige Liebesbriefe und machte sich in der Disco lächerlich.

Der Freundin seiner Tochter gefielen die Fahrten im Cabrio, die Besuche in schicken Restaurants, das dicke Portemonnaie des älteren Herren und seine Art, die sie an ihren Vater erinnerte, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Außerdem hatte sie bisher noch keine Erfahrungen mit älteren Männern sammeln können.
So kam es wie es eben häufig kommt in solchen Fällen: ihre Freundschaft mit seiner Tochter ging in die Brüche, dafür reiste sie mit ihm nach Griechenland.

Das Leben war wunderbar und das Geschäft war ihm scheißegal. Er rauchte zum ersten Mal in seinem Leben eine Tüte, machte am Strand den Affen und die Nacht zum Tag. Die blauen Tabletten verursachten zwar etwas Kopfschmerzen und eine verstopfte Nase, doch das spülte er morgens mit Champagner weg.
Er glaubte genau drei Monate und sieben Tage lang, er sei zwanzig, dann wachte er auf aus seinem Traum. Schlagartig war er wieder fünfzig, sein Konto drastisch geschrumpft und er hatte Kreuzschmerzen vom vielen...na ja, lassen wir das.

Alle Träume gehen einmal zu Ende, für Risiken und Nebenwirkungen lesen sie bitte Traumperlentauchers Blog oder fragen ihren Psychikater. Euer Traumperlentaucher

Bild: Kontrast

2008-07-21

Nef, ein kranker Stalker?

Von traumperlentaucher @ 07:32 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Wer hat nicht schon im Durcheinander seiner Gefühle seiner Liebe nachgestellt, hat Kieselsteine an ihre Fensterläden geworfen, liebestolle SMS verschickt, nächtelang vor verschlossener Tür gewartet?
Das darf man auch einem Armee-Chef zugestehen.
Das ist auch Privatsache und geht niemand was an.

Doch das, was jetzt an die Oberfläche treibt, hat eine ganz andere „Qualität“.
Vorausgesetzt es entspricht der Wahrheit.
Sollte der Armeechef Nef tatsächlich im Namen seiner Ex-Freundin Sexinserate beantwortet haben, dabei ihre Telefonnummer und Adresse angegeben haben, dann wäre das kein liebestoller Bubenstreich mehr. Auch mit Liebe hätte das nichts mehr zu tun, sondern mit der Rache eines gekränkten Stalkers.

Dann wäre dieser Mann schlicht und einfach krank.
Ihn in diesem Fall in seinem Sternenkostüm, mit Pistole und Taschenmunition in der Gegend rumlaufen zu lassen wäre ein gewisses Risiko.
Ihn gar eine ganze Armee kommandieren zu lassen wäre verrückt.
Dagegen ist der Schlauchbootrambo, der den Luftwaffenchef Knutti den Job gekostet hat, ein Waisenknabe. Ich hoffe sehr, dass der Bundesrat raschmöglichst Klarheit schaffen und die Konsequenzen ziehen wird.

Wie sagte doch Nef, nachdem er knallhart seinen Luftwaffenchef gefeuert hatte:
„Bei mir gilt das Ordnungsprinzip.“
Als ich das aus seinen verkniffenen Lippen hörte, wurde mir bereist etwas mulmig. Zu oft habe ich diese Ordnungstypen erlebt. Irgendwo in einer finsteren Ecke ihrer Existenz haben sie das grösste Durcheinander.

Doch wie gesagt: Solange diese Dinge nicht geklärt sind, gilt der Mann als unschuldig. Doch eine Privatsache ist es längst nicht mehr. Nicht beim Chef über fast zweihunderttausend Mannen und gefährliches Kriegsgerät.

Eine schöne Woche, Euer Traumperlentaucher

PS. Ach Sämi, man kann dir fast nicht böse sein, aber wärst du doch in deinem kleinen Notariat geblieben. Wieso musstest du unbedingt Bundesrat werden?

2008-07-20

Wieso ich nicht mehr nach Amerika reise

Von traumperlentaucher @ 11:01 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Amerika ist ein schönes Land mit vielen liebenswürdigen Menschen. Die USA haben in allen Bereichen Großartiges geleistet und der Welt viel gegeben und wir dürfen nie vergessen, dass sie uns Europäer bereits zweimal aus den Klauen des Krieges gerettet haben.
Ich war viel und immer gerne drüben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – auf Geschäftsreise, wie privat zu Besuch bei meinen Verwandten. Doch in den letzten Jahren hat sich vieles verändert.

Als Blogger mit zuweilen kritischen Anmerkungen zur Nation Bush stehe ich heute womöglich auf der Liste der Terrorverdächtigen, die ja bereits eine Million Namen umfassen soll. Sollte das noch nicht der Fall sein, so wird mein Name sicher nach meinem heutigen Blogeintrag in dieser Liste auftauchen.

Denn ich würde unter gewissen Umständen amerikanische Soldaten töten, würde vielleicht Bomben legen, spionieren, sabotieren, Attentate auf Politiker planen und vielleicht sogar ausführen. Ich würde auch Kollaborateure aus dem eigenen Land in die Luft sprengen oder erschießen und ich würde im Extremfall vielleicht sogar mich selbst in die Luft sprengen. Das gebe ich freimütig zu.
Natürlich könnten es auch Italiener, Deutsche, Russen oder Chinesen sein. Da wäre ich, im Falle eines Falles nicht wählerisch.

Glücklicherweise ist dieser Fall der Fälle bis heute nicht eingetreten und wird hoffentlich nie eintreten und so kann ich meine (notabene legale) 9mm mit dem Päckchen Munition weiterschlummern lassen. Am liebsten bis in alle Ewigkeit.

Denn die Amerikaner, die Deutschen, die Italiener, ja sogar die 'bösen' Russen sind unsere Freunde (bei den Chinesen bin ich mir nicht so sicher). Na ja, Freunde ist vielleicht etwas übertrieben. Aber sie würden unser Land nicht überfallen – da bin ich mir (fast) sicher.

So ist denn dieser Fall, in dem ich, nach heutiger Definition, zum Terroristen mutieren würde, glücklicherweise nur ein theoretischer.
Und so ist unsere Pflicht als Schweizer, im Besatzungsfall Widerstand leisten (zumindest passiver) zu müssen auch nur theoretischer Natur. Wir brauchen nicht mehr Wilhelm Tell, den Terroristen, zu spielen. Höchstens im Theater.

Ein schönes Wochenende. Euer Traumperlenpartisan.

PS. Mit diesem Beitrag möchte ich nicht nur provozieren, sondern auch anregen nachzudenken über die Grenzen zwischen Widerstand und Terrorismus, über das Töten in Uniform und in Zivilkleidung, über "Neusprech" und die Manipulation in den Massenmedien. Beispiele gibt es leider viel zu viele in unserer Welt.

2008-07-19

Business Klasse

Von traumperlentaucher @ 20:25 [ Bücher ]


Alex hatte auch diesmal dafür gesorgt, dass er einen Fensterplatz bekam. Den Getränken, Zeitungen und anderen Ablenkungen schenkte er keine Beachtung und die Mahlzeiten interessierten ihn nicht. Während seine Mitreisenden in der Business-Klasse so taten, als studierten sie auf ihren Laptops Zahlenkolonnen oder Geschäftsberichte, sah er einfach zum Fenster hinaus. Dieses Guckloch zu einer anderen Welt war das Einzige, das ihn während des Fluges interessierte.
Er hatte schon Hunderttausende von Flugmeilen zurückgelegt und jedes Mal schaute er wieder hinaus wie bei seinem ersten Flug. Auch wenn er diese Bilder schon unzählige Male betrachtet hatte, er konnte sich daran nie sattsehen: die Wolken wie kleine Wattebäuschchen unter, neben und über ihm, die Spielzeugautos auf den Strassen, die Flickenteppiche der Felder und Wälder, die Muster der Städte, die aussahen wie elektronische Schaltkreise, und die glänzenden Bänder der Flüsse. Über dem Ozean suchte er nach den Bugwellen der Schiffe und über Land nach den Falten der Gebirge, die wie Runzeln das Gesicht der Erde durchzogen. Nachts hielt er Ausschau nach den leuchtenden Netzen der Städte oder betrachtete fasziniert das Lichterspiel der Gewitter unter ihm.
Wenn er so aus dem Fenster blickte, vergaß er das Flugzeug und seine Insassen. Er hörte weder das Stimmengewirr der anderen Passagiere noch die Fragen der Stewardess. Der Blick auf diese wunderbare Welt war eine Art Meditation und bewirkte eine Verwandlung in ihm: Alex fühlte sich auf seinen Flugreisen wie ein mächtiger Adler, der ohne Anstrengung durch die Luft glitt.


Aus dem Buch "Eine verrückterliche Firma", angekündigt und nie erschienen im Verlag Markus Kaminski, Berlin.*

Reist unauffällig! Euer Traumperlentaucher

* Inzwischen ebenfalls nicht erhältlich in einer unzensierten Untergrundausgabe des Autors.


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