Die Prophezeiung des Gesichtslosen
| Von traumperlentaucher @ 10:22 | [ Träume ] |

Wir sassen auf dem Hausdach und fischten im Kamin nach Benzin, der Gesichtslose und ich. Da verließen wir das Labyrinth der Träume und glitten hinüber in das Reich der Zwischenträume. Dort, viel näher an der rauen Wirklichkeit, wurde mein Traumbegleiter plötzlich gesprächig.
„Ein Jahr geht zu Ende und ein neues beginnt“, verkündete er.
„Das weiss doch jedes Kind! Doch was bringt uns das nächste?“, wollte ich wissen.
„In China wird ein Sack Reis umfallen. Darauf werden die Börsen aus ihrer Euphorie erwachen und in eine Höllenbaisse stürzen. Die Immobilienblase in Spanien wird platzen, Italien geht endgültig Bankrott und führt in Verzweiflung die Lira wieder ein und das englische Pfund wird abgewertet. Die Armen werden noch ärmer und die Reichen noch reicher. In Berlin und Paris wird der Ausnahmezustand verhängt.“
„Huch, das sind aber schlechte Aussichten. Gibt es nicht auch Positives zu berichten?“
„Doch, doch. Bush landet in der Spinnwinde, sein Vize übernimmt das Ruder.“
„Das nennst du positiv?“
„Mhm...natürlich gibt es noch schöneres: der Weltuntergang wird auf unbestimmte Zeit verschoben und jeden Morgen geht die Sonne wieder auf. Die Schweizer werden im Fussball Dritte und die Deutschen Vierte. Eine Art Wunder von Bern. Allerdings wird auch in Schweizer Städten der Ausnahmezustand ausgerufen, da sich die Hooligans nicht mehr kontrollieren lassen und zusammen mit den braunen und grünen Chaoten, sowie dem schwarzen Schafsblock Armageddon spielen.“
„Aber es gibt doch sicher auch in der Schweiz einen Lichtblick?“
„Ja, die Billag wird geschlossen und die Fernseh- und Radiogebühren bei allen auf die Steuern geschlagen. Das löst das Schwarzseherproblem und der teure Beamtenapparat in Freiburg wird eingespart. Aber das ist auch die einzige gute Tat der Politiker. In Bern ist man zu sehr damit beschäftigt, die kollabierende UBS vor dem Grounding zu retten. Zumal Anfang 2008 auch noch Leichen im Keller der Crédit Suisse auftauchen werden.“
„Was für ein Horrorszenario Ich werde nach Deutschland auswandern.“
„Das würde ich dir nicht empfehlen. Dort bist du als Scheißschweizer nicht willkommen, außerdem wird dort gerade Orwells 1984 gespielt.“
„Dann gehe ich halt nach Frankreich. Sarko wird es schon richten.“
„Kaum. 2008 wird den Franzosen klar werden, wenn sie eigentlich gewählt haben.“
„Du meinst, 2008 wird die Welt so weiterdrehen wie bisher, einige Katastrophen, ein paar Kriege und Krisen, ein riesiges Armenhaus, ein paar Reiche und einige verrückte Promis ohne Boden unter den Füssen.“
„So ähnlich. Den Rest kannst du dir selbst zusammenreimen. Krieg im nahen Osten, die erste Atombombe in den Händen eines Selbstmordattentäters und ein bisschen Benzinknappheit.“
„Also sollte ich 2008 den Jaguar verkaufen?“
„Ja, und auch den Schwedenofen. Feuermachen wird nämlich generell verboten – du weißt schon: CO2 und so.“
„Schöne Aussichten!“
„Genau! Achtung, ich habe einen Kanister an der Angel.“
Doch der Kanister war schwerer als der Gesichtslose und zog diesen in den Kamin.
Schade, dass ich in diesem Moment aufwachte.
Einen guten Rutsch und bleibt ja nicht hängen! Es soll nämlich zwischen 2007 und 2008 ein Zwischenjahr geben. Nur den Bruchteil einer Sekunde lang, doch für den Unglücklichen, der sich darin verirrt, eine Ewigkeit. Euer Traumperlentaucher.












