2007-10-31

Ein Leben im Paralleluniversum

Von traumperlentaucher @ 07:23 [ Erinnerungen ]


Sind Träume Botschaften aus Parallelwelten? Ist die Zukunft Vergangenheit? Sind wir alle nur Goldhamster? Mit diesen Fragen und seinen Überlegungen zur Zeit hat der Maulwurf in seinem gestrigen Kommentar zum Blog ein interessantes Thema angeschnitten.
Sein Kommentar erinnerte mich an ein Gespräch, das ich vor einiger Zeit mit einem Bekannten geführt hatte. Nein, es war nicht der Gesichtslose. Doch genauso wie der Gesichtslose trat auch er auf seltsame Weise unvermittelt in mein Leben und ist genauso wieder daraus verschwunden.
„Weißt du“, sagte er eines Tages zu mir, „an einem bestimmten Punkt in meinem Leben hatte ich den Eindruck, ich hätte mein bisheriges Universum verlassen und würde jetzt in einem anderen, parallelen weiterleben.“
„Wie hast du das festgestellt?“, wollte ich wissen.
„Eines Tages, ich kann auf die Stunde, ja die Minute genau sagen, wann es geschah, hatte ich unvermittelt das Gefühl, neben mir selbst zu stehen und mich dabei zu beobachten, wie ich Dinge tat und sagte, die ich eigentlich nicht tun und sagen wollte.“
„Aha, also eine Aufspaltung der Persönlichkeit. Vielleicht sogar Schizophrenie?“
„Nein, ich war immer noch ich, nicht etwa wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, aber es gab jetzt plötzlich zwei von uns. Mein zweites Ich entfernte sich dann von mir und führte ein eigenes Leben.“
„Dann konntest du dein zweites Ich also beobachten? Du hast dich selbst gesehen?“
„Nein, natürlich nicht. Aber ich habe gespürt, dass da eine Abzweigung war und dass ein Ich einen anderen Weg genommen hatte und jetzt ein anderes eigenständiges Leben führte.“
„Ein Ich? Welches denn?“
„Das ist ja das Verrückte. Ich glaube, dass es mein bisheriges Ich war und ich vermute, dass ich jetzt in dem Ich stecke, das in einem anderen parallelen Universum existiert.“
„Dann wäre dein jetziges Bewusstsein quasi vom einen zum anderen übergesprungen?“ Ich musterte ihn zweifelnd und fragte mich, ob ich meinen Bekannten nicht in die Klapsmühle bringen sollte.
„So könnte man es ausdrücken. Ein Bewusstseinssprung vom einen Universum in ein anderes. Ich spüre, dass da jemand ist, der mein Leben auf eine andere Art weiterlebt. Es scheint, als würden uns feine Fäden in einer anderen Dimension miteinander verbinden.“
Selbsttäuschung, Selbstschutz? Fragte ich mich.
„So könnte ich also eine Bank ausrauben und der Polizei erzählen, das wäre nicht ich sondern mein Kollege aus dem Paralleluniversum gewesen?“
Er schaute mich darauf nur merkwürdig an und lächelte. Dann sagte er: „Nein, das ist es nicht. du bist für alles verantwortlich, was du in diesem Universum tust.“
„Und wer weiß“, fügte er noch hinzu, „vielleicht auch für alles, was du auch in anderen Universen tust. Obschon du an unzähligen Orten und Zeiten existierst, unendlichfach gespiegelt, sind alle deine Ichs unsichtbar miteinander verbunden und auf einer höheren Ebene dein Selbst.“

Wann und wo seid ihr? Euer Traumperlentaucher


2007-10-30

Nicht eindeutig

Von traumperlentaucher @ 07:05 [ Träume ]


An der Decke hing eine einzelne Glühbirne an ihren Drähten, doch ihr schwaches Leuchten konnte den Raum kaum erhellen. Nur gerade die vordersten Geräte waren gut sichtbar, von den anderen in den Reihen dahinter sah ich bloß das Glühen ihrer Röhren durch die Lüftungsschlitze der Chassis und die beleuchteten Skalen. Aus den Lautsprechern drangen leise Stimmen und das Knistern von atmosphärischen Störungen.
Ich versuchte mich in dem Museum zurechtzufinden. Oder war es etwa gar kein Museum?
War es vielleicht eine alte Funkstation? War sie gar in Betrieb, wie das Glimmen der Geräte vermuten ließ? Hatte sie der Operateur für eine kurze Pause verlassen, vielleicht um sein Pausenbrot zu essen oder draußen eine Zigarette zu rauchen?
Da hörte ich aus einem der Lautsprecher plötzlich eine Stimme, die mir bekannt vorkam. War das nicht Humphrey Bogart, der davon sprach, dass die La Paloma gerade im Hafen angelegt hatte? In diesem Augenblick öffnete sich die Tür des alten Holzschuppens. Es war der Gesichtslose. Im Radio sprach jemand den Seewetterbericht. Dazwischen klang leise Musik.
Ich blickte auf das Gerät. Es war ein Marconi CR300.
„Es ist alt“, bemerkte der Gesichtslose. Er öffnete den Deckel auf der Oberseite und tat so, als würde er den Empfänger inspizieren.
„Aber es läuft noch“, entgegnete ich.
„Ach was, das sind bloß Botschaften aus der Vergangenheit.“ Der Gesichtslose deutete mit der Hand auf ein Gerät neben der Tür. Es war mir unbekannt und es passte irgendwie nicht zu dem alten Kram. Die Frequenzanzeige war digital und auf einem kleinen farbigen Bildschirm waren eine Spektralanzeige und allerlei Symbole auszumachen.
„Du solltest deine Aufmerksamkeit eher diesem Gerät schenken.“
Der Gesichtslose hustete und es hörte sich an, als würde er die atmosphärischen Störungen imitieren, die aus dem CR300 drangen.
Jetzt vernahm ich aus dem modernen Empfänger eine Stimme, vermutlich ein Nachrichtensprecher. Er sprach von Dingen, die mir Angst machten, von verseuchten Gegenden, von nuklearem Fallout und von einem Gegenschlag der irgendwo stattgefunden hatte.
„Ist das die Zukunft?“, wollte ich von dem Gesichtslosen wissen.
Er hustete, als hätte er drei Zigarren auf einmal geraucht. „Eine mögliche Zukunft. Aber vielleicht schon Vergangenheit. Wer weiss das schon. Die Zeit ist nicht linear und schon gar nicht eindeutig.“
„Nicht eindeutig?“
Doch in diesem Augenblick wachte ich leider auf. Was mein Traumbegleiter wohl damit gemeint hat?

Gut, dass wir wenigstens in der Wirklichkeit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinanderhalten können. Können wir das? Euer Traumperlentaucher

Bild: von JoJo

2007-10-29

Wieso man ein Buch schreibt

Von traumperlentaucher @ 05:56 [ Bücher ]


Was treibt eigentlich einen Autor dazu ein Buch zu schreiben?
Geld kann es nicht sein, denn mit Bücherschreiben verdient man in der Regel nichts. Abgesehen von einigen wenigen, die mit dem passenden Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Oder teilt vielleicht doch die Mehrzahl der Autoren die millionenfache Hoffnung der Lottospieler auf das große Los?
Aber wenn es nicht der Lockruf des Geldes ist, liegt das Motiv wohl anderswo. Wie wäre es mit Passion? Mann oder Frau schreibt gerne, es macht einfach Spaß. Wobei dieser Spaß wiederum in verschiedene „Unterkategorien“ aufgeteilt werden könnte. Doch lassen wir das mal außen vor. Als weitere Gründe fallen mir noch Ruhm und Ehre ein. Einmal seinen Namen in den Auslagen der Buchläden, in Zeitungen zu lesen und wer weiß, vielleicht sogar in die Analen der Geschichte eingehen zu können. Doch die Autoren, die ich kenne, sind sehr bescheiden und zum Teil gar publikumsscheue Menschen. Es muss also noch andere Gründe geben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele ganz einfach für sich selbst schreiben. Sie schreiben, damit sie ihre Träume nicht vergessen, sie schreiben um ihr Leben zu ergründen und sie schreiben um so auf diese große und spannende Reise zu gehen, die Reise durch ihre inneren Welten. Es ist eine große Anstrengung – grösser als die meisten zu Beginn vermuten – aber es ist auch eine wunderbare Erfahrung.
Das bedeutet jedoch, dass diese Autoren nicht so sehr für eine mögliche Leserschaft schreiben und das ist nicht gerade ein Erfolgsrezept. Wer Bestsellerautor werden möchte, sollte sich vielmehr darüber Gedanken machen, was die Menschen gerne lesen möchten und wie Helden sein müssen, damit sich die Masse der Leser mit ihnen identifizieren kann.
Bringt man beides unter einen Hut? Vielleicht. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, über die eigenen Motive klar zu werden, bevor man den Bleistift spitzt.

Ach ja, vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch daran denken, dass allein in Deutschland jedes Jahr 80'000 neue Bücher erscheinen und die Verlage jedes Jahr vermutlich 8 Millionen Manuskripte vorgelegt bekommen, wovon schon kurz nach dem Öffnen dreiviertel davon im Papierkorb landen dürften.

Da schreib ich doch lieber in diesem Blog. Mit bisher 328638 'Hits' keine schlechte „Auflage“. Euer Traumperlentaucher

Bild: Papillon von JoJo

2007-10-28

Yan

Von traumperlentaucher @ 08:18 [ Traumgeschichten ]


Ich denke, Yan ist auf diesem Bild etwa sechzehn Jahre alt. Damals muss er ein großer Träumer gewesen sein, ein Traumtalent. Ich sehe es in seinem Blick. Seine Augen schauen nicht die Wirklichkeit, sie sehen in eine andere Welt. Aber dieser Blick erzählt noch viel mehr über Yan. Ich glaube, in diesem Moment blickt er über den Abgrund der Zeit hinweg in die Zukunft – in seine Zukunft. Und sein Blick ist sehr ernst. Denn er ahnt, dass Traumtalente in dieser Zukunft nicht willkommen sind und er fragt sich, wie er die Stürme der Zeit überstehen wird. Ja, ich denke, in diesem Augenblick, den die Aufnahme eingefangen hat, sieht er vieles bereits voraus. Bilder und Szenen weit weg, Menschen aus einer Welt, die ihm noch fremder ist als die, in der er lebt. In diesem Augenblick begegnet Yan dem alten Sid. Nicht wirklich, nur im Traum. Denn Sid ist Yan und Yan ist Sid. Die Zeit krümmt sich und die beiden schauen sich in die Augen. Yan der Träumer und Sid der Suchende. Doch auch Yan ist ein Suchender. Nur weiß er es noch nicht. Er wird ein Leben lang auf der Suche sein. Er wird nach seinen Traumgestalten suchen, nach den Echos aus einem früheren Leben und nach seiner Liebe. Er wird sich verirren auf verschlungenen Pfaden und er wird seine Träume verlieren – schon bald. Es ist ein bitteres Lächeln auf seinen Lippen. Denn er versucht diese Wirklichkeit zu verstehen und begreift sie doch nicht ganz. Seine Seele ist nie richtig angekommen, ein Teil von ihr irrt irgendwo dort draußen noch umher. In diesem Moment, wo sich die Blicke der beiden über ein Leben hinweg begegnen, tauschen sie einen Teil ihrer selbst. Yan schickt Sid einige seiner Träume und Sid sendet Yan eine wichtige Botschaft.
Ich denke, Yan hat verstanden, den er ist angekommen – beinahe.


Die Wahrheit ist ein wegloses Land, wie Krishnamurti sagte, und ich möchte beifügen: in dem sich die Jünger gerne verirren, wenn sie ihren Lehrern folgen wollen. Euer Traumperlentaucher


2007-10-26

Die Schatten an der Wand

Von traumperlentaucher @ 08:21 [ Prophezeiungen ]


Öl WTI heute morgen 91.5, Gold 777 und der Dollores weiter am absaufen. Und die Kriegstrommeln werden immer lauter. Doch niemand scheint das besonders zu beunruhigen, Business as usual. Wir fahren voll gegen die Wand und das Verrückte dabei ist, dass wir noch beschleunigen. Aber es gibt immer mehr Menschen, die sehen die dunklen Schatten kommen. Gestern habe ich in der Los Angeles Times gelesen:

The president's warmongering remarks on the Iranian threat suggest he is psychotic. Really.
October 25, 2007
Forget impeachment. Liberals, put it behind you. George W. Bush and Dick Cheney shouldn't be treated like criminals who deserve punishment. They should be treated like psychotics who need treatment. Because they've clearly gone mad.


Rosa Brooks bringt es in ihrem Artikel auf den Punkt: Anstatt sich um die sich häufenden Probleme zu kümmern, wird der dritte Weltkrieg angezettelt.
Aber vielleicht ist das die Lösung, die endgültige Lösung aller Probleme. Einige zehntausend Jahre nach dem Verschwinden der Menschheit wird sich dann sicher das Klima auch wieder eingependelt haben.

Trotzdem einen lustigen Tag, Euer Traumperlentaucher

Bild von JoJo

2007-10-25

Der Nächste!

Von traumperlentaucher @ 06:31 [ Träume ]


„Todesstrafe!“, brüllte der Richter, „der Nächste bitte!“
„Wurde aber auch Zeit“, maulte die Alte und verschwand humpelnd in der Tür neben dem Pult des Schwarzgewandeten.
Der Nächste war ein Mann im besten Alter, er zitterte so stark, dass ich befürchtete sein Nadelstreifenanzug würde plötzlich von ihm abfallen wie Herbstlaub.
„Todesstrafe!“, schrie der Richter erneut.
„Nein! Das habe ich nicht verdient“, heulte der Mann.
„Der nächste bitte!“
Ich stand weiter hinten in der Reihe und starrte fasziniert auf das Geschehen.
„Wieso erhalten alle die Todesstrafe?“, flüsterte ich zu meinem Vordermann.
„Es gibt hier nichts anderes“, flüsterte dieser zurück.
Als nächstes war ein kleines Mädchen an der Reihe.
„Todesstrafe!“, brüllte der Richter.
Die Kleine nickte nur stumm und drückte ihren Teddy fest an sich.
„Das ist ungerecht“, begehrte ich auf. „Was hat sie denn verbrochen.“
„Sie hatte ein Leben“, erwiderte der Mann vor mir. „Alles Leben endet mit dem Tode.“
Verwirrt blickte ich zurück auf die unendliche Reihe der Menschen hinter mir. Jeder muss sterben, das ist sonnenklar. Doch wieso sollte der Tod eine Strafe sein?
Als ich wieder nach vorne blickte, sah ich anstelle des schwarzgewandeten Richters das kleine Mädchen mit dem Teddybären hinter dem hohen Pult sitzen.
„Hast du gelebt?“, fragte sie den Nächsten.
„Ja, doch viel zu kurz“, antwortete dieser.
„Trotzdem ist es Zeit für dich. Der Nächste bitte.“
„Wieso denn?“, begehrte der Mann auf.
Das kleine Mädchen hielt ihm den Teddy entgegen und der sprach: „Das erfährst du drüben.“

Ich wünsche Euch bessere Träume und grössere Gläser, Euer Taumperlentaucher

Bild: Von Mike

2007-10-24

Wacher Mann

Von traumperlentaucher @ 07:00 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Irgendwo, tief in diesem Blog macht ein „Wacher Mann“ die folgende interessante Bemerkung zu meinen Links:

Komisch, dass hier -- unter "Meine Links" -- auf J. Krishnamurti verwiesen wird, der von Achtsamkeit sprach und unter anderem folgendes sagte:
"...Und des Nachts, wenn der ganze Organismus ruht, hat der meditative Mensch keine Träume, denn er ist den ganzen Tag über wach gewesen. Nur der Lässige hat Träume, nur der Halbwache braucht die Hinweise auf seine eigenen Zustände. Aber wenn der Geist wacht und der Bewegung des Lebens lauscht, der äußeren und der inneren, überkommt diesen Menschen ein Schweigen, das kein Stückwerk des Denkens ist. http://www.zzbzurich.ch/bibliothek/diverse/JK_meditation.html

Ich stelle diese Bemerkung hier hin, weil meine Antwort vielleicht von allgemeinem Interesse ist.

Es gab im letzten Jahrhundert meines Erachtens drei Menschen, die für die spirituelle Entwicklung der Menschen wegweisend waren: Rudolf Steiner, Daskalos und Krishnamurti. Obschon in einem unterschiedlichen Kontext und unabhängig voneinander tätig, gab es zwischen den drei doch eine gewisse Verbindung. Aber das ist meine ganz persönliche Sicht, die sicher nicht von allen geteilt wird.
Genauso wie ich nicht alles teile, was zum Beispiel Krsihnamurti gesagt hat, obschon ich ihn sehr bewundere. Zum Beispiel seine Aussage das Träumen betreffend. Ich glaube aber durchaus, dass ein Mann wie Krishnamurti keine Träume mehr braucht.
Krishnamurti verlangte übrigens von seinen Anhängern nichts, wie auch Daskalos und Rudolf Steiner.
Das ist meines Erachtens ein wesentlicher Punkt, bin ich doch der Ansicht, dass man prinzipiell keinem spirituellen Führer oder Organisation trauen darf, die von einem Geld, den Körper oder gar die Seele fordert. Damit habe ich mein Verhältnis zu Religionen und Sekten klar definiert.

Was uns der Ostwind wohl bringen wird? Euer Traumperlentaucher

2007-10-23

Peak Oil beim BFE

Von traumperlentaucher @ 06:45 [ Peak Oil ]


Gerade habe ich den sogenannten Synthesebericht 2035 des Schweizerischen Bundesamtes für Energie durchgewälzt. Ein mühsames Unterfangen, der Autor sollte sich in Zukunft besser auf Bedienungsanleitungen für Kühlschränke konzentrieren.
Immerhin lässt sich aus der Zusammenfassung erahnen, dass da unter Einsatz von Steuergeldern Beamtenköpfe Szenarien ausgedacht haben – zwei Jahre lang. Sicher mit kräftiger Mithilfe einer elektrischen und einer ölgeschmierten Lobbytruppe. In der Privatwirtschaft braucht man dafür ein Wochenende!
Der Bericht ist total stromorientiert und diesbezüglich auch sehr interessant, sofern man die Geduld aufbringt, in diesem unstrukturierten Geschwurbel zu lesen. Er zeigt z.B., wie sehr wir beim Strom im Clinch stecken. So wird denn im Bericht auch die Befürchtung geäußert, dass bei einer europaweiten Kältewelle in einem der nächsten Winter die Gefahr eines Blackouts, eines Netzzusammenbruchs besteht.

Doch der Strom ist nur eine Seite der Münze und wie gestern erwähnt, sollte man sich angewöhnen, immer beide Seiten zu betrachten. Ich habe mir mal die fossile Seite angesehen.
Am Ende der Zusammenfassung, die keine ist, steht der denkwürdige Satz: Aktuelle Energiepreise, die Konjunkturlage, Meldungen über Pioniertaten oder Pannen beeinflussen unweigerlich die Einschätzung der Energiezukunft, sind jedoch als langfristige Perspektiven ungeeignet. Ausgegangen wird von langfristigen Trenderwartungen.

Darum ist auch nicht verwunderlich, wenn man dann weiter unten findet:

Rohölpreise: Variante 30 USD/Fass geht bis 2030 von einer real konstanten Entwicklung der globalen Rohölpreise aus (in Preisen von 2003). Danach steigen sie auf 50 USD/Fass real in 2050. In laufenden
Preisen bedeutet dies 59 USD/Fass in 2035.


Da haben wir zur Zeit wohl gerade eine nicht trendrelevante Panne ;-) aufgrund mangelnder Beamtenfantasie

Doch dann scheint Moritz Leuenbergers geschützte Werkstatt doch noch kalte Füße bekommen zu haben: Ein Höchstpreisszenario wurde hastig nachgeschoben und man liest unvermittelt:

Unter der Annahme, dass der Höhepunkt der Rohölförderung schon im Jahre 2010 erreicht werden sollte, ergibt sich, je nach Szenario, ein langfristiger realer Rohölpreis von 65 bis 80 USD/Fass.

Welche Überraschung: Erstmals taucht auch der Peak Oil beim BFE auf, wenn auch nicht unter diesem Namen, dafür schon für 2010!

Diese Passage steht aber in krassem Widerspruch zu dem verpolitisierten Blabla des restlichen Berichts, dort spricht man noch von Reservereichweite und nicht vom Fördermaximum. Verfügbarkeit wird mit Reserven gleichgesetzt, der übliche Denkkurzschluss der Nationalkomiker.

Und dann gibts wieder Schlaftabletten:

Rohölpreise über 80 USD/Fass können jedoch nur erreicht werden, wenn die Verfügbarkeit von Energieträgern wie Kohle und Erdgas stark eingeschränkt würde. Beispielsweise kann Kohle zu deutlich tieferen Kosten produziert und (inklusive Abscheidung und Lagerung der dabei entstehenden CO2-Emissionen) verflüssigt werden, was einen durchschnittlichen Rohölpreis in dieser Höhe im Zeithorizont2035 als sehr unwahrscheinlich erscheinen lässt. Nicht berücksichtigt sind dabei kurz- bis mittelfristige Kapazitätsengpässe und spekulatives Verhalten der Marktteilnehmer.

Die Kohle soll es also richten.

Leider lese ich nichts darüber, wo die Kohleverflüssigungsanlagen stehen, die den weltweiten Förderrückgang beim Öl nach dem Peak auffangen sollen, und woher die Kohle kommen soll. Gar nicht zu reden von Berechnungsgrundlagen für die optimistische Preisschätzung. Sicher, wenn wir wiederum nur die Reserven betrachten, so reicht die Kohle wesentlich weiter als das Öl, vielleicht 200 Jahre – beim heutigen Verbrauch notabene.
Und die Technologie ist ebenfalls da und bestens bewährt. Südafrika deckt zum Beispiel den größten Teil seines Treibstoffbedarfs aus Kohle. Ein Überbleibsel aus der Zeit des Boykotts aufgrund der Apartheidpolitik.
Und China bastelt auch schon fleißig am Verflüssigen. Die wollen ja alle auch noch Auto fahren. Doch die Welt verbraucht pro Tag 85 Millionen Fass Erdöl. Wenn wir jetzt den Peak Oil erleben und mit einem Abstieg von 4-6 Prozenten pro Jahr rechnen, dann muss die Kohle aber kräftig Gas geben.
Dieses immer wahrscheinlicher werdende Szenario wurde überhaupt nicht durchgedacht. Ist ja wohl nur eine momentane Panne außerhalb des Trends.

Mein persönlicher Tipp ans BFE: Das nächste Mal anstelle der Erdöllobby die Kohlelobby einladen, nicht mehr Reserven mit Verfügbarkeit verwechseln ;-) und darauf achten, dass bei Preisschätzungen auch alle graue Energie berücksichtigt wird (EROEI!)
Und vergesst das mit dem Gas um die Stromlücke zu schließen. Gas wird noch rascher knapp als Öl. Außerdem müssten dann unsere Politiker und Banker plötzlich nicht mehr nach der US-Pfeife tanzen, sondern vor Putin kuschen, und das nennt man dann „vom Regen in die Traufe geraten.“

Aber Leuenbergers Truppe scheint das zu wissen. Steht doch im Bericht:

Deshalb spielen in der Schweiz abschaltbare Erdgaskunden (Zweistoff-
Kunden) eine wichtige Rolle.


Das sollte man sich merken, wenn man unbedingt ans Gas will.

Einen wunderschönen Herbsttag, Euer Traumperlentaucher

2007-10-22

Münzhaare

Von traumperlentaucher @ 07:06 [ Träume ]


Die Münze blitze im hellen Sonnenlicht, machte drei kurze Sprünge auf dem Holzboden und blieb dann auf der Kante stehen. „Das ist unmöglich!“, protestierte ich.
Der Gesichtslose hustete.
„Es kommt darauf an, wie du sie wirfst.“
Sein Husten machte mich stutzig. Es war nicht so wie sonst und klang gekünstelt.
„Dann bleibt sie bei dir immer auf der Kante stehen.“
„Ja, es ist gewissermaßen der Normalfall.“
Auch seine Stimme klang anders als ich sie in Erinnerung hatte. War der Gesichtslose vielleicht gar nicht der Gesichtslose, den ich kannte? Aber konnte man einen Gesichtslosen überhaupt kennen? Würden sie nicht alle gleich sein, wenn es mehrere von ihnen gäbe?
„Der Gesichtslose, den ich kenne, würde alle Möglichkeiten offen lassen.“
Er hüstelte.
„Er würde sich nicht auf eine Möglichkeit versteifen“, doppelte ich nach.
„Wie willst du das wissen?“
Jetzt war ich mir sicher, dass ich dieses Mal nicht meinem Gesichtslosen begegnet war. Seine Sprache war anders. Aber ich spürte es auch auf einer anderen Ebene. Die feinen Strömungen, die von ihm ausgingen und die ich in meinem Innern fühlen konnte, hatten eine andere Signatur
„Ich spüre es.“
„Gut, du hast gewonnen.“
Die Münze kippte um und blieb mit der Kopfseite nach oben liegen. Ich nahm sie auf und betrachtete sie genauer. Der abgebildete Kopf hatte kein Gesicht. Doch das Wunderlichste war ihre Rand: aus ihm wuchsen die Schnurhaare einer Katze. Sie berührten mein Gesicht und ich wachte auf.

Man sollte sich angewöhnen, nicht nur beide Seiten einer Münze zu betrachten, sondern auch den Rand. Euer Traumperlentaucher

2007-10-21

Die 104. Erwerbsregel

Von traumperlentaucher @ 13:38 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Seit es Menschen gibt, spielen sie das Spiel: Wer am meisten hat, wenn er stirbt, hat gewonnen.
Die Basisregeln bleiben dabei immer gleich und entsprechen etwa den Erwerbsregeln der Ferengi. Allerdings lautet die 283. Erwerbsregel: ‚Regeln ändern sich.’
Und genau das wird meines Erachtens in den nächsten Jahren geschehen. Denn wir haben uns zu sehr auf die 67. Erwerbsregel konzentriert: 'Genug ist nie Genug.'
So haben z.B. die US-Bürger heutzutage ca. 2500 Milliarden Dollar Kreditkartenschulden. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Problems: Die USA sind zurzeit darauf angewiesen, dass jeden Tag 70 Milliarden ins Land fließen um ihr Defizit zu decken. Doch was soll’s? Schließlich lautet die 104. Erwerbsregel: 'Geld wird niemals verdient: Es wird entweder gewonnen oder verloren.'

Na denn, auf zu neuen Gewinnen! Euer Traumperlentaucher

Bild: Apparition von JoJo

Posts  1 - 10 /29