2007-12-31

Die Prophezeiung des Gesichtslosen

Von traumperlentaucher @ 10:22 [ Träume ]


Wir sassen auf dem Hausdach und fischten im Kamin nach Benzin, der Gesichtslose und ich. Da verließen wir das Labyrinth der Träume und glitten hinüber in das Reich der Zwischenträume. Dort, viel näher an der rauen Wirklichkeit, wurde mein Traumbegleiter plötzlich gesprächig.
„Ein Jahr geht zu Ende und ein neues beginnt“, verkündete er.
„Das weiss doch jedes Kind! Doch was bringt uns das nächste?“, wollte ich wissen.
„In China wird ein Sack Reis umfallen. Darauf werden die Börsen aus ihrer Euphorie erwachen und in eine Höllenbaisse stürzen. Die Immobilienblase in Spanien wird platzen, Italien geht endgültig Bankrott und führt in Verzweiflung die Lira wieder ein und das englische Pfund wird abgewertet. Die Armen werden noch ärmer und die Reichen noch reicher. In Berlin und Paris wird der Ausnahmezustand verhängt.“
„Huch, das sind aber schlechte Aussichten. Gibt es nicht auch Positives zu berichten?“
„Doch, doch. Bush landet in der Spinnwinde, sein Vize übernimmt das Ruder.“
„Das nennst du positiv?“
„Mhm...natürlich gibt es noch schöneres: der Weltuntergang wird auf unbestimmte Zeit verschoben und jeden Morgen geht die Sonne wieder auf. Die Schweizer werden im Fussball Dritte und die Deutschen Vierte. Eine Art Wunder von Bern. Allerdings wird auch in Schweizer Städten der Ausnahmezustand ausgerufen, da sich die Hooligans nicht mehr kontrollieren lassen und zusammen mit den braunen und grünen Chaoten, sowie dem schwarzen Schafsblock Armageddon spielen.“
„Aber es gibt doch sicher auch in der Schweiz einen Lichtblick?“
„Ja, die Billag wird geschlossen und die Fernseh- und Radiogebühren bei allen auf die Steuern geschlagen. Das löst das Schwarzseherproblem und der teure Beamtenapparat in Freiburg wird eingespart. Aber das ist auch die einzige gute Tat der Politiker. In Bern ist man zu sehr damit beschäftigt, die kollabierende UBS vor dem Grounding zu retten. Zumal Anfang 2008 auch noch Leichen im Keller der Crédit Suisse auftauchen werden.“
„Was für ein Horrorszenario Ich werde nach Deutschland auswandern.“
„Das würde ich dir nicht empfehlen. Dort bist du als Scheißschweizer nicht willkommen, außerdem wird dort gerade Orwells 1984 gespielt.“
„Dann gehe ich halt nach Frankreich. Sarko wird es schon richten.“
„Kaum. 2008 wird den Franzosen klar werden, wenn sie eigentlich gewählt haben.“
„Du meinst, 2008 wird die Welt so weiterdrehen wie bisher, einige Katastrophen, ein paar Kriege und Krisen, ein riesiges Armenhaus, ein paar Reiche und einige verrückte Promis ohne Boden unter den Füssen.“
„So ähnlich. Den Rest kannst du dir selbst zusammenreimen. Krieg im nahen Osten, die erste Atombombe in den Händen eines Selbstmordattentäters und ein bisschen Benzinknappheit.“
„Also sollte ich 2008 den Jaguar verkaufen?“
„Ja, und auch den Schwedenofen. Feuermachen wird nämlich generell verboten – du weißt schon: CO2 und so.“
„Schöne Aussichten!“
„Genau! Achtung, ich habe einen Kanister an der Angel.“
Doch der Kanister war schwerer als der Gesichtslose und zog diesen in den Kamin.
Schade, dass ich in diesem Moment aufwachte.

Einen guten Rutsch und bleibt ja nicht hängen! Es soll nämlich zwischen 2007 und 2008 ein Zwischenjahr geben. Nur den Bruchteil einer Sekunde lang, doch für den Unglücklichen, der sich darin verirrt, eine Ewigkeit. Euer Traumperlentaucher.

2007-12-30

Der Papstbesuch

Von traumperlentaucher @ 07:44 [ Träume ]


Der Papst klopfte an die Balkontür und begehrte Einlass. Erstaunlicherweise war er ganz und gar „zivil“ gekleidet. Er warf sein graues Jackett auf mein Kajütenbett und setzte sich auf einen Stuhl.
„Wo liegt dein Problem mein Junge?“
„Es ist die Spinne. Ich weiß nicht, was sie von mir will.“
Ich erinnerte mich mit Unbehagen an die seltsame Begegnung im Hof vor meiner Wohnungstür. Sie kam aus dem Nichts angerast und kurvte mit lautem Klack-Klack-Klack um meine Beine. Eine dicke braune Riesenspinne, so groß wie ein Hund und mit einem winzigen menschlichen Gesicht, das mir seltsam vertraut vorkam.
„Sie wollte dir sicher etwas mitteilen.“
Erstaunt blickte ich den Papst an. Ob er der Spinne auch schon begegnet war?
„Ich kenne sie“, sagte er, als könne er Gedanken lesen. „Sie kommt aus der Zukunft.“
„Aus der Zukunft? Ich dachte, das Vieh käme aus der Vergangenheit. Da muss sie aber aus einer sehr weit entfernte Zukunft stammen.“
Der Papst seufzte und schüttelte traurig den Kopf.
„Nein, sie kommt aus dem Jahr 2008.“
Mich schauderte. Was hatte das zu bedeuten? Eine Prophezeiung?
„Und sie ist nicht allein. Pass gut auf dich auf, mein Junge.“
Er griff nach seinem Spazierstock und dem Jackett und öffnete die Balkontür.
„Bis bald, bis sehr bald.“

Der Traum aus der vergangenen Nacht gehört zu der intensiven Sorte. Die Bilder stehen noch kristallklar vor meinem inneren Auge und die Worte hallen immer noch als Echo in den Ohren nach. Wieso gerade er? Als Agnostiker habe ich mit dem alten Herrn normalerweise gar nichts am Hut.

Trotzdem ein wunderbares Jahresende. Euer Traumperlentaucher.

Bild von JoJo

2007-12-28

Die Katzen lassen die Sau raus

Von traumperlentaucher @ 10:44 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Mitri und Tizian leiden unter Weihnachtsstress, denn sie müssen ihr Revier für einige Tage mit einem Hund teilen. Der ist zwar nicht grösser, schneller oder stärker als sie und möchte eigentlich nur spielen, trotzdem flüchten die beiden Jäger tagsüber in ihre geheimen Verstecke und sind unauffindbar. Doch nachts ist der Teufel los. Die halbstarken Kater rächen sich. Normalerweise hört man keinen Laut, wenn sie auf ihren Samtpfoten durch das Haus schleichen und nur das leise Klick-Klack der Katzentür signalisiert ihr Kommen und Gehen. Doch jetzt ist alles anders. Die beiden äußern ihren Unmut durch über den unwillkommenen Gast durch maximale Lärmentwicklung. Sie rasen imaginären Mäusen nach, wetzen genüsslich ihre Krallen am Sofa und mähen mit den Schwänzen die Weihnachtdekoration um. Doch am Morgen mimen sie wieder die Engel und betteln um ihr Futter. Denn die Zeit drängt, der Hund blinzelt sich schon den Schlaf aus den Augen.
Tizian, der dickere der beiden, zuckt ungehalten mit dem Schwanz, jemand hat Hundefutter in seinen Napf gekippt, Mitri, weniger wählerisch, schnappt ihm die besten Happen weg. Kurz bevor der Hund sich interessiert nähert, stürzt sich Tizian verzweifelt auf das Hundefutter, das Chaos ist perfekt, der kleine Hund versteht die Welt nicht mehr. Nach einer kurzen Jagdszene ist der Spuk vorbei. Wir haben zuwenig geschlafen und sind hundemüde. Ich möchte mich am liebsten mit den Katzen verkriechen.

Bild: von JoJo

2007-12-26

Die Glühlampenpolizei

Von traumperlentaucher @ 09:00 [ Träume ]


Als jemand energisch an meine Tür klopfte, ahnte ich Schlimmes. Und als ich durch den Spion sah, fiel mir das Herz bis in den Schuhabsatz. Doch Totstellen half nichts, das wusste ich und öffnete mit zitternder Hand. Die drei Schwarzgekleideten drängten in meine Wohnung.
„Glühlampenpolizei, sie stehen vorläufig unter Arrest“, blaffte der Grimmigste unter ihnen, die Handschellen schnappten zu.
„Ich habe doch nichts getan“, entgegnete ich trotz meines schlechten Gewissens.
„Da haben wir aber andere Informationen. Sie wurde angezeigt.“
In diesem Augenblick kam einer der Schwarzgekleideten aus meinem Schlafzimmer; er hielt das Corpus Delicti in seiner Rechten.
„Chef, es ist sogar eine Sechziger!“
„Hab ich mir doch gedacht, das gibt mindestens zwei Wochen auf dem Dynamofahrrad.“ Der Chef nahm die Glühbirne und drehte sie genüsslich nach allen Seiten.
Da kam der Dritte mit einer Kiste unter dem Arm aus der Küche. Mir wurde schwindlig, als der Chef die Kiste öffnete.
„Das ist ja ein dicker Hund“, erklärte dieser. „Eine ganze Kiste voll. Wahrscheinlich Schmuggelware oder Schwarzmarkt. Sogar einige Hunderter sind dabei.“
„Ich habe sie noch vor dem Bann gekauft“, verteidigte ich mich.
„Und dann vergessen, sie abzuliefern, was?“, feixte der Chef. „Aber sehen wir doch, ob sie nicht noch anderweitig Dreck am Stecken haben.“ Er zog ein kleines Messgerät aus seiner Gürteltasche und studierte die Anzeige.
„Aha, die Temperatur ihrer Wohnung liegt ein ganzes Grad über dem Maximum.“
In diesem Augenblick rief einer der Schwarzen aus der Küche:
„Chef, der Mann hat auch ein Problem mit der Abfalltrennung. Außerdem habe ich eine Rolle Alufolie und zwei verbotene Batterien sichergestellt.“
Und aus dem Wohnzimmer rief der andere: „Plastiksäcke! Er sammelt Plastiksäcke!“
„Haben sie dafür eine Bewilligung?“, wollte der Chef wissen.
„Äh nein, ich habe sie für meine Großmutter aufgehoben...“
„Ihre Großmutter ging schon vor drei Jahren freiwillig ins Sterbezentrum ‚Fröhliche Andacht’. Ich verhafte sie hiermit wegen Verbrechens gegen die Umweltgesetze.“
Als ich erwachte brannte noch das Licht.

Friedliche Festtage, Euer Traumperlentaucher.

2007-12-24

Probieren geht über studieren

Von traumperlentaucher @ 08:53 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Ich hatte mich schon immer gefragt, wieso Katzen bestimmte Nahrung mögen und andere nicht. Nun habe ich einen Selbstversuch unternommen und von den Katzenspeisen gekostet: von den kleinen getrockneten Fischchen, den leckeren Stängeln, dem saftigen Fleisch und diesen kleinen Knusperdingen. Das Ergebnis ist erstaunlich und ich kann das Experiment nur weiterempfehlen.
Ich habe dabei Geschmacksrichtungen entdeckt, wie sie in keinem chinesischen Restaurant zu finden sind. Aber das Beste: ich habe mich dabei für einen Augenblick als Katze gefühlt, fühlte plötzlich Reißzähne anstelle meines amalgamgefüllten und kronenverzierten Kauapparats und hörte unbekannte Geräusche und ein wenig ahnte ich, wie Katzen denken – zumindest wenn’s ums Fressen geht. Vielleicht unternehme ich noch den nächsten Schritt in meiner Katzenerfahrung und teile mit ihnen eine Maus. Ob sie mir die Filetstücke abgeben?
Doch eines ist sicher: einige Dinge werde ich nicht mehr kaufen, sie schmecken weder mir noch den Katzen. Und ich würde es begrüssen, wenn in den großen Supermärkten nicht nur Degustationen für Käse und Apérogebäck angeboten würden, sondern auch für Katzenfutter.

Fröhliche Weihnachten, Euer Traumperlentaucher

Bild: von JoJo. Il neige sur le lac majeur....na ja, Mort Shuman hat sich da wohl geirrt

2007-12-23

„Ich glaube, ich bin schwul“,

Von traumperlentaucher @ 08:03 [ Begegnungen ]


erklärte mir Hubert. Ich hatte ihn im Bahnhof getroffen. Wir waren in unserer Studentenzeit gute Freude gewesen, doch danach hatten wir uns aus den Augen verloren. Jahre waren inzwischen vergangen. Er war noch immer der gleiche. Seine großen graublauen Augen hinter der randlosen Brille schauten mich forschend an. Hubert schwul? Das kaufte ich ihm nicht ab. Vielleicht etwas bi, aber schwul?
„Ausgerechnet du?“, staunte ich. „Du hattest doch immer eine Freundin. Ich erinnere mich noch an die niedliche Schwarzhaarige, sie war richtig verknallt in dich.“
„Ja, aber ich nicht in sie. Weißt du, Sex mit Frauen, das ist einfach schwierig, ein richtiger Murks.“
Mein Gott, dachte ich, er hat die Geschichte mit den Bienchen und den Blumen nie richtig mitgekriegt. Laut erwiderte ich:
„Na ja, vielleicht solltet ihr Gleitcreme benutzen.“
„Das ist es nicht. Das Problem liegt tiefer.“
Dann ist es wohl ein Problem für den Onkel Doktor, überlegte ich. Aber ich wollte Hubert nicht verletzen. Also meinte ich:
„Eros ist nicht alles, für eine gute Beziehung braucht es meines Erachtens auch eine Portion Philia und idealerweise noch eine Prise Agape.“
„Das weiß ich doch“, meinte er und seufzte. „Aber ich hatte kürzlich einen Traum, der meine innere Welt veränderte.“
„Und seither bist du schwul? Was hast du denn Schreckliches geträumt?“
Er blickte verlegen in seine Tasse.
„Ich habe davon geträumt, dass ich..., dass ich meinen Chef ge...“, stotterte er.
Ich lachte laut heraus und die Köpfe an den Nachbartischen ruckten in unsere Richtung.
„Im Vertrauen Hubert, davon habe ich auch schon geträumt.“
Seine Augen leuchteten, als wir uns verabschiedeten.
Ich hatte ihm nicht gesagt, dass ich zur Zeit meines Traums eine Chefin hatte.

Bild von JoJo: Jolly Harbour, Antigua

2007-12-22

Der Missionar

Von traumperlentaucher @ 21:32 [ Träume ]


Der Priester brüllte sich die Seele aus dem Leib, doch kein einziges Irrlicht nahm von ihm Notiz, geschweige denn einer der Treibenden.
„Ist er jede Nacht so laut?“, fragte ich den Gesichtslosen an meiner Seite. Unser Floss trieb ruhig im großen Fluss.
„Ja, und er ist nicht der einzige. Gestern lief ein grüner Missionar übers Wasser und brabbelte ununterbrochen vom Wandel der Gezeiten.“
„Das tönt nicht unvernünftig, das Leben auf dem Fluss wandelt sich beständig, jeder Tag bringt neue Strudel und Wirbel hervor und wir sehen nie das gleiche Ufer.“
„Doch der Fluss bleibt immer der Gleiche.“ Der Gesichtslose hustete. Manchmal ist er ein wenig wilder oder er erscheint uns dunkel und bedrohlich. Doch schon ein paar Wochen später ist er wieder lieblich und friedlich.“
„Aber das Ufer...“
„...das ist bloß Illusion, es gibt kein Ufer, der Fluss des Lebens ist so breit wie er lang ist: unendlich.“
„Das kann nicht sein. Die Breite ist doch gleichbedeutend mit den schmalen Grenzen, zwischen denen sich unser Leben bewegt“, protestierte ich.
Der Gesichtslose steckte sich drei Zigaretten gleichzeitig in den nicht vorhandenen Mund und machte mit Zeigefinger und Daumen Feuer. Doch die Zigaretten entpuppten sich als Silvesterknaller und er spuckte sie ins Wasser, bevor sie explodierten. Es machte dreimal 'Blubb' und dann tauchte an der gleichen Stelle unvermittelt ein brauner Priester auf. Er schwamm direkt auf unser Floss zu.
„Halt“, rief er. „Hört mir zu. Es gibt nur einen Gott und der ist braun.“
„Blödmann“, entgegnete der Gesichtslose und hieb dem Priester das Steuerruder auf den Kopf, dass die Irrlichter zuckten.
„Wieso tust du das?“, fragte ich und sah entsetzt wie der Braune im dunklen Wasser verschwand.
„Wenn jemand versucht einen anderen von seinem Glauben zu überzeugen, dann versucht er nur sich selbst zu überzeugen.“ Der Gesichtslose hustete wie ein kranker Motor.
„Aber keine Sorge, er wird wieder auftauchen. Vielleicht in einer anderen Farbe und vielleicht ist sein Gott dann rot.“

Seid vorsichtig beim Rauchen, es könnte Feuer geben. Euer Traumperlentaucher

Bild von JoJo, heisst glaub ich "Devils Bridge"

2007-12-21

Falsche Wünsche

Von traumperlentaucher @ 19:20 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Nicht nur schlechte Nachrichten kommen vorzugsweise mitten in der Nacht, auch der Weihnachtsmann schaut um diese Zeit vorbei. Doch er bringt nicht immer das Gewünschte, besonders bei Erwachsenen. Da mag man oder Frau sich noch so anstrengen und dem lieben Nikolaus mit seinem Himmelsschlitten schöne Briefe schreiben. Denn es gibt Wünsche, die treffen einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ein. Und dann gibt es noch Dinge, die sind einfach nicht zu haben. Ja, man kann sie nicht einmal kaufen und auch der Weihnachtsmann hat keine Ahnung, wo und wie er sie beschaffen soll. Gefühle sind so ein unschätzbares Gut, oder Träume. Es existieren auch Dinge, die nicht für jedermann und jede Frau gedacht sind: gewisse Bücher zum Beispiel.
Aber es gibt auch Geschenke, die sind zur falschen Zeit am falschen Ort. So ist es mir einmal passiert, dass ich mit der falschen Frau zur falschen Zeit im Urlaub war. Allerdings war der Ort richtig. Aber das ist glücklicherweise schon lange her.
Ja, und dann gibt es natürlich noch die Geschenke, die man lieber nicht bekommen möchte, oder schlimmer noch: nicht bekommen sollte. Ich denke dabei nicht an selbstgestrickte bunte Socken und auch nicht an Machogeschenke für urbane Mädchenmänner, oder umgekehrt. Nein es gibt Geschenke, für die ist man einfach noch nicht bereit. Sie würden einem in die Irre führen oder Träume vorgaukeln, die nicht existieren. Darum hüte sich, wer an den Weihnachtsmann schreibt. Mit Kindern ist er zwar wohlwollend und nimmt ihre Briefe ernst, doch bei den älteren Semestern weiß er gut zwischen den Wörtern zu lesen.

Ihr glaubt doch an den Weihnachtsmann, oder? Euer Traumperlentaucher.

Bild: von JoJo

2007-12-20

Traumbotschaften aus der Zukunft?

Von traumperlentaucher @ 08:37 [ Träume ]


Ein Vulkanausbruch, acht Personen in einem Fünfplätzer und Gefahr vom Mond. Die bizarren Träume häufen sich. Botschaften aus der Zukunft? Manchmal sind es Tagträume, die man im Schlaf wieder findet, oder Nachtträume, die sich in den Tag hineinziehen.
Der Vulkanausbruch gehört zu dieser Sorte, ein außergewöhnlich intensiver Traum von dem mir jedes Detail noch haarscharf in Erinnerung ist:
Ein dumpfes Grollen, wie von einem mächtigen Tatzelwurm tief unter der Erde, dann eine erste hellgraue Rauchsäule, die durch die hohe Wolkendecke drängte. Soweit alles normal, wie in den Nachrichten oder im Film. Doch dann blähte sich der Berg auf und wurde zu einer Rieseneiterbeule - auch aus der geschätzten Beobachtungsdistanz von fünfzig Kilometern ein unheimliches Schauspiel. Als die Beule platzte, begann der Weltuntergang. Mit einem fürchterlichen Dämonengebrüll schoss eine schwarzblitzende Säule in den Himmel, die aufgerissene Beule bildete eine kilometerhohe Caldera. Das letzte was ich sah, bevor ich mich ins Haus flüchtete, waren diese Beulenränder, wie sie sich krümmten und zusammenstürzten und einem mächtigen Lavastrom Platz machten. Dann wurde es stockfinstere Nacht. Ein Bimssteinregen trommelte auf das Hausdach und ich wurde lebendig begraben. Kein schöner Traum, aber sehr eindrücklich.
Da waren die acht Personen im Fünfplätzer lustiger. Der Fahrer sass auf den Knien einer jungen Frau, die ihm die Ohren massierte. Doch die Stimmung im überfüllten Wagen war gedrückt, ich glaube wir befanden uns auf der Flucht.
Doch was der Mond damit zu tun haben soll, ist mir verborgen geblieben. Er stand am Morgenhimmel und sah aus wie immer. Ich sass am Waldrand und schaute zu ihm hinauf und hatte dabei ein unheimlich intensives Gefühl der Bedrohung. Aber nichts geschah, die morgendliche Landschaft mit ihren sanften Hügeln und dunklen Wäldern und den weißen Bergen im Hintergrund lag noch friedlich im Schlaf.

Endspurt! Schon bald habt ihr ein paar Tage frei – hoffentlich! Euer Traumperlentaucher.

Bild: von JoJo

2007-12-18

Abgemurkst

Von traumperlentaucher @ 06:44 [ Bücher ]


Ich habe sie beide umgebracht, mit einem langen Messer niedergemetzelt und aufgeschnitten. Zuerst sie, dann ihn. Beide haben geschrieen wie am Spieß und haben sich gewehrt. Aber es hat ihnen nichts genützt. Es war wie ein Rausch und ich konnte mit dem Zustechen nicht mehr innehalten, als ich sah, wie meine scharfe Klinge durch ihre Körper schnitt, als wären sie aus Butter gemacht. Immer wieder habe ich zugestochen und habe sie aufgeschlitzt, ja man könnte sagen richtiggehend seziert. Doch sie haben nicht einmal geblutet. Dabei hätte ich so gerne das Blut aus ihren Adern spritzen sehen. Aber vielleicht habe ich nie eine Ader getroffen?
Doch jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Sie waren meine Freunde, meine ganze Hoffnung und jetzt sind sie mausetot. Ob ich sie je wieder lebendig machen kann? Einfach das Rad der Zeit ein wenig zurückdrehen? Was habe ich bloß getan?
Wenn ihr meint, ich spreche von einem Computerspiel, so habt ihr euch geirrt. Auch ist es nicht im Traum geschehen, sondern in dieser verdammten Wirklichkeit.
Natürlich hatte ich es anders vorgesehen, wollte den beiden bloß ein wenig Angst machen, wollte ihre Reaktionen testen. Ein bisschen Spaß, ihr versteht das doch? Doch aus dem Spaß wurde Ernst und ich habe sie abgemurkst.
Nun weiß ich nicht, wie die Geschichte weitergehen soll. Ich war mittendrin und alles lief picobello. Jetzt sind die Hauptfiguren meines nächsten Romans tot. Irgendwie werde ich sie wiederbeleben müssen.

Es wird alles gut! Euer Traumperlenkiller

Bild: von JoJo

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