2008-01-31

Bonusgespräch

Von traumperlentaucher @ 07:59 [ Erinnerungen ]


Vermutlich geht es um meinen Bonus oder ich bekomme mehr Lohn, dachte ich, als mich mein Chef zu sich bestellte. Doch ich hatte mich gründlich geirrt.
„Ich habe von meinen Kollegen recht widersprüchliche Meldungen über Ihre Aktivitäten in der Firma erhalten“, eröffnete er mir ohne Small Talk zur Einstimmung. In meinem Kopf wechselten sämtliche Lämpchen von grün auf rot. Ich wusste sofort, dass es nicht seine Kollegen, sondern meine waren, von denen er sprach. Mir steckte ein großes Messer im Rücken, ich spürte es.
„Ich habe mich auch schon gefragt, was Sie in unserer Firma eigentlich tun“, fuhr er mit seiner Schocktherapie weiter. Genau das hatte ich mich auch schon gefragt.
„Sie sollten sich in der nächsten Zeit überlegen, was Sie für uns noch tun können.“
Ich nickte nur, in solchen Situationen ist es besser zu schweigen, zumal die Entscheidungen schon gefallen sind, wie sein nächster Satz bewies:
„Ich werde Sie dieses Jahr ersetzten müssen und ich habe bereits einen Headhunter beauftragt, geeignete Kandidaten zu suchen. Ich hoffe, Sie werden dabei kooperieren.“
An dieser Stelle muss ich anmerken, dass mein Chef ein Deutscher war. Darum auch seine unschweizerische Direktheit. Allerdings ein Deutscher mit Migrationshintergrund. Er sprach zwar wie ein Deutscher und handelte auch so, aber in Wirklichkeit mochte er sie nicht. Trotzdem ersetzte er, wo er konnte, jeden Schweizer durch einen Deutschen. Das würde auch in meinem Fall so sein. Denn er wusste genau, wie er seine Landsleute steuern konnte und wie sie ‚funktionierten’.
Meine Zeit war also abgelaufen, von einer Minute auf die andere. An seiner Stelle, hätte ich mich entlassen und das sagte ich ihm auch. Ein Amerikaner, zum Beispiel, hätte das schon längst getan: You’re fired!
Doch das würde er nicht tun, er würde mich einfach kaltstellen, auf einen Posten abschieben, den es eigentlich gar nicht gab und mir eine Aufgabe zuschanzen, die eigentlich keine war. Bis es mir langweilig würde und ich von selbst ging.
„In der nächsten Zeit, werde ich einige Kandidaten bei Ihnen vorbeischicken.“
Aha, ich sollte also meinen Sarg selbst zimmern. Zum Schluss, als ich schon unter der Tür stand, schob er noch nach:
„Selbstverständlich haben sie kein Mitspracherecht, ich allein werde über ihre Nachfolge bestimmen.“ Doch ich wusste, dass es nicht so sein würde. Denn ich kannte meinen Chef besser als er dachte.
Schon bald meldete sich der erste Kandidat, aus Hamburg. Kategorie: Eisenfresser. Ich solle jemanden schicken, um ihn am Flughafen abzuholen. Also setzte ich die Chauffeurmütze auf und fuhr hin.
Der Eisenfresser vertraute auf der Rückfahrt seine ganze Geschichte dem vermeintlichen Chauffeur an und ich spielte innerlich dazu auf der Ziehharmonika. Das war mein Kandidat! Ihn würde ich meinem Chef empfehlen.
Leider war der Eisenfresser nicht gerade glücklich, zu vernehmen, dass ich nicht von Beruf Chauffeur war, als wir bei der Firma ankamen.. So wurde aus dieser Nachfolge nichts.
Doch dann kam der Mann aus Düsseldorf. Kategorie: „Bei uns geht alles Ruckzuck Zackzack.“ Seltsamerweise lief er dabei immer rot an.
Ich wusste sofort: Er oder keiner! Der Gute hatte einen katastrophalen Lebenslauf: Eine Pleite nach der anderen. Doch der Headhunter hatte ihn tüchtig frisiert und mein Chef würde das nicht merken. Wer zweifelt schon an einem externen Experten? Also Hop und Ex, oder umgekehrt!
Diesmal klappte es. Mein Nachfolger zog mit Fanfaren ein und ich wurde aus meinem Büro in die Abstellkammer verschoben. Meine Kollegen (die mit dem Messer) grinsten, ich stellte mich dumm. Der Pleitegockel aus Düsseldorf frisierte seinerseits meine Powerpoint-Präsentationen und verkaufte sie als seine eigenen. Die Umsatz- und Gewinnversprechen explodierten.
Für mich war es höchste Zeit Adieu zu sagen. Ein Jahr später ging mein Nachfolger.
Billige Rache? Ach wo denkt ihr bloß hin. Nur ein Bonus.

Ich wünsche Euch ein angenehmes Bonusgespräch. Euer Traumperlentaucher

2008-01-30

Affenträume

Von traumperlentaucher @ 07:48 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Erinnert ihr euch noch an den Affen, der einen Knochen in den Himmel warf, welcher nicht mehr zur Erde zurückkehrte? Eine Szene zu Beginn des (für mich) besten SF-Films aller Zeiten.
Wir sind immer noch Affen und wir werfen immer noch Knochen. Doch alle kehren zurück und fallen uns auf den Kopf.

Erinnert ihr euch noch an HAL, den unfehlbaren Computer? Wir glauben immer noch an unfehlbare Maschinen und an die Macht der Zahlen. Dabei haben wir vergessen, dass nicht alles wünschbar ist, was machbar ist. Und inmitten all unseres Computerschrotts haben wir auch vergessen, dass nicht alles wahr ist, nur weil es logisch scheint, bzw. auf einem Bildschirm steht.
Interessanterweise versagte HAL, weil er Emotionen hatte. Arthur C. Clarke war ziemlich weitsichtig, finde ich. Ein guter SF-Autor. Darum musste er auch keine Religion gründen, um in die Geschichte einzugehen, wie zum Beispiel ein gewisser Hubbard. Alles Clear?

Erinnert ihr euch noch an den Monolithen? Mir ist weniger sein Erscheinungsbild, als die Begleitmusik in Erinnerung geblieben: Kyrie aus Ligetis Requiem. Überhaupt hat
Stanley Kubrick Clarks Geschichte wie eine Oper umgesetzt. Wobei man heute unter Space Opera etwas ganz anderes versteht.
Aber eigentlich wollte ich über Affen sprechen. Denn der Affentraum, von dem ich gestern berichtete, kam wohl kaum aus dem leeren Raum. Wie hat doch Terry Pratchett, der Schöpfer der Scheibenwelt, einmal gesagt: „Wenn Affen sich die Zukunft vorzustellen versuchen, träumen sie zuallererst einmal davon, grössere Schweine zu töten.“
Das gilt, im übertragenen Sinn, auch für uns Menschenaffen.

Hoffentlich habt ihr eure Banane dabei. Euer Traumperlentaucher

2008-01-29

Affenseminar

Von traumperlentaucher @ 07:15 [ Träume ]


„Wir waren eine gemischte Gruppe, ein Teil Affen, ein Teil Menschen. Das Seminar war eher langweilig, doch das Mittagsbuffet versprach spannend zu werden. Es war sehr farbig und es gab viele Früchte und Cremen.“
Ich schilderte meinen Zuhörerinnen, drei Frauen, meine Eindrücke. Die eine war sehr präsent, die zweite weniger und die dritte gar nicht, das heißt, ich nahm sie nur als dünnes Schemen war. Die Bilder der Veranstaltung, die ich besucht hatte, waren noch sehr lebendig und überlagerten meine Zuhörerinnen. Während ich die Geschichte erzählte, vermengten sie sich mit den Affen.
Buffet, Früchte, Affen, Frauen, eine bunte Mixtur entstand, wie eine Pizza in der Pizza. Die Affen trugen alle einen Schlips, sonst nichts und einige hatten bereits einen Schwips. Sie kletterten auf die Tische um die Bananen aus den Früchtekörben zu pflücken und die buntesten Joghurts zu sammeln. Ich hatte keinen Hunger, wie meistens im Traum, und so stand ich bloß da und schaute dem kuriosen Treiben zu.
„Soll ich Ihnen was holen?“, fragte da der Affe an meiner Seite. Vermutlich eine Art Oberaffe, denn er war grösser und ernster als die anderen.
„Nur einen Kaffee, wenn es Ihnen nichts ausmacht“, entgegnete ich und die Frauen, mehr oder weniger präsent, beobachteten mich dabei interessiert.
Der Oberaffe – er trug als einziger einen Nadelstreifenanzug – brachte mir eine gelbe Tasse. Er schlürfte ausgiebig von meinem Kaffee, bevor er ihn mir überreichte.
„Etwas zu heiß, würde ich sagen, seien Sie bitte vorsichtig.“
„Möchten Sie auch etwas?“, fragte ich die drei mehr oder weniger präsenten Frauen.
„Ein Stück Kuchen, bitte“, sagte die Präsenteste unter ihnen.
Der Oberaffe kam mir zuvor. Er eilte zum Buffet, räumte den großen Kuchenteller ab, versuchte von jedem Stück und kam dann wie ein Oberkellner lässig scharwenzelnd auf uns zu. Doch da kam ich schon zum nächsten Teil meiner Geschichte und die Szene wechselte abrupt.

Es ist ein eindrückliches Erlebnis, im Traum eine Traumgeschichte zu erzählen. Aber etwas verwirrend. Passt bloß auf, dass ihr eurem Chef heute keine Traumgeschichten erzählt. Euer Traumperlentaucher.

2008-01-27

Jérôme Kerviel sollte den Nobelpreis erhalten

Von traumperlentaucher @ 08:16 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Jérôme Kerviel ist für mich ein Held. Er hat uns gezeigt, wie hohl es hinter der biederen Fassade der Banken ist und wie leicht man dieses marode Kartenhaus zum Einsturz bringen kann Dabei wollte der kleine Händler ja nur spielen. Etwas ist dann schief gegangen, wie meistens beim Spielen, und er hat 4,9 Milliarden Euro verloren. Nicht so schlimm, wenn man bedenkt, dass er 50 Milliarden im Spiel hatte. Nicht einmal zehn Prozent Verlust – Peanuts im Vergleich zum dem, was sonst noch auf und unter dem Spieltisch des Weltcasinos liegt und in den Ärmeln der Zocker steckt.
Dass er aufgeflogen ist, war wohl ein Zufall. Normalerweise werden solche Fälle mit Bordmitteln erledigt, das heißt, intern unter den Teppich gekehrt.

Gerade habe ich den neusten 'Investors Guide' der UBS aus dem Briefkasten gefischt. Darin wird erklärt, wieso es keine Rezession in den USA geben wird und es wird geraten jetzt in Aktien zu investieren. Sie seien günstig zu haben und überhaupt sei diesmal alles anders als bei früheren Krisen.
Wie ein Fischhändler, der stinkenden Fisch anpreist. Doch davon leben die Investmentbanker. An der Börse heißt es zwar: Viel hin und her macht Taschen leer, doch damit sind nur die Taschen der Kunden gemeint.

Und die Moral von der Geschicht? Das überlebt die Menschheit nicht!
Es liegt an unseren Genen. Es ist dieses blinde Gier-Gen (Nein, nicht Bier-Gen), das uns dem Untergang weiht. Darum werden wir den Klimawandel nicht abschwächen, geschweige denn stoppen können, darum ist uns der Peak Oil wurscht, bis es zu spät ist und darum wird auch das Finanzsystem krachen. Darum ist die Welt voller Kriege und darum öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr. Und darum wird diese einmalige blaue Kugel in der unendlichen Weite und Einsamkeit des Weltalls ausgebeutet und zerstört bis wir selbst daran zugrunde gehen. Der Mensch hat ein Ablaufdatum, das in seinen Genen programmiert ist, nicht nur als Individuum, sondern als Art. Aber das war schon bei den Dinosauriern so. Zu groß, zu gefräßig, zu dumm.

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Bonus, meine Blondine." Alles andere ist Wurscht. Natürlich gibt das kaum einer zu und verpackt seine Gier in schöne Wortmäntelchen. Ob Banker, Mänätscher, Rechtsverdreher, Inschenör oder Pfaffe. Und den Abartigen, denen dieses zerstörerische Gier-Gen fehlt, dreht die Evolution eine lange Nase. Sie sind keine Alphatiere und werden deshalb aussortiert.

Doch Darwin hat vermutlich was übersehen: Die Evolution rechnet nicht mit der Endlichkeit. Sie killt sich selbst. Na ja, vielleicht führt sie vorher noch rasch das Matriarchat ein. Wird aber auch nur ein Schuss in den Ofen.

Aber jetzt bin ich ins Wort zum Sonntag abgedriftet. Nächstes Mal geht’s wieder ins Reich der Träume – versprochen. Euer Traumperlentaucher.

2008-01-26

Durchgerostet

Von traumperlentaucher @ 08:52 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Habe gerade wieder einen Blick in die Statistik geworfen und geschaut, was die Leute so suchen, bevor sie unverhofft in meinem Blog landen.
„Bomben bauen“, scheint ein Dauerbrenner zu sein. Seit Monaten suchen Zeitgenossen immer wieder nach entsprechenden Anleitungen. Schäuble hat Recht: Das Internet steckt voller Terroristen! Ich denke, ich installier mir einen Trojaner. Aber halt! Da fällt mir gerade ein: Ich lebe ja nicht in Deutschland.
Damit’s auch jeder checkt: Hier gibt’s definitiv keine Anleitung zum Bomben bauen. Googelt gefälligst anderswo danach.

Aber es gibt auch Erfreulicheres: Immer wieder suchen Menschen nach Plastikhosen (hab ich das mal geschrieben?). Das scheint eine echte Marktlücke zu sein. Nie mehr nasse Hosen beim Wasserlassen! Oder geht’s da vielleicht um ganz was anderes?

Ein Renner sind auch „Prophezeiungen“ und ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es nicht etwa Prophezeihungen sind, die ich zu stellen wage. Nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, dieses Thema in Zukunft noch weitschweifiger zu verhandeln – the trend is your friend.

Auch nach „Rektal-Alkoholikern“ wird fleißig gesucht. Kein Wunder! Ist doch diese Art des Konsums todsicher. Und wer Aufläufe mag, mag sicher auch Einläufe. Außerdem kann man hinten den größten Fusel reinschütten, das merkt eh kein A....

Natürlich wird am meisten nach mir gesucht. Traumperlentaucher steht an erster Stelle und das scheint mir auch richtig. Doch wieso einige nach Walter Wienert googeln, ist mir ein Rätsel. Dabei ist der ein ganz normaler Alki. Zumindest im Buch „Eine verrückterliche Firma“, das mein Chaosverleger versucht, über Schleichwege auf den Markt zu werfen. Solltet ihr ein Exemplar davon ergattern, bitte ich um eine kurze Notiz. Ich genehmige mir dann umgehend einen Whiskey.

Neu in der Statistik ist: „Automarken, die am meisten rosten“
Obwohl ich hier kein Autoblog führe und mehrmals betont habe, dass ich ausschließlich auf Jaguar stehe, möchte ich trotzdem zu diesem interessanten Thema kurz Stellung beziehen:
Früher lösten wir solche Probleme mit Bordmitteln. Nasse Füße wegen Loch im Bodenblech? Kein Problem! Etwas Kaugummi rein und schon geht’s trocken durch den nächsten Winter. Mein erster Jaguar war ein FIAT. Der rostete bereits im Schaufenster. Ich kam keine hundert Meter weit, riss das Kupplungsseil – glatt durchgerostet. Da half auch Kaugummi nicht. Mein zweiter Jaguar war ein Ford. Als ich im Winter gegen die Türschwelle trat um einen Eisklotz zu lösen, blieb mein Fuß stecken. Da das Loch zu groß für Kaugummi war, hab ich’s zu betoniert. Doch der dümmste Jaguar, den ich mal gefahren habe, war ein Suzuki. Habe beim Radwechsel die Schraubenköpfe abgemurkst. Nicht wegen falschem Drehmoment im Arm, sondern wegen Rost. Mein Kollege meinte, ich solle das Rad mit Araldit ankleben, Kaugummi sei zu schwach, aber der war damals sauteuer.

Ich wünsche euch jederzeit eine saubere Stoßstange. Euer Traumautotaucher.

2008-01-25

Kochen im Schlaf

Von traumperlentaucher @ 21:10 [ Träume ]


Er hatte seinen Stuhl in den Mauerdurchbruch geklemmt und paffte genüsslich eine Zigarre. Sein drittes Auge pulsierte jedes Mal, wenn einer der Glasfische draußen aus dem grünen Teich hüpfte. Sein linkes Bein mit dem brotförmigen Schuh ragte in die Küche, das rechte schwenkte im Teich. Vermutlich um die Quallen zu vertreiben, die auf ihren dünnen Stielen über das Wasser glitten.
„Ist das nicht schön?“, begrüßte er mich, als ich den schwarzweißen Plattenboden der Küche betrat.
„Ist es nicht schön, zwischen zwei Welten zu sitzen und das Treiben auf beiden Seiten zu genießen?“
„Hier, auf meiner Seite, läuft nicht gerade viel“, gab ich zu bedenken. „Die andere ist wesentlich spannender.“
„Das liegt an dir! Komm, koch uns was. Ich habe Hunger.“ Er faltete seinen Bauch neu und setzte sich ein frisches Gebiss ein, das er aus einer verzierten Holzschatulle klaubte. Mit der linken Hand deutete er auf die nicht vorhandene Kücheneinrichtung.
„Wo ist der Herd?“, wagte ich zu fragen.
„Brauchen wir nicht, wir garen mit Gehirnwellen.“
„Hättest du Lust auf Fisch?“ Ich schielte in den Teich auf der anderen Seite, in dem gerade eine große Flosse das grüne Wasser pflügte. Die Quallen piepsten und rannten.
„Fisch!“, japste er entsetzt. Sein Bauch geriet wieder in Unordnung. „Ich esse keinen. Fische sind meine Freunde – gerade heute.“
„Entschuldigung, das habe ich nicht bedacht. Dann halt ein Fleischgericht.“
„Wie wär’s mit Spinnen?“, fragte er und drehte das Gebiss. Er hatte oben und unten verwechselt. „Sie sind knusprig und nahrhaft.“
Ich spürte ein Kratzen im Hals und musste husten.
Als ich aufwachte hustete ich immer noch. Einige behaupten, wir würden im Schlaf Spinnen essen.

Guten Appetit. Euer Traumperlentaucher?

2008-01-24

Good bye - guten Einkauf

Von traumperlentaucher @ 09:24 [ Träume ]


„Ich möchte ein kleines Funkgerät kaufen.“
Die Verkäuferin glotzte mich an wie eine Stilblüte.
„Haben Sie denn kein Handy oder E-Mail?“
„Schon, aber ich liebe das Rauschen des Äthers. Zudem habe ich Freunde, die auch ein Funkgerät besitzen.“
„Also ein CB-Gerät? Da haben Sie Glück. Wir haben noch einen kleinen Restposten für Leute wie sie.“
Ewiggestrige Spinner, las ich in ihrem Gesichtsausdruck.
„Nein, ich möchte kein CB-Gerät, sondern ein richtiges Funkgerät. Ich habe eine Lizenz.“
„Wie James Bond?“, die Verkäuferin grinste. „Einen Moment, ich muss rasch im Lager nachfragen.“
Es dauerte nicht lange und sie kam mit einem Kästchen zurück, das aussah wie ein Autoradio, als ich zwanzig war. Zwei Drehknöpfe, einer für die Lautstärke und einer für die Sendersuche, dazwischen schwarze Druckknöpfe wie ein Gebiss, das seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gereinigt worden war.
„Das ist mir zu klein, ich hätte es gerne eine Nummer grösser.“
„Kein Problem.“ Sie verschwand hinter einem Vorhang und kam gleich darauf mit einem riesigen Gepäckwagen voller Kartons zurück. Was sie nun in Windeseile vor mir aufbaute überstieg meine wahnwitzigsten Träume und mein Lebensabschnittsbudget bei weitem.
Das Funkgerät bestand fast nur aus Bildschirmen. Einer spannte sich wie das Dach eines Hallenstadions über meinem Kopf, sicher zwei Meter hoch. Er wurde von einem Metallgerüst gehalten, wie man es häufig bei mobilen Ausstellungsständen sieht. Der einwärts gebogene Megaschirm steckte in einem antiken Bilderrahmen in Karamellfarbe oder Kamelfarbe, was etwa aufs Gleiche herauskommt.
„Er zeigt ihnen jederzeit an, mit welchem Land sie in Kontakt stehen“, erklärte mir die Verkäuferin. Sie hatte übrigens eine lustige Zahnlücke, die beim Sprechen pfiff – aber vielleicht kriegte sie auch etwas falsche Luft durch ihr Zungenpiercing.
„Und auf diesem findet die Bedienung statt, Touchscreen, sie verstehen.“ Sie deutete auf einen zweiten Bildschirm in Bauchhöhe. Etwas kleiner, aber auch nach innen gekrümmt.
Ich war begeistert.
„Und was soll das kosten?“
„Das Fünffache,“ pfiff sie und lächelte, dann klappte sie den ganzen Basar zusammen und verstaute ihn in einer Plastiktasche.

Auf dem Weg zum Parkplatz kam ich an ein paar Russen vorbei, die gerade ein Flugzeug flickten.
„Es gibt einfach keine gescheiten Motoren mehr“, meinte der eine und bog einen Propeller zurecht.
„Ja, die alten Tupolew sind alle schon ausgeschlachtet“, sagte ein anderer.
Ich schaute, dass ich rasch weiter kam. Man weiß ja nie...

Frohes Schaffen, einen schönen Urlaub oder Militärdienst und eine interessante Midlife-Crisis – je nachdem wo ihr gerade steckt. Euer Traumperlentaucher.

2008-01-23

Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew

Von traumperlentaucher @ 07:08 [ Prophezeiungen ]


behauptete, dass die wirtschaftliche Entwicklung in langen Wellen von etwa 50 Jahren ablaufe. Vergleichbar mit den Jahreszeiten: ein Erblühen im Frühling, Reife im Sommer, Stagnation im Herbst und dann schließlich der bitterkalte Abschwung im Winter. Dummerweise war Kondratjew (Kondratieff) ein russischer Wirtschaftswissenschaftler und er entwickelte seine Theorie bereits 1926, also vor der großen Säuberung, welche er dann verständlicherweise nicht überlebte. Zumal er behauptete, dass der Kapitalismus erst am Anfang einer Welle stünde.
Vermutlich wären wir schon längstens im Winter angekommen, wenn wir nicht mit allen möglichen Tricks die Welle gestreckt hätten. Denn in einer endlichen Welt ist für Genosse Zins und seine Bettgenossin Schulden irgendwann der Ofen aus. Man erinnere sich nur an den Josephspfennig!
Das haben interessanterweise die Religionsstifter erkannt. Sowohl im alten Testament, wie auch im Koran findet man ein Zinsverbot. Juden und Christen haben sich dessen entledigt, doch im Islam wird es nach wie vor strikte eingehalten. Ich möchte nicht das Schicksal Kondratjew’s erleiden und hier etwa behaupten, dass das vielleicht einer der Gründe sein könnte, wieso der Islam die Welt erobern wird.
Na ja, vielleicht wird den Amis noch der eine oder andere Trick einfallen, wie sie den Rest der Welt nochmals bescheissen und abzocken können. Das mit den umverpackten Gammelhypotheken war ja ein toller Streich. Aber ich bin mir nicht sicher, ob dieser Trick auch mit den Kreditkartenschulden funktionieren wird. Höchstens bei den Blödmännern von der UBS. A propos: Habe gestern mein Freizügigkeitskonto mit dem Pensionskassenguthaben dort abgezügelt. Erstens traue ich dem Laden nicht mehr und zweitens bekomme ich bei der Raiffeisenbank ein halbes Prozent mehr Zins. Kein Wunder, muss man doch bei den Großbanken die Megasaläre des Fischkopfs* und die dicken Boni mitfinanzieren. Nicht mit mir! Die sollen selbst schauen, wo sie ihren Ferrari und die Golfausrüstung herkriegen.
Jemand hat mir kürzlich gesagt, dass ich zu einem Doomsayer geworden sei. Aber ich hasse es, wenn ich Recht habe. Ich hätte lieber nochmals einen zweiten Frühling, als einen Kondratjew-Winter.

Trotzdem einen schönen Tag. Euer Doomperlentaucher

*früher Wasserkopf genannt, als er noch frisch war.

Bild: von JoJo

2008-01-21

Putin und die leuchtenden Kissen

Von traumperlentaucher @ 07:56 [ Träume ]


Wir mussten den ganzen Tag Vögel zusammensetzen und Birnen auseinanderschrauben. Eine stressige Firma. Dafür machten wir abends einen kleinen Ausflug auf die nahe gelegene Alp um Putin zu besuchen, der dort oben Kuchen verkaufte.
Wir waren zu viert und hatten uns die Kopfkissen unter die Arme geklemmt – für alle Fälle. Doch bald schon tauchte das erste Problem auf. Der steile Weg durch den Wald war mit frischem Schlamm gepflastert, ein Durchkommen unmöglich. Außerdem standen die Bäume so dicht, dass wir uns nirgends hindurchzwängen konnten. Also ging’s wieder abwärts und wir beschlossen, statt der Alp- die Talwirtschaft unten am See zu besuchen. Inzwischen war es finsterste Nacht geworden und wir waren froh, dass unsere Kopfkissen leuchteten. Als wir das Gebäude betraten, erwartete uns eine Überraschung: Putin war da und zeigte uns den Betrieb. Er war sehr ernst und sprach nur wenig. Kein Wunder, seine Gaststätte war kein gastlicher Ort. Überall wurde gesägt und gehämmert und der Gang zum Buffet war ein Spießrutenlaufen. An das Menu kann ich mich nicht mehr erinnern, doch der Abgang ist mir im Gedächtnis haften geblieben. Als wir nach langem Herumirren den Ausgang endlich fanden, stand dort eine schwarz gekleidete Hexe und schenkte jedem von uns eine Voodoo Puppe. Nächstes Mal, sagte sie, sollten wir doch die Seilbahn nehmen und bei der sechsten Zwischenstation aussteigen. Mir müssten dann nur noch über das Dach der Klosterruine klettern und könnten uns direkt in die Alphütte abseilen. Wir bedankten uns höflich, warfen die Voodoo Puppen in den See und schlenderten zurück in die Fabrik um dort in unseren Schlafsäcken auf den Morgen zu warten. Glücklicherweise wachte ich zuhause auf.

Manche Träume sind eben verrückter als wir selber. Ich wünsche euch einen wunderschönen Wochenstart...und vergesst nicht: heute geht die Welt nicht unter! Euer Traumperlentaucher

...und räumt doch mal euren Schreibtisch auf!

Bild: von JoJo



2008-01-20

Miss Dirty T-Shirt

Von traumperlentaucher @ 17:48 [ Begegnungen ]


Je älter man wird, desto schwieriger wird es, sich den eingefahrenen Mustern zu entziehen. Das Leben wird zum Karrenweg mit tiefen Spuren.
Eggman hat wohl Recht, wenn er prophezeit, dass ich auch bei der SF immer wieder ins alte Muster fallen werde (s. sein Kommentar zu meinem letzten Beitrag). Als Gegenrezept empfiehlt er nicht zu denken und einfach zu schreiben, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Das hat schon was. Denken führt nicht immer zum Ziel. Manchmal ist es besser, einfach aus dem Bauch heraus zu handeln.
Allerdings glaube ich nicht, dass ich beim Schreiben viel denke. Vielmehr glaube ich, dass ich einfach träume. Von Welten träume, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat und von Abenteuern, die man in der Wirklichkeit nicht erleben kann. Würde ich nämlich beim Schreiben denken, so würden die Geschichten genauso herauskommen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Doch das ist nie der Fall. Die Charaktere entwickeln schon nach der dritten Seite ein Eigenleben und nach der zehnten ist das Drehbuch Makulatur.
Vielleicht liegt das daran, dass ich mir meine Protagonisten aus der Wirklichkeit entlehne und sie in meine Träume entführe. Das verwandelt sie auf seltsame Art. Manche benehmen sich plötzlich ganz anders, als ich sie in Erinnerung habe, wollen zum Beispiel partout nicht sterben, verlieben sich in den Falschen oder finden Probleme für Lösungen, von denen ich gar nicht geträumt habe. Kürzlich war ich an einer Art Klassentreffen und traf dabei eine junge Frau, die sich mit meiner Mireille Schäublin aus dem letzten Buch identifizierte. Ihr wisst schon: dieser Roman über eine verrückte Firma, die mein Verleger in seiner Schublade verlegte und erst nachdem ich den Vertrag kündigte, doch noch drucken ließ. Zumindest behauptet er das. Allerdings schuldet er mir noch zwanzig Freiexemplare. Aber das ist eine andere Geschichte. Kehren wir wieder zurück zu Mireille Schäublin, die beim letzten Dirty T-Shirt Wettbewerb den ersten Preis gewonnen hat. Auch sie wollte nicht, wie ich wollte und machte sich in der Geschichte selbstständig. Dabei hatte ich ihr eine ganz fiese Rolle zugedacht und ihren Charakter entsprechend modifiziert.
Was mir natürlich prompt die Dame an besagtem Klassentreffen übel nahm. Sie sei zwar Mireille, das wisse sie genau, doch sei sie nicht so wie diese und überhaupt sei sie inzwischen älter geworden, habe geheiratet und geschieden und fahre jetzt Automat.
Ich werde mir das für die übernächste Fortsetzung merken. Die nächste habe ich leider schon geschrieben und in meiner Schublade verlegt.

Mit den hellsten Grüssen aus dem dunklen Wald. Euer Traumperlentaucher

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