2008-04-29

Ockhams Rasiermesser

Von traumperlentaucher @ 08:05 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Dieses Prinzip aus der Wissenschaft sagt, dass die einfachste Theorie zu bevorzugen ist. Doch in der Traumdeutung scheint es nicht zu gelten:
Träumt jemand zum Beispiel von einer Fahrt in einem U-Boot, so deute das auf Gefühlstiefe. Fliegt man dagegen in einem UFO, so zeige das eine Entfernung von der Lebenswirklichkeit.
Doch UFO’s und U-Boote sind eher ungewöhnliche Fortbewegungsmittel. Automobile sind gebräuchlicher:
Lenkt jemand im Traum selbst ein Auto, so bedeute das, dass er alles fest im Griff habe, es sei aber unter Umständen auch ein Hinweis, dass man neue Ziele ansteuern solle.
Wird er dabei von einem anderen überholt, würde er sich vernachlässigt fühlen.
Der Motor sei Sinnbild unserer Triebe, die Bremsen sollen unsere Selbstkontrolle symbolisieren.
Brenne ein Auto, sei das ein Anzeichen für Erfolg, habe wir dagegen bloß eine Panne, werden wir im Leben von Konkurrenten überholt.
Überfahren wir jemanden, so sei das eine Warnung, unseren Lebensstil zu ändern. Sonst würden wir Verluste erleiden.
In einem Auto zu fahren scheint also alles andere zu bedeuten, nur nicht Autofahren. Ein Prinzip, das sich durch die ganze Traumdeutung zieht. Das mag zutreffen. Wer weiß, was sich unser Gehirn so alles ausdenkt, wenn wir es nicht an der Leine haben, aber ich frage mich, ob wir die Dinge nicht in erster Linie so nehmen sollten, wie sie sind:
Wenn sich jemand intensiv mit UFO’s beschäftigt, ist es doch kein Wunder, wenn er zuweilen davon träumt und wenn jemand das Vergnügen hatte, in einem U-Boot mitzufahren, ist es wohl verständlich, wenn ein Traum dieses Erlebnis widerspiegelt. Auch wenn jemand fast einen Unfall gebaut hätte, verwundert es nicht, dass ihn das noch in seinen Träumen beschäftigt.
Und da ich gerne spinntisiere und philosophiere ist es für mich auch nicht verwunderlich, wenn ich immer wieder dem Gesichtslosen begegne.
Soweit die Gegenwart. Doch wie steht es mit unseren Träumen aus der Zukunft und aus einem offensichtlich anderen Leben? Vielleicht sollten wir es hier auch mal mit Ockhams Rasiermesser probieren?

Fröhliche Grüsse. Euer Traumperlentaucher

2008-04-28

Die Xte Konferenz

Von traumperlentaucher @ 06:54 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Gestern fragte mich „Dreamcreator“, ob ich an Außerirdische glaube und ob ich schon etwas von sogenannten X-Konferenzen geträumt...äh...gehört hätte.
Um es gerade vorweg zu nehmen: ich war noch nie bei einer X-Konferenz aber schon bei der Xten Konferenz. Allerdings ging es dabei nicht um UFO’s, doch manche Teilnehmer kamen mir wie Außerirdische vor.
Aber ich habe bereits einige „UFO’s“ gestartet: Darunter zwei Solarballone – im Prinzip riesige schwarze Kehrichtsäcke – und kürzlich ein sogenanntes Himmelslicht. Ein kleiner Heißluftballon, dem man seine Wünsche und Träume mit auf die Reise gibt und den man im Dunkeln steigen lässt. Ein in Asien verbreiteter Brauch.
Doch zum Kern der Frage: Ja, ich glaube daran, dass Leben nicht bloß auf die Erde beschränkt ist. Allerdings irritiert mich dabei das Fermi-Paradoxon:
Der Physiker Enrico Fermi hat sich u.a. auch mit der Wahrscheinlichkeit intelligenten Lebens in unserer Galaxie befasst und dabei festgestellt, dass wir schon längstens mit Aliens in Kontakt sein müssten, würden andere intelligente Rassen unsere Galaxie bevölkern.
Die Lösungsansätze reichen von „sie sind schon längstens unter uns“ über „sie wollen nichts mit uns zu tun haben“ bis zu „wir sind selbst die Aliens.“
Als Träumer bin ich offen für alles Mögliche und Unmögliche, als SF-Fan sowieso Aliens zugeneigt und als Hobby-Astronom fasziniert von den Wundern des Universums.
Ich erzähle euch hier mal meine Lieblingstheorie, sie vereinigt die oben beschriebenen Varianten:
Ich denke, wir sind die Nachfahren von galaktischen Verbrechern, die man auf einem Gefängnisplaneten – der Erde – ausgesetzt hat. Anders kann ich mir unsere Gesellschaft kaum erklären.
Vermutlich gibt es da oben noch irgendwo eine Orbitalstation, die auf uns aufpasst – daher die paar UFO’s. Ab und zu kommt eine Klasse auf ihrer galaktischen Schulreise zu der Station um sich an uns ein abschreckendes Beispiel zu nehmen und in gewissen Abständen werden „Stichproben“ genommen, das heißt, einige von uns in UFO’s entführt.
Aber vielleicht hat man uns auch schon längst vergessen und nur ein paar Verrückte verbringen noch ihren Abenteuerurlaub auf unserem abgelegenen Planeten.
Allerdings gibt es noch eine andere Erklärung für das Fermi-Paradoxon und obschon ich die nicht mag: sie ist leider schwer zu widerlegen, wie der „Maulwurf“ kürzlich meinte. Es ist die Olduvai-Theorie, die besagt, dass eine intelligente Zivilisation nur für sehr kurze Zeit eine industrielle Gesellschaft aufrechterhalten kann und dabei nur einen einzigen Versuch hat.
Ich vermute, dass diese Zeit nicht reicht, den definitiven Sprung ins All zu schaffen, zumal uns die Evolution noch ein paar „Hindernisse“ eingebaut hat.
Der Astrophysiker Stephen Hawking meint, dass Aliens sehr wohl existieren würden, dass sie aber dumm seien und wir deshalb keinen Kontakt hätten. So gesehen, befänden wir uns in bester Gesellschaft.

Eine un-ver-rückte Woche und schaut doch mal nachts in den Sternenhimmel. Es ist, neben unseren Träumen, eine einzigartige Möglichkeit in die ferne Vergangenheit zu blicken. Euer Traumperlentaucher

PS. „Contact“ mit Jodie Foster in der Hauptrolle, nach dem gleichnamigen Roman von Carl Sagan, gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Einerseits wegen dem Anfang und andererseits wegen seinem Ende. Und natürlich auch wegen seiner philosophischen Dimension.

2008-04-27

Selbstversteher

Von traumperlentaucher @ 08:20 [ Träume ]


Vom Himmel hingen Stalaktiten aus Saphir, vom Boden reckten sich ihnen Stalagmiten aus Jade entgegen. Dort wo sie sich fast berührten, brannten Elmsfeuer an den Spitzen. Wir standen auf den Zinnen einer Burg und sahen über das eigenartige Land.
„Es sind keine Saphire“, las der Gesichtslose in meinen Gedanken, „und es sind auch keine Jadespitzen, die ihnen entgegenragen. Was du siehst, ist das Blau des Himmels, das zwischen den Kronen der Zypressen den Boden berührt.“
Mein Gesichtsfeld veränderte sich und ich fühlte ein unbekanntes Ziehen in den Augen. Dann verwandelte sich die Illusion tatsächlich in einen Zypressenwald auf dem nächsten Hügel.
„Was man sieht, hängt davon ab, wie man sieht“, meinte der Gesichtslose und kramte in seinem Kettenhemd nach Zigaretten. Ich staunte, denn unsere Rüstungen besaßen keine Taschen. Trotzdem zog er eine zerdrückte Packung hervor und steckte sich eine Reihe Glimmstängel in den unsichtbaren Mund. Noch bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er fort:
„Wir sehen, was wir sehen wollen, wir hören was wir hören wollen und wir glauben, was wir glauben wollen.“
„Ja, ich weiß, das hast du mir schon etliche Male gesagt. Doch das betrifft die Außenwelt. Blicken wir nach innen, kommt die Wahrheit schnell ans Licht.“
Er hustete wie ein kranker Kanarienvogel und sein Kettenhemd klirrte dabei gefährlich. Zwei Zigaretten fielen ihm aus dem Mund in den Burggraben, wo zischend ihr Zigarettenleben verlöschte.
„Wie so oft gehst du irr. Nur wenige haben einen ungetrübten Blick nach innen und keiner versteht sich selbst.“
Ich fürchtete, er würde in den Burggraben stürzen, wenn ich ihn noch mehr aufregte. So zuckte ich bloß die Schultern. Ein verdammt schwieriges Unterfangen in unserer Kleidung.
Aber es hatte ihn gepackt und er zog wie verrückt an den verbliebenen drei Zigaretten. Verblüfft bemerkte ich, dass dort Rauch austrat, wo ich seine Ohren vermutete.
„Es gibt keinen einzigen Selbstversteher. Zwar gibt es angeblich Frauenversteher, Bilderversteher, Pferdeversteher und sogar Traumversteher, aber einem wirklichen Selbstversteher bin ich noch nie begegnet.“
„Wieso?“, fragte ich blöderweise und ich hätte mich im gleichen Moment ohrfeigen können.
Sein Hustenanfall klang wie eine Mörsersalve und die drei Zigaretten zischten aus seinem Mund wie Silvesterraketen. Ich schaute ihnen fasziniert nach und sah wie sie drüben in den Zypressen einschlugen. Diese begannen sofort lichterloh zu brennen. Unten wurde die Zugbrücke heruntergelassen und drei Knappen stürmten mit hölzernen Eimern Richtung Hügel.
Als sich der Gesichtslose wieder beruhigt hatte, dröhnte er:
„Es gibt natürlich auch noch Nixversteher und du scheinst zu dieser Gattung zu gehören.“
„Ja, das war schon in der Schule der Fall.“
„Sich selbst zu verstehen ist unmöglich. Der Mensch ist einfach zu kompliziert und besteht vordergründig, abgesehen von der Hardware, aus der Summe seiner Erinnerungen, seiner Träume und seiner Ängste. Doch die sind alle drei zum großen Teil falsch. In Wirklichkeit besteht er vorwiegend aus seinen Vergangenheiten und seinen Zukünften.“
Er brabbelte noch einen Haufen sinnloses Zeugs, wie man es etwa in Spammails lesen kann und schlurfte dann klirrend zum Hauptturm. Ich sah noch, wie die Knappen ihr Wasser in die Zypressen schleuderten – es wirkte wie Benzin – dann wachte ich auf.
Doch einige Augenblicke später driftete ich zurück in meinen Traum. Der Gesichtslose kam aus dem Hauptturm zurück und steckte sich eine neue Phalanx Zigaretten in den Mund. Die Zypressen drüben auf dem Hügel verlöschten wie von selbst.
„Weißt du“, sagte er ganz ruhig, „Selbstbeobachtung, Selbstbewusstsein, Selbstreflexion, und natürlich Selbsterkenntnis sind zwar Voraussetzung um sich selbst verstehen zu können. Doch wird es nie gelingen, sich ganz zu verstehen - ich meine bis zu den Wurzeln. Denn dazu müsstest du wissen, woher du kommst, wohin du gehst und wer du wirklich ist. Aber das kannst du nur drüben erfahren...“
„Drüben? Du meinst im Traum? Aber da sind wir doch!“
Er schüttelte den Kopf und wechselte abrupt das Thema:
„Ich habe vorhin im Turm den Schalter von 'Invers' wieder auf 'Normal' gestellt. Sonst brennt uns noch der gesamte Wald ab.
Mir rauchte der Kopf und ich wachte endgültig auf.

Genießt den Sonntag ohne Stress, die nächste Woche wartete schon auf euch - gleich um die Ecke. Euer Traumperlentaucher

2008-04-25

Ein Jahr wie ein Schlauch

Von traumperlentaucher @ 11:07 [ Begegnungen ]


„Die Jahre werden immer kürzer“, bemerkte Armin, als ich ihn wieder im Sanatorium besuchte. „Das siehst du sicher auch?“
„Mich dünken alle gleich“, entgegnete ich, „ich sehe keinen Unterschied.“
„Siehst du sie denn nicht, wie sie auf dich zukommen und schaust du ihnen nicht nach, wenn sie in der Vergangenheit verschwinden? Lässt du sie einfach unbesehen vorüberziehen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Jahre sind doch unsichtbar, nur den Inhalt kann man wahrnehmen.“
„Da irrst du dich. Ich sehe die Jahre, sie sind in der Regel hellgrün oder hellblau und leicht verschwommen und ziehen einen langen Schweif aus feinem Staub nach sich. Früher, in meiner Jugend waren die Farben noch frischer und die Jahre deutlicher. Auch die Töne waren anders. Wenn sie kommen, hörst du einen hellen Glockenklang, wenn sie gehen einen leisen Trommelwirbel.“
Jetzt ist er total vertrottelt, dachte ich. Kein Wunder, dass sie ihn hier behalten.
„Sie werden immer schneller und ihre Farbe wechselt. Das letzte Jahr war gelbstichig, das nächste sieht ziemlich rot aus. Auch der Ton hat sich geändert. Er ist eindringlicher geworden, der Rhythmus der Glocken und Trommeln schneller.“
„Und das laufende, 2008? Wie sieht das aus?“
„Ich weiß nicht.“ Armin wirkte plötzlich verwirrt. „Ich kann sie nur kommen und gehen sehen. Wenn ich drin stecke, kommen sie mir vor wie ein langer Schlauch, gefüllt mit Worten, Bildern und seltsamen Gestalten. Du kannst weder rückwärts gehen noch seitlich ausbrechen. Die Wände sind wie aus Gummi.“
Ich überlegte mir, ob ich nicht mit der Direktorin sprechen sollte, Armin wurde bei jedem Besuch immer eigenartiger. Doch dann erinnerte ich mich an mein letztes Gespräch mit ihr und mein Wunsch, ihr zu begegnen, verschwand schlagartig. Doch was konnte ich für meinen Freund tun?
„Hast du deine Pillen genommen, Armin?“
Er grinste. „Nein, ich lege sie jetzt ein. Dann schmecken sie wesentlich besser.“
„Du legst sie ein?“
Er zog eine Flasche hinter seinem Bett hervor. Der Bodensatz der trüben Flüssigkeit bestand aus lauter Pillen. Als er die Flasche schüttelte, stoben sie wie aufgeregte Hühner auseinander.
„Willst du einen Schluck? Ich nenne ihn Smarties-Schnaps.“

Ein wunderbares Wochenende aus zartem Frühlingsgrün und Vogelgezwitscher. Euer Traumperlentaucher.

PS. Konnte Armin überreden, mir die Flasche mitzugeben und den Apotheker dazu, sie zu entsorgen. Habe ihm dafür eine Packung Aspirin abgekauft. Brauchte sie dringend.

2008-04-24

Liebet eure Feinde

Von traumperlentaucher @ 21:00 [ Erinnerungen ]


Es gibt nichts Ehrlicheres als eine gute Feindschaft. Feinde lügen einem nicht an, sie schleudern einem ihre Gedanken offen ins Gesicht. Auf Freunde kann man sich vielleicht im entscheidenden Augenblick nicht verlassen, auf Feinde jedoch immer.
Man weiß, sie werden einem ein Messer in den Rücken stoßen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die Verhältnisse sind klar und übersichtlich.
So wie zwischen Freunden feine Fäden gesponnen sind und eine emotionale Bindung herrscht, so sind auch Feinde miteinander verbunden, auch wenn sie das nicht wollen und nicht mögen. Der eine kann nicht ohne den anderen sein.
Außerdem sind Feinde oft treuer als Freunde.
Bei einer Scheidung oder einem Arbeitswechsel, oder wenn man etwas ausgefressen hat, verschwinden viele Freunde plötzlich im Nirwana oder mutieren zu wildfremden Menschen, Feinde freuen sich und bleiben.
Feinden kann man vertrauen. Sie machen einem nichts vor. Sie heucheln nicht, dass sie uns mögen und sie schenken uns nichts.
Feinde hatte ich bisher nicht viele. Eigentlich nur einen, aber dafür ein besonders anstrengendes Exemplar. Er hasste mich, ich hasste ihn. Wir vertrugen uns nicht, waren wie Hund und Katze. Und wir konnten uns auf unsere Gefühle verlassen. Es war eben eine Vertrauenssituation. Und ihr wisst wie das ist: Vertrauen aufzubauen braucht Jahre, aber es genügt ein einziger Augenblick um es zu zerstören. Das gilt für alle Arten zwischenmenschlicher Beziehungen: in der Liebe, bei Freundschaften und beim Geschäft. Und natürlich auch bei einer richtigen Feindschaft.
Doch dann, ich weiß nicht mehr, wie es gekommen ist, gewöhnten wir uns an, ab und zu ein Gläschen miteinander zu trinken. Wir pflegten unsere Feindschaft und gaben uns dabei redlich Mühe. Mit der Zeit sprachen wir über alles, was uns beschäftigte, ja, wir schütteten einander unsere Herzen aus. Und dann, ohne dass wir es bemerkten, geschah das Unglaubliche: Die Feindschaft wurde plötzlich zur Freundschaft.
Es war das Beste, was uns passieren konnte.

Übrigens...ward ihr schon Reis kaufen? Euer Traumperlentaucher

2008-04-23

Gipfelgedanken

Von traumperlentaucher @ 07:33 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Der Stress im Arbeitsleben nimmt dramatisch zu und die Menschen leiden immer mehr unter psychischen Störungen, wie man allenthalben lesen kann. Gespräche im Bekanntenkreis bestätigen diesen Trend. Burnouts und Depressionen verbreiten sich wie die Masern.
Auch Spiegel Online befasste sich gestern mit diesem Thema. Es würden dadurch Milliardenschäden in Unternehmen entstehen, jammerte der Schreiber. Dabei sei doch Stressresistenz laut Psychologen erlernbar.
Ein weiteres Zeichen dafür, in welche Richtung sich unsere Welt bewegt. Die Sorge gilt in erster Linie den Moneten und nicht den Menschen. Um letztere kümmern sich die Betriebspsychologen und die Kameraüberwachung.
Das sogenannte Humankapital wird bis zum Letzten ausgepresst. Dieser Letzte löscht dann das Licht, bevor der Betrieb wiederum in ein scheinbar billigeres Land ausgelagert wird.
Ist das nicht Fortschritt! Der Schritt von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft, den uns die Priester des ewigen Wachstums versprochen haben?

Wie ist es dazu gekommen? Wieso werden wir immer mehr gestresst, gemobbt und überwacht? Wieso reicht ein einziger Job nicht mehr? Wieso reicht die Zeit nicht mehr zum Leben?
Dabei geht es uns doch gut. Soviele Fernsehkanäle hatten wir noch nie. Die Bildschirme werden immer grösser, die Klingeltöne immer mehr. Wir brauchen nicht mehr zu kochen – Convenience-Food sei Dank. Auch die Autos sind bequemer und stärker als früher. Das Internet bietet uns allen ein virtuelles Leben. Den Urlaub verbringen wir auf einer fernen Insel oder bilden uns mit Reisen. Was wollen wir noch mehr?

Trotzdem läuft da etwas gewaltig schief, das spüren wir, sofern wir nicht gerade zu den Reichen und Schönen gehören. Und das sehen wir, wenn wir die Augen nicht verschließen.
Was ist passiert? Haben wir uns verlaufen? Hat uns der Pfad der Globalisierung in die Irre geführt? Der Neoliberale Hyperkapitalismus zum Narren gehalten?

Abgesehen davon, dass wir uns dauernd zum Narren halten lassen, das Problem ist einfach:
Wir haben den Zenit überschritten. Peak Mensch. Die Kurve wird in einigen Bereichen noch etwas überschwingen, uns noch ein paar Illusionen bescheren, doch unser Weg führt nach unten, der Gipfel liegt bereits hinter uns.
Was bleibt, sind unsere Erinnerungen an die berauschende Höhenluft, an eine euphorische Zeit des Aufstiegs in der alles machbar und möglich schien, an die entzückende Aussicht vom höchsten Punkt. Wir dachten damals, es ginge noch weiter, immer höher und wir haben in unserem Rausch nicht bemerkt, wie schwierig und gefährlich der Abstieg sein wird. Wir haben den schmalen Weg nahe dem Abgrund übersehen und wir haben auch nicht bemerkt, was vor uns im Tal liegt.
Was uns auch noch bleibt, sind unsere Träume
Passen wir auf, dass wir sie nicht verlieren! Euer Traumperlentaucher

2008-04-22

Traumwandler

Von traumperlentaucher @ 07:24 [ Träume ]

Wenn Ihr Eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen.
Jean Paul Sartre


Das gilt nicht nur für die Wirklichkeit, sondern auch für unsere Träume. Sie sind mehr als Kopfkino, das unser Gehirn erfindet, damit uns im Schlaf nicht langweilig wird, mehr als eine Karikatur unseres Lebens. Es lohnt sich, auf unsere Träume zu achten und sie zu ergründen.
Traumdeutung kann eine Möglichkeit sein, doch Träume richten sich nicht immer nach Rezepten, die andere erfinden, bzw. zu finden glauben. Was können Außenstehende schon über unsere Träume wissen, ohne unsere Wirklichkeit zu kennen?
Träume, so scheint uns, verarbeiten diese alltägliche Wirklichkeit: Probleme, die uns beschäftigen, oder auch nicht, weil wir sie unbewusst verdrängen, Erlebnisse, die unser Leben prägen.
Doch Träume können noch viel mehr:
Träume können uns Wünsche offenbaren, die wir nicht zu wünschen wagen. Träume können uns beraten, sie können uns sagen, was wir tun und lassen sollen. Sie können Dinge aus der Vergangenheit holen, die wir schon längst vergessen haben und sie können auch weit in die Zukunft blicken.
Natürlich sind sie auch Wächter unseres Schlafs. Sie wecken uns mit drängenden Bildern, wenn die Atmung flach wird, aussetzt und nicht wieder anspringen will, sie wecken uns, wenn Gefahr droht.

Vielen sind Träume lästig. Schon der Schlaf ist uns Gestressten eine unwillkommene Unterbrechung unseres überfüllten Lebens. Da haben Träume nichts zu suchen.
Dabei ist Schlaf nicht eine Voraussetzung zum Träumen. Wer den Trick herausgefunden hat, kann auch tagsüber ohne einzuschlafen die Tür in jenseitige Welten aufstoßen und das Labyrinth der Träume betreten. Er wird dann erkennen, dass unsere Träume immer da sind und uns überallhin begleiten. Und schliesslich wird er zu einem Traumwandler.

Für Außenstehende meistens kein wünschenswerter Zustand. Er mache das Leben schwer, heißt es.

Auch wenn’s heute trüb ist: Regen bedeutet Leben und er erleichtert dem Bürolisten die Arbeit. Euer Traumregentaucher

2008-04-21

Der Pokalsänger

Von traumperlentaucher @ 07:37 [ Begegnungen ]


“In dieser Kneipe war ich auch schon”, eröffnete mir gestern Armin, als ich ihn im Sanatorium besuchte und von meinem Traum erzählte.
„Du warst in meinem Traum?“
„Es ist nicht dein Traum. Träume kann man nicht besitzen. Sie scheinen zwar zu den intimsten Dingen des Lebens zu gehören, doch das ist ein Irrtum. Die Türen sind offen, man braucht sie bloß zu finden.“
Ich war baff, so hatte ich das noch nie gesehen. Ausgerechnet Armin, der erst im Sanatorium angefangen hatte, bewusst zu träumen, machte mich auf diesen Umstand aufmerksam. Vielleicht, so dachte ich, sollte ich wieder mal einen Aufenthalt in diesem Etablissement in Betracht ziehen.
„Was hast du denn in meinem..., ich meine in diesem Traum gemacht?“, wollte ich wissen.
„Ich war Pokalsänger.“
„Pokalsänger?“
„Ja, ein anstrengender Beruf. Man zieht von Kneipe zu Kneipe und singt mit dem jeweiligen Pokal um die Wette.“
Kein Wunder, dass sich Armins Sanatorium-Aufenthalt in die Länge zog. Andererseits ist in Träumen alles möglich.
„Jede Kneipe besitzt einen Singpokal, einen großen Becher aus Messing, meistens mit Grünspan überzogen und unansehnlich“, klärte mich Armin auf. „Doch in diesen Singpokalen sind die Lieder von Generationen gespeichert.“
„Aha, also vermutlich ein MP3-Player im Retrolook.“
Armin sah mich indigniert an.
„Pokalsänger singen mit dem Pokal um die Wette. Sind sie gut genug, wird ihr Lied aufgenommen und gehört fortan zum Repertoire des Pokals.“
„Also etwas ähnliches wie Karaoke?“
Armin schüttelte betrübt den Kopf. In diesem Augenblick bemerkte ich, dass seine Haare grau geworden waren. Ob das von den Pillen kam, die sie ihm verabreichten? Oder vom Pokalsingen?
Ich beschloss, bei meinem nächsten Besuch in der Traumkneipe nach dem Singpokal zu fragen. Allerdings kann ich noch schlechter singen als Armin.

Vermutlich gab es den meisten Kram schon früher, nur hieß er damals anders. Kürzlich wollte ich ein Tonband kaufen, doch keine Seele und kein Internetshop wusste, was das ist.
Frohes Frühlingserwachen. Euer Traumperlentaucher

2008-04-20

Verbotene Frage

Von traumperlentaucher @ 11:10 [ Träume ]


Hatte ich kürzlich Traumkneipe gesagt? Kaum erwähne ich etwas in meinem Blog, träume ich davon!
„Meiner hat sieben Auspuffrohre, jedes so groß wie ein Armleuchter“, polterte der Schwarzbehutete mit der roten Nase vis-à-vis.
„Das ist doch gar nichts“, konterte der kleine Wicht mit den Flügelohren zu meiner Rechten, „meine Nieder-Nieder-Querschnittpneus sind so nieder, dass man nicht einmal ein Stück Gummi sieht.“
Der Dritte, der sich bisher zurückgehalten hatte und dessen Schädel durchsichtig war, meldete sich unvermittelt zu Wort. In seinem Hirn brodelte es.
„Meiner braucht hundert Liter Wasser pro Werg. Dabei ist es noch nicht einmal versponnen.“
Es gab keine Automobile in diesem Traum, das wusste ich ganz genau. Vermutlich redeten die Drei über ihre Webstühle.
„Weiß einer von euch vielleicht wo das Tal der Träume liegt?“, wagte ich endlich zu fragen.
In der Kneippe wurde es schlagartig totenstill und die Nacht draußen wurde noch schwärzer als sie schon war. Ja, es schien, als würde diese Schwärze durch die Ritzen der schrägen Fenster dringen um die ungehobelten Tische wie mit Pech zu überziehen.
„So etwas gibt es nicht“, murmelte der mit dem durchsichtigen Schädel in die Stille hinein.
In seinem Hirn pulsierte nervös eine Riesensynapse.
Der Flügelohrenwicht hüstelte. „Sie sollten dieses Wort unbedingt vermeiden.“
Auch der Schwarzbehutete siezte mich plötzlich:
„Sie sollten vorsichtig sein, sehr vorsichtig.“
In welches Wespennest hatte ich hier gestochen? Nur langsam kehrte der Kneipenlärm wieder auf den normalen Pegel zurück und die pechschwarze Nacht zog sich wieder dorthin zurück, wo sie hingehörte: nach draußen. Nur die Flammen der Kerzen auf den Tischen zitterten noch ein wenig.
Es gibt Dinge, nach denen man nicht fragen darf, nicht einmal im Traum und besonders nicht in einer ver-rückten Welt.
Gerne wäre ich noch geblieben, hätte den verschrobenen Gesprächen gelauscht und die besondere Atmosphäre geatmet, doch leider wachte ich in diesem Augenblick auf. Tizian, der Kater mit den vier linken Pfoten kratzte an der Balkontür. Vermutlich hatte ich ihn am Abend ausgesperrt.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Frühlingssonntag. Euer Traumperlentaucher.

2008-04-18

Der letzte Traum

Von traumperlentaucher @ 17:17 [ Träume ]


„Irgendwann, irgendwo träumt jemand den letzten Traum.“
„Vielleicht der letzte Mensch, kurz vor seinem Tod?“, fragte ich meinen Begleiter. Wie so oft waren wir am Ufer des Flusses unterwegs. Es lag eine undurchdringliche Nebelbank über dem Wasser und ab und zu waren daraus Ruderschläge zu vernehmen.
„Nein, in diesem Sinne gibt es keinen letzten und keinen ersten, da die Zeit im Labyrinth der Träume nicht in den strengen Bahnen der Wirlichkeit verläuft. Ich meine den Traum der Träume.“
Der Gesichtslose paffte drei Zigaretten gleichzeitig und blies den Rauch genüsslich in Richtung Ufer. Ob die Nebelbank etwa...
„...es ist der letzte, weil du danach keinen anderen mehr träumen kannst. Denn dann bist du am Ziel, du trittst ein in das Tal der Träume.“
„Woher willst du wissen, dass es diesen ‚letzten’ Traum, dass es dieses Tal gibt?“
„Es muss ihn geben, sonst würde Träumen keinen Sinn machen.“
Ein seltsames Argument fand ich. Aber da war ich bereits aufgewacht.
Kürzlich hat mir jemand gesagt: „Gott existiert, denn ohne ihn würde das Leben keinen Sinn machen. Aber das war in der Wirklichkeit.
Ich habe mir vorgenommen, nach diesem Traum der Träume zu forschen. Ich werde mich auf den Märkten und in den Kneipen herumhören, drüben im Land der Träume. Vielleicht finde ich seine Spur.

Namaste. Euer Traumperlentaucher

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