Welt am Abgrund
| Von traumperlentaucher @ 09:12 | [ Träume ] |

Es war ein schmaler Pfad, keine drei Fuss breit, der über den Grat führte. Nebelschwaden zogen über die felsige Landschaft und bedeckten die Abgründe links und rechts des unsicheren Wegs. Doch ich war nicht allein unterwegs, wie häufig in meinen Träumen. Mein Traumbegleiter – der Gesichtslose – war einige Meter vor mir und bestimmte das Tempo. Ich vermochte ihm kaum zu folgen.
Obwohl ich mich auf den holprigen Fußweg konzentrieren musste um nicht durch einen Fehltritt links oder rechts in das nebelverhangene Nichts zu stürzen, nahm ich die pilzförmigen Türme wahr, die unseren Weg in unregelmäßigen Abständen säumten. Wie Leuchttürme standen sie auf den Felsenerkern um die sich unser Pfad schlängelte. Die mit flackerndem Kerzenlicht erhellten Fenster unter den Pilzdächern deuteten darauf hin, dass sie bewohnt waren.
„Nicht so schnell“, rief ich dm Gesichtslosen zu.
„Wir können jetzt nicht rasten, es ist zu gefährlich hier“, war seine Antwort, die fast vom aufkommenden Wind davon getragen wurde.
Ein unheimliches Gefühl beschlich mich und es wurde noch durch die riesigen Vögel verstärkt, deren dunkle Schatten über den Felsengrat huschten. ‚Eine Welt am Abgrund’, schoss es durch meinen Kopf.
Erst als sich der Felsengrat zu einem massiven Rücken verbreiterte und voraus das beruhigende, dunkle Grün eines Wäldchens auftauchte, atmete ich auf. Auch unser Pfad wurde jetzt immer breiter und Pilzhäuser waren keine mehr zu sehen. Bei den ersten Bäumen – es waren kleine moosbewachsene Fichten – machte der Gesichtslose Rast. Ich setzte mich ausgelaugt auf einen Stein am Wegrand.
„Wer lebt so nahe am Abgrund?“, fragte ich meinen Traumbegleiter. Das Echo seiner Antwort hallt noch heute in meinen Gedanken nach und beunruhigt mich zutiefst: „Wir alle“, murmelte er, „wir alle!“
Schönen Sonntag und bis nächsten Oktober, Euer Traumperlentaucher
PS. Der letzte Beitrag war natürlich eine Satire - ich will ja nicht immer ernst genommen werden ;-)












