2008-02-29

Gefangene Gedanken

Von traumperlentaucher @ 07:07 [ Träume ]


„Es gehört sich nicht, seiner Bettgenossin Zahnpasta in die Nasenlöcher zu füllen, nur weil sie laut schnarcht.“
„Das habe ich noch nie getan“, protestierte ich.
„Aber du hast schon daran gedacht und das ist das Gleiche.“
Der Gesichtslose sass auf einem hölzernen Schaukelpferd und rauchte ein halbes Päckchen Zigaretten aufs Mal. Es sah komisch aus, als hätte er eine Dose Leuchtkäfer gefressen. Übrigens sass auch ich auf einem Schaukelpferd – wir ritten gemeinsam durch einen dunklen Wald.
„Der Gedanke und die Tat sind zwei unterschiedliche Dinge“, protestierte ich. „Wenn du in Gedanken jemandem den Hals umdrehst, ist das nicht Wirklichkeit.
„Ha, das glaubst du! Doch wie leicht kann sich ein Gedanke selbstständig machen und an deiner Stelle das ausführen, was du nicht tun würdest.“
Ich schaute ihn verwirrt an und wäre dabei mit meinem Schaukelpferd beinahe in eine dicke Buche gerast. Im letzten Augenblick gelang mir ein Schwenker und ich preschte dafür durch einen Hexenring voller Hallimasch. Die Pilze stoben nach allen Seiten. Der Gesichtslose hüstelte, er machte sich einen Spaß über Wurzelstöcke zu hüpfen und mit den Füssen nach Tannzapfen zu treten. Doch plötzlich blieb sein Pferd stehen. Ich bremste ebenfalls.
„Hast du kein Benzin mehr?“, fragte ich scheinheilig. Ein Vogel schiss mir auf die Nase und ich musste niesen.
„Nein, wir tauschen bloß die Pferde.“ Er zog ein neues Schaukelpferd unter einem Holunderbusch hervor. Es war knallgelb wie die Post. „Übrigens: das mit den Gedanken war kein Scherz. Du musst sie hüten wie eine Herde Schafe. Wie leicht schleicht sich ein böser Wolf in dein Gehege und stiehlt dir die Schönsten, die Gescheitesten, die Buntesten.“
Ich zuckte die Schultern. „Gedanken sind frei, sie kennen keine Grenzen.“
Kaum hatte ich das gesagt, bekam er einen fürchterlichen Hustenanfall. Seine Zigaretten flogen im aus dem Mund wie Raketen aus einer Stalinorgel.
„Nein, nur Träume sind wirklich frei, Gedanken stoßen immer wieder an Grenzen und folgen oft Vorurteilen. Außerdem paaren sie sich gerne mit Fremden.“ Er kicherte und schob sich eine neue Phalanx Zigaretten in den Mund.
„Du wirst dich damit noch umbringen“, monierte ich.
„Ach wo, ich bin doch schon längst gestorben.“
Wiederum schiss mir ein Vogel auf die Nase und mein Schaukelpferd versetzte mir einen Tritt. Ich wachte auf und wollte die Nase putzen. Doch es war Mitri, eine unserer Katzen, die ihre Nase an die meine gedrückt hatte. Doch wer war das Schaukelpferd? Ich beäugte misstrauisch meine Partnerin, die neben mir schnarchte.

Schenkt euren Gedanken die Freiheit, dann braucht ihr sie nicht zu hüten. Euer Traumperlentaucher

PS. Ein interessantes Medizinbuch

2008-02-28

Auf der Flucht vor sich selbst

Von traumperlentaucher @ 07:27 [ Begegnungen ]


„Er existiert nicht wirklich, beachte ihn nicht“, signalisierte mir Armin mittels Lormen, einer Berührungssprache für blinde Taubstumme. Seine Finger glitten so rasch über meine Handfläche, dass ich ihm fast nicht folgen konnte. Der Weißkittel, der unvermittelt in Armins Zimmer erschienen war, starrte uns an, als warte er auf etwas.
„Er wartet darauf, dass wir sprechen, bleib ruhig“, übermittelte mir Armin und ich lormte zurück: „Wieso können wir beide ihn sehen?“ Denn normalerweise, wie ich aus bitterer Erfahrung gelernt hatte, können ‚unwirkliche’ Wesen jeweils nur von einem Menschen gesehen werden.
Der weiß gekleidete Hotelangestellte, in der Fachsprache des Sanatoriums Pfleger genannt, unter renitenten Insassen als Wärter betitelt, schaute auf unsere Hände. Ob er bemerkt hatte, dass wir lormten.
„Willkommen zurück“, sagte er plötzlich und es bestand kein Zweifel, wen er damit meinte: Mich!
„Sind Sie wieder bei uns zu Gast?“
„Nein, nur zu Besuch.“
„Möchten Sie denn nicht ein wenig bleiben? Ein bisschen ausspannen tut doch gut. Sie sehen so gestresst aus.“
Seine hellblauen, fast durchsichtigen Augen schienen mich zu röntgen.
„Du musst gehen, sofort“, signalisierte mir Armin auf meiner Handfläche. Was zum Teufel war hier los. Waren Armins ‚Manifestationen’ jetzt so stark, dass sie auch mich in ihren Bann zogen? Ich wandte mich der Tür zu, doch der Pfleger stand mir ihm Weg. Sollte ich ihn einfach nicht beachten und geradewegs durch ihn hindurch marschieren? Ich schloss die Augen. Der Zusammenprall war heftig und wir landeten beide auf dem Fußboden.
„Es tut mir leid“, stotterte ich und flüchtete rasch nach draußen. Dort stand Kinski in seinen Pantoffeln, lässig an die Wand gelehnt.
„Willkommen zu Hause“, sagte er. Ich begann zu rennen.

Morgen werde ich ganz sicher nicht ins Sanatorium zurückkehren. Vielleicht am Wochenende – vielleicht.

Guten Morgen Sonnenschein, heute sollt ihr glücklich sein. Euer Traumperlentaucher auf der Flucht.

2008-02-27

Imperium am Rande der Geschichte

Von traumperlentaucher @ 08:15 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen." Angela Merkel auf die Frage, welche Empfindungen Deutschland in ihr weckt.

Doch was nützen die schönsten Fenster, wenn das Dach nicht dicht ist? Oder gar die Türen fehlen? Bei Deutschland habe ich den Eindruck, dass nicht nur Dach und Türen in lausigem Zustand sind, sondern auch der Boden zusehends morsch wird.
Das scheinen auch immer mehr Bürger zu erkennen und sie verlassen die baufällige Hütte: gut ausgebildete Handwerker und Akademiker kehren dem Bürokraten- und Überwachungsstaat mit seiner merkwürdigen Politikerkaste den Rücken.
Aber ich will nicht ungerecht sein: Deutschland wurde durch die EU regelrecht ausgeblutet. Dafür hat jetzt zum Beispiel Spanien eine neue Infrastruktur, während in Deutschland die Autobahnbrücken zerbröseln.
Euro: Fluch oder Seen?
Doch zum Ausbluten braucht es nicht unbedingt die EU, man kann es auch selbst tun. Die USA sind ein 'gutes' Bespiel. Anstatt ins eigene Land zu investieren, floss das Geld in Kriege und in die Taschen der Superreichen. Darum sind dort inzwischen nicht einmal mehr die Fenster dicht. Das Stromnetz ist am Anschlag, ein nennenswertes Eisenbahnnetz existiert nicht mehr, Brücken und andere öffentliche Bauten müssten dringend saniert werden und Großindustrien zerfallen, bzw. wurden ausgelagert. Aber es sind nicht nur physischen Netze, wie zum Beispiel das Fernheiznetz in New York, die das Verfalldatum überschritten haben, es sind auch die sozialen Netze: 40 Millionen haben keine Krankenversicherung. Dafür sitzen 3,2 Prozent der Bevölkerung im Gefängnis, mit Abstand mehr als in jedem anderen Land. Das ist fast die gesamte Schweizerbevölkerung. Aber auch diese und weitere Probleme wären lösbar, wenn die Dollarhegemonie halten würde. Doch sie wird nur noch durch das Militär gestützt und da beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz.
Aber das war schon immer so, bei zerfallenden Imperien.
Zumindest laufen den Amerikanern die Leute nicht weg. Im Gegenteil! Sie kommen in Scharen in God's own Country - die meisten über die mexikanische Grenze.

Huch! War das ein Traum? Oder habe ich schlecht geschlafen? Euer Traumperlentaucher.

2008-02-26

Armins Traumwerkzeugkasten

Von traumperlentaucher @ 07:06 [ Begegnungen ]


Als ich Armin gestern Nachmittag von meinem Traum im Riss der Wirklichkeit berichtete, stahl sich ein verschmitztes Lächeln auf sein Gesicht. Dies, obschon ich ihm das Schema im Bonbonpapier nicht erklären konnte. Erstens war es zu klein gewesen um es ohne Lupe zu entziffern und zweitens war es natürlich im Traum geblieben. Gegenstände aus meinen Träumen in die Wirklichkeit zu schmuggeln, ist mir bisher noch nicht gelungen.
„Ich weiß um was es geht, auch ich habe schon von diesem Schema geträumt.“
„Es ist doch so winzig klein, hast du es lesen können? Außerdem, seit wann träumst du überhaupt?“
„Seit ich hier bin. Und im Gegensatz zu dir, habe ich mich ein wenig organisiert. Ich träume nie ohne Traumwerkzeugkasten. Er begleitet mich immer.“
„Lass mich mal raten: in diesem Kasten befindet sich eine Lupe?“
Armin grinste. „Nein, aber ein Traumstecher, meine neuste Erfindung. Eigentlich das gleiche wie ein Feldstecher, aber er funktioniert nur in Träumen.“
„Damit kannst du doch nur in die Ferne sehen!“
„Das kommt drauf an, an welchem Ende du reinguckst.“
Erstaunlich! Armin träumt erst seit einigen Tagen und ich habe das Gefühl, er sei mir in dieser Disziplin bereits um Jahrzehnte voraus. Doch was hatte es mit dem geheimnisvollen Schema auf sich? Als ich ihn danach fragte, lächelte er versonnen.
„Ich glaube, es ist ein Traumbohrer.“
„Ein Traumbohrer? Um Löcher in Träume zu bohren?“
„Nein, um Löcher aus den Träumen herauszubohren. Hast du denn nicht bemerkt, wie viele Löcher deine Träume aufweisen. Dort, in diesen unzugänglichen Stellen, wirst du die schönsten und reifsten Perlen finden.“
Als ich mich verabschiedete, fragte ich ihn:
„Möchtest du nicht das Sanatorium verlassen? Du bist doch nicht ver-rückt genug um hier zu sein“
„Nein, hier kann ich in Ruhe arbeiten. Auch die merkwürdigsten Projekte fallen nicht auf.“

Viel Spaß bei der Arbeit. Euer Traumperlentaucher

Bild: "UFO", aufgenommen bei Mund im Wallis, dort wo der Safran wächst

2008-02-25

Bonbonschema im Riss der Wirklichkeit

Von traumperlentaucher @ 07:38 [ Träume ]


Der Besuch bei Armin im Sanatorium hatte Nachwirkungen. Ich begegnete Kinski und dem Bonbonmädchen wieder. Allerdings nur im Traum, wie ich im Nachhinein feststellen musste. Sie hatten sich seit meiner letzten Begegnung nicht verändert: das Bonbonmädchen sang immer noch Fibonacci-Reihen und verstreute Bonbons mit merkwürdigen Botschaften und Kinski schlurfte in seinen ausgelatschten Pantoffeln einher. Doch die Gegend, in der ich die Beiden traf, war bemerkenswert: Eine düstere Felsenschlucht, knapp einen Steinwurf breit, unter uns unendlich tief und über uns so hoch, dass nur ein schmaler grauer Strich zu sehen war. Auf der linke Seite klammerte sich ein Fußweg aus abenteuerlich zusammengezimmerten Holzbrettern an die Felswand, auf der rechten waren Fenster zu sehen, hinter denen Kerzen flackerten – Höhlenwohnungen zwischen Nirgendwo und Anderswo. Doch wir trafen uns weder dort noch drüben, sondern mittendrin. Genau gesagt, in der Kabine eines langgestreckten Luftschiffs, das ein bärtiger Kapitän zwischen den Felswänden hindurch manövrierte. Es knirschte in der Takelage.
„Ist das der Weg nach Manaus?“, fragte ich die Beiden irritiert.
Kinski grinste. „Nein, der Weg hinaus“, und das Mädchen streckte mir ein Bonbon hin. Ich öffnete es, doch auf dem Zettel stand kein Spruch. Stattdessen war ein Schema aufgezeichnet, das ich nur mit einer Lupe hätte lesen können.
„Was ist das? Euer Plan? Ein Apparat für Irgendwas und Irgendwie?“
„Es ist Armins nächste Maschine. Er muss sie bauen, verstehst du? Er muss sie bauen!“. insistierte Kinski.
„Niemand muss etwas“, protestierte ich.
„Es ist wichtig und er wartet darauf.“
„Er wartet darauf? Du meinst er wartet im Sanatorium auf die nächste Maschine?“
„Wie wir alle“, lächelte er, „wir alle warten auf die nächste Maschine.“
„Dieses Mal ist es die Einundzwanzig“, ergänzte das Mädchen. „Acht und Dreizehn, du verstehst?“
„Ich werde ihm das Schema bringen“, versprach ich. „Hoffentlich kommen wir bald aus dieser engen Schlucht.“ Beunruhigt hörte ich auf die schabenden Geräusche, wenn das zigarrenförmige Luftschiff die Felswände touchierte.
„Diese Schlucht ist nie zu Ende“, entgegnete Kinski und das Bonbonmädchen ergänzte:
„Drei und Fünf, hab Acht und oben ist unten und unten ist oben.“
„Dort oben, dieser graue Strich, das ist doch der Himmel. Wieso um Himmels Willen steigen wir nicht einfach hinauf und hinaus aus diesem fürchterlichen Abgrund?“
„Du irrst“, grinste Kinski, „das dort oben ist der Fluss dort unten und die Finsternis dort unten ist der Grund ohne Boden dort oben. Das ist normal im Riss der Wirklichkeit
Verwirrt wachte ich auf und bin es immer noch.

Lasst den Frühling in eure Herzen. Euer Traumperlentaucher

2008-02-24

Die Jugend des Alters

Von traumperlentaucher @ 09:14 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Wenn mich jemand nach meinem Alter fragt, muss ich meistens nachrechnen. Das Resultat ist immer erschreckend. Doch wie alt bin ich wirklich?
Wenn ich die paar physischen Kleinigkeiten ausklammere, die mich manchmal an ein gewisses Alter erinnern, würde ich sagen: so um die zwanzig Jahre alt. Wenn ich den Blödsinn berücksichtige, der in meinem Kopf herumspukt, noch wesentlich jünger. Doch die Erfahrung sagt mir, dass ich älter sein muss, auch die Erinnerung ist der gleichen Meinung. Aber was sagen meine Träume dazu? Tausend Jahre alt – mindestens. Die Seele schweigt dazu. Alter ist für sie kein Maßstab.
Doch wird gesagt: man ist so alt, wie man sich fühlt. Und so horche ich angestrengt in mich hinein auf das leise Flüstern meines Altersgefühls. Was ich höre, lässt mich an den Zeitgeraden der Wirklichkeiten zweifeln. Und ich merke wieder einmal: Aha, Zeit ist relativ! Ich fühle mich manchmal wie ein kleiner Junge, manchmal wie ein Mann in der Jugend seines Alters, manchmal hier, manchmal dort, doch niemals mittendrin. Vierzig plus minus; nein, das bin ich definitiv nicht, möchte es auch nicht sein. Mitten im Karrieregerangel, Kindergeschrei, kurz vor der Midlifecrisis, nein Danke. Entweder weit davor, oder weit danach. Natürlich sind auch die Protagonisten meiner Geschichten nie in diesem Mittel-Alter. Wie könnten sie auch?
Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, nie mehr an ein Klassentreffen zu gehen. Beim letzten Mal war ich danach wochenlang deprimiert. All die alten Säcke und die gruftigen Frauen, mit Ansichten, die meine Großmutter modern erscheinen ließen, würde sie noch leben. Das brauche ich nicht.
Wie auch immer: Ich bin so alt, wie ich gerade bin, doch immer in der Jugend, in der stürmischen oder in der Jugend des Alters.

So, das war das Wort zum Sonntag ;-) Euer Traumperlentaucher

2008-02-23

Traumschaum

Von traumperlentaucher @ 09:28 [ Begegnungen ]


In seinen Augen spiegelten sich die Träume der vergangenen Nacht und auf seinen Lippen lag ein Lächeln, wie es sonst nur bei Engeln zu sehen ist.
„Ich habe deine Werkstatt besucht und die Einrichtung in Augenschein genommen, mit der du Strom aus dem Nichts machst.“
Er winkte ab. „Das ist doch bloß ein technisches Experiment. Ich bin hier auf etwas viel Wichtigeres gestoßen.“
Das klang bedenklich.
„Wenn du nach Hause willst, solltest du solche Sachen vergessen oder dir zumindest den Anschein geben, du hättest sie vergessen.“
„Erstens will ich gar nicht nach Hause. Mir gefällt es hier und ich treffe jeden Tag interessante Leute. Und zweitens weißt du doch gar nicht, um was es geht.“
Armin schaute mit verträumtem Blick zum Fenster hinaus. Draußen fütterte ein alter Mann die Goldfische im Teich.
„Es geht um Träume und das solltest du eigentlich verstehen“, erklärte er. „Genauer gesagt um ihre Struktur. Ich habe sie entschlüsselt.“
„Träume? Du hast doch immer behauptet, du hättest keine.“
„Sie haben eine Schaumstruktur. Die ganze Traumwelt ist nichts anderes als ein riesiges Schaumgebilde, eine unendliche Ansammlung von Polyedern mit unendlich vielen Flächen.“
„Träume sind Schäume, sagt man, doch du solltest das nicht wörtlich nehmen. Abgesehen davon haben Polyeder immer eine endliche Anzahl Flächen.“
Er wandte mir sein Gesicht zu und ich glaubte jetzt in seinen Augen feinen Schaum zu erkennen. Unwillkürlich starrte ich auf seinen Mund. Doch der war glücklicherweise schaumfrei.
„Das gilt nur für die Wirklichkeit. Träume jedoch haben unendlich viele Tore. Alle sind mit allen verbunden. Es sind gewissermaßen unendlichdimensionale Polyeder, verstehst du?“
Ich verstand gar nichts, dabei hatte ich mich bisher immer als Traumexperten gesehen. Hatte Armin tatsächlich den heiligen Gral der Träumer gefunden – nach einem kurzen Aufenthalt im Sanatorium? Oder hatten sie ihm vielleicht die falschen Pillen gegeben?
„Du machst mich neugierig“, murmelte ich, mehr zu mir selbst. „Vielleicht sollte ich einige Tage hier bei dir bleiben.“ Meine Gedanken machten sich plötzlich selbstständig: Ob Kinski und das Bonbonmädchen bereits wieder zurück sind, von ihrem Ausflug an die Oper von Manaus?
„Es ist Zeit zu gehen“, hörte ich da eine Stimme in meinem Rücken. Als ich mich umschaute, stand der Gesichtslose im Zimmer und hüstelte.

Ein wunderbares Wochenende, gefüllt mit Licht und Liebe und schönen Gedanken. Euer Traumperlentaucher

2008-02-22

Schrumpfkopf

Von traumperlentaucher @ 08:15 [ Träume ]


Sein Kopf war nicht größer als eine Walnuss.
„Er hat ein Schrumpfhirn“, konstatierte der Gesichtslose – mein Gesichtsloser, der originale.
„Wie ist das passiert?“, wollte ich wissen und betrachtete verstohlen den Mann mittleren Alters auf der Bank gegenüber.
„Vermutlich hat er es nie gebraucht, hat es irgendwo vergessen, vielleicht zu Hause liegenlassen, was weiß ich.“
„Aber so ohne Hirn, da kann man doch nicht leben!“
„Doch, doch, viele leben völlig hirnlos und merken es nicht einmal. Essen, Trinken, Fernsehgucken, sich vermehren - geht alles hirnlos, sogar Arbeiten. Der Gebrauch des Mundwerks übrigens auch.“
„Und wieso schrumpft es bei Nichtgebrauch auf diese Winzigkeit? Trocknet es etwa aus?“
„So ähnlich. Eigene Gedanken und Träume sind für das Hirn, wie Wasser für einen Baum.“
„Ja, natürlich, ist mir klar. Aber alle Menschen denken, das unterscheidet uns doch vom Tier.“
Der Gesichtslose hustete so heftig, dass auf der anderen Seite des Wartsaals die Bilder wackelten. Als er sich wieder erholt hatte, fragte ich:
„Auf was warten wir eigentlich?“
„Natürlich auf den nächsten Zug.“
„Den nach Nirgendwo, der nie angekommen und auch nie abgefahren ist?“, scherzte ich.
„Nein, der nach Anderswo. Du warst ja schon mal dort, für eine kurze Zeit. Wir werden zusammen deinen Freund Armin besuchen.
An dieser Stelle klingelte eine Glocke und die Hunde auf dem Bauernhof bellten, ich war aufgewacht.
Heute fahre ich zu Armin in die Klapsmühle, aber ich habe kein gutes Gefühl...wieso will der Gesichtslose unbedingt mitkommen?

Nachdenken lohnt sich! Euer Traumperlentaucher.

2008-02-21

Wirrsal

Von traumperlentaucher @ 06:12 [ Träume ]


Mitten im Restaurant steht eine Leiter, auf der die Gäste den Kopfstand üben. Auch ich hätte das gerne getan, doch eine Frau, unter deren Tisch eine trübe Quelle aus dem Boden sprudelt, brüllt: „Nein, du warst schon dran, lass den Andern ran.“ Der Andere ist ein Strahlemann, das heißt, er zeigt dauernd sein Gebiss. Wahrscheinlich ist es verklemmt und er kann nicht anders. Ich schleich mich wieder an den Tisch und beschließe aufzuwachen. Endlich aufgewacht muss ich mal, und da ich glaube wohlerzogen zu sein, tue ich das im Sitzen, zu Hause wenigstens. Und natürlich im Finstern, da ich den Lichtschalter nicht finde. Hosen runter, abgesessen und...ein beißender Schmerz packt mich urplötzlich am dümmsten Ort. Etwas hat mich in den Pinsel gebissen. Ich hebe ab wie eine Rakete, packe das Etwas – ist es eine Schlange? – und versuche den Lichtschalter durch lautes Fluchen zu aktivieren. Da merke ich, ich schlafe noch und beschließe aufzuwachen. Kaum im Bett fliege ich wieder raus, da liegen schon zwei, Frauen glaub ich. Falsches Bett, denk ich, doch Zeit für Vorstellung bleibt keine. Die Tür knallt auf und hängt sofort schief – herein stürzt der Metzer von nebenan mit seinem Hackebeil. „Wo sind die Katzen!“, brüllt er und die alten Weiber hinter ihm singen den Refrain mit Kreischen. Ich liege am Boden, zwei Katzen auf meiner Brust und versuche mich mit einem Zipfel der Bettdecke zu schützen. Da wache ich endgültig auf, glaube ich. Doch auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir noch nicht sicher.

Mit Alptraumschreck in den Gliedern, euer Traumperlentaucher.

2008-02-20

Echter Wahnsinn

Von traumperlentaucher @ 12:31 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Huch! Was lese ich da in den Foren der deutschen Systempresse! Meine dunkelsten Ahnungen werden übertroffen: An der Grenze zu Liechtenstein sollten Panzer aufgefahren werden, wird von PISA-Geschädigten gefordert, die in Geographie nicht aufgepasst haben. Der Fürst 'von und zu' solle von der Stasi...pardon...dem BND verhört werden, fordern andere und der Spiegel posaunt: „Berlin knöpft sich den Fürsten vor“. Aha, man hat also das Vorknöpfen noch nicht verlernt – alles klar! Und die „schwerstkriminellen“ Steueroasen wie Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und die Schweiz sollten „gestopft“ werden, was immer das auch heißen mag. Doch den Vogel schießt ein Hamburger Professor ab: Bankangestellte könnten europaweit ausgeschrieben und verfolgt werden, wenn sie zur Steuerhinterziehung beigetragen hätten. Fehlt nur noch: ab 05:45 wird zurück geschossen.
Gut, dass ich nicht bei einer Bank arbeite, so kann ich (noch) ruhig ins Südtirol reisen. Und gut, dass ich in der Schweiz Steuern zahlen darf. Mit einem transparenten, einfachen System, hilfsbereiten und freundlichen Beamten und zu einem fairen „Preis“. Laut OECD hat Deutschland weltweit mit Abstand das schlechteste und undurchsichtigste Steuersystem der Welt. Abgesehen davon zahlt man sich dort doof und dämlich. Kein Wunder kommen die Deutschen gerne zu uns, kein Wunder ist die Steuerhinterziehung im ‚großen Kanton’ ein Volkssport und kein Wunder werden diese 'Volkssportler' strenger verfolgt als Kinderschänder und Mörder.
Da war der Zumwinkel ein kommodes Bauernopfer, gut zur Ablenkung von den Milliarden Steuergeldern, die bei der IKB versenkt werden und anderen Kuriositäten und natürlich zur Aufgeilung der Massen. Und wohl zur Einleitung von ‚Etwas’, das noch kommen wird – bin gespannt! Eine deutsche Politikerin, die aussieht wie der Bösewicht in einem James Bond Film, forderte ja kürzlich bereits die Wiedereinführung der Stasi.

Doch der Schuss wird nach hinten losgehen: Ich sehe für D in der nächsten Zeit eine verstärkte Abwanderung der Intelligenz und der Wirtschaftselite und eine rapid zunehmende Kapitalflucht. Am Schluss bleiben noch viele verarmte Rentner, ein Haufen Arbeitsloser aus dem Prekariat und ein riesiger Beamtenapparat, sowie eine verrückte Politikerkaste auf Volksschulniveau...und fast hätte ich es vergessen...ein paar Türken. Dann wird es Zeit für ein Kalifat ;-)

Aber auch anderswo stehen die Zeichen auf Sturm und das ist für mich der Grund, wieso ich heute nochmals einen Blick in die Wirklichkeit werfe, obschon es besser wäre in den Traumwelten zu bleiben:
Nun hat es die Credit Suisse auch erwischt, wie ich letztes Jahr prophezeit hatte. Wetten, die haben noch mehr Leichen im Keller? Die Jungs waren für mich schon immer undurchsichtiger als die UBS.
Und noch eine meiner anderen Prophezeiungen hat sich bereits erfüllt: Putin hat Deutschland den Ölhahn zugedreht, nur mal probehalber, oder wegen dem Kosovo, was weiß ich. Und schon schnellt der Ölpreis wieder über hundert Dollar, natürlich mit dem Gold im Schlepptau. Abgesehen davon, wollen die Russen nächstens harte Rubel anstatt birnenweiche Dollar.
Übrigens: Wenn ich als Deutscher Steuern ‚sparen’ möchte, würde ich nicht nach Lichtenstein sondern nach Moskau gehen und mir dort eine Bank aussuchen ;-)

Aber nächstes Mal geht’s wieder in die Welt der Träume, außer mein PC meldet ein weltweites „GAME OVER“. Und schließlich möchte ich euch noch von meinem Besuch bei Armin in der Klapsmühle erzählen. Keep cool, Euer Traumperlentaucher.

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