2008-03-31

Ich bin du und du bist ich

Von traumperlentaucher @ 07:35 [ Träume ]


Er trug einen wilden Bart, machte ein grimmiges Gesicht und hatte einen dicken Knüppel in der Hand. Sein Blick war intensiv.
„Kennen wir uns?“, entfuhr es mir.
Er grinste. „Ich bin du und du bist ich.“
„Ich erinnere mich nicht, dass ich jemals so ausgesehen habe.“
„Vielleicht liegt das daran, dass es damals noch keine Spiegel gab. Denke doch mal ein paar Leben zurück.“ Er schlug wie beiläufig nach einem Kaninchen, das vorbeihüpfte und machte es platt.
„Soweit kann ich mich nicht erinnern, schon innerhalb meines jetzigen Lebens habe ich die größte Mühe, nicht zu vergessen.“
„Aber mich solltest du doch spüren“, zwitscherte die aufgetakelte Femme Fatale, die aus dem Nichts erschien und zu uns trat. Nicht gerade meine bevorzugte Art Frauenzimmer, trotzdem fühlte ich mich mit ihr seltsam verbunden.
„Auch ich bin du und du bist ich“, turtelte sie.
„Dann gehörst auch du zu meinen Vorfahren?“, fragte ich, obwohl ich mir das ganz und gar nicht vorstellen konnte.
„Nicht zu den Vorfahren“, bemerkte ein Mann, neben mir. Ich drehte mich erstaunt um. Den Priester mit dem grimmigen Gesicht und dem spanische Akzent hatte ich noch gar nicht wahrgenommen. Er hatte etwas von einem Inquisitor.
„Wir sind viele“, sagte die Frau.
„Wir waren alle du“, ergänzte der Barbar.
Waren die drei seltsamen Besucher tatsächlich Verkörperungen meiner Seele aus früheren Leben? Ein irrwitziger Gedanke.
Noch als ich aufwachte hallte es wie ein Echo aus meinem Innern: „Wir sind du und du bist ich.“
„Wir sind viele“, hatte sie gesagt. Ich werde in meinen Träumen nach den anderen suchen.

Wenn ihr einen guten Rat braucht, dann fragt euch selbst. Euer Traumperlentaucher.

2008-03-30

Stachelige Perlen

Von traumperlentaucher @ 11:40 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Natürlich kann keine Zeitung titeln:
„Sarko, der falsche Zwerg, ist mit seiner als Schneewittchen getarnten Femme fatale bei der Queen“, oder „Merkel kriecht Bush schon wieder in den Arsch“, das wäre Majestätsbeleidigung. Auch: „Der Staat ist pleite, unser Finanzsystem am Ende, holt euch sofort euer Geld von der Bank", geht nicht. Diese Zeitung würde vermutlich wegen Verrats eines Staatsgeheimnisses geschlossen. In Deutschland ist dabei noch viel mehr tabu als hier in der Schweiz, da wegen dem Gröfaz viele Wörter und Sprüche zu Unwörtern, bzw. Unsprüchen geworden sind. Die deutsche Sprache ist ein Minenfeld.
Im Internet dagegen, 'geht' schon mehr. Was aber nicht heißt, dass der Wahrheitsgehalt größer ist. Es wird genauso abgeschrieben, gelogen und zurechtgebogen.
Beispiel gefällig?
„Trotz der wenig überzeugenden Zahlen hat SBB-Chef Andreas Meyer einen «Rekord-Salär» erhalten, nämlich 1,3 Milliarden Franken, so die Zeitung. Das ist mehr als doppelt soviel wie Vorgänger Benedikt Weibel, der 600'000 Franken bezog,
stand im Cash zu lesen.
Aber wozu sollte der Journalist einer Finanzzeitung auch rechnen können, abschreiben genügt.
Dafür macht der Cash immer wieder Interviews. Das meiste zwar Schönrederei, aber ab und zu findet man eine Perle: So zum Beispiel Professor Wittmann zur Finanzkrise (rechts unten im Archiv zu finden! ließ sich leider nicht direkt adressieren) Der alte Herr nimmt kein Blatt vor den Mund und redet Tacheles. So sagt er, dass die UBS durchaus den Bach runter gehen könne. Aber er sagt auch, dass der Staat kein Geld in marode Banken pumpen soll...wegen den schlimmen Konsequenzen für das Finanzsystem...außer ausgerechnet jetzt: Die Krise sei nämlich so schlimm, dass der Staat keine Wahl habe und eingreifen müsse. Aber das hat uns Joe Ackermann bereits erklärt.
Es gibt noch andere, die Tacheles reden. Dr. Daniele Ganser, ein junger Historiker ist so einer (Nein, der Mann ist keine Daniela, bloß Tessiner). Er schneidet tief ins Fleisch des Patienten. Offenbar wurde der bisher noch nicht gesponsert ;-) Er greift Themen auf, die die Zeitungen scheuen wie ein Minenfeld. Erstaunlich, dass er damit in die Glotze kam.
Aber man findet auch noch andere Perlen in der Tiefe des Internets:
Hier singt ein bulgarischer Superstar angeblich auf Englisch ;-)

Einen schönen Sonntag und guten Wochenstart. Euer Traumperlentaucher

2008-03-29

Spinatrezept

Von traumperlentaucher @ 10:12 [ Traum Rezepte ]


"Manchmal denke ich, der beste Beweis dafür, dass es anderswo im Universum intelligentes Leben gibt, ist der, dass noch keiner versucht hat, Kontakt mit uns aufzunehmen."
-- Calvin alias Bill Watterson --

Ich liebe Spinat und möchte euch heute mein Spezialrezept verraten:

1. Man (es kann auch Frau sein) kaufe Spinat. Möglichst in Dosen, das ist der beste. Frau achte auf das Zeichen *Freiland*, dann ist er Bio. Dosenspinat ist auch extrem lange haltbar und sein Eisengehalt steigt mit der Alterung.

2. Mann lasse Frau eine Zwiebel in lustige Ringe schneiden (Frauen können schöner weinen) und gebe diese (nicht die Frau!) mit etwas altem Öl aus der Friteuse in eine Kasserolle. Die Ölqualität spielt, entgegen landläufiger Meinung, keine Rolle.

3. Mann trinke ein Bier oder zwei, während die Ziebeln schön anbraten. Schwarz müssen sie sein, dann schmecken sie am stärksten. Ich nenne sie deshalb auch Teufelsringe.

4. Nun nehme man etwas saure Milch und lösche damit die Teufelsringe. Achtung: es zischt. Wer gerade keine Sauermilch hat, kann auch gewöhnliche Milch nehmen und eine gepiercte Zitrone darin baden.

5. Nun gebe man den Spinat direkt aus der Dose dazu und rühre mit links. Rechts brauchen wir später.

6. Zwischenzeitlich werden mit der groben Raspel alte Salzbrezel oder vertrocknete Laugenbrötchen geraspelt. Wer gerade keine hat, kann sich auch mit altem Brot behelfen und es kräftig versalzen.

7. Noch ein bisschen Schnittlauch oder Bärlauch oder auch gewöhnlichen Lauch über das Geraspelte und dann, bevor der Spinat am Kasserollenboden festbrennt, rasch dazu geben.

8. Bevor wir nun zum entscheidenden Schritt kommen, noch etwas Tabasco auf die ganze Chose und mit Bier abschmecken. Alternativ kann man es auch trinken, eine hedonistische Vorgehensweise.

9. Und jetzt der entscheidende Schritt, der den Spinat so lecker macht und einem geradezu süchtig danach werden lässt:
Kurz vor dem Servieren ersetze man den Spinat durch feine Penne mit einem saftigen Steak. Guten Appetit.

Alles ganz nach dem Motto: Wenn du nicht mit Können beeindrucken kannst, den verwirre mit Schwachsinn. Euer Taumperlentaucher

PS. Katzen mögen keinen Spinat und von Zwiebeln wird ihnen schlecht - also weg damit!

PPS. Kleiner Zusatztipp: Wenn du vor dem Kochen einen Spritzer Abwaschmittel in die Pfanne gibst, brennt nichts an!

2008-03-28

Schwarz auf Weiss

Von traumperlentaucher @ 09:23 [ Gedanken & Beobachtungen ]


"Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit.
Die glaubt niemand." (Max Frisch)

Natürlich wissen wir alle, dass das, was in der Zeitung steht, entweder gelogen, abgeschrieben oder zurechtgebogen ist. Natürlich haben wir schon längst gemerkt, dass gewisse Themen gemieden werden, wie der Teufel das Weihwasser scheut. Und selbstverständlich kennen wir all die Floskeln und Redewendungen mit denen die Zeitungen gefüllt werden um den Informationsgehalt zu minimieren. Wir brauchen nicht die ganze Weltwoche zu lesen um zu wissen, wie weit rechts das Blatt steht und wir müssen den Spiegel nicht mehr am Kiosk kaufen um festzustellen, dass er eigentlich ein Sprachrohr der USA und seiner engsten Vasallen ist. Ebenso ist den meisten klar, dass der Tagi links steht und die WOZ noch mehr links vom Tagi. Nur beim Blick ist es auf den ersten Blick nicht klar. Wie eine Wetterfahne flattert er in der Zeitungslandschaft umher und kämpft verzweifelt in der untersten Schublade gegen die Gratiszeitungen. Aber wer liest schon diesen Mist?

Doch stellt euch einmal vor, ihr wärt Journalist.
Stellt euch vor, ihr müsst jeden Tag pünktlich euer Geschreibsel abliefern. Nicht das, was euch so einfällt, das darf nur ein Blogger, sondern das, was euer Chefredakteur befiehlt.
Da bleibt keine Zeit und kein Platz für investigativen Journalismus. Ja, es bleibt nicht einmal Zeit für ein vernünftiges Mittagessen. Es sei denn, ihr wärt bei einer Firma zur Präsentation eines neuen Produkts oder des Geschäftsabschlusses eingeladen und bekommt zum Dessert die Vorlage für euren Bericht serviert – vorgekaut und pfannenfertig.
Stellt euch vor, ihr müsst täglich aufpassen, dass ihr nicht in tausend Fettnäpfchen tretet. Da ist die Baufirma XY, die zwar eine Riesenschweinerei gebaut hat, aber deren Chef ist ein Kollege von YX und der ist erstens Richter und zweitens ein Parteifreund des Chefredakteurs. Zudem ist er mit XX befreundet, der immer wieder seine blödsinnigen aber einträglichen Inserate in eurer Zeitung schaltet.

Aber nehmen wir doch ein konkretes Beispiel: Euer Chef erteilt euch beim morgendlichen Briefing den Auftrag, einen Artikel über den Traumperlentaucher zu schreiben. Das kommt euch zwar spanisch vor, denn dieser Traumperlentaucher hat noch nie ein Inserat aufgegeben, ist weder in der Partei des Chefs, noch ein Golfkollege.
Ihr googelt also etwas herum und da ihr nicht schlauer werdet, greift ihr zum Telefon und versucht den Kerl fernmündlich zu interviewen. Das ist am bequemsten, so müsst ihr euren Hintern nicht aus der warmen Schreibstube bewegen. Der Traumperlentaucher erzählt euch wirres Zeug von Träumen und Gesichtslosen und einem gewissen Armin und ihr schaut nebenher im Telefonverzeichnis nach, ob ihr nicht etwa die Nummer der Klapsmühle erwischt habt.
Wenn ihr jetzt könntet wie ihr wolltet, so würdet ihr schreiben:
Traumperlentaucher ist ein Spinner und schreibt wirres Zeug, das kein Schwein liest, geschweige denn interessiert. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, ist er vermutlich aus einem Sanatorium für Geistlose entwichen. Ein Nachbar, dessen Name der Redaktion bekannt ist, hat ihn schon tagsüber spazieren gesehen, ein absolut unübliches Verhalten, das nur den Schluss zulässt, dass es sich hier um einen potentiellen IV-Betrüger, einen Arbeitsscheuen oder den Priester einer Sekte handelt. Wie aus der Polizei nahe stehenden Kreisen zu erfahren war, steht er jedoch unter Beobachtung, so dass eine Gefährdung der Allgemeinheit ausgeschlossen werden kann.
Ihr haut auf die Tasten, dass es dem Computer Angst und Bange wird. Endlich könnt ihr die Sau...bzw. eure Meinung rauslassen. Doch Halt!
Ihr könnt nicht, wie ihr wollt.
Wenn jetzt dieser Traumperlentaucher entgegen euren Googeleien doch irgendwelche Beziehungen hat?
Ihr drückt die Delete-Taste und beginnt neu:
Traumperlentaucher gehört in der heutigen Szene zu den wohl innovativsten Bloggern der Neuzeit. Nicht nur seine Texte zeugen von einem außergewöhnlichen künstlerischen Niveau, auch seine Bilder beweisen tagtäglich, dass hier ein vielversprechendes Talent am Werke ist. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahre war, wurde Traumperlentaucher bereits für den bekannten Hornuss-Preis nominiert. Professor Dummerweis vom Institut für modernde Weblogkunst bezeichnet seine Texte als „von durchdrungener Schärfe und metaphysischer Eleganz geprägt“. Wie ein nicht genannt sein wollender Blogger berichtet, sei Traumperlentaucher....blablabla...blablabla.
Und dann drückt ihr wieder die Delete-Taste und denkt: Ach scheiße, ist doch eh egal, was ich schreibe, schon übermorgen befindet sich meine Arbeit im Altpapier.

Ob Zahnstangenbettler, Strassenverschönerer, Blaupausenphysiker oder Bremsenarzt: bleibt lieber bei eurem Job und werdet nie, ich betone, niemals Journalist. Euer Traumperlentaucher

2008-03-27

Lügenbilder aus der Götzenkiste

Von traumperlentaucher @ 09:10 [ Gedanken & Beobachtungen ]


„Ich glaube nur, was ich sehe“, sagte mir vor Jahren ein Arbeitskollege. Und tatsächlich glaubte er alles was er ferngesehen hatte. Kaum zu Hause schaltete er die Kiste ein und wenn er morgens zur Arbeit ging, wieder aus. Jeden Tag berichtete er, was er ferngesehen hatte: Krieg, Mord, Totschlag und Katastrophen in den Nachrichten, ein Paralleluniversum dazwischen, gewürzt mit "wissenschaftlich" getesteten Waschmitteln und allerlei Kunstnahrung.
Kritik an seiner Götzenkiste war ein Sakrileg und Zweifel an der Illusion der Bilder Blasphemie.
Obwohl ich schon damals nur homöopathisch fernsah, fiel mir auf, dass mein Kollege wie ein Fernseher sprach – denglisch natürlich. Ich glaubte sogar, das Schnarren des Lautsprechers zu hören. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mein Arbeitskollege war nicht der Einzige. Fast alle in meiner Umgebung glaubten an das Ferngesehene. Schlimmer noch, sie glaubten nicht nur, sie kleideten sich auch so wie die Menschen im Fernsehen, sie aßen das gleiche Zeug, brauchten die gleichen Salben und Fetische wie im Fernsehen und liebten sich wahrscheinlich auch wie im Fernsehen. Und vor allem dachten sie wie im Fernsehen.
Ich bekam Angst vor dieser Kiste, die die Menschen besser manipulieren konnte als der grösste Demagoge und ich fragte mich, wie das möglich war.
Dann sah ich den Film „The Truman Show“ und ich verstand.
Ich verstand, dass das Fernsehen nichts anderes ist, als ein riesiger, weltumspannender Freizeitpark und ich verstand, wie sehr es unser Leben, unsere Gedanken und Träume verändert hat. Ich begriff, wie uns das Fernsehen verführt, manipuliert und schlussendlich zu Sklaven macht.
Wer das Fernsehen beherrscht, beherrscht die Welt. Die Amerikaner haben das als erste begriffen und sie haben diese Waffe eingesetzt um die Welt kulturell zu erobern. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso so viele MacDreck essen und ein Gebräu trinken, das so aussieht wie Scheisse und auch so schmeckt.
So traten die amerikanischen Seifenopern mit der Zeit an die Stelle unseres bisherigen, ach so langweiligen Lebens und die amerikanischen Standards ersetzten unseren Verstand. Mit etwas Verspätung erkannten auch unsere "Eliten" den Einfluss der Fernbilder und begannen den Zauber der Matrix zu nutzen.
Ich will euch nicht dazu anstiften, eure Kiste in den Müll zu werfen. Aber ich möchte euch nur raten: „Glaubt nicht was ihr seht, vor allem nicht, was ihr fernseht.“

So, jetzt hole ich mir mal eine Cola aus dem Kühlschrank. Euer Traumperlentaucher

2008-03-26

Der Gedankenautomat

Von traumperlentaucher @ 09:17 [ Begegnungen ]


Sie haben Armin aus dem Sanatorium entlassen. Aber er ist nicht weit gekommen. Keine drei Kilometer weiter geriet er in eine Polizeikontrolle.
„Sie müssen blasen“, sagte der Polizist, nachdem ihn Armin gefragt hatte, ob ihn das Sanatorium geschickt habe.
„Blas doch selber“, soll er darauf geantwortet haben und als der Polizist ihn auf den schlechten Zustand seines Wagens aufmerksam machte, sei er ausgestiegen und habe eine Beule in die Fahrertür getreten. „Gefällt’s dir so besser“, war sein Kommentar.
Polizisten mögen es gar nicht, wenn man sie duzt, obschon sie das zuweilen selbst tun. Sie haben auch keinen Sinn für skurrilen Humor. So landete Armin postwendend wieder im Sanatorium. Zudem ist er vorerst seinen Führerschein los.
Gestern habe ich ihn besucht und natürlich gefragt, was er sich dabei gedacht habe.
„Wieso hast du dich nicht einfach ruhig verhalten. Zugegeben, dein Wagen ist Schrott, aber du hattest ja nichts getrunken, oder?“
„Du hast ja keine Ahnung, was die hier einem zu trinken geben.“
„Doch, doch, ich war ja selbst für einige Tage Gast hier oben. Aber da ist kein Alkohol drin.“
„Eben“, sagte Armin und griff unter das Bett und zog eine fast leere, neutrale Flasche hervor. „Diese Mixturen kann man nicht pur trinken, man muss sie etwas verdünnen.“ Ich verstand.
„Was hast du dir nur gedacht, Armin?“, wiederholte ich vorwurfsvoll.
„Eigentlich nichts, ich hatte meinen Gedankenautomaten eingeschaltet. Das ist übrigens meine neuste Erfindung. Er erzeugt Gedanken nach dem Zufallsprinzip und erspart einem dabei viel Mühe.“
„Aha, und was erzeugt er zurzeit?“
„Ich will eigentlich nicht nach Hause.“
So zottelte ich unverrichteter Dinge wieder ab und geriet prompt drei Kilometer weiter in eine Polizeikontrolle.
„Bitte pusten sie doch mal in dieses Rohr“, sagte der Polizist mit dem Galgenvogelgesicht und grinste dabei dümmlich. Er roch nach Knoblauch.
Mein Gedankenautomat flüsterte mir zu: „Blas doch selbst.“ Aber ich dachte an Armins Flasche und blieb ruhig.

Einen wunderschönen, kontrollfreien Tag. Euer Traumperlentaucher.

2008-03-25

Das Eis unter dem Eis

Von traumperlentaucher @ 10:09 [ Träume ]


Ich ahnte es und trotzdem ging ich weiter bis es brach. Ein singendes Knirschen unter meinen Füssen kündigte den Einbruch an, Sekunden später versank ich zwischen den Eisschollen. Der Schock der plötzlichen Kälte wirbelte meine Gedanken durcheinander und öffnete schlagartig das Tor zu einer anderen Welt: dunkelflüssig, atemlos, kaltbrennend. Blasen tanzten vor meinen Augen. Trotzdem keine Panik, als wäre ich in Engelshänden, trotzdem kein Atemringen, als hätte ich vorher hyperventiliert. Rasch versank ich in der Tiefe, als hätte ich Eisen in den Schuhen. „Wieso tragen mich die Kleider nicht? Ist meine Brille wasserdicht?“ Sinnlose Gedanken auf dem Weg durch eisige Finsternis.
Hoch über mir ein heller Fleck, eine letzte Botschaft, ein verschwindendes Signal. Doch unvermittelt ist die Tauchfahrt zu Ende, meine Füsse berühren den Grund. „Wieso die Füsse, bin ich doch immer mit dem Kopf voran getaucht? Wieso schon Grund in dieser Grundlosigkeit?“ Gedanken wie Pausenclowns. „Grundeis“, flüstert mir eine Stimme zu. „Du stehst auf Grundeis.“ Ich erkenne sie sofort. Es ist der Gesichtslose. Ich atme auf. Eiswasser strömt in meine Lungen. Erfrischend herrlich, wohlig kühl. Wieso spüre ich meine Arme nicht? Und wo sind meine Beine zwischen den Füssen und den wassergefüllten Lungen? Ich atme aus und mit dem kalten Nass entweichen meine Lebensgeister. „1972“, höre ich den Gesichtslosen. „Eine Wahrscheinlichkeit, eine Alternative, eine Parallele.“ Ich weiß, was er meint. Ich wache auf, liege neben dem eingebrochenen Eis, nasskalt, grauer Himmel über mir. Was wäre wenn, denk ich noch, bevor ich zum zweiten Mal aufwache.

Die Eier! Sie müssen noch irgendwo unter dem Schnee sein! Was soll’s, Ostern ist vorbei. Der Frühling kann kommen. Euer Traumperlentaucher.

2008-03-23

Falscher Alarm

Von traumperlentaucher @ 07:36 [ Träume ]


Geräusche der Nacht schleichen sich in unsere Träume und fügen sich nahtlos in das jenseitige Geschehen. Das Murmeln des Regens wird zur Musik, der Ruf der Eule zu einer Einladung, das Trippeln der Katze zu den Huftritten eines Einhorns und das Bellen des Hundes zum fröhlichen Gelächter. Doch unser Instinkt wacht über das nächtliche Geschehen: Was ist mit diesem Gläserklirren unter dem Mantel der Nacht? Was mit dem unpassenden Kratzgeräusch draußen im Hof?
Der einsame Wächter über unsere Träume ist alarmiert und versucht uns aus dem Labyrinth zu locken. Der Traum verheddert sich in der Wirklichkeit und wir tauchen unvermittelt auf. War da etwas?
Vielleicht die Nachtschwärmer nebenan?
Gespannt lauschen wir in die Finsternis hinein. Unsere Ohren füllen das ganze Zimmer aus, wir würden eine Mücke husten hören. Falscher Alarm? Der Wecker zeigt halb drei, die Müdigkeit kehrt langsam zurück.
Wir versuchen wieder dort anzuknüpfen wo sich unser Wächter eingemischt hat. Doch wir drehen uns im Kreis, verfolgt von der Wirklichkeit und erwischen schließlich eine andere Tür – düster und bedrohlich. Vergeblich versuchen wir dem Albtraum zu entfliehen, er hält uns fest in seinem Griff. Der Regen wird zum Trommelwirbel eines nahenden Kriegs, der Ruf der Eule zum Schrei in der Not, das Trippeln der Katze zu den Schritten unserer Verfolger und das Bellen des Hundes zum Rufe des Vampirs. Was hast du nur angestellt, mein Wächter? Hast du zuviel ferngesehen oder Stephen King gelesen?
Doch endlich kommt das Morgengrauen und der Tag enthüllt die Geheimnisse der Nacht. Er entlarvt den Wind als Falschspieler und verrät seine Tricks.

Frohes Eiersuchen. Vielleicht findet ihr ein Traumei? Euer Traumeitaucher

2008-03-21

Sterben im Plastiksack

Von traumperlentaucher @ 10:20 [ Bücher ]


In einem Plastiksack zu sterben ist keine schöne Vorstellung. Aber entgegen den Behauptungen der abhängigen Presse ist es ein friedlicher Tod. Der Todeskandidat erstickt zwar, aber er merkt es nicht.
Vorausgesetzt man macht nichts falsch.
Denn richtig ersticken ist ein fürchterlicher Tod und schon der Gedanke daran, bereitet mir schreckliche Albträume. Das hat nicht nur mit meiner Fantasie zu tun, sondern mit dem Umstand, dass ich schon mehrmals in eine solche Situation geraten bin, in der ich nicht mehr frei atmen konnte und ich um jeden Atemzug kämpfen musste. Nie würde ich mir einen solchen Tod wünschen.
Trotzdem werde ich mir einen Plastiksack (Exit-Bag) über den Kopf stülpen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist und ich sterben will. Sei es, weil ich einfach genug von diesem Leben habe oder weil ich weiß, dass mir eine unheilbare Krankheit einen fürchterlichen Tod bescheren wird.
Daran werden mich kein Papst und kein Staat hindern, denn mein Leben gehört mir und dazu gehört auch der Tod.
Doch wie mache ich es richtig? Wie beschere ich mir einen friedlichen, schmerz- und stressfreien Tod?

Die Luft, die wir atmen, enthält nur etwas über zwanzig Prozent Sauerstoff, sie besteht zum grössten Teil aus Stickstoff, etwas Argon und einigen Spurengasen.
Interessanterweise besitzen wir keinen internen Alarm, der uns Sauerstoffmangel anzeigt. Nimmt der Sauerstoff in der Luft ab, so merken wir das nicht. Einzig eine erhöhte CO2-Konzetration im Blut alarmiert unser Atemzentrum. Darum sterben starke Schnarcher in der Regel nicht.
Atmen wir aber zum Beispiel Helium ein, so fühlen wir uns wohl und empfinden kein Erstickungsgefühl. Natürlich kann es auch Argon oder gar Stickstoff sein, der Effekt ist gleich: nach etwa einer Minute fallen wir in Ohnmacht und wenn wir weiter Helium atmen mit keinem oder wenig Sauerstoff, so gleiten wir, ohne es zu merken, hinüber über die Schwelle des Todes.
Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass wir das CO2, das wir ausatmen, nicht wieder einatmen. Sonst reagiert der Körper und die Atemreflexe werden aktiviert. Doch mit ein bisschen einfacher Technik ist das kein Problem. Ob die Sterbehilfe-Organisation Dignitas sie beherrscht, entzieht sich meiner Kenntnis und ich muss an dieser Stelle erklären, dass ich rein gar nichts mit dieser Organisation am Hut habe. Im Gegenteil! Ich bin der Meinung, dass diesem außergewöhnlichen und nebst der Geburt wichtigsten Augenblick im Leben eines Menschen mit mehr Würde begegnet werden sollte. Daher würde ich ein Barbiturat vorziehen. Mit einem guten Schluck Whiskey im Kreise meiner Familie und Freunde.

Doch soweit ist unsere Gesellschaft (noch) nicht:
Obwohl jeder von uns einmal sterben muss, scheint dieser Vorgang nur wenig Akzeptanz zu finden. Die meisten von uns verdrängen den Tod, bei den Religionen gehört er zum Machtinstrumentarium und den Politikern ist er ungeheuer – zumal wenn ihre Untertanen frei darüber entscheiden wollen. Und so steht dann in der Presse zu lesen: „Qualvoll im Plastiksack erstickt.“

Doch es lohnt sich, bei Zeiten darüber nachzudenken und nachzuforschen. So bleibt einem im Notfall eine Kugel oder die Brücke erspart.

Eine gute Zeit wünscht euch: Euer Traumperlentaucher.

The Peacefull Pill Handbook

2008-03-20

Immer wieder Weltuntergang

Von traumperlentaucher @ 07:18 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da geschah ein großes Erdbeben, und die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond wurde zu Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von starkem Wind bewegt wird. Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihrem Ort. Und die Könige auf Erden und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle Sklaven und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen der Berge und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!
Offenbarung des Johannes 6,12-16

2012 soll die Welt untergehen, der geheimnisvolle Planet Nibiru, den bisher noch kein Astronom der Neuzeit entdeckt hat, der aber den Sumerern und Babyloniern bereits bekannt war, soll dann zurückkehren. Auch der Kalender der Maya geht 2012 zu Ende, genau am 21. Dezember und in Nostradamus Prophezeiungen scheint sich die Lage 2012 zuzuspitzen.

Doch sollte die Welt in vier Jahren immer noch nicht untergehen, wird uns am Freitag, den 13. April 2029 ein Asteroid „besuchen“. Dieser kosmische Brocken von 320m Durchmesser soll nach heutigen Berechnungen zwischen der Erde und ihren Satelliten durchfliegen, also fast ein Streifschuss. Aber vielleicht trifft er uns ja und sorgt für einen Neuanfang.

Doch unverhofft kommt oft und ich vermute, dass sich der Untergang auf anderen Wegen anschleicht. Irgendein DAU wird schon passieren (Dümmster aller anzunehmender Unfälle).
Wie auch immer, wir haben vermutlich noch ein paar Jahre Zeit. Genug um noch einen Baum zu pflanzen, die letzten Tropfen Sprit zu verheizen, Kinder in die Welt zu setzen, guten Wein zu trinken und über alle Arten von Weltuntergängen nachzudenken.
Es wäre aber wirklich schade, wenn wir den Weltuntergang verpassen würden und am Ende nicht sagen könnten: „Wir sind dabei gewesen!“

Eigentlich wäre das Thema „Frohe Ostern“ gewesen, doch meine Gedanken scheinen unter dem aktuellen Wetter „zu leiden“. Euer Traumperlentaucher.

Bild: von JoJo

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