2007-08-31

Total unbedenklich

Von traumperlentaucher @ 07:06 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Es ist immer wieder interessant zu sehen, was die Menschen alles suchen, bzw. googeln.
Hier ein paar Muster aus meiner Blog-Statistik:

>>>schwarzes beim zähneputzen

Da hast du wohl Kohle gefressen, mein Lieber.

>>>Wer bezahlt meine Hörgeräte

Ich nicht, da bist du an der falschen Adresse, versuch’s mal bei Phonak

>>>wenn ich morgen welt untergeht heute

Was hast du denn geraucht? Ich möchte auch von dem Zeug!

>>>traumdeutungen mit vögeln

Entweder oder!

>>>unbedenklichkeitsbescheinigung bank

Stell ich dir gerne aus: du bist unbedenklich!

>>>suche hausfreundin

Kauf ne Katze, die ist billiger…ausserdem kriegste keine Schwierigkeiten mit deiner Frau.

>>>rezession der perfekte verführer

Das wage ich zu bezweifeln. Ich vermute du vermischst hier was.

>>>pfeffer kunstler

Ein Zaubertrick? Ich streu dir Pfeffer in die Augen und du siehst rot?

>>>im zug gebumst

„Gefahren“, heisst das. Beachte den mehrfachen Sinn dieses Wortes

>>>hornbrille traumdeutung

Klarer Fall: du warst gestern betrunken und hattest ein Horn in der Brille.
Eigentlich sollte es Birne heißen, aber du konntest nur noch lallen.

>>>essen wir im schlaf spinnen

Habe ich ja gesagt. Jeder findet Spinnen lecker.


Tz Tz, erstaunlich, welche Suchmuster zu meinem Blog führen. Ist es wirklich so schlimm?

Euer Traumperlensucher

2007-08-30

Und täglich grüsst das Murmeltier

Von traumperlentaucher @ 07:03 [ Ein Traum von einem Buch ]


So eine Firma, das ist wie der Film: „Und täglich grüsst das Murmeltier.“
Ein Tag ist wie der andere und jeden Morgen beginnt man von neuem mit der ewig gleichen Arbeit in einer ewig gleichen Umgebung mit den ewig gleichen Ohrfeigengesichtern. Ein Ausbrechen aus diesem Kreislauf scheint unmöglich zu sein.
Auch die Menschen in Alex Rieders Firma stecken in einer solchen Schlaufe. Immer die gleichen Rituale: Ein Marketing, das ewig auf neue Produkte wartet, eine Entwicklung die nie zur Zeit fertig wird, ein Einkauf, der immer das Falsche bestellt und eine Produktion, die wie Don Quijote gegen die Qualität kämpft – und nicht etwa dafür. Eigentlich ist es sogar noch schlimmer: Das Marketing verkauft Produkte, welche die Entwicklung nie fertig entwickelt hat, mit falschen Teilen vom Einkauf und in einer Qualität, die man nur als Zeitbombe bezeichnen darf.
Und trotzdem funktioniert es irgendwie.
Bis zu dem Zeitpunkt als die ersten Manager aus der Zentrale einmarschieren um das Schicksal der Firma in neue Bahnen zu lenken. Allemann zum Beispiel. Wie alle aus dem Dunstfeld Tedescos mit dem Titel „Global Irgendwas“ versehen. In seinem Fall war es „Global Quality“. Das „Global“ stand nicht nur für die Wichtigkeit dieser Damen und Herren, sondern auch für eine Globalisierung des Konzerns. In der Praxis hieß das zum Beispiel, dass man in den USA entwickelte, in Korea einkaufte, in Deutschland fabrizierte und in China das Marketing betrieb. Aber vielleicht habe ich hier etwas durcheinander gebracht. Doch das Resultat dieser Globalisierung bleibt in allen Variationen gleich: Es kostet mehr als vorausgesagt, die Qualität ist schlecht und die Verwirrung groß.
Doch zurück zu Allemann.
Wie bei all diesen „Global Irgendwas“-Typen war sein Auftreten forsch um nicht zu sagen arrogant. Und natürlich drückte er gleichzeitig auf alle „Knöpfe“, die er fand. Einer davon war Gribouille. Doch Gribouille ließ sich nicht so einfach „drücken“, denn er war ein Dickkopf und ein ungehobelter Klotz dazu. Das bewies er täglich von neuem.
Und natürlich bewies er es auch bei Allemann. Das heißt, er wollte es. Doch das ging dann in die Hosen – im wortwörtlichen Sinn. Denn Allemann bekam Unterstützung aus Düsseldorf. Nichts gegen Düsseldorf, auch wenn ich nicht dort wohnen möchte. Aber dort befand sich die deutsche Vertretung von Alex Firma und ein gewisser Herr Glock. Nein, nicht Bock, denn sein Vorname war Rüdiger und ich wollte diese Romanfigur nicht zum rüdigen Bock machen.
Mehr zu Allemann, Gribouille und Glock und ihrem Kreuzzug gegen die Qualität findet ihr im Buch.

Doch wo ist das Buch? Hat sich mein Verleger etwa globalisiert?

Es grüsst euch täglich, Euer Murmeltaucher

Mike: Du hast mir das falsche Bild geschickt. Das hier ist eine lahme Ente und kein Murmeltier. Aber irgendwie passt es ja auch.

2007-08-29

Rieders Kanapee

Von traumperlentaucher @ 08:04 [ Ein Traum von einem Buch ]


Büroschlaf reduziert nicht nur die Arbeitszeit sondern ebenfalls den Stress. Das wusste auch Walter Wienert, Entwicklungschef in der verrückterlichen Firma.
Da man jedoch in der Regel keine Matratze unter seinem Schreibtisch installieren kann und einen gewissen Schein aufrechterhalten muss, braucht es eine besondere Schlaftechnik. Wienert beherrschte sie meisterlich. Er „starrte“ mit geschlossenen Augen in seinen Computerschirm und behielt im Unterbewusstsein noch soviel Kontrolle über den Körper, dass sein Kopf nicht plötzlich auf die Tastatur knallte. Ein Katzenschlaf.
Es soll ja Leute geben, die fahren so Auto: Sie schließen kurz die Augen und nicken bis zur nächsten Kurve ein.
Da hatte es der Direktor der Firma, Alex Rieder, schon besser. Er besaß ein eigenes Büro und hatte dort für alle Fälle eine Schlafgelegenheit einrichten lassen. Nicht gerade ein Bett, das wäre zu auffällig gewesen, aber ein Kanapee oder Sofa.
Rieder hatte allerdings nicht ein regelmäßiges Schlafbedürfnis wie Wienert, obschon er diesem im Konsum von geistigen Getränken kaum nachstand. So benutzte er das Kanapee nur selten für den Büroschlaf. Trotzdem hat das Kanapee eine bewegte Geschichte miterlebt. Doch dummerweise kann es nicht sprechen. Es würde sonst von seltsamen Sitzungen und Strategien und von Fremdschläfern berichtet und von der Kreativität der Menschen, die es benutzten. Es würde die Geschichten von Putzfrauen, Direktoren, Staren und Sternchen und anderen Vögeln erzählen.
Doch um die Neugier meiner Leser zu befriedigen, habe ich seine Geschichten aus ihm herausgekitzelt und zu Papier gebracht.

Also, wenn ich mich heute bewerben müsste, ich würde zuerst nach einem Sofa fragen, Euer Tramperlenaucher

Bild: von Mike



2007-08-28

Jules Graber

Von traumperlentaucher @ 07:04 [ Ein Traum von einem Buch ]


Es ist komisch: Immer wenn ich an Jules denke, kommt mir Don Quijote in den Sinn. Das mag daran liegen, dass Jules auch zu denen gehörte, die wollten, aber nie konnten.
Aber es liegt vielleicht auch daran, dass Jules Sancho Panza im Schlepptau hatte, als er eines Tages die Firma heimsuchte.
Jules Weg in die Wüste war wohl vom ersten Tag an vorgezeichnet. Denn er hatte nicht nur mit dem unflätigen Gribouille und anderen Kamelen zu kämpfen, sondern kam, wie bereits erwähnt, schon bald mit Fred Winkler in Konflikt. Wäre es nach Winkler gegangen, hätte man Jules Graber nicht nur per pedes in die Wüste geschickt, sondern vorher auch noch geziegelt.

Wenn man Geschichten schreibt, so lebt man mit seinen Protagonisten. Man freut sich mit ihnen, man leidet mit und wenn sie sterben, stirbt man auch ein wenig. Zumindest mit den Sympathischen unter ihnen. Und Jules Graber, Ritter von trauriger Gestalt, gehört eindeutig zu den Sympathischen. Ich bin überzeugt, dass die Leser ihn ins Herz schließen werden. Sie werden mitleiden, wenn er wieder mal nicht zum Zug kommt und ihm der Knackarsch oder einer der anderen Schürzenjäger die Beute vor der Nase wegschnappt. Sie werden aber frohlocken, wenn er an einer Party ausnahmsweise das Alter Ego rauslassen und ein bisschen mit einer halbnackten Schönheit rummachen oder gar Gilbert abfüllen darf. Aber was auch immer geschah, Jules war und blieb ein Gentleman.

Wenn einer beim Sprechen stottert, hat er etwas ausgefressen oder ist ein Idiot. Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit: Er ist Übergscheit. Ich denke, das trifft auf Jules zu. Er ist eine äußerst intelligente Romangestalt und so eine Art wandelndes Lexikon. Was aber nicht in jeder Situation von Vorteil ist, wie wir erfahren werden. Hätte er nicht Goethe rezitiert, wäre vielleicht auch die Geschichte mit den Carabinieri anders ausgegangen. Doch Romangestalten die gescheiter als der Autor sind, lassen sich nur schwer beherrschen. Sie entwickeln oft ein Eigenleben und stellen dabei die verrücktesten Dinge an.

Mag sein, dass ich Jules nicht ganz gerecht wurde. Mag sein, dass er lieber gekifft als gekokst hätte, würde er in Wirklichkeit existieren. Doch gebumst hätte er (sie) in jedem Fall gerne, wenn er gekonnt hätte, das weiß ich.
Schließlich kommt Jules noch vergleichsweise gut weg, wenn ich an seinen Chef, Walter Wienert denke. Auch er gehört zu den sympathischen Protagonisten, doch hatte er meistens zuwenig Blut im Alkohol.

Mehr will ich hier über Jules nicht verraten. Nur eines noch…hätte ich ihn im wirklichen Leben getroffen, ich hätte ihn sicher gut gemocht.

Einen wunderschönen Tag wünscht euch: Euer Traumperlentaucher

PS. Gescheite können sich im Notfall dumm stellen, umgekehrt ist's aber leider nicht möglich.

2007-08-27

Fred Richtig

Von traumperlentaucher @ 06:28 [ Ein Traum von einem Buch ]


Fred Winkler's Markenzeichen war das Wort "Richtig". Er pflegte jeden zweiten Satz mit dieser Bewertung zu beginnen. Erstaunlicherweise verwendete er nie das Wort "Falsch", aber vielleicht hatte er das in einem Seminar für Führungskräfte gelernt.
Er war das, was man Generalist nennt, als Manager und Liebhaber war er in allen Stellungen tätig. Doch das genügte ihm nicht, er wollte mehr: nämlich den Sessel seines Chefs, Alex Rieder. Doch leider gab es auch hier Konkurrenz. Da war z.B. Daniel Malenfant, der Marketingchef, aber auch Eckhart Norman, ein Betriebsberater aus dem hohen Norden. Carlos Tedesco hatte ihn ausgewählt und losgeschickt. Wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, weil sein Kopf immer dann zündrot wurde, wenn er log und er sich somit einfach kontrollieren ließ. Andere Fähigkeiten als das Rotwerden hatte Norman nicht. Sein Lebenslauf war eine einzige Loser-Story. Tedesco liebte solche Mitarbeiter, denn sie standen unter einem besonders hohen Erfolgsdruck. Sie mussten endlich beweisen, dass sie nicht nur wollten, sondern auch konnten.
Doch zurück zu Winkler: Er war für seine Mitmenschen, Chefs wie Untergebene, schwer zu durchschauen. Vordergründig jovial und aufgeschlossen, scheinbar loyal und hilfsbereit. Doch wehe, man drehte ihm den Rücken zu. Winkler hatte immer ein Messer parat. Natürlich nicht ein richtiges, sondern eines in Form einer spitzen Bemerkung, eines selbstgebastelten Gerüchts oder einer getürkten Exceltabelle. Daher war er nicht besonders beliebt, außer bei den Frauen. Denn Winkler hatte das, was Frauen einen knackigen Arsch nennen.
Eigentlich wäre Winkler für die Produktion zuständig gewesen, aber erstens verstand er nicht viel davon und beschränkte sich deshalb auf das Weitermelden von Stückzahlen und zweitens fraß er gerne über den Zaun. Doch das allein genügte nicht um ihn seinem Ziel, dem Direktorensessel, näherzubringen. So wurde er zum Lobbyist in eigener Sache, fuhr häufig in die Zentrale und versuchte sich in die Nähe von Carlos Tedesco zu manövrieren.
Der Puppenspieler Tedesco wunderte sich zwar über die unbekannte Puppe, die da plötzlich in seinen Laden marschierte, doch bald schon hatte er die passenden Fäden gefunden und ließ Winkler kräftig zappeln. Das machte Fred Winkler glauben, dass er den richtigen Draht zum Oberguru gefunden hatte und er merkte nicht, dass dieser Draht bloß ein Faden war und Tedesco in der linken Hand bereits eine Schere parat hielt. Trotzdem war es nicht Tedesco, der das Schicksal Winklers schlussendlich bestimmte. Nein, es war eine geheimnisvolle Tänzerin, die eines Tages aus dem Nichts auftauchte…und natürlich unser bekanntes Trio.

Richtig, heute ist ein wunderschöner Tag, Euer Traumperlentaucher



2007-08-26

Suppenprovisorisch von hinten

Von traumperlentaucher @ 08:14 [ Ein Traum von einem Buch ]


„Hast du denn keine Angst, dass man dein Buch verbieten wird – zum Beispiel mit einer Superprovisorischen Verfügung“, fragte mich gestern ein Bekannter.
„Suppenprovisorisch?“, entgegnete ich. „Wieso denn? Du weißt, ich bin ein alter Geschichtenerzähler und das Buch hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun.“
„Es könnte aber sein, dass sich zum Beispiel ein großes Tier für Carlos Tedesco hält und dich einklagt!“
„Aha! Und was erzählt dann das Tier? Etwa: „Ich heiße zwar nicht Carlos Tedesco, aber ich halte mich dafür.“ Und dann wird ihn der Richter fragen: „Und sie hatten eine Sekretärin die zwar nicht Alma hieß, aber sich dafür hielt? Und Sie sind eigentlich kein Top Shot, sondern ein Puppenspieler, der Leute ab und zu in die Wüste schickt, zum Beispiel den MBA-Studenten, der sich für André Hope hält?“
„Nein, nein, ich schicke keine Leute in die Wüste und schon gar nicht welche, die Hope heißen möchten. Und ich bin weder Top Shot, noch Puppenspieler, sondern Si-i-O!“
„Aber Sie halten sich für Tedesco, Herr Si-i-O?“
„Nein, das heißt… ja doch, beziehungsweise… ich weiß, dass der Kerl in seinem Buch mich meint.“
Der Richter wird sich vermutlich im Haar kratzen und seinen Kollegen anrufen, der Psychiater ist.“
„Ja, ja, das ist alles gut und recht“, winkte mein Bekannter ab. „Aber es gibt da noch andere Personen in deiner Geschichte, die könnten sich wirklich betupft fühlen. Zum Beispiel Fred Winkler.“
„Aha, und da käme also jemand daher und würde sagen:
„Ich heiße zwar nicht Fred Winkler und habe meine Sekretärin auch nie nachts auf dem Bestückungsautomaten gebumst und auch nicht stockbesoffen aus dem obersten Stock gepinkelt, aber ich halte mich für Fred Winkler!“
Der Richter wird sich im Haar kratzen und sagen: „Ja um Himmels Willen, wieso identifizieren Sie sich denn mit diesem Winkler?“
„Weil ich in einer früheren Firma mal einen Chef hatte, der meinte, ich sei ein Arschloch.“
Der Richter wird grinsen und vermutlich antworten: „Das haben Sie gesagt, Herr Winkler, das haben Sie gesagt.“
Aber vielleicht ist der Richter ein Schelm und er würde den eingebildeten Winkler fragen:
„Wo haben Sie denn ihre Sekretärin gebumst, wenn es nicht auf dem Bestückungsautomaten war?“
Darauf würde Winkler rot werden, etwas herumdrucksen und schließlich murmeln: „Hinten, Herr Richter.“

Ich wünsche euch einen lustigen Sonntag, Euer Traumperlentaucher

2007-08-25

Vollkostweiber

Von traumperlentaucher @ 07:59 [ Ein Traum von einem Buch ]


Hope traf in der Wüste nicht nur auf andere Kamele wie Alex Rieder, sondern auch auf undurchsichtige Typen wie Fred Winkler und hübsche Blondinen wie Mireille, die ihm gerne beweisen wollte, dass sie auch wirklich blond war. Natürlich traf er auch ihre beste Freundin, Esti. Die beiden waren damals unzertrennlich, denn sie waren beide Jägerinnen. Esti war übrigens keine Kostverächterin. Sie vernaschte alles, was ihr vor den üppigen Busen lief, ob Mann oder Frau. Nur Mireille ließ sie erstaunlicherweise in Ruhe. Vielleicht lag das daran, dass sich Esti bereits mit ihrem Vater verlustiert hatte, einem Späthippie, den man zuweilen zugekifft und splitternackt am See antreffen konnte. Doch zurück zu Hope:
Unerfahren wie er war, geriet er bei seiner Wüstenwanderung schon bald in Treibsand in Form einer weiteren blonden Schönheit. Nennen wir sie einfach mal Noemi. Sie war Esti’s zweite Spezialfreundin und ebenfalls Vollkostfrau. Zudem war sie außerordentlich clever, eine Art Mata Hari*, und wusste deshalb Hope in ihren Bann zu ziehen. Damit kam der junge Meister der Bisness Ädministreischen automatisch in Konflikt mit dem eingangs erwähnten Winkler – seines Zeichens Produktionschef. Winkler hatte nämlich eine Schwäche für großgewachsene Businessblondinen. Böse Zungen behaupteten, dass er bei Ihnen seine „Fachkenntnis“ voll einsetzen konnte. Im Gegensatz zur Produktion, von der er keine große Ahnung hatte.
Natürlich waren die beiden Konkurrenten nicht allein. Die halbe männliche Belegschaft umschwirrte das weibliche Trio wie Motten das Licht. Zum Beispiel auch Jules Graber, verhinderter Entwicklungsingenieur und verhinderter Regisseur. Doch dazu mehr in einem späteren Beitrag.

Ich will hier nicht verraten, wer bei wem zum Zug kam. Das steht schließlich alles im Buch. Ich möchte lediglich erwähnen, dass Hope schon bald nach seinem Eintreffen in ungeahnte Schwierigkeiten schlitterte und damit wesentlich zur Verwirrung beitrug, die sich daraufhin in der Firma ausbreitete. Das folgende Chaos hätte sich Tedesco nicht einmal in seinen geheimsten Puppenträumen ausmalen können.

Gewisse Bücher schreibt man einfach gnadenlos, Euer Traumperlentaucher

Wichtiger Hinweis: Alle Personen und Firmen in diesem Blog sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

*Mata Hari, berühmte Nackttänzerin und Spionin. Sie soll übrigens vor ihrer Hinrichtung gesagt haben: „Der Tod ist nichts, auch das Leben nicht was das betrifft. Zu sterben, zu schlafen, ins Nichts zu verschwinden, was macht das schon? Alles nur Illusionen!“

2007-08-24

Die Unberührbaren

Von traumperlentaucher @ 09:14 [ Ein Traum von einem Buch ]


Obschon Carlos Tedesco in seinem Konzern die erste Geige spielte, in der Geschichte der „Verrückterlichen Firma“ besetzt er nur eine Statistenrolle. Denn im Sandwich zwischen einem dominanten Verwaltungsrat und einer teuren Frau lässt seine Rolle wenig Spielraum für eigene Träume. Kurz: Eigentlich ist er ein armes Schwein. Ganz anders André Hope. Obwohl nur eine kleine Nummer, kann er sich die größten Eskapaden erlauben. Das ist übrigens typisch für dieses Unternehmen: Wer in die Wüste geschickt wird, mutiert für einige Zeit zu einem Unberührbaren. Manager bevorzugen allerdings das Wort „Selbstläufer“. Das sind Leute, die selbstständig Spesen machen und die man lieber nicht kontrolliert. Und so lief schließlich auch André Hope selbstständig in die Wüste hinaus.
Doch die Wüste ist keineswegs eine traurige Landschaft. Es gibt dort zwar wenig Wasser und viele Kamele, aber jede Menge Alkohol und interessante Gesellschaft, insbesondere auch weibliche. Da niemand aus der Teppichetage etwas mit einem Unberührbaren zu tun haben will, hat dieser in der Regel auch keinen Chef und niemand der auf ihn aufpasst. Alle warten darauf, dass er sich in der Wüste verirrt und hinter dem Wahrnehmungshorizont verschwindet
Doch Hope war sich gar nicht bewusst, dass er in der Wüste herumirrte. Sein aufgeblasenes MBA-Bewusstsein versperrte ihm die Sicht auf den öden Horizont. Er meinte immer noch, er sei der wichtigste und cleverste Inschenör des ganzen Konzerns. Zumal ihm Tedesco, gewissermaßen zum Abschiedsgruss, eine Aufgabe mit auf den Weg gegeben hatte. Hope sollte einen neuen Geschäftsbereich aufbauen. Natürlich glaubte Tedesco nicht im Ernst daran, dass daraus was werden könnte. Mit seinem Abschiedsgeschenk entledigte er sich elegant einer Aufgabe, die ihm sein aufsässiger Verwaltungsrat aufs Auge gedrückt hatte.

Hope stand also in der Business-Wüste, glaubte sich in einer paradiesischen Oase und machte sich daran, ein neues Geschäft aus dem Nichts zu erträumen, wie er es in der MBA-Gehirnwaschküche gelernt hatte: Er machte Pläne. Er füllte Exceltabellen mit Produktpreisen und Verkaufszahlen, die er sich ausgedacht hatte und kreierte eindrucksvolle Powerpoint-Präsentationen mit exponentiellen Verkaufskurven, in der Managersprache Hockeysticks genannt. Und das wichtigste: er ersann ein Logo und ein Leitbild.
Aber Hope hatte in seiner teuren Ausbildung auch gelernt, dass ein Mänätscher nicht selbst arbeitet, sondern andere für sich arbeiten lässt. Er brauchte also dringend Untertanen. Doch in der Wüste waren natürlich keine zu finden und so betrat Hope eines Tages wiederum das Büro von Carlos Tedeso und verlangte ein Heer von Mitläufern.
Tedesco, der Puppenspieler, schrak von seinem Computer auf, wo er nach Sexseiten gesurft hatte und war gar nicht erfreut über Hopes Ansinnen, denn das roch nach zusätzlichen Kosten. Aber er wäre kein Puppenspieler gewesen, wenn er nicht auch für dieses Problem eine Lösung parat gehabt hätte: „Es gibt in einem Betrieb immer Leute, die nichts zu tun haben. Spannen sie sie ein. Aber verursachen Sie mir damit ja keine zusätzlichen Kosten.“
In diesem Augenblick erinnerte sich Tedesco eines kleinen Zweigbetriebs irgendwo in der Provinz und daran, dass er auch dessen Chef, Alex Rieder, in die Wüste geschickt hatte.
„Wir haben übrigens in unserem Konzern ein Unternehmen, das geradezu prädestiniert wäre für ihre Bedürfnisse. Die Leute dort haben sowieso nichts Gescheites zu tun. Besuchen Sie mal diesen Laden und spannen Sie die Leute ein. Sie haben meinen Segen."
Damit hatte Tedesco zweierlei erreicht: Erstens verschwand Hope für eine Weile aus dem Bereich seines Periskops und zweitens hatte er dem ungeliebten Alex Rieder ein Problempaket in die Wüste gesandt, an dem er sich die Zähne ausbeißen würde.
Doch schließlich kam alles anders, denn auch Puppenspieler können irren.
Wie sehr, erzählt “Eine verrückterliche Firma“.

Wichtiger Hinweis: Alle Personen und Firmen in diesem Blog sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Frohes Wüstenwandern, Euer Traumperlentaucher

Bild: von Mike

2007-08-23

Menschen wie Du und Ich

Von traumperlentaucher @ 07:45 [ Ein Traum von einem Buch ]


Carlos Tedesco, zum Beispiel, Konzernchef und Puppenspieler. Droht zwischendurch auch mal mit der spanischen Inquisition und versteht keinen Spaß, wenn es nicht sein Spaß ist. Er versteht es ausgezeichnet, in seinem Betrieb ein bestimmtes Maß an Unzufriedenheit aufrechtzuerhalten und natürlich auch ein gewisses Misstrauen. Denn solange sich seine Untergebenen gegenseitig am Stuhl sägen, solange zetteln sie keine Palastrevolution an.
Doch gibt es immer wieder Untertanen, die sich nicht an die Spielregeln halten.
André Hope, zum Beispiel. Ein junger Ingenieur, der bisher nicht durch besonderen Einfallsreichtum auffiel. Hope beschloss eines Tages, seine glanzlose Ingenieurkarriere durch den Besuch einer MBA-Schule aufzupeppen. Zurück von der Gehirnwäsche, war er wie ein umgedrehter Handschuh. Hope redete nur noch Kauderwelsch und hielt sich für einen Grömaz – den größten Manager aller Zeiten. Um sein neu aufgeblasenes Selbstbewusstsein einem Test zu unterziehen, stolzierte er geradewegs in Tedescos Büro und sagte: „Da ich jetzt nicht mehr Inschenör bin, sondern Master of the Universe, brauche ich endlich einen vernünftigen Job, einen den ich so richtig managen kann. Und natürlich auch ein passendes Salär und einen tollen Geschäftswagen, versteht sich.“ Einen wie du fährst, wollte er noch anfügen, doch konnte er es gerade noch verklemmen.
Tedesco war irritiert, Hope hatte sein spanisches Mitarbeiterschema verlassen und war nicht mehr einzuordnen. Doch Tedesco wäre kein richtiger Puppenspieler, wenn er keine passende Lösung für den egozentrischen Überflieger parat gehabt hätte. Mit einem feinen Lächeln im sonnengebräunten Gesicht schickte er ihn in die Wüste, beziehungsweise in ein hoffnungsloses Projekt, das ihm sein Verwaltungsrat aufs Auge gedrückt hatte.
Damit war Hopes Weg vorgezeichnet und er traf auf Alex Rieder, den zweiten Mann, den Tedesco in die Wüste geschickt hatte.

Fortsetzung folgt nächstens in diesem Theater, Euer Traumperlentaucher

…und natürlich im Buch „Eine verrückterliche Firma“, das jetzt endlich erscheinen soll, wie mir mein Verleger versichert.

Bild: Wie gesehen und gefahren, von Mike natürlich..doch was zum %#!& sind eigentlich Battierys?

2007-08-22

Der Buchstabensauger

Von traumperlentaucher @ 07:19 [ Träume ]


„Was aus dem Nichts kommt, muss früher oder später auch wieder dorthin verschwinden.“
Der Gesichtslose deutete auf die riesige blaue Spirale, die trichterförmig aus der Mitte des Flusses ragte. Sie bewegte sich im Wind leicht hin und her und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass sie etwas suchte.
„Der Trichter kommt aber nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Fluss“, protestierte ich. „Und wenn er verschwindet, dann wieder dorthin. Außerdem besteht er sicher aus Wasser – ein Naturphänomen.“
„Ein Traumphänomen“, korrigierte der Gesichtslose und hustete dabei.
„Eine Traumregel“, spottete ich. „Träume kommen aus dem Nichts und verschwinden wieder dorthin.“
Mein Kommentar schien der blauen Trichterspirale nicht zu gefallen. Sie neigte sich uns zu und ich konnte direkt in ihren Schlund blicken.
„Dann würden auch deine Gedanken aus dem Nichts kommen und wieder dorthin verschwinden“, gab mir mein Traumbegleiter zu bedenken.
Der Trichter rückte bedrohlich näher und ich spürte einen eisigen Luftzug mit Pfefferminzgeschmack. Wollte er uns gar verschlucken?
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte ich beunruhigt.
„Er nimmt an unserem Gespräch teil.“
„Aber er kommt doch aus dem Nichts!“
In diesem Augenblick sah ich, wie mein Satz in einzelne Buchstaben zerlegt aus meinem Mund floss und wie sie direkt in den blauen Trichter purzelten.
Die Antwort des Gesichtslosen konnte ich nicht mehr verstehen. Ich sah bloß, wie auch aus seinem Kopf Buchstaben strömten, durcheinander wirbelten und dann im Mund des Trichters verschwanden.
„Wer bist du? Was willst du?“, brüllte ich der unheimlichen Erscheinung entgegen. Doch ich hörte meine eigenen Worte nicht. In schwarze Buchstaben demontiert wurden sie sogleich vom Trichterwesen verschluckt. Schriftart Arial, schoss es mir noch durch den Kopf, bevor ich aufwachte.

Versucht nicht nichts zu denken, Euer Traumperlentaucher

Bild: von Mike

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