2007-02-28

Die tote Katze und der Traumbaum

Von traumperlentaucher @ 06:35 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Gestern bin ich bei der Rückkehr vom Einkaufen wieder der bunt gescheckten Katze begegnet, die oft meinen Weg kreuzt. Sie lag tot auf der Strasse. Wieso nur, habe ich mich gefragt, lassen sich Katzenviecher immer tot fahren?
Selber habe ich Gott sei Dank noch nie eine Katze überfahren, aber oft schon bremsen müssen, wenn eine Samtpfote in Mäuseträume versunken unvermittelt über die Strasse raste.
Obschon ich im Zeichen der Katze geboren bin und diese eigensinnigen Einzelgänger mag, möchte ich keine Katze sein. Nicht wegen dem Überfahrenwerden. Nein, wenn ich etwas anderes als ein Mensch sein müsste und die Wahl hätte, so möchte ich ein Baum sein.
Was? Ihr findet das langweilig?
Ich denke es muss wunderschön sein, als alte Eiche auf einem Hügel zu stehen, tagein und tagaus über das weite Land zu blicken und zu sehen, wie es sich allmählich verändert. Es muss wunderbar sein, den Geschichten des Windes zu lauschen, der in den Blättern spielt und die kurzlebigen zweibeinigen und vierbeinigen Geschöpfe bei ihrem hektischen Leben und Vergehen zu beobachten. Es muss faszinierend sein, Jahrhunderte kommen und gehen zu sehen, unzähligen Unwettern zu trotzen und doch jeden Frühling wieder die Kraft zu spüren, die von den Wurzeln ausgehend durch den dicken Stamm in die Äste und dann in die Knospen strömt. Dann, wenn sich die frischen, hellgrünen Blätter entfalten, muss es sich anfühlen, wie neu geboren zu werden – jeden Frühling, immer wieder. Es muss fantastisch sein, die Erde mit seinen Wurzeln zu spüren. Kein anderes Wesen ist so mit diesem Planeten verbunden.
Welche Träume mögen diese Geschöpfe haben? Weltenträume? Gaiaträume? Sternenträume?
Vielleicht würde in meinem Eichenleben eines Tages ein Mensch vorbei kommen und sich zu meinen Wurzelfüssen unter mein Blätterhaupt setzen. Und vielleicht würde er gar in meinem Schatten träumen und ich könnte dann ein paar Splitter seiner Träume erhaschen.
Wenn ich Glück hätte, würde er gar seine Hände auf meinen Stamm legen um meine Kraft zu spüren und wir könnten dann zusammen träumen.

Mit verwurzelten Grüssen, Euer Traumperlenbaum

Bild: Waldorgel, von Mike

2007-02-27

Zurück in frühere Leben

Von traumperlentaucher @ 06:43 [ Traum Rezepte ]


Wie bereits in diesem Blog erwähnt, glaube ich, dass unsere Träume Hinweise auf frühere Leben geben können. Eine Möglichkeit mehr darüber zu erfahren ist eine begleitete Rückführung. "Reinkarnationsspezialisten" versetzen dabei ihre „Patienten“ in Hypnose und versuchen sie dann durch gezielte Fragen bis zum Zeitpunkt ihrer Geburt und anschliessend darüber hinaus in ein früheres Leben zu führen. Doch das kann eine gefährliche Reise werden, denn die Kandidaten überwinden dabei mit einem Teil ihrer Seele Zeit und Raum. Abgesehen davon, dass manche Reinkarnationsspezialisten dazu neigen, die gegenwärtigen Probleme ihrer Klienten auf Ereignisse in früheren Leben zurückzuführen und damit u.U. gefährliche Verbindungen schaffen, kann es geschehen, dass man auf der Rückreise in die Gegenwart einen blinden Passagier mitnimmt. Zum Beispiel einen Dämon.
Denn auf der Reise von einem Leben in ein anderes werden Zwischenräume durchquert, die wir nur in Begleitung eines Engels besuchen sollten. Es braucht wenig um dabei vom lichten Pfad abzukommen und in die Finsternis zu geraten und
es ist wesentlich sicherer, in den Fluss unserer Träume zu tauchen und darin nach den Perlen aus früheren Leben zu suchen.

Namaste, Euer Traumperlentaucher

Bild: Wege von Jo

2007-02-26

Traumtagebuch

Von traumperlentaucher @ 08:09 [ Traum Rezepte ]


Ein bewährtes Mittel um seine Traumintensität zu steigern ist ein Traumtagebuch.
Jeden Morgen werden die Traumerlebnisse der vergangenen Nacht aufgeschrieben. Kein Detail ist zu unwichtig um nicht erwähnt zu werden - auch wenn es nur eine Hausnummer ist. Die Szenen und die Menschen werden genau beschrieben wie sie erlebt wurden, die Worte, die gesprochen wurden, Kleidungsstücke, Gegenstände und ebenso die Landschaften. Aber auch die Gefühle, welche die Träume hinterlassen, sind wichtig.
Mit der Zeit wird man sich immer besser erinnern und immer mehr Einzelheiten bleiben im Gedächtnis haften. Aber auch ein anderer Effekt wird sich einstellen: Es wird leichter, die gleichen Träume mehrmals aufzusuchen.
Natürlich kann man versuchen, seine Träume zu deuten, oder von jemandem deuten zu lassen. Doch sollte man (Frau) wissen, dass die Traumdeutung keine Wissenschaft ist. Ja, die Gehirnforscher sind sich nicht einmal darüber einig, wieso wir überhaupt träumen.
Der beste Weg, mehr über seine Träume zu erfahren, liegt im Träumen selbst. Wichtige Träume immer wieder aufzusuchen und ihnen nachzuspüren, in sich hineinzuhorchen, die Gefühle, die sie erzeugen auszuloten, die Assoziationen, die sie wecken abzuwägen, scheint mir Erfolg versprechender, als den Erklärungsversuchen eines Amateurschamanen zu lauschen.
Allerdings gibt es noch einen anderen Weg, mehr über gewisse Träume zu erfahren, doch der ist äusserst gefährlich. Mehr darüber morgen in diesem Blog.

Mit herzlichen Grüssen, Euer Traumperlentaucher

Bild: Traumspiegel, von Jo

2007-02-25

Fenstergucker

Von traumperlentaucher @ 07:03 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Zu den interessantesten Tätigkeiten gehört das Menschenbeobachten. Immer wieder entdecke ich dabei neue Typen. Nebst den allseits bekannten Selbstdarstellern in allen Variationen fallen mir vor allem die
Sichselbstvergesser, Heimlichfurzer, Brillenfetischisten, Möchtegernoberlehrer, Servierdüsenbeeindrucker und Pausenclowns auf. Alle selbstverständlich auch in der weiblichen Ausprägungsform. Doch kürzlich bin ich auf eine neue Kategorie gestossen: die Fenstergucker.
Zuerst habe ich mich über diese Neuentdeckung gefreut, doch dann ist mir der Schreck in die Knochen gefahren. Ich habe nämlich bemerkt, dass ich selber dazu gehöre.
Diese Eigenschaft ist schon früh, nämlich in der ersten Schulklasse zu Tage getreten und hat sich dann laufend verstärkt. Wo ein Fenster war, musste ich einfach hindurch sehen. Ich konnte mich dagegen nicht wehren, wie magisch haben mich diese Gucklöcher angezogen. Natürlich sehen auch normale Leute ab und zu gerne durch ein Fenster, aber ich konnte meinen Blick nur mit Mühe davon lösen. Diese Aussicht durch eine transparente Grenze in eine andere Welt faszinierte mich. Auch meinen Lehrern blieb dies nicht lange verborgen. Denn das exzessive Fenstergucken manifestierte sich leider in meinen Noten.
Trotzdem bin ich dieser Passion treu geblieben. Mein Blick wird von Fenstern aller Art magisch angezogen und ich kann nicht anders, ich muss einfach hindurch sehen.
Der Blick durch ein Fenster ist wie ein Traum. Man sieht Dinge, die man nicht erreichen kann, man nimmt teil am Geschehen, ohne wirklich dabei zu sein.

Darum schaue ich noch heute, dass ich in der Bahn oder im Flugzeug einen Fensterplatz bekomme – im Auto habe ich ja meistens einen, vor allem wenn ich selber fahre.

Mit Fenstergrüssen, Euer Traumperlengucker

2007-02-24

Hypnoträume

Von traumperlentaucher @ 06:50 [ Traum Rezepte ]


Hypnotisiert euch selber oder fragt euren Hausfreund oder eure Hausfreundin.

Eine Methode einen Traum wieder zu finden ist meines Erachtens die Hypnose. Zwar ist umstritten, ob ein posthypnotischer Befehl auch jenseits der Grenze wirkt, welche die Wirklichkeit von der Traumwelt trennt, aber es ist sicher einen Versuch wert.
Die Resultate meiner eigenen Experimente waren verblüffend. Einerseits fand ich die Träume, nach denen ich gesucht hatte, andererseits aber auch Träume, nach denen ich gar nie gesucht hatte, ja, gar nie suchen würde. Darunter einige Perlen, aber auch einige wüste Traumwelten, die ich lieber wieder vergessen würde.

Doch das mit dem Vergessen funktioniert bekanntlich nicht nach Wunsch. Denn unser Erinnerungsspeicher ist ziemlich eigensinnig. So kann ich mich an Träume erinnern, die ich vor zwanzig Jahren geträumt habe. Die Bilder sind so klar, als wäre es erst gestern gewesen und ich erinnere mich an jedes Wort, an jedes kleinste Detail. Ich erinnere mich zum Beispiel an die rätselhafte Zahl, die ich einmal in einem Traum gesehen habe. Jahrelang habe ich damit Lotto gespielt, aber es hat nichts genützt. Andere Träume wiederum verschwinden nullkommanix hinter dem Schleier des Vergessens.

Ist es nicht seltsam, dass man sich an gewisse Träume ebenso gut erinnert wie an Erlebnisse in der Wirklichkeit? Oder ist etwa so, dass unser Erinnerungsspeicher zuweilen Wirklichkeit und Traum durcheinander bringt? Es gibt Erlebisse in meinem Leben, von denen ich heute nicht mehr sagen kann, ob ich sie wirklich erlebt oder nur geträumt habe.

Mit hypnotischen Grüssen, Euer Hypnoperlentaucher

2007-02-23

Die Traumverschwörung

Von traumperlentaucher @ 06:26 [ Gedanken & Beobachtungen ]


Es gibt Menschen, die glauben, dass Aliens von einem fremden Stern schon lange unter uns leben und es gibt andere, die glauben, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat, sondern in einem Hollywood Studio gefilmt wurde. Wieder andere nennen die Kondensstreifen der Flugzeuge „Chemtrails“ und glauben, dass wir mit geheimnisvollen Substanzen besprüht werden und gar viele glauben, dass 9/11 ganz anders gelaufen ist, als es offiziell dargestellt wird. Es gibt unzählige solcher Spekulationen und sie werden Verschwörungstheorien genannt. In der Geschichte der Menschheit hat es sicher unzählige Verschwörungen gegeben, die meisten sind vermutlich gar nie ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Ob an den heutigen Verschwörungstheorien etwas dran ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich möchte eine neue Verschwörungstheorie hinzufügen:
Niemand weiss genau, wieso wir träumen. Wenn wir von unserem Chef oder von unserer Ex träumen ist das noch erklärlich. Doch was ist mit den Träumen, in denen wir von Menschen träumen, denen wir noch nie begegnet sind und von Gegenden in denen wir noch nie gewesen sind, ja, die unseres Wissens auf der Erde gar nicht existieren?
Ich habe in früheren Blog-Beiträgen behauptet, dass wir uns einerseits in unseren Träumen an unsere Vergangenheit, sogar an unsere früheren Leben erinnern und dass wir andererseits im Traum unsere Zukunft voraussehen können. Das ist an und für sich schon eine Verschwörungstheorie. Aber vielleicht ist alles ganz anders und unser Leben ist nicht wirklich, sondern unsere Träume sind es. Vielleicht werden wir ja nur geträumt, von einem grossen Träumer? Vielleicht sind wir alle nur Traumgestalten, wie Simulationen in einem riesigen Computer?

Mit simulierten Grüssen, Euer Traumverschwörungstaucher

Bild: Von Mike, Starfotograf und Künstler aus Antigua

2007-02-22

Ver-rückte Träume

Von traumperlentaucher @ 06:46 [ Träume ]


Jeder Traum ist ver-rückt, doch einige sind ver-rückter als andere. Ja, ihr habt richtig gelesen: ich schreibe ver-rückt, weil Träume nicht einfach verrückt sind - nur ver-rückt im Sinne von „verschoben“, „nicht am richtigen Platz“.
Einer meiner ver-rücktesten Lieblingsträume ist der Flug mit dem VW-Bus. Dieser Bus hat Flügel und es ist sehr mühsam, die Kiste in die Luft zu bekommen. Gott sei Dank hat der Traumflugplatz, auf dem ich jeweils starte, eine lange Piste. Trotzdem streife ich dabei oft die Baumwipfel hinter dem Flugplatz. Der liegt übrigens irgendwo im Süden, das weiss ich genau, aber fragt mich nicht woher. Ja, ich denke, dass er auf der Südhalbkugel der Erde liegt. Doch welcher Erde?
Ich liebe die Ausflüge mit dem fliegenden VW-Bus. Die Steuerung ist sehr einfach und einmal in der Luft verhält sich die Kiste gutmütig. Das heisst: man kann damit nicht abstürzen, gleich was man auch tut. Hinter dem Flugplatz geht’s eine Weile über den Dschungel, dann überfliegt man eine Pfahlbausiedlung mit Touristen wie Clowns und anschliessend menschenleere Strände an einer unendlich langen Küste. Bis man auf die Stadt trifft. Es ist eine Stadt wie ich sie nicht aus dem realen Leben kenne: Wie glitzernde Riesenbleistifte ragen Wolkenkratzer in den Himmel. Sie umschliessen einem Zaun gleich eine Altstadt, die aussieht als stamme sie aus einem Märchen. Es scheint, als würde hier die Zukunft die Vergangenheit umschliessen. In der Zwischenzeit kenne ich die Gegend wie meine Hosentasche und ich könnte jederzeit eine Landkarte zeichnen. Die steilen Berge im Süden, die Lagune mit dem knietiefen Wasser in dem sich die sonderlichsten Lebewesen tummeln, der breite Fluss, in dem immer viele Badende zu sehen sind und die Landzunge im Nordwesten mit den beiden kleinen Siedlungen, die durch eine Bahnlinie mit der Stadt verbunden sind.
Doch weiter bin ich noch nicht gekommen, denn bei der Stadt muss ich immer umkehren. Nicht weil der Sprit knapp wird – ich glaube der VW-Bus hat gar keinen Motor – sondern aus einem inneren Zwang. Die Stadt markiert für mich eine Grenze, die ich nicht überschreiten darf. So fliege ich denn jeweils eine Kurve um die Bleistiftkratzer, schaue sehnsüchtig zu den Bergen und auf die Landzunge und frage mich, was wohl dahinter liegt – weiter im Westen. Dann geht’s zurück zu meinem Dschungelflugplatz.
Ach ja, den Flugplatz erreicht man übrigens nur mit dem Zug. Dieser Zug fährt von Nirgendwo durch ein Traumtor und durch einen langen Tunnel bis zum Flugplatz. Es ist schwierig ein Ticket für diese Reise zu bekommen und meistens ist der Zug schon abgefahren, wenn man das Billet endlich in Händen hält. Denn der Mann am Schalter will Geld, das ich nicht habe – komische Münzen mit dem Bildnis eines unbekannten traurigen Königs – und dann muss ich ihm einen Scheck ausstellen - auf einem alten Notizblock. Und noch etwas ist eigenartig: Der Zug ist immer platschvoll und es gibt keine freien Sitzplätze. Aber wenn er am Ende des Tunnels am Flugplatz eintrifft ist er leer.

Der fliegende VW-Bus stammt wahrscheinlich aus einem Film, den ich einmal gesehen habe und ist nicht mehr, als ein ver-rücktes Werkzeug. Auch der Zug ist vermutlich nichts weiter als eine ver-rückte Eselsbrücke und könnte aus dem Lied „Ir Ysebahn“ von Mani Matter * stammen. Das fremde Land jedoch ist der wirkliche Traum und das grosse Rätsel. Irgendwo dort draussen existiert es, vielleicht in einem parallelen Universum oder in einer ferner Zukunft.

Mit geträumten Grüssen, Euer Traumperlenpilot

* www.manimatter.ch/index2.cfm

Bild: Von Mike

2007-02-21

Drachen und Engel

Von traumperlentaucher @ 07:56 [ Träume ]


Engel beschützen uns Menschen. Doch wer beschützt die Engel?
Es sind die Drachen! Die edelsten aller Urgeschöpfe. Drachen sind sogar gegen Dämonen gefeit. Denn sie sind hinabgetaucht in den Abgrund am Ende der Zeit. Sie haben die ewige Finsternis gesehen, sie wissen Bescheid. Auch in unseren Träumen leben Drachen. Sie bewachen die Tore, durch die wir nie gehen dürfen, sie behüten die Schätze, die wir nie sehen dürfen und sie beschützen unsere Engel. Drachen sind zwar fürchterliche Geschöpfe, niemand kann ihnen widerstehen und ihr Atem kann Tod und Verderben bringen, wenn man sie reizt. Doch ihr Anblick trügt.
Denn Drachen sind gefallene Engel. Engel die wieder auferstanden sind, nach ihrem Absturz in das dunkle Reich. Bleibt noch die Frage, wer denn die Drachen beschützt? Nun, ich denke Engel und Drachen beschützen sich gegenseitig, denn sie brauchen sich. Genauso wie bei uns Menschen.

Mit feurigen Grüssen, Euer Traumdrachentaucher

2007-02-20

Spiegelträume

Von traumperlentaucher @ 08:20 [ Träume ]


Der Fluss steckt voller Überraschungen. Immer wieder spülen Wirbel neue Dinge an die Wasseroberfläche. Aber auch das Treibgut birgt unzählige Überraschungen. Doch nichts kann einen mehr verblüffen als das Ufer.
In einem meiner letzten Träume verwandelte sich die vorbei ziehende Uferlandschaft in ein Spiegelkabinett. Anstelle der Weiden und Büsche und der Abschnitte mit weissem Sand standen plötzlich Spiegel am Ufer. Riesengrosse alte Spiegel, als hätte sie jemand gerade aus den Schlafgemächern eines Schlosses entfernt um damit seinen Schabernack zu treiben. Manche besassen einen barocken Goldrand oder waren mit filigranen Tüchern geschmückt.
Doch das Erstaunlichste waren die Szenen, die sich darin spiegelten. Nicht mein vorüber ziehendes Floss war zu sehen, ja nicht einmal der Fluss. Auch schienen die Bilder keinen Zusammenhang zu zeigen. Wild durcheinander spiegelten sich Bilder einer fernen Vergangenheit und einer noch ferneren Zukunft.
Ich ruderte wie verrückt mit einem Brett, das ich aus der Verkleidung meines Flosses gerissen hatte, denn ich wollte unbedingt näher zu den Spiegeln gelangen.
Doch was ich in den glänzenden Flächen zu sehen bekam, war nicht immer schön. Hier loderte eine Hexe auf einem Scheiterhaufen, dort spiesste ein Tempelritter einen Feind auf. Tiefstes Mittelalter. In einem anderen Spiegel schwebten zwei goldene Zeppeline über einer Stadt, deren Häuser sich an die Wände einer tiefen Felsenschlucht klammerten. Doch die erstaunlichste Spiegelung zeigte mir einen mächtigen Wasserfall. Es könnte diese Stromschnelle sein, dieser Bruch im Fluss der Zeit, der mich irgendwo dort vorne erwartet und dessen tiefes Brausen allgegenwärtig ist.

Mit verspiegelten Grüssen, Euer Traumspiegeltaucher

Bild: Von Mike

2007-02-19

Scheibenhonig

Von traumperlentaucher @ 14:36 [ Erinnerungen ]


Ich höre kaum mehr Radio, lese keine Zeitungen und gehe nicht mehr in die Kirche.
Alles was ich brauche, finde ich im Internet.
Zur Zeit der Rechenschieber, Röhrenradios und Röhrenhosen war das noch was anders. Ein Handy war ein Handsprechfunkgerät und ein Computer eine Maschine aus einem Science Fiction Roman. Da hörte man Nächte lang Radio und nahm die besten Stücke auf sein Spulentonband auf. Doch heute? Nichts als nerviges Gedudel und dazwischen sinnentleertes Palaver von ewig aufgestellten Typen, die den Eindruck erwecken, als müssten sie nächstens lachen und könnten doch nicht. Abgesehen davon wurden alle guten Melodien bereits mindestens einmal erfunden – Peak Music liegt schon lange hinter uns.
Auch die Märchen aus den Zeitungen brauche ich nicht mehr, seit ich weiss, dass die eine Hälfte gelogen und die andere irgendwo abgeschrieben ist. Ja, ja, ich weiss, heute heisst das öffentliche Meinungsbildung, früher nannte man es Propaganda. Natürlich ist es im Internet nicht besser, aber da muss ich wenigstens fürs Papier nichts bezahlen.
Einst war das anders: da konnte man das Papier noch auf dem Scheisshaus recyceln. Doch heute vertragen unsere Hintern die Druckerschwärze nicht mehr.
Ausserdem wurde jeder mögliche Satz sicher schon zigmal geschrieben. Das kann ich in der Zwischenzeit selber (s. Blog) – abgesehen vom Abschreiben, das ich bereits in der Schule gelernt habe.
Aber was ist mit der Kirche?
Nun, damit habe ich ziemlich früh aufgehört. Kurz nachdem man mich zwingen wollte in die Sonntagsschule zu gehen und im Anschluss daran in die Kirche um dort jedes Mal ein „Ticket“ zwecks Kontrolle abzugeben. Ich habe meine Tickets einem Senkloch anvertraut und seither habe ich meinen geistigen Frieden. Aber vielleicht liegt der Grund meiner Abstinenz auch darin, dass ich herausfand, dass der Pfarrer Wasser predigte und Wein trank – abgesehen davon schlug er zuhause seine Frau.

Also, das musste ich jetzt mal loswerden!
Prost, Euer Traumperlenprediger.

Bild: Von Mike, dem besten Fotografen der Karibik

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