Gefangene Gedanken
| Von traumperlentaucher @ 07:07 | [ Träume ] |

„Es gehört sich nicht, seiner Bettgenossin Zahnpasta in die Nasenlöcher zu füllen, nur weil sie laut schnarcht.“
„Das habe ich noch nie getan“, protestierte ich.
„Aber du hast schon daran gedacht und das ist das Gleiche.“
Der Gesichtslose sass auf einem hölzernen Schaukelpferd und rauchte ein halbes Päckchen Zigaretten aufs Mal. Es sah komisch aus, als hätte er eine Dose Leuchtkäfer gefressen. Übrigens sass auch ich auf einem Schaukelpferd – wir ritten gemeinsam durch einen dunklen Wald.
„Der Gedanke und die Tat sind zwei unterschiedliche Dinge“, protestierte ich. „Wenn du in Gedanken jemandem den Hals umdrehst, ist das nicht Wirklichkeit.
„Ha, das glaubst du! Doch wie leicht kann sich ein Gedanke selbstständig machen und an deiner Stelle das ausführen, was du nicht tun würdest.“
Ich schaute ihn verwirrt an und wäre dabei mit meinem Schaukelpferd beinahe in eine dicke Buche gerast. Im letzten Augenblick gelang mir ein Schwenker und ich preschte dafür durch einen Hexenring voller Hallimasch. Die Pilze stoben nach allen Seiten. Der Gesichtslose hüstelte, er machte sich einen Spaß über Wurzelstöcke zu hüpfen und mit den Füssen nach Tannzapfen zu treten. Doch plötzlich blieb sein Pferd stehen. Ich bremste ebenfalls.
„Hast du kein Benzin mehr?“, fragte ich scheinheilig. Ein Vogel schiss mir auf die Nase und ich musste niesen.
„Nein, wir tauschen bloß die Pferde.“ Er zog ein neues Schaukelpferd unter einem Holunderbusch hervor. Es war knallgelb wie die Post. „Übrigens: das mit den Gedanken war kein Scherz. Du musst sie hüten wie eine Herde Schafe. Wie leicht schleicht sich ein böser Wolf in dein Gehege und stiehlt dir die Schönsten, die Gescheitesten, die Buntesten.“
Ich zuckte die Schultern. „Gedanken sind frei, sie kennen keine Grenzen.“
Kaum hatte ich das gesagt, bekam er einen fürchterlichen Hustenanfall. Seine Zigaretten flogen im aus dem Mund wie Raketen aus einer Stalinorgel.
„Nein, nur Träume sind wirklich frei, Gedanken stoßen immer wieder an Grenzen und folgen oft Vorurteilen. Außerdem paaren sie sich gerne mit Fremden.“ Er kicherte und schob sich eine neue Phalanx Zigaretten in den Mund.
„Du wirst dich damit noch umbringen“, monierte ich.
„Ach wo, ich bin doch schon längst gestorben.“
Wiederum schiss mir ein Vogel auf die Nase und mein Schaukelpferd versetzte mir einen Tritt. Ich wachte auf und wollte die Nase putzen. Doch es war Mitri, eine unserer Katzen, die ihre Nase an die meine gedrückt hatte. Doch wer war das Schaukelpferd? Ich beäugte misstrauisch meine Partnerin, die neben mir schnarchte.
Schenkt euren Gedanken die Freiheit, dann braucht ihr sie nicht zu hüten. Euer Traumperlentaucher
PS. Ein interessantes Medizinbuch












