2007-09-30

Welt am Abgrund

Von traumperlentaucher @ 09:12 [ Träume ]


Es war ein schmaler Pfad, keine drei Fuss breit, der über den Grat führte. Nebelschwaden zogen über die felsige Landschaft und bedeckten die Abgründe links und rechts des unsicheren Wegs. Doch ich war nicht allein unterwegs, wie häufig in meinen Träumen. Mein Traumbegleiter – der Gesichtslose – war einige Meter vor mir und bestimmte das Tempo. Ich vermochte ihm kaum zu folgen.
Obwohl ich mich auf den holprigen Fußweg konzentrieren musste um nicht durch einen Fehltritt links oder rechts in das nebelverhangene Nichts zu stürzen, nahm ich die pilzförmigen Türme wahr, die unseren Weg in unregelmäßigen Abständen säumten. Wie Leuchttürme standen sie auf den Felsenerkern um die sich unser Pfad schlängelte. Die mit flackerndem Kerzenlicht erhellten Fenster unter den Pilzdächern deuteten darauf hin, dass sie bewohnt waren.
„Nicht so schnell“, rief ich dm Gesichtslosen zu.
„Wir können jetzt nicht rasten, es ist zu gefährlich hier“, war seine Antwort, die fast vom aufkommenden Wind davon getragen wurde.
Ein unheimliches Gefühl beschlich mich und es wurde noch durch die riesigen Vögel verstärkt, deren dunkle Schatten über den Felsengrat huschten. ‚Eine Welt am Abgrund’, schoss es durch meinen Kopf.
Erst als sich der Felsengrat zu einem massiven Rücken verbreiterte und voraus das beruhigende, dunkle Grün eines Wäldchens auftauchte, atmete ich auf. Auch unser Pfad wurde jetzt immer breiter und Pilzhäuser waren keine mehr zu sehen. Bei den ersten Bäumen – es waren kleine moosbewachsene Fichten – machte der Gesichtslose Rast. Ich setzte mich ausgelaugt auf einen Stein am Wegrand.
„Wer lebt so nahe am Abgrund?“, fragte ich meinen Traumbegleiter. Das Echo seiner Antwort hallt noch heute in meinen Gedanken nach und beunruhigt mich zutiefst: „Wir alle“, murmelte er, „wir alle!“

Schönen Sonntag und bis nächsten Oktober, Euer Traumperlentaucher

PS. Der letzte Beitrag war natürlich eine Satire - ich will ja nicht immer ernst genommen werden ;-)

2007-09-28

Wie findet man(n) eine Frau

Von traumperlentaucher @ 09:26 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Nebst Autos, Fußball, Politik und ähnlichem Zeugs, gibt es eine Frage die Männer umtreibt: Wie finde ich eine Frau?
Nun, prinzipiell findet man, indem man sucht. Im Falle der Frauen gibt es jedoch noch die Möglichkeit, sich selbst finden zu lassen.
Das scheint auf den ersten Blick am bequemsten, ist aber äußerst verzwickt. Denn Mann sollte in diesem Fall wissen, was Frau sucht. Und im Gegensatz zu Männern, die meistens viele Frauen suchen, sucht Frau nur einen Mann – den Mann. Aber welchen?
Dazu gibt es die unterschiedlichsten Theorien. Ich persönlich denke natürlich, dass Frauen einen Träumer suchen. Das hat ja bei mir auch bestens geklappt. Na ja, nicht ganz, auf jeden Fall nicht mit „dem Findenlassen.“ Ich musste schon selbst ein wenig nachhelfen.
Aber wie wäre es mit dem Typ des Frauenverstehers? Frauen wollen doch verstanden werden, wollen einen Mann, der ihnen ihre Wünsche von den Augen liest und der immerzu nickt, wenn sie ihre weiblichen Sorgen in unendlichen Monologen vor ihm ausbreiten. Ein Mann mit empathischen Fähigkeiten, der sich in die unergründlichen Tiefen ihres Wesens hineinfühlen und versenken kann.
Das Problem ist bloss, dass man das Frauenverstehen nicht lernen kann wie das Velofahren. Entweder ist man einer, oder man ist keiner. Die meisten Männer sind simple Nixversteher.
Aber vielleicht klappt es mit dem Machotyp? Frauen wollen doch beschützt werden und bewundern männliche Kraft und Draufgängertum. Der Mann geht auf die Jagd, die Frau kümmert sich in der Höhle um Feuer und Kind. Das ist seit Urzeiten so in unseren Genen programmiert, das müsste klappen. Also ab ins Fitnessstudio, Sixpacks antrainieren und einen knackigen Arsch. Dann noch ein paar markige Sprüche auswendig lernen und einen tollen Schlitten leasen.
Was? Du trinkst Sixpacks, anstatt sie zu trainieren und siehst deshalb aus, als wärst du im siebenten Monat schwanger? Und du hast keinen tollen Schlitten, weil du dein ganzes Geld in eine Anglerausrüstung gesteckt hast? Oh Mann!
Da bleibt nur noch die Möglichkeit der Annäherung. Nein, damit meine ich nicht aufdringliche Anmache, das bleibt dem Machotypen vorbehalten. Du musst dich auf eine andere Art dem Weiblichen nähern, du musst werden wie sie, du musst einer von ihnen werden – fast – auf den letzten entscheidenden Schnitt...äh Schritt würde ich verzichten. Der feminine Mann, der liegt genau im Trend: Durchgestylt, parfümiert, ganzkörperrasiert. Also ab zur Mani-, Pedi- Fudicure! Am besten du lackierst dir deine Nägel wöchentlich. Keine Angst! Es tut ganz bestimmt nicht weh! Sonntagabends Gurken aufs Gesicht und dann eine sanfte Creme – aber nicht aus dem Kühlschrank. Ein Mann, wie ihn die Werbung liebt! Du darfst dir dann auch eine Handtasche kaufen um darin deinen Krimskrams zu versenken. Deine Nagelfeile, zum Beispiel und deinen Lippenstift. Natürlich nicht rot, soweit wollen wir nicht gehen. Tampons brauchst du auch keine.
Was? Du meinst, du seiest nicht schwul?
Tja, mein Lieber, wenn du das so siehst, bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als selbst auf die Suche zu gehen.
Aber du weißt nicht wo suchen?
Da kann ich dir auch nicht helfen. Vermutlich siehst du vor lauter Weibern die Frau nicht, wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt. Denn wenn du viele Frauen suchst, wie bei den Ostereiern, wirst du die Eine nie finden. Dafür wird eine weitere Frage dein Leben bereichern: Wie werde ich sie wieder los?

Frohes Finden! Euer Traumperlentaucher

Bild: von Mike

2007-09-27

Dreinachnuder

Von traumperlentaucher @ 06:12 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Uersne Tmuräe snid mamnachl ein weirrs Dreinachnuder und gbeen uns Rsetäl auf. Dcoh mnmaahcl legit die Lusnög gnaz nhae, wie biem felnodegn Staz:

Ida war im Atlas, Abdul lud Basalt am Irawadi

Ich wnscühe ecuh eenin waundberren Tag und eenin gteun Bhscroülaf, Euer Trtapulmcherenuaer

Blid: von Mkie

2007-09-26

Der verlorene Traum

Von traumperlentaucher @ 07:36 [ Träume ]


Es war ein großer, ein wichtiger Traum gewesen, doch als ich aufwachte, war alles weg. Nur die Erinnerung an eine Erinnerung zog durch meine Gedanken, ein Hauch der im anbrechenden Morgengrauen verwehte. Würde ich die richtige Tür wieder finden, wenn ich noch einmal hinabtauchte? Ich schloss die Augen und schwebte zurück in den Bereich zwischen Traum und Wirklichkeit. Nichts. Keine Spur, kein Artefakt, das mir einen Hinweis geliefert hätte.
Doch plötzlich – ich hatte die Traumgrenze wieder überschritten – stand ich am Rande eines Hügellandes. Es musste Herbst sein, später Oktober, der Tau glänzte im hohen Gras, die Bäume waren gelb, Nebelschwaden lagen in den Tälern. Ich stand an einer Weggabelung, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ein gutes Dutzend Pfade führten von hier hinein in das unbekannte Land, kleine Fußwege, aber auch unbefestigte Sträßchen. Eines davon erregte meine Aufmerksamkeit. Schnurgerade führte es in das nächste Wäldchen und war von hohen Bäumen gesäumt, die auf mich wie Wächter wirkten. Eichen vermutlich, ich konnte die Form der Blätter nicht erkennen. Offensichtlich war in letzter Zeit niemand auf diesem Weg unterwegs gewesen: gelbe Blätter bedeckten den Boden.
Sollte ich diesen Weg gehen? Würde ich dann auf den verlorenen Traum stoßen? Entschlossen tat ich den ersten Schritt, dann einen zweiten, doch ich kam nicht vom Fleck. So sehr ich mich auch anstrengte, es gelang mir nicht das blätterbedeckte Sträßchen zu betreten.
Da sah ich in der Ferne eine Gestalt. Jemand schien auf mich zuzukommen. Oder entfernte er sich etwa? Äonen schienen zu vergehen, während ich wartete. Im Traum spielt Zeit keine Rolle. Jahrzehnte können in einem einzigen Augenblick vorbei rauschen und Sekundenbruchteile können zu Ewigkeiten gedehnt werden.
Ich wartete. Doch die Gestalt zwischen den Bäumen kam weder näher noch entfernte sie sich, und trotzdem hatte ich den Eindruck, sie würde sich bewegen. Schlimmer noch! Je länger ich ihr zusah, je mehr ich meine Augen anstrengte, desto mehr überkam mich das Gefühl, ich selbst sei dort und würde zwischen den Bäumen auf dem frischen Herbstlaub marschieren.
War ich diesen Weg gegangen? War das der Grund, wieso mir diese Strasse verwehrt blieb? Durfte ich meinem Selbst nicht begegnen? Oder war dieser Traum, der ein großes Gefühl von Wichtigkeit und Dringlichkeit hinterlassen hatte und dem ich deshalb nachspürte, eine Einbahnstrasse, ein verbotener Weg? Fragen über Fragen zogen durch meine Gedanken.
Mit diesen Fragen beladen dämmerte ich langsam wieder über die Grenze. Als ich endgültig aufwachte, hatte ich das Gefühl, etwas verloren zu haben. War es nur ein Traum?

Ich hoffe, ihr findet was ihr sucht! Euer Traumperlentaucher

Bild: Regenzeit, von JoJo

2007-09-25

Scherenwirtschaft

Von traumperlentaucher @ 07:57 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Nettolöhne auf 20-Jahrestief: So wenig wie heute hatten Arbeitnehmer seit 20 Jahren nicht mehr im Geldbeutel.
Gestern bin ich über diese Meldung aus Deutschland gestolpert.
Dazu passend: In den letzten Wochen hat man gelesen, dass Grundnahrungsmittel, wie Milchprodukte, Brot und Teigwaren (in Deutschland heißt das Nudeln) erheblich teurer geworden sind, bzw. noch werden.
Zugleich plappern sogenannte Wirtschaftsweise (wohl eher Wirtschaftswaisen) munter von „einer ungebrochenen Wirtschaftsdynamik, es gehe weiter steil bergauf, Wachstum bis in alle Ewigkeit.
Irgendetwas stimmt doch hier nicht.
Da hat die große Masse immer weniger Geld in der Tasche und trotzdem soll die Wirtschaft boomen? Ja, für wen den eigentlich? Vermutlich für die Crème de la Crème. Die Gehälter für die Topmanager und die Vorstände, die goldenen Fallschirme für die Überflieger. Da scheint es tatsächlich einen ungebrochenen Boom zu geben. Bei >500k€ im Jahr ist es mir auch wurscht was die Wurst oder die Milch kostet. Da interessieren mich eher die Jachtpreise.
Die Schere scheint sich also weiter zu öffnen: die Armen werden ärmer, die Reichen immer reicher, Bushamerika macht es uns vor. Unter diesen Umständen ist ein Wirtschaftaufschwung nur heiße Luft, bzw. getürkte Satistik. Das BSP kann auch wachsen, wenn die Masse verarmt. Zumindest eine Zeit lang. Eine solide Basis für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ist das nicht.
Das riecht nach einer anstehenden Rezession und zähle ich die Kreditkrise hinzu, nach einer Depression.
Doch dieses Phänomen wird wohl kaum auf Deutschland beschränkt sein.
Wir sind ja globalisiert.
Ach ja, die Globalisierung. Was heisst das eigentlich? Ich denke, man könnte es so erklären: Die Polen arbeiten in Deutschland und die Deutschen in der Schweiz. Dafür verlager wir unsere Produktion, unser Know-how und die Umweltzerstörung nach China und konsumieren im Gegenzug den angelieferten Schrott.

Geniesst eure Träume, sie sind (noch) frei! Euer Traumperlentaucher

PS. Aber bitte eure eigenen und nicht die, die euch die Werbung einflüstert.

Bild: Das Traumtor, von JoJo

2007-09-24

Das Miniaturpferd

Von traumperlentaucher @ 06:54 [ Träume ]


Vermutlich habe ich in einem früheren Leben an einem grossen Fluss gelebt, sonst würde ich nicht immer davon träumen. Kürzlich stand ich wieder am Ufer dieses mächtigen, unbekannten Stromes. Das Wasser war braun und schwappte beinahe über die Uferböschung. Da sah ich plötzlich inmitten des Flusses ein kleines Pferd stehen. Es hielt dem reissenden Wasser mühelos stand und machte nicht einmal Schwimmbewegungen. Seine Haut glänzte dunkelbraun und es war viel kleiner als ein Pony – ein richtiges Miniaturpferd.
Als es näher ans Ufer kam, hob es sich immer mehr aus dem Wasser und ich erkannte, dass es auf dem Rücken eines grossen Pferdes stand. Dieses klettere behände die Böschung empor ohne von mir Notiz zu nehmen. Aber das kleine Pferd auf seinem Rücken sah mich mit klugen und wissenden Augen an und wieherte.
Ob dieser Traum aus der Vergangenheit oder der Zukunft stammt, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht werde ich es eines Tages erfahren. Bei einem anderen Traum hat es zwanzig Jahre gedauert, bis ich erfuhr, dass ich damals die Zukunft geträumt hatte. Ich sah damals ein Haus auf einem Hügel und darüber ein Rudel Heissluftballone schweben. Genau dieses Bild erlebte ich zwanzig Jahre später an einem schönen Sommertag. Jedes Detail stimmte und der Eindruck des Déjà-vu war so mächtig, dass ich für einen Augenblick in die Vergangenheit versetzt wurde und sich mein Leben vor meinem inneren Auge anspulte, wie das sonst nur im Angesicht des Todes der Fall ist. Es war mein Haus.
Aber was habe ich mit einem Miniaturpferd zu tun?

Geniesst diesen Montag, er kommt nie wieder, Euer Traumperlentaucher

Bild: von Mike

2007-09-22

Angstfrüchte

Von traumperlentaucher @ 07:44 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Unser alter Pflaumenbaum ist am Ende. Total verpilzt und ausgehöhlt harrt er der Motorsäge. Ich weiß nicht, ob er den nächsten Winter überleben wird und nächstes Jahr nochmals die Kraft hat, seinen Wurzelsaft in die Äste zu treiben.
Dieses Jahr hat er es nochmals geschafft. Er zeigte sich im allerschönsten Blütenkleid und seine altersschwachen Äste bogen sich unter der Last der vielen Früchte. Im Angesicht des Todes hat er nochmals alle Kraft aufgewendet, in der Hoffnung, dass aus einem seiner Pflaumensteine ein würdiger Nachfahre werde. Angstfrüchte, sozusagen.
Seine Hoffnung war vergeben. Erstens kam ein fürchterlicher Hagelsturm und zweitens wären sowieso alle Pflaumen bei mir im Fass gelandet - Vieille Prune.
Wenn ich die Börse in den letzten Tagen ansehe, so scheint mir, dass auch sie Angstfrüchte produziert. Die Zinssenkung des FED hat die Börsen auf perverse Weise beflügelt und sie sind nicht mehr weit von neuen Höchstständen entfernt. Verrückt! Welche Brille muss man tragen um das Nahen des Hagelsturms nicht zu erkennen? Wie blöd muss man sein, um zu glauben, dass sich die Kreditkrise nicht auf die Realwirtschaft auswirken wird? Vielleicht so blöd wie der Redaktor der Berliner Morgenpost. Die Postille aus der Reichshauptstadt behauptet nämlich: „Weil die Ölproduzenten mit der schwächelnden Leitwährung – dem Dollar – weniger verdienen, treiben sie den Ölpreis nach oben und darum werden der Diesel und das Benzin teurer.“ Das ist ein Novum, bisher musste immer der starke Dollar für Preissteigerungen herhalten. Fazit: Ob er stärker wird oder schwächelt, der Sprit wird eh teurer.
Aber ich kann gut nachfühlen, wie es dem Journalisten in der Schreibstube ergeht. Am Gängelband der Politiker, unter dem Stress, jeden Tag etwas Neues aus der Feder zu saugen, kann schon mal die Kausalitätskette reißen. Da hat es der Blogger leichter: Kein Redaktionsschluss, kein Telefonanruf von „oben“, keine Schreibvorlagen …bzw. Vorgaben, kein Lohn. Einer der auch nicht aufs Maul hockt ist hier zu finden. Auch scheint er gescheiter als der Durchschnittsblogger: er verlangt nämlich Geld. Oh Pardon, ist ja gar kein Blog, sondern ein „Institut“: The Global Europe Anticipation Bulletin.
Ich denke, ich werde mein Blog umbenennen in Global Dream Anticipation Bulletin.

Ein schönes Wochenende, Euer Traumperlentaucher.

2007-09-21

Bomben bauen

Von traumperlentaucher @ 08:36 [ Erinnerungen ]


Es war in einer Zeit, als man den PVC-Abfall ohne schlechtes Gewissen im Garten verbrannte und das Fernsehen nur ein Programm hatte – notabene ohne Werbung. Eine Zeit in der die Menschen so schnell fuhren, wie sie wollten und wir Jungen so schnell, wie wir konnten. In Ermangelung von PS meistens bleifuss, dafür mit quietschenden Reifen. Eine Zeit in der wir in der Rekrutenschule kifften was das Zeug hielt und sonntagabends über der Kaserne ein Marihuana-Geruch schwebte. Es war ein Zürcher, der uns mit dem Stoff versorgte, Downtown Switzerland war der Provinz schon damals weit voraus. Er rauchte übrigens die ganze Strecke von Zürich nach Bern, wenn er mit seinem Mini bleifuss einrückte. Gestört hat das niemand. Nicht die Polizei, denn es gab ja keine Geschwindigkeitsbegrenzung und dass man noch anderes als Tabak rauchen konnte, wussten sie nicht. Auch nicht die Offiziere, waren sie doch damals in einem verwirrten Zustand – die Armee war gerade durch die Oswald-Reform weichgespült worden. Was mich betrifft, so habe ich damals herausgefunden, dass ich lieber Weißwein trinke, als dieses Kraut zu rauchen.
In dieser Zeit war eine unserer Lieblingsbeschäftigungen am Wochenende das Bombenbauen. Es herrschte in dieser Disziplin ein gnadenloser Wettbewerb. Ein möglichst grosser Rums war das Ziel. Natürlich nicht um jemand damit in die Luft zu sprengen, es gab ja noch nicht einmal die RAF. Nein, es ging um Hochzeits- und Silvesterknaller im Grossmassstab. Ich will hier keine Anleitung zum Bombenbauen geben, sonst wird plötzlich noch das Bluewin-Portal in Deutschland gesperrt und ich werde von ein paar freundlichen, Kaugummi kauenden Herren mit einem Privatflugzeug abgeholt. Nur soviel: Schwarzpulver war ein alter Hut, Dünger und Diesel kannten wir schon damals und auch das Nitrieren von Baumwolle gelang meistens ohne das Gartenhaus abzufackeln. Doch unsere Lieblingssubstanz war trotzdem das alte Karbid. Das Prinzip war einfach: Je grösser der Behälter, desto grösser der Rums. Milchkannen waren gut, ein Silo wäre besser gewesen. Zur Not tat's auch die Kanalisation.
Wenn ich heute frühmorgens im Mai durch einen Knall geweckt werde – das Hochzeitsschiessen ist bei uns immer noch Tradition – so wünsche ich zwar die Verursacher nach Guantanamo, frage mich aber, was denn heute so laut knallt.
Später wurde ich aber dann doch noch verhaftet, allerdings nicht wegen einer Bombe – dieses Hobby hatte ich aufgegeben – sondern wegen Schwarzsendens. Aber davon ein ander Mal.

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen knallfreien Tag, Euer Traumbombenbastler

Bild: Von JoJo




2007-09-20

Gesund wohnen

Von traumperlentaucher @ 06:46 [ Erinnerungen ]


Die Wahl des Wohnortes hat einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und vermutlich auch auf die Lebenserwartung. Doch dort zu wohnen, wo man wirklich möchte, ist nur wenigen gegönnt. Natürlich sind die Kriterien bei der Wahl des Wohnortes individueller Natur und von allerlei Zwängen bestimmt. Meistens von der Anzahl Tage, die am Ende des Monats noch übrig bleiben, wenn das Geld zu Ende ist, oder vom Abstand zum nächsten Zigarettenautomaten. Auch der öffentliche Verkehr ist beliebt, wobei ich öffentlichen Verkehr in der Regel für unanständig halte – ich würde sowas nie machen. Daneben spielen Schulhäuser, Kirchenglocken und Natelantennen noch eine gewisse Rolle. Natürlich möchte ich auch nicht neben einer Natelantenne schlafen und schon gar nicht unter einer Hochspannungsleitung. Und wenn ich schon dabei bin, meine No-No-Kriterien aufzuzählen: Kein Blick vom Schlafzimmerfenster auf einen schlafenden Vulkan oder einen Bach, der bei Regen zu einem riesigen Fluss wird, wie in Philip José Farmers „Flusswelt“. Aber vor allem möchte ich nicht neben einer vielbefahrenen Strasse wohnen. Erstens wegen den Katzen, zweitens wegen dem Feinstaub und den Abgasen und drittens wegen dem Lärm. Der stresst und macht krank. Es gibt aber Menschen, die werden krank, weil sie sich Lärm einbilden. Ich hatte mal so einen Nachbarn. Er war, glaub’ ich, Psychologe, was eigentlich als Erklärung schon genügen würde. Nun, ich bin ein sehr ruhiger Mensch, schiesse des Nachts nur selten mit der Schrottflinte aus dem Fenster und spiele auch nicht Posaune. Doch mein Nachbar belauschte mit seinen riesigen Flügelohren auch meine leisesten Aktivitäten. Er wusste von nächtlichem Stühlerücken und lautem Kaffeetrinken zu berichten. Fast täglich brachte er seine Reklamationen vor, manchmal per SMS. Schliesslich beauftragte er eine Truppe Bauspezialisten und Akustiker, die Schallisolation zwischen den beiden Wohnungen zu untersuchen. Er war sich sicher: da mussten einige Deebee fehlen, dabei fehlten ihm bloss ein paar Schrauben. Der Mann war nicht dicht. Darum fand er auch kein Frauenzimmer, das bei ihm bleiben wollte und musste die ganze Nacht alleine an der Matratze horchen – wer will schon einen Spinner. Schliesslich wurde es mir zu bunt und ich habe ihn „freundlich“ gebeten, mit seinem Lärm-Stalking aufzuhören. Ihr möchtet sicher wissen, was der Mann beruflich tat? Nun, ich denke, er führte Assessments für zukünftige Mänätscher durch.

Ich wünsche euch allen einen ruhigen Tag, Euer Traumperlentaucher.

Bild: Von Mike

2007-09-19

Tomaten im Jacuzzi

Von traumperlentaucher @ 07:22 [ Prophezeiungen ]


Man sollte nicht gerade dort wohnen, wo die russische Armee durchmarschiert, wenn sie in Europa einfällt und auch nicht in der Nähe von Städten mit ihren plündernden Horden. Überhaupt sind Großstädte so ziemlich die letzte Wahl, wenn die Welt im Chaos versinkt. Ausser man ist Spezialist im Häuserkampf. Die zweitschlechteste Wahl ist eine überbevölkerte und fremdversorgte Insel, deren Wasserpumpen und Stromgeneratoren auf Schiffe warten, die mit ihrem Diesel nie ankommen.

Inzwischen hat Gold sein 27-Jahre-Hoch getopt, der Dollar ist in einen Sturzflug übergegangen und das Öl klettert weit über die 80er Marke hinaus. Die Börse jedoch jubelt über die unerwartet heftige Zinssenkung des FED, doch nach dem Suff wird der Kater kommen. Die Börse wird noch dieses Jahr abstürzen – behaupte ich.
Nein, ich will euch nicht Angst machen sondern, wie gestern versprochen, nur ein paar nützliche Tipps geben um die Krise zu überstehen, wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt.

Dass Heizen mit Öl auf Dauer nicht schlau ist, sollten jetzt auch Nixmerker checken. Ein Schwedenofen mit einigen Ster Holz hinter dem Haus kann aber die Situation entschärfen. Geht der Strom aus und zeigt sich der Laster mit dem Öl nicht, so kriegt man und Frau nicht kalte Füsse. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.
Und wer das Schwein hat, einen kleinen Garten zu besitzen ist natürlich bestens versorgt. Aber Tomaten wachsen auch gut im Jaguar oder Whirlpool, man muss diese bloß mit etwas Erde füllen. Darum sollte man auch nicht unbedingt einen Kleinwagen kaufen. In großen wachsen mehr Tomaten und das stundenlange Warten in der Schlange vor der Tankstelle ist auch bequemer. Und notfalls könnte man darin wohnen.

Nebst einem Wohnort, weit weg vom Schuss, ist natürlich auch ein gewisser Vorrat von Nutzen. Wer sonntags zum Tankstellenshop muss, damit er was „kochen“ kann, hat eine schlechte Position. Etwas Schnaps, Wein und Zigaretten im Keller helfen immer, nicht zuletzt als Tauschmittel. Ein großer Sack Penne und ein Kanister Olivenöl auch.
Wer darauf angewiesen ist, dass der EC-Automat jederzeit Geld ausspuckt, könnte sein blaues Wunder erleben. Die Kästen haben in Ausnahmesituationen schneller fertig als man rennen kann.
Cash und einige Krügerrand können nie schaden. Wer alles Geld auf einer einzigen Bank liegen hat, sollte die Situation jetzt überprüfen. Aber nicht mit dem krawattierten Märchenerzähler von der Hausbank, der immer noch von seinen Hedge-Fonds fabuliert.
Ich möchte aber nicht soweit gehen, wie der Obercrashprophet Walter K. Eichelburg aus Wien und sagen, dass man alles Geld von der Bank holen sollte. Der Mann ist ja Inschenöär und da befällt mich sowieso eine grundsätzliche Skepsis – bin ja selbst ener. Doch auch das Szenario (Deflation) seines Gegenparts, Günther Hannich, scheint mir nicht über alle Zweifel erhaben. Der Mann schreibt Bücher und das sind aus eigener Erfahrung die Schlimmsten ;-) Trotzdem: alles Geld würde ich jetzt nicht mehr auf dem Konto stehen lassen. Ein gesundes Misstrauen schützt vor Enttäuschungen.

Also: festschnallen, es wird in der nächsten Zeit etwas holprig. Doch der Karren wird wohl nicht so schnell auseinanderfallen – hoffe ich. Euer Traumperlentaucher

Bild: Von Mike

Nachtrag: auch andere sehen es ähnlich.

Posts  1 - 10 /18